Zurück zu den Spielen

Schlacht um Mittelerde

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 0
DER HERR DER RINGE - DIE SCHLACHT UM MITTELERDE

Dies ist das erste Spiel, zu dem ich eine Review schreibe, obwohl ich es noch gar nicht durchgezockt habe. Es kann also durchaus sein, dass hier einiges nicht erwähnt wird, was für eine vollständige Review wichtig wäre. Warum mache ich das? Weil ich nach ca. 10 Missionen der Einzelspielerkampagne einfach keine Lust mehr hatte, so dass ich es kurzerhand wieder deinstalliert habe. Eine Noten-Bewertung ist deshalb nicht möglich, aber für mich war dieses Spiel eine der größten Enttäuschungen des Jahres 2004, wenn nicht die größte überhaupt. Dabei war ein so großes Potential vorhanden. Schließlich bietet das Herr der Ringe – Universum eine breite Palette unterschiedlichster Völker, Ungeheuer, Landschaften und Abenteuer und für einen großen Wiedererkennungswert sorgt schon die Tatsache, dass man sich beim Design des Spiels an der Verfilmung von Peter Jackson (incl. Soundtrack) orientiert und einige der Original-Synchronsprecher hinzugezogen hat. Zudem stammt das Spiel aus der gleichen Softwareschmiede, der wir auch die extrem suchterzeugenden Genreklassiker der Command & Conquer – Reihe zu verdanken haben. Eigentlich hätte man nach alldem (auch angesichts der recht langen Entwicklungszeit, die das Spiel hinter sich hat) einen Spitzentitel erwarten können, den man gar nicht wieder verlassen möchte. Leider ist nichts davon eingetreten.

Zur Story muss ich eigentlich nichts mehr sagen. Wer die Geschichte des Romans und der Filme noch nicht kennen sollte, der kann hier meine Film-Reviews lesen. Man spielt einige der wichtigsten Szenen nach, wobei die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt als gewohnt: Gandalf überlebt z.B. den Kampf gegen den Balrog und auch Boromir darf nach der Entführung der Hobbits weiterleben. Die Story wird in kurzen Filmsequenzen mit Ingame-Grafik zwischen den Missionen und mit kurzen Einspielungen von Original-Filmszenen während der Missionen fortgeführt. Außerdem kann man auch auf Saurons Seite spielen, so dass die Handlung natürlich einen völlig anderen Verlauf nimmt. Man hat aber nie wirklich das Gefühl, wirklich in der Geschichte zu sein, eigentlich wird nur eine beliebige Mission nach der anderen abgespult. Spielbare Tutorials gibt es nicht.

Steuerung / Gameplay

Die Schlacht um Mittelerde soll ein Echtzeit-Strategiespiel sein. Na ja, lassen wir das mal gelten, obwohl praktisch alle Elemente, die für Strategiespiele wichtig sind, viel zu kurz kommen. Wahrscheinlich wurden hier Abstriche gemacht, weil das Spiel nicht nur von Fans des Strategiespiel-Genres gekauft werden sollte, sondern auch von Leuten, die sowas noch gar nicht kennen. Entsprechend simpel ist daher das Gameplay ausgefallen. Auf einer zugegebenermaßen schön gestalteten und teilweise animierten Weltkarte von Mittelerde wählt man die Regionen und somit die Missionen aus, in denen man spielen möchte. Dabei ist man nicht frei, denn "höhere" Missionen werden erst nach und nach freigeschaltet. Manchmal ist die nächste Mission auch fest vorgegeben. Zum Teil werden die überlebenden Truppen aus einer Mission in die nächste übernommen – wenn man nicht aufgepasst und eine Mission nur knapp mit einem kleinen Häuflein Soldaten beendet, wird der nächste Feldzug deutlich schwerer. Während einer Mission steuert man das Geschehen mit der Maus und wenigen Menüs, die teilweise wie Kontextmenüs funktionieren. Klickt man z.B. einen Stellplatz an (siehe "Basisaufbau"), öffnet sich ein Menü mit den verfügbaren Gebäuden, die man hier errichten kann. Klickt man einen Helden an, öffnet sich in einer Bildschirmecke eine Übersicht seiner in Buttons angeordneten Spezialfähigkeiten. Die Buttons sind um eine runde Mini-Map gruppiert. Diese kleine Karte wird manchmal von kleinen Filmclips überlagert – das kann ganz schön ärgerlich sein, wenn man in dem Moment lieber sehen würde, aus welcher Richtung der Gegner kommt…

Basisaufbau
Basen kann man nur an fest vorgegebenen Bauplätzen unterschiedlicher Größe errichten. Dort hat man dann ein paar vordefinierte Stellplätze für die wenigen Gebäude, die zur Verfügung stehen. Sind alle Stellplätze ausgenutzt, ist es vorbei mit dem Basisaufbau und man muss einen neuen Bauplatz auf der Karte finden, der natürlich auch wieder gesondert zu verteidigen ist. Dabei fällt unangenehm auf, dass man keine Mauern ziehen kann und dass die Verteidigungsanlagen (Türme – mehr nicht) viel zu schwach sind, so dass man keine Basis sich selbst überlassen kann. Wenn man auf mehrere Siedlungen aufpassen muss, dann artet das regelmäßig in wildes Hin- und Her- Springen und ständiges Verlegen von Streitkräften aus… Zudem kann man Türme sowieso nur in Festungen und – klar – nur auf den vorgegebenen Stellplätzen bauen. Kleinere Bauplätze bieten noch nicht einmal diese Möglichkeit! Die zu bauenden Gebäude unterscheiden sich von Volk zu Volk nur im Aussehen, die Funktionen sind im wesentlichen gleich. Wenn in einem Gebäude viele Einheiten erzeugt worden sind, dann steigt es eine Stufe auf, wodurch verschiedene Upgrades für die Soldaten usw. verfügbar werden. Die Auswahl an Gebäuden ist ziemlich klein. Dumm auch, dass es in den Basen recht eng ist – möchte man ein paar Soldaten hindurchlenken, kann das zu einem Geduldsspiel werden. Missionen, in denen dieser rudimentäre Basisaufbau zur Verfügung steht, laufen fast immer gleich ab. Rasch alle Bauplätze finden und eine gemischte Armee aufstellen, sich gleichzeitig gegen die unausgesetzten Angriffe von Gegnermassen wehren und so schnell wie möglich alle Bauplätze des Gegners plätten. Manchmal reicht es auch schon, den Gegner mit den Einheiten zu überrennen, die am Beginn der Mission zur Verfügung stehen. Gähn…

Rohstoffverwaltung
Vergessen wir’s. Man baut Farmen bzw. Sägewerke, die sorgen für Nachschub. Das ist alles. Es gibt keine auf der Karte verteilten Rohstoffquellen, die man finden und erobern müsste, es gibt keinen Handel oder ähnliches – hier und da liegen lediglich Schatztruhen herum, die man aufsammeln kann, wodurch das Rohstoffkonto erhöht wird.

Einheiten / Upgrades
Mit dem erwirtschafteten Geld werden Soldaten und Upgrades für selbige gekauft. Auch die Soldaten können, wenn sie längere Zeit überleben und erfolgreich kämpfen, in höhere Levels aufsteigen. Dadurch erhöht sich z.B. ihre Kampfkraft. Die Einheitenzahl ist begrenzt, fast alle Soldaten werden nicht einzeln produziert, sondern gleich in kleinen Trupps. Diese Trupps kann man nicht aufsplitten – wo ein Bogenschütze hingehen soll, da müssen auch alle seine Truppkameraden hin… Upgrades, die man gekauft hat, wirken sich nicht automatisch auf alle danach produzierten Einheiten aus. Man muss die Upgrades dann noch einem bestimmten Trupp zuweisen – und wenn der vom Feind aufgerieben wurde, ist das Upgrade futsch. Der nächste produzierte Trupp profitiert also nicht von der bereits erforschten Verbesserung der Rüstungen und Waffen.

Überhaupt ist die Auswahl an Entwicklungsmöglichkeiten sehr übersichtlich ausgefallen – will sagen: mager. Es gibt fünf Fraktionen im Spiel: Mordor, Isengart, Gondor und Rohan sowie die Gemeinschaft des Rings. Jede Einheit hat individuelle Stärken und Schwächen. Rohirrim zu Pferd reiten z.B. Ork-Bogenschützen problemlos über den Haufen, haben aber gegen Uruk-Lanzenträger kaum Chancen. Soldaten Gondors sind besser gepanzert und Orks legen mehr Wert auf Masse statt auf Klasse. Das Balancing scheint mir allerdings ziemlich unausgegoren zu sein. Was die tollen Werbevideos angeht, die man im Vorfeld bestaunen konnte: Die könnte man schon als Betrug bezeichnen. Denn derart grandiose Schlachten mit Unmengen von Einheiten gibt es in diesem Spiel schlicht und ergreifend nicht.

Helden / Kommando-Missionen
In vielen Missionen steht die Möglichkeit des Aufbaus einer Basis erst gar nicht zur Verfügung. Man steuert dann die Gemeinschaft des Ringes: Gandalf, Aragorn, die vier Hobbits, Legolas, Gimli und Boromir. Diese Helden haben alle unterschiedliche Spezialfähigkeiten, die ihren Vorbildern in Roman bzw. Film entsprechen. Je mehr Gegner sie besiegen, desto höhere Levels erreichen sie, wodurch mehr Spezialfähigkeiten freigeschaltet werden. In Kommando-Missionen muss man die Helden meist einfach nur von A nach B lenken, wobei alle oder bestimmte Personen überleben müssen. Auch in Basis-Missionen stehen Helden zur Verfügung, z.B. Eomer oder der Hexenkönig. Haben die Helden ein hohes Level erreicht, kann man mit ihnen allein eine ganze gegnerische Armee aufhalten. Witzig zu sehen, wie etwa Pippin einen Ork nach dem anderen mit einem einzigen Schwerthieb niederstreckt. Eigentlich sind die Helden also viel zu stark.

Kommandeursfähigkeiten
Für jeden Sieg und jede erfüllte Aufgabe erhält der Spieler Punkte, die er sammeln kann, um weitere spezielle Aktionen freizuschalten. So kann man z.B. von Zeit zu Zeit einen kleinen Trupp von Elben-Bogenschützen zur Unterstützung herbeirufen oder man bringt die Landschaft zum blühen, was den eigenen Einheiten einen Rüstungsvorteil verschafft.

Künstliche Dummheit

Diese Überschrift habe ich gewählt, weil in diesem Spiel von KI eigentlich keine Rede sein kann. Hier wurden alle Fehler gemacht, die man nur machen kann. Die Wegfindung sämtlicher Einheiten ist eine Katastrophe und größere Truppenverbände behindern sich praktisch immer gegenseitig. Der Gegner rennt stur auf den immer gleichen Wegen gegen euch an, irgendwelche Strategien sind nicht erkennbar. Die eigenen Einheiten stellen sich unglaublich dumm an, denn wenn sie z.B. von Fernkämpfern angegriffen werden, die außerhalb ihrer Reichweite sind, bleiben sie einfach stehen und lassen sich niedermetzeln. Auch sonst scheint die Lieblingsbeschäftigung aller Einheiten darin zu bestehen, dumm in der Gegend herumzustehen und auf Befehle zu warten, die sie dann oft seltsamerweise doch nicht ausführen. Umgekehrt rennen einzelne Einheiten direkt in ihr Verderben, wenn sie erst einmal dabei sind, einen übermächtigen Gegner zu verfolgen. Man muss sich also permanent um alles selbst kümmern.

Grafik / Sound

Selbst diese Punkte erfüllen bei weitem nicht die Erwartungen, die ich aufgrund der Werbevideos hatte. Für das Spiel wurde die gleiche Grafik-Engine verwendet wie für Command & Conquer Generäle, und so sind die vielen verschiedenen Animationen der Einheiten schön flüssig, es gibt eine ganze Menge an atmosphärischen Elementen, Partikeleffekten, Hitzeflimmern, spektakulären Zaubersprüchen und anderen optischen Schmankerln. Sieht alles nett aus, ist aber auch nichts besonders aufregendes. Zoomt man näher heran, wird das Ganze ziemlich grobpixelig und kantig. Die Filmmusik wird sehr stimmungsvoll eingesetzt und man hört es immer wieder gern, wenn Gandalf mit seiner bekannten Synchronstimme Textzeilen aus dem Film spricht. Bei vielen anderen Hauptfiguren ist es genauso und das klingt dann auch alles sehr schön. Nur die Erzählerin, die wahrscheinlich Galadriel sein soll, klingt geradezu grauenhaft, es ist auch nicht die deutsche Stimme der Elbenfürstin aus dem Film.

Die Grafikpracht scheint ein enormer Hardwarefresser zu sein. Man kann die auf der Verpackung beschriebenen Hardwarevoraussetzungen mal locker verdoppeln und sollte den neuesten Grafikkartentreiber installieren sowie die Festplatte defragmentieren, um das Game vernünftig spielen zu können. Die quälend langen Ladezeiten kann man damit aber nur teilweise beeinflussen.

Fazit

Die stark eingeschränkten Möglichkeiten, die miese bzw. nicht vorhandene KI, die immer gleichen, linearen und sich ewig wiederholenden Missionen, die hakelige Steuerung und die schrecklichen Ladezeiten machen das Spiel zu einem äußerst fragwürdigen Genuss. Mir hat’s wie gesagt nach wenigen Missionen gereicht. Eine Wertung nehme ich nicht vor, aber für mich ist Die Schlacht um Mittelerde ein unausgegorener Schnellschuss, mit dem die Herr der Ringe – Kuh noch ein wenig mehr gemolken werden soll.

Kleiner Tipp am Rande: Solltet ihr Probleme haben, das Spiel nach der Installation zu starten: Versucht es mal damit, euch über ein Gast-Benutzerkonto auf eurem PC anzumelden. Bei mir war das der einzige Weg, das Spiel zum laufen zu bringen.

Seitenanfang