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soul_calibur2

System:
Nintendo Gamecube

Genre:
Beat 'em up

Note: 2
SOUL CALIBUR 2

Ein Waffen-Beat'em up der Extraklasse, aber eigentlich nichts anderes als ein optisch aufgebohrter Aufguß eines Spiels, das es vor wenigen Jahren schon für die Dreamcast-Konsole von Sega gegeben hat.

Aber der Reihe nach.

In Soul Calibur 2 (SC2) habt ihr die Auswahl zwischen mehreren Spielmodi, 23 Kämpfern mit individuellen Kampfstilen, zahlreichen bunten Fantasy-Arenen und einer Vielzahl von Waffen, die ihr während des Spiels freischalten könnt. Durch Druck auf den entsprechenden Button deckt ihr eure Gegner mit Schlägen und Tritten ein oder blockt gegnerische Angriffe, zusammen mit dem Steuerkreuz führt ihr hohe oder tiefe Angriffe aus. Drückt ihr mehrere Tasten zur gleichen Zeit bzw. in einer bestimmten Reihenfolge, könnt ihr Würfe und effektvolle Schlagkombinationen ausführen. SC2 ist dabei kein "Buttonbasher" d.h. es bringt nichts, einfach nur wie wild auf den Tasten herumzuwämsen. Im Waffenmeister-Modus muß man nämlich bestimmte Aufgaben erfüllen, so kann man manche Kämpfe beispielsweise nur gewinnen, wenn man den Gegner zu Boden schleudert oder spezielle Techniken anwendet – und das muß man alles erstmal erlernen. Die Steuerung ist aber dennoch sehr einfach, man muß einfach die bei jedem Kämpfer anders ausgelegten entsprechenden Tastenkombinationen auswendig lernen und im richtigen Moment ausführen.

Eine spezielle Kampftechnik ist die "aktive Verteidigung". Blockt ihr einen Angriff im genau richtigen Moment, so gerät der Gegner ins Stolpern und ist leichter verwundbar. Eine andere Technik ist der "Soul Charge", durch den ihr euch quasi mit Energie aufladen und anschließend stärker zuschlagen könnt, solche Attacken sind dann unblockbar. Mit dem rechten Stick und bestimmten Tasten des Gamecube-Pads könnt ihr Button-Kombinationen einfacher ausführen, d.h. man muß für die Aktivierung einer Combo weniger Tasten drücken. Leute mit großen Händen und/oder dicken Fingern könnten übrigens mit dem etwas zu kleinen Steuerkreuz des Gamecube-Pads so ihre Schwierigkeiten kriegen...

Grafik (wahlweise kann man auf 60 Hz schalten) und Sound sind superb. Die Arenen und ihre Hintergründe strotzen nur so vor Details, ebenso die Figuren, die sich wahnsinnig schnell, flüssig und lebensecht bewegen. Von Polygonen sieht man hier rein gar nichts mehr. Die Texturen der Kleidung sehen plastisch aus, Kleidung und Haare bewegen sich realistisch. Während der Kämpfe gibt es herrliche Lichteffekte zu bewundern, Blut gibt es natürlich nicht zu sehen. Die weiblichen Kämpferinnen sind... hm... ziemlich gut bestückt und diese anatomischen Details bewegen sich dann auch noch fleißig... Die Gamecube-Version bietet Surround-Sound, den ich mangels Hardware nicht nutzen kann. Aber auch so klingen die klirrenden Waffengeräusche und der orchestrale Soundtrack sehr gut.

Die Kämpfe finden bei jedem Spielmodus in relativ eng begrenzten Arenen statt und man kann den Gegner auch über den Rand schubsen oder werfen – dann ist der Kampf sofort gewonnen. Eine darüber hinausgehende Interaktion mit der Umgebung gibt es nicht. Schafft ihr keinen solchen "Ring out", verringert ihr die Energieanzeige eures Gegners nach und nach durch eure Attacken. Wessen Anzeige zuerst völlig rot ist, der hat verloren. Damit das Spielgeschehen nicht zu zweidimensional erscheint (man rennt in aller Regel nur auf den Gegner zu oder weicht vor ihm zurück), kann man auch in die Tiefe bzw. den Vordergrund der Arena ausweichen und so um den Gegner herumtänzeln. Sprünge und andere artistische Einlagen kommen bei SC2 eher selten vor, sind aber durchaus möglich.

Neben den üblichen Spielmodi "Arcade", "Versus", "Time Battle", "Training" (sehr fein!) und "Time Attack" sorgt bei SC2 vor allem der "Waffenmeister"-Modus für Langzeitmotivation. Dies ist das Herzstück des Spiels für einen Einzelspieler. Auf einer Landkarte öffnen sich nach und nach zahlreiche Kapitel und Unterkapitel während eurer Suche nach dem geheimnisvollen Schwert Soul Edge. Wählt eine Mission aus, lest euch die Beschreibung durch (wie gesagt: Die Voraussetzungen für einen Sieg sind jedesmal anders) und schon kann’s losgehen. Für jeden Sieg – und sogar für jede Niederlage – erhaltet ihr Erfahrungspunkte und Gold. Während durch die Erfahrungspunkte bestimmte Goodies wie neue Charaktere und Arenen, neue Kostüme und "Museums-Modi" freigeschaltet werden, könnt ihr mit dem verdienten Gold vor allem Waffen kaufen. Und zwar Massen von Waffen. Jede hat spezielle Vorzüge und Nachteile, so sind manche angriffsstärker aber schlechter für die Verteidigung, manche verbessern eure Lebensenergie und manche haben eine bessere Reichweite. Die Anforderungen, die im Waffenmeister-Modus erfüllt werden müssen, können ganz schön nervenaufreibend sein, etwa wenn man mehrere Gegner hintereinander innerhalb eines knappen Zeitlimits zu besiegen hat oder wenn man die Kämpfe schon mit halb aufgezehrtem Energiebalken beginnen muß. Oder wie wäre es mit Kämpfen im Treibsand, bei Sturm oder gegen unsichtbare Gegner? Ich muß gestehen, daß bei meinen Wutausbrüchen mehrmals das Gamepad kurz vor der Verschrottung war...

Hat man den Waffenmeister-Modus einmal durchgezockt, dann kann man gleich nochmal von vorn anfangen, denn dann haben sich alle Missionen leicht verändert und sind vor allem schwerer geworden. Bestimmte Missionen könnt ihr sogar erst dann spielen, wenn ihr eine hohe Zahl von Erfahrungspunkten gesammelt habt. Dadurch und durch die Vielzahl von Dingen, die ihr freispielen oder kaufen könnt, motiviert euch SC2 wesentlich länger zum Zocken als jedes andere mir bekannte Prügelspiel.

Das Spiel ist sowohl für Gamecube als auch für X-Box und Playstation 2 erschienen. In jeder Version gibt es einen exclusiven Bonus-Charakter. Bei der Gamecube-Version ist es Link, der Held aus der Zelda-Reihe, und das war für mich kaufentscheidend. Link kann sogar einige seiner alten Spezialwaffen einsetzen.

Lehnt euch zurück und bestaunt die verschiedenen Demonstrationen, die ihr freigespielt habt, im "Museum"-Modus. Dazu gehören u.a. selbstablaufende Kampfstildemonstrationen aller Kämpfer, Schaukämpfe, Charakterprofile und Beschreibungen aller Waffen.

Wo viel Licht ist, da ist auch ein wenig Schatten. Zunächst mal ist zu bemängeln, daß es nach einer gewonnenen Arcade-Runde und nach Abschluß des Waffenmeister-Modus keinen Abspann-Film gibt, man kann lediglich ein Standbild bewundern und Text lesen. Langweilig. Der andere Kritikpunkt ist nur für Leute gedacht, die schon Soul Calibur auf Dreamcast gespielt haben. Die brauchen diesen zweiten Teil nämlich nicht wirklich, denn im Vorgänger ist praktisch alles schonmal dagewesen. Es gibt keine nennenswerten Änderungen bei Steuerung, Gameplay und in den Spielmodi, es sind lediglich neben alten Bekannten auch neue Charaktere vorhanden, neue Arenen und Waffen natürlich und leicht abgewandelte Missionen. Die Grafik der Figuren sieht jetzt besser aus. Ich bilde mir aber ein, daß einige Arenatexturen und Grafikeffekte bei der Dreamcast-Version sogar schöner waren. Bemängeln muß ich auch den Schwierigkeitsgrad, der im zweiten Durchgang des Waffenmeister-Modus schon ziemlich knackig, eigentlich sogar unfair ist.

Betrachtet man SC2 losgelöst vom Vorgänger, dann ist es ein geniales, lange motivierendes Beat’em up. Das kann man nicht leugnen und deshalb gibt es die Note "Gut".

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