Zurück zu den Spielen

Silent Hill Downpour

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Horror-Adventure

Note: 3-
SILENT HILL: DOWNPOUR

Nach dem enttäuschenden Silent Hill Homecoming hatte ich für den inzwischen achten Teil der Reihe wenig Hoffnung. Zuviel Action, zu wenig Atmosphäre haben Homecoming zu einem Spiel gemacht, das den Namen Silent Hill nicht verdient. Ich hatte die Befürchtung, diese Abwendung von bewährten Stärken sei nicht wieder rückgängig zu machen. Leider hat mich Downpour tatsächlich nicht begeistert, aber aus anderen als den befürchteten Gründen.

Story und Atmosphäre

Mit der Hilfe des korrupten Polizisten George Sewell tötet Murphy Pendleton im Gefängnis den Mörder seines Sohnes. Pendleton schuldet Sewell somit einen Gefallen. Einige Zeit später soll Pendleton in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt werden. In der Nähe der Stadt Silent Hill kommt der Gefangenentransporter von der Straße ab und stürzt einen Abhang hinunter. Nur Pendleton und die junge Polizistin Anne Cunningham überleben. Cunningham stürzt jedoch kurz danach in eine Schlucht.

Pendleton ist also frei, aber die Freiheit erweist sich als trügerisch, denn aus Silent Hill scheint es kein Entkommen zu geben. Alle Ausfahrtsstraßen enden vor unermesslich tiefen Abgründen, andere Straßen sind durch Barrikaden versperrt. Es sieht so aus, als sei die Stadt schon vor Jahren von allen Bewohnern verlassen worden. Pendleton sucht nach einem Ausweg, wobei er den Spuren eines Rollstuhls folgt. Bald stellt er fest, dass in Silent Hill etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Verschiedene grauenerregende Kreaturen machen die Straßen unsicher. Ein Briefträger erscheint, macht geheimnisvolle Andeutungen und verschwindet spurlos. Die tot geglaubte Polizistin taucht plötzlich wieder auf und verfolgt Pendleton. Plötzlich löst sich die Umgebung buchstäblich auf und verwandelt sich in eine bizarre Gegenwelt aus seltsamen rostigen Eisenkonstruktionen, blutverschmiertem Stacheldraht und pulsierenden Wänden, in der Pendleton von einer gestaltlosen Entität bedroht wird, die ihn verschlingen will...

Das klingt vertraut? Ist es auch. Wer nach Silent Hill kommt, der hat die Realität bereits verlassen und befindet sich in einer unwirklichen Dimension - möglicherweise in der Welt seines eigenen Geistes oder in der Hölle, wo er für seine Sünden büßen muss. Wie in jedem Spiel der Reihe übernehmt ihr die Steuerung eines neuen Protagonisten, und wie üblich wird die Story in Cutscenes und Dokumenten fortgeführt. Dialoge, d.h. solche mit unterschiedlichen Antwortoptionen, sind nicht vorhanden. Downpour orientiert sich, was Story und Atmosphäre angeht, an älteren Spielen der Reihe, und das ist der größte Pluspunkt. Im Gegensatz zu Homecoming kann man sich endlich wieder richtig schön gruseln in der düster-stimmungsvollen, im Nebel versinkenden Kleinstadt und in der "Anderswelt". Wahn und Wirklichkeit vermischen sich, es tauchen immer wieder überraschende Schockeffekte auf, und beim ersten Wechsel ins "andere" Silent Hill ist Gänsehaut garantiert. Leider kann man in der "Anderswelt" nichts tun, als vor einer Art Schwarzem Loch zu fliehen, das alles in sich hineinsaugt. Man muss schnell sein, die richtigen Abzweigungen wählen und tödlichen Hindernissen ausweichen. Gerät man in eine Sackgasse, wird Pendleton von dem Schwarzen Loch eingeholt und verschlungen - Game Over. Leider nervt diese Hektik bei der x-ten Wiederholung nur noch.

Die Story bleibt bis zum Schluss sehr rätselhaft. Anfangs weiß man noch nicht einmal, wer Pendleton eigentlich ist. Nur ganz langsam begreift man, was in seiner Vergangenheit geschehen ist, warum Cunningham ihn so hartnäckig verfolgt und welche Rolle Sewell bei alldem spielt. Das Ganze ist spannend inszeniert, so dass die Motivation zum Weitermachen trotz der Schwächen des Spiels hoch bleibt. Am Ende werden zwar nicht alle Fragen beantwortet (vor allem bleibt der titelgebende Regen ein eher sinnloses Feature), trotzdem kann man feststellen: Der Trip war nicht schlecht. Je nachdem, welche Entscheidungen man im Spielverlauf getroffen hat, bekommt man vier (beim erneuten Durchspielen fünf) verschiedene Endsequenzen zu sehen. Nur wenn Pendleton niemanden tötet und ein gutes Herz beweist, kann er endgültig aus Silent Hill entkommen.

Rätsel und sonstiges Gameplay

Downpour bietet das altbekannte Spielprinzip: Man durchsucht die Straßen Silent Hills und die relativ wenigen begehbaren Gebäude nach Hinweisen und Quest-Items, Schlüsseln, Waffen, Munition und Medipacks, wobei man schnell feststellt, dass die vermeintlich große Stadt aufgrund der Abgründe, Absperrungen und unpassierbaren Bereiche kleiner ist als gedacht. Die meisten Wohnungen sehen sich zudem sehr ähnlich. Leider müssen beim Betreten und Verlassen von Gebäuden unschöne Ladezeiten ertragen werden. Pendletons Hauptaufgabe besteht natürlich darin, aus der Stadt zu entkommen. Immer wieder erhält er Botschaften, die ihn darauf hinweisen, welchen Ort er als nächstes aufsuchen muss, damit es mit der Story weitergeht. Ab und zu müssen verschiedene Schalter-, Schiebe-, Puzzle- oder Kombinationsrätsel gelöst werden, so dass die kleinen grauen Zellen was zu tun bekommen. Da es meist Hinweise in ausreichender Menge gibt, ist die Lösung in der Regel kein größeres Problem. Schlimmstenfalls probiert man einfach alle Objekte im Inventar durch, bis irgendwas passiert. Ein viel größeres Problem ist die Speicherfunktion. Manuelles Speichern ist nicht möglich! Savegames werden nur beim Erreichen bestimmter neuer Areale oder beim Erfüllen bestimmter Aufgaben automatisch angelegt. Und diese Savegames sind keineswegs fair verteilt, so dass man manche Situationen immer und immer wieder durchlaufen muss.

Es sind zwar zahlreiche Nebenquests vorhanden, aber die strecken das ansonsten relativ kurze Spiel nur ein wenig. Einen anderen Nutzen haben sie nicht. OK, man findet im Verlauf einer Nebenquest mal Munition oder so, aber das war's auch schon. Da es keine wertvollen Belohnungen gibt, lohnt sich das Lösen der Nebenquest-Rätsel nicht, und deshalb habe ich sie bald links liegen gelassen. An einzelnen durch Codes gesicherten Türen bin ich gänzlich gescheitert. Kein Wunder: Hier muss man Ziffernfolgen eingeben, die man nur durch die Vorbestellung des Spiels erhalten konnte! Kennt man die Codes, erhält man, soweit ich weiß, besondere Waffen.

Kämpfe und Waffen

Hier und da lungern Monster rum, denen man ausweichen oder die man bekämpfen muss. Geht ein Wolkenbruch nieder, dann werden die Monster etwas aggressiver. Sie verlieren Pendleton aber schnell aus dem Blick, wenn er flieht, und zum Glück wird diesmal sehr viel weniger Wert auf Action und Kämpfe gelegt als in Homecoming. Es soll theoretisch möglich sein, während des ganzen Spiels kein einziges Monster zu töten, aber immer wieder kommt man in Situationen, in denen man einem Kampf nur sehr schwer oder gar nicht ausweichen kann. Dann wird überdeutlich, wie unkomfortabel die Steuerung ist. Muss man schon beim Aufsammeln von Gegenständen direkt vor dem interaktiven Objekt stehen, und zwar im genau richtigen Winkel, weil die X-Taste sonst nicht aktiv wird, so arten die Kämpfe in wildes Gefummel aus. Pendleton kann schlagen und schießen oder blocken. Beim Angriff kann er aber keinen Gegner anvisieren und beim Blocken kann er sich nicht bewegen. Dauernd dreht er sich von selbst in die völlig falsche Richtung, so dass Schüsse und Hiebe daneben gehen. Plötzlich legt dann oft noch die Kamera einen unmotivierten Schwenk ein, so dass man den Gegner gar nicht mehr sehen kannů Diese extrem hakelige Steuerung ist ein wirklich großer Schwachpunkt, sie macht selbst den Kampf gegen einzelne Gegner zu einem Geduldsspiel. Wenn mehrere Gegner angreifen, ist das Chaos nicht mehr zu ertragen.

Hinzu kommt, dass Waffen nicht unendlich haltbar sind. Nach einigen Schlägen oder Blocks zerbrechen sie - und das gilt auch für Schusswaffen, wenn man mit diesen zuschlägt! Schlagwaffen sind überall zu finden: Hämmer, Spaten, Brecheisen, Flaschen, Steine und dergleichen mehr lassen sich für dem Kampf einsetzen. Schusswaffen sind sehr, sehr viel rarer - also sollte man sie lieber nicht zum Draufhauen verwenden, wenn man keine Munition mehr hat. Dummerweise kann man keine weitere Waffe aufheben, wenn sich erst einmal je eine Pistole und eine Flinte im Inventar befinden. Will sagen: Man kann dann durchaus z.B. noch eine Axt aufheben, muss dafür aber eine der beiden Schusswaffen fallen lassen. Was für ein Unsinn! Warum kann Pendleton die Pistole nicht einfach in den Gürtel stecken?

Pendleton verkraftet nur wenige Treffer. Eine Gesundheitsanzeige gibt es nur in den jederzeit aufrufbaren Statistiken, aber nach jedem Treffer wird die Kleidung blutiger, Pendletons Haltung schmerzverkrümmter. Außerdem beginnt das Gamepad zu vibrieren. Medipacks schaffen Abhilfe. Sparsamkeit ist nicht unbedingt von Nöten, denn man findet viel Nachschub. Außerdem kommt der allseits "beliebte" Moment, in dem man sämtliche mühsam gehorteten Ausrüstungsgegenstände verliert, nicht nur einmal vor, sondern mindestens dreimal! Da es nur einen Endboss gibt, den man ohnehin nicht mit den üblichen Waffen bekämpft, kann man sich vorher relativ bedenkenlos austoben.

Grafik und Sound

Die altmodische Grafik wird niemanden hinter dem Ofen hervorlocken: Matschige, detailarme Texturen, eckige Animationen, Ruckler und Tearing, Kantenflimmern und Stufenbildung, Pop-ups und Clippingfehler - das ist selbst im Vergleich mit dem viel älteren Homecoming ein deutlicher Rückschritt. Fairerweise muss ich aber zugeben, dass die Grafik zumindest ihren Zweck erfüllt, besonders in der schrägen "Anderswelt". So manche Effekte, wie zum Beispiel die bereits erwähnte eigenartige Wesenheit, in deren Nähe sich alles auflöst, sowie Licht und Schatten sind durchaus gut gemacht.

Das Monsterdesign ist ein bisschen einfallslos. Man begegnet hauptsächlich "weiblichen" Figuren, die Pendleton mit Klauenhänden und lähmenden Schreien attackieren, sowie "männlichen" Figuren, die oft mit Messern bewaffnet sind. Dann gibt es noch große bleiche Kreaturen, die vorwiegend in einem Bergwerk hausen und sich von Decken fallen lassen. Am Ende kommen mit den "Juggernauts" (mutierte Knackis mit freiem Oberkörper und Tattoos) sehr starke Kontrahenten hinzu. Der riesige Endgegner ist wieder ein Musterbeispiel für kranke Ideen: Die gewaltige, verkrümmte Kreatur sitzt in einem Rollstuhl und ist mit vier Lebenserhaltungssystemen verbunden, die nacheinander ausgeschaltet werden müssen...

An der Vertonung gibt's nichts zu meckern. Professionelle Sprecher (ausschließlich englische Sprachausgabe!), ein einprägsamer Soundtrack und die Silent Hill - typische beunruhigende Geräuschkulisse können überzeugen. Das Lied "Born Free" von Frank Sinatra, das mehrmals in ungewöhnlichen Situationen zu hören ist, hat sich derart in meine Gehörgänge gebrannt, dass ich die MP3-Datei bei Amazon heruntergeladen habe...

Downpour kann im 3D-Modus wiedergegeben werden. Mangels Hardware kann ich zu diesen Effekten aber nichts sagen.

Fazit

Die Bewertung fällt mir wirklich schwer. Die Story ist verzwickt und spannend, die Atmosphäre ist schön düster und makaber. Die Gefühle der Verzweiflung und Ausweglosigkeit werden gut vermittelt. Die Rückbesinnung auf diese alten Stärken der Silent Hill - Spiele ist also gelungen. Aber warum musste die Steuerung so unnötig buggy und kompliziert sein wie in den ersten, mehr als zehn Jahre alten Titeln der Reihe? Hätte man die Nebenquests nicht sinnvoller integrieren können? Warum ist die Grafik derart unansehnlich und wieso darf man nicht manuell speichern? Das ist alles absolut nicht zeitgemäß und mindert den Spielspaß doch recht stark.

Somit bleibt es bei der wohlwollenden Note 3-

J. Kreis, 24.05.2012





Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)




Seitenanfang