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silent_hill4

System:
Sony
Playstation 2

Genre:
Horror-Adventure

Note: 4+
SILENT HILL 4 - THE ROOM

Story
Die kleine Stadt Silent Hill ist ein Ort voller Geheimnisse, an dem dunkle Riten praktiziert werden, durch die schon so mancher unglückliche Zeitgenosse in den Wahnsinn getrieben worden ist. Bisher waren die alptraumhaften Ereignisse, mit denen sich die Helden der gleichnamigen Spielserie herumschlagen mussten, immer auf den Ort Silent Hill begrenzt. Jetzt jedoch erwischt es Henry Townshend, und der lebt ganz woanders. Eines Tages stellt er fest, dass die Tür seiner Zweizimmerwohnung versperrt ist. Schwere Ketten wurden kreuz und quer davor gespannt – und zwar von innen! Auch die Fenster lassen sich nicht öffnen, das Telefon ist tot, der Fernseher gibt nur weißes Rauschen von sich. Durch den Türspion kann er zwar sehen, wenn jemand draußen auf dem Flur steht, aber wenn er dann an die Tür hämmert und um Hilfe ruft, scheint niemand es zu hören. Henry ist also von der Außenwelt abgeschnitten. Außerdem plagen ihn immer wieder Kopfschmerzen und furchtbare Alpträume, in denen er sieht, wie furchtbare Kreaturen sich durch die Wände seines Zimmers quetschen. Eines Tages, der Kühlschrank ist schon ziemlich ausgeräumt, entdeckt Henry im Badezimmer ein seltsames Loch in der Wand, das sich in die Unendlichkeit zu erstrecken scheint und aus dem unheimliche Stimmen hervordringen. Als Henry in dieses Loch hineinkriecht, wird er in eine Odyssee durch bizarre Welten hineingezogen, wo er von widerlichen Kreaturen und Geistern verfolgt wird. Allmählich kommt er dahinter, dass ein eigentlich längst verstorbener Serientäter namens Walter Sullivan, eine von der Satans-Sekte aus Silent Hill aufgezogene Waise, offenbar immer noch dabei ist, sein grausiges Werk zu verrichten…

Gameplay/Steuerung
Wie schon Silent Hill 3 beginnt auch der vierte Teil der Serie (ich nenne ihn in dieser Review nur SH4) damit, dass ihr euch mitten im Alptraum des Helden befindet und nicht viel machen könnt, bevor die eigentliche Handlung beginnt. Ihr findet euch dann in Henrys Wohnung wieder und werdet schnell feststellen, dass es einige gravierende Veränderungen gegenüber den ersten drei Spielen der Serie gibt. In der Wohnung steuert ihr Henry nämlich aus der Egoperspektive. Bekommt ihr einen interaktiven Gegenstand in euer Blickfeld, so erscheint ein kleines Augensymbol. Dann könnt ihr durch Betätigen der X – Taste bestimmte Aktionen auslösen, z.B. eure Inventarkiste verwalten und den Spielstand speichern. Moment mal… Inventarkiste? Ja, ihr habt richtig gehört. Dieses nützliche, aus der Resident Evil – Reihe bekannte Utensil hat jetzt auch den Weg nach Silent Hill gefunden. Warum? Ganz einfach: Weil ihr jetzt nur noch 10 Gegenstände gleichzeitig mit euch herumschleppen könnt! Das ist besonders ärgerlich, da Verbrauchsobjekte wie z.B. Munition nicht addiert werden. D.h. jede Munitionsschachtel, die ihr findet, verbraucht einen Slot im Inventar. Überlegt euch also gut, was ihr mitnehmt, denn ihr könnt Gegenstände nicht wieder ablegen, um Platz im Inventar zu schaffen. Wenigstens kann man jeden Inventargegenstand im laufenden Spiel über Steuerkreuz und Quadrat-Taste direkt auswählen, ohne erst einen Menübildschirm öffnen zu müssen. Da es nur in Henrys Zimmer eine Inventarkiste gibt und da ihr nur hier speichern könnt (so oft ihr wollt übrigens), werdet ihr sehr häufig dorthin zurückkehren müssen. Zum Glück ist das meistens kein großes Problem, denn in den Welten außerhalb der Wohnung sind immer wieder Eingänge zu den "Verbindungstunnels" zu finden, über die ihr zurückkehren könnt. Allerdings könnt ihr nicht zwischen den verschiedenen Ausgängen wählen; ihr werdet von der Wohnung aus immer dorthin zurückteleportiert, wo ihr zuletzt gewesen seid.

Damit kommen wir zu einem wesentlichen Aspekt von SH4: Die Wohnung ist Dreh- und Angelpunkt des ganzen Spiels und euch soll der Eindruck des Eingesperrtseins vermittelt werden. Ich muss sagen, dass das ganz gut funktioniert. Man wird quasi in die Rolle des Voyeurs gedrängt, wenn man nichts anderes machen kann, als durch den Türspion zu gucken (das solltet ihr ruhig öfters mal tun, draußen spielt sich immer was anderes ab), die Nachbarin durch einen Riss in der Wand zu beobachten oder aus dem Fenster in die Zimmer des gegenüberliegenden Wohnblocks zu starren. Rätselhafte Botschaften werden unter der Tür durchgeschoben – die dürft ihr nicht ignorieren, sonst geht es mit der Story nicht weiter. Auch sonst wird die Wohnung gut in die Handlung eingebettet, denn manchmal müsst ihr dort etwas Bestimmtes mit Gegenständen anstellen, die ihr in den "anderen Welten" gefunden habt. Später dringen Geister in die Wohnung ein, die euch Schaden zufügen können, wenn ihr sie nicht mit "Heiligen Kerzen" bekämpft. Dann ist es aus mit der vermeintlich sicheren Zuflucht… A propos Schaden: In der ersten Hälfte des Spiels wird eure Lebensenergie automatisch wieder aufgefüllt, wenn ihr in die Wohnung zurückkehrt. In der zweiten Hälfte geschieht das leider nicht mehr.

Das Loch in der Wand ist wie gesagt der einzige Weg, die Wohnung zu verlasen und das ist meine Überleitung zur zweiten großen Neuerung: Während ihr in den früheren Spielen nach und nach ein großes Areal "freigespielt" habt und jederzeit an fast jeden Ort zurückkehren konntet, gibt es in SH4 sozusagen eine Levelstruktur. Hat man in der ersten der 5 Parallelwelten, in die man durch das Loch teleportiert wird, alle Aufgaben erledigt, folgt eine Zwischensequenz, nach deren Ende ihr euch in der Wohnung wiederfindet. Das Loch führt dann nur noch in die zweite Welt – und so fort. Ihr könnt nicht in vorherige Welten zurückkehren, jedenfalls nicht freiwillig. In der zweiten Hälfte des Spiels seid ihr gezwungen, 4 dieser Welten noch einmal durchzukämmen – das ist "Level-Recycling" der übelsten Art, denn ihr findet dort dann nur ein paar mehr Monster vor und bekommt ansonsten kaum etwas neues zu sehen oder zu tun. In den Parallelwelten steuert ihr Henry übrigens in der bekannten 3rd-Person-Perspektive, wobei besonders nervt, dass man die oft ungünstig positionierte Kamera immer noch nicht frei justieren kann. Auch sonst hat sich an der gewohnten Steuerung so gut wie nichts geändert. Dumm nur, dass der Schwerpunkt von SH4 weg von den Rätseln und hin zum Monsterschnetzeln verlagert wurde, denn für derartige Action ist die träge Steuerung nicht wirklich geeignet. Wie schon in den Vorgängern müsst ihr genau im richtigen Winkel vor einem Gegenstand o.ä. stehen, damit Henry mit ihm interagieren kann. Das nervt, wenn man gleichzeitig von einer fiesen Kreatur angegriffen wird und eigentlich schnell weglaufen möchte. In der zweiten Spielhälfte habt ihr auch noch eine Begleiterin dabei, die ihr beschützen müsst. Kleiner Tipp: Hängt das Mädel einfach ab! Durchschreitet ihr nämlich eine Tür, wenn sie nicht in eurer Nähe ist, dann bleibt sie stehen und folgt euch nicht mehr. Das macht die Sache viel einfacher.

Ihr habt es also mehr als früher mit diversen Gegnern zu tun. Das Monsterdesign ist krank wie immer, besonders lustig fand ich die langen Lulatsche, die allen Ernstes rülpsen, wenn man ihnen eins überzieht. Leider erreichen die Monster nicht die verstörende Qualität der früheren Spiele und bis auf den finalen Endgegner kann man alle durch hirnloses draufhauen erledigen. Neu sind schwebende Geister, die Henry in manchen Arealen verfolgen, sogar Wände durchdringen können und ihm selbst dann Lebensenergie absaugen, wenn sie ihn gar nicht berühren. Dagegen helfen nur besondere Amulette, die aber nach einiger Zeit zerbrechen. Die Geister sind schwer bzw. gar nicht zu besiegen, sie erheben sich immer wieder – es sei denn, man nagelt sie mit einem der sehr seltenen "Schwerter des Gehorsams" am Boden fest. In der zweiten Hälfte des Spiels begegnet Henry auch des Öfteren seiner Nemesis Walter Sullivan. Der ist besonders stark und noch schwerer zu bekämpfen als die Geister. Man kann ihn ohnehin nur vorübergehend außer Gefecht setzen, er taucht unerbittlich wieder auf. Auf die Dauer nerven all diese Angriffe und so wird man (wenn man allein ist) lieber wegrennen als kämpfen. Dabei nimmt man aber mit ziemlicher Sicherheit Schaden, zumindest wenn man es mit Walter zu tun hat. Das Waffenarsenal nimmt sich bei diesen vielen Gegnern eher kümmerlich aus: Ganze zwei Schusswaffen, ansonsten nur diverse Stangen, Äxte und Golfschläger (!), zum Glück sind die Nahkampfwaffen aber erheblich schlagkräftiger als früher. Die meisten Gegner stellen sich mangels KI ohnehin so blöd an, dass sie auch im Nahkampf gut kleinzukriegen sind. Das klappt nur dann nicht, wenn sie in Gruppen auftreten…

Sehr wichtig für Spiele dieser Serie sind die morbide Atmosphäre und die fesselnde Story. Beides ist wieder vorhanden, aber nicht in so genialer Form wie in den anderen Teilen. Mir fehlen besonders die allgegenwärtige Dunkelheit bzw. der Nebel, die Taschenlampe und das Radio. Auch sonst ist das ganze Ambiente für meinen Geschmack einfach nicht gruselig oder wenigstens "schräg" genug. Die Umgebungen sind mir zu "sauber", zu normal und zu hell – man hat nicht mehr so häufig das Gefühl, dass man sich in einer völlig verdrehten dämonischen Dimension des Grauens befindet. Wenigstens sind die Soundeffekte immer noch so schaurig, wie man es aus den früheren Teilen kennt und auch die (englische) Sprachausgabe kann Pluspunkte für sich verbuchen. An der Story gibt es wiederum nicht das Geringste auszusetzen. Nach und nach fügen sich die Puzzlestückchen zusammen und wer genau aufpasst, wird überall auf Anspielungen und Hinweise stoßen, die mit den vielen Notizen, Tagebucheinträgen usw. zusammenhängen, welche man mit der Zeit so findet. Die Story ist also durchaus spannend, das Problem dabei ist nur, dass man sich kaum mit Henry identifizieren kann. Anders als vor allem Heather aus Silent Hill 3 reagiert er kaum auf das, was sich um ihn herum abspielt. Er wirkt seltsam emotionslos, als ob er gar nicht richtig wach wäre. Aber vielleicht ist ja auch das Absicht? Jedenfalls erfährt man so gut wie nichts über Henry, er bleibt eine völlig austauschbare Figur.

Der Umfang ist mit ca. 9 Stunden (gespeicherte Zeit bei meinem ersten Durchgang) nicht gerade berauschend. Hat man das Spiel einmal durch – je nach Erfolg bekommt man 4 verschiedene Endsequenzen zu sehen – kann man mit Extras wie zusätzlichen Kostümen oder neuen Waffen noch mal von vorn anfangen. Aber ganz ehrlich: Dafür reicht bei mir die Motivation absolut nicht aus.

Grafik
Zur Grafik nur soviel: Sie kann mit dem Vorgänger zwar mithalten, aber das Potential, das in ihr steckt, wird nicht ausgereizt. Irgendwie sieht alles ziemlich gleich, grau und detailarm aus, die Abwechslung lässt sehr zu wünschen übrig. Von einzelnen Ausnahmen einmal abgesehen. Die schönen und detailreichen Charaktere mit ihren lebensechten Animationen gehören zu diesen positiven Ausnahmen. Vor allem fehlt aber der für die Spiele dieser Reihe so typische Look des allgegenwärtigen Verfalls. Von den herrlichen Licht-/Schatten-Effekten des dritten Teils ist auch praktisch nichts mehr zu sehen.

Fazit
Ihr seht: Silent Hill 4 unterscheidet sich in vielen Punkten von den früheren Spielen, leider fast nur in negativer Weise: Zu wenig Rätsel, zu viel Monsterhatz, zu viele Wiederholungen in den Levels. Die geniale Story und die noch akzeptable Atmosphäre retten das Spiel noch so eben vor einer ganz schlechten Wertung.

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