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Sacred 2

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Hack & Slay/RPG

Note: 3
SACRED 2 - FALLEN ANGEL

Hack & Slay - Rollenspiele sind eigentlich nicht mein Ding, außerdem hat mich der Vorgänger dieses Spiels nicht wirklich begeistert. Schon deshalb habe ich Sacred 2 damals, 2008, erst mal links liegen gelassen. Der Zwang zur Online-Registrierung war dann das Todesurteil. Vor einigen Monaten wurde die (gepatchte!) Vollversion jedoch DRM-frei für wenig Geld auf der DVD einer Spiele-Zeitschrift mitgeliefert, und da konnte ich nicht mehr wiederstehen. Was soll ich sagen? Teil 2 hat genau dieselben Stärken und Schwächen wie der erste Teil...

Story

Alles Leben sowie die Magie in Ancaria haben ihren Ursprung in der T-Energie. Die Seraphim hatten einst die alleinige Kontrolle über diese Energie, aber nach und nach haben die Hochelfen Zugang zur T-Energie erhalten. Ein Machtkampf zwischen zwei Fraktionen der Hochelfen entbrennt, andere Völker versuchen die T-Energie ebenfalls zu nutzen. So kommt es, dass die Quelle der T-Energie außer Kontrolle gerät. In Form einer blauen Flüssigkeit tritt die Energie an verschiedenen Stellen Ancarias aus und verursacht dort schreckliche Zerstörungen oder bringt grauenhafte Mutationen in Flora und Fauna hervor. Das Unheil breitet sich immer weiter aus, so dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis ganz Ancaria unbewohnbar sein wird. Einem Helden fällt die Aufgabe zu, das Chaos einzudämmen - oder es zu verstärken...

Welcher Held das ist, d.h. aus welchem Volk er stammt, und ob die Story "gut" oder "böse" weitergeht, entscheidet der Spieler. Man hat die Wahl zwischen Schattenkrieger, Seraphim, Hochelfe, Inquisitor, Tempelwächter und Dryade. Jede dieser Figuren tritt an einer anderen Stelle Ancarias in die Welt und hat einzigartige Fähigkeiten sowie eine andere Hintergrundgeschichte. Darauf wird im Spiel aber nur selten eingegangen, und die eigentliche Story des Spiels tritt nie wirklich in den Vordergrund. Die Geschichte ist Nebensache, eine Motivation zum Weitermachen stellt sie absolut nicht dar. Sie wird außerdem nur schlecht präsentiert, denn Zwischensequenzen oder dergleichen sind nicht vorhanden. Ein paar Textfenster, ein paar Dialoge - das ist alles.

Charakterentwicklung / Inventar

Im Grunde herrscht Rollenspiel-Standard: Man muss Erfahrungspunkte durch das Lösen von Quests und das Besiegen von Gegnern sammeln, in die nächste Stufe aufsteigen, Fähigkeiten verbessern, um noch stärkere Gegner bekämpfen und schwierigere Quests bewältigen zu können, wofür man mehr Erfahrungspunkte zum Aufstieg ins nächste Level erhält. Das ist eine der beiden Haupt-Motivationsquellen bei RPGs. Hier macht Sacred 2 eigentlich alles richtig, denn es gibt eine riesige Anzahl der unterschiedlichsten Kampf-, Magie- und sonstigen Fähigkeiten zu erlernen, die ständig weiter verbessert werden können. Das geht schon mit der Wahl des bevorzugten Gottes los. Je nachdem, wen euer Held anbetet, könnt ihr in regelmäßigen Abständen eine besondere Fähigkeit einsetzen, und wenn ihr oft an den entsprechenden Schreinen niederkniet, wird diese Fähigkeit irgendwann verbessert.



Sacred 2

(Bild 1: Inventar, Charakterbildschirm, Kampfkünste)


Bei Spielbeginn hat man die Wahl aus den sechs o.g. Charakterklassen, deren Eigenschaften gemäß den üblichen Vorlieben verteilt sind. Wer auf Nahkampf steht, wählt den Schattenkrieger. Wer lieber Magie einsetzt, nimmt die Hochelfe, als Fernkämpfer ist man mit dem Seraphim gut bedient. Mischcharaktere wie der Tempelwächter eine Art Roboter; ungewöhnlich für ein Fantasy-RPG sind ebenfalls vorhanden. Von der Charakterauswahl hängt es nicht nur ab, ob ihr Ancaria heilen oder ins Chaos stürzen werdet, sondern auch, welche zusätzlichen Kampfkünste ihr erlernen könnt. Um sie zu lernen und zu verbessern, werden Runen benötigt, die von Gegnern fallen gelassen werden. Die Kampfkünste können zu mächtigen Combos verknüpft werden.

Das Inventar ist begrenzt. Man findet eine Unzahl von Waffen, Rüstungen, Schmuck und anderem Krimskrams, kann aber nie alles mitnehmen. Immerhin steht in den größeren Städten eine Truhe, in der überschüssige Objekte deponiert werden können. Händler sind in allen Siedlungen zu finden. Sie haben aber selten wirklich wertvolle Dinge im Angebot, so dass man all das Gold, das man zur Belohnung erhält oder in Schatzkisten findet, eigentlich überhaupt nicht braucht. Von Gegnern fallen gelassene, in Kisten und anderen Verstecken gefundene Objekte bleiben nicht dauerhaft in der Gegend liegen, sie verschwinden nach ein paar Sekunden. Die meisten Gegenstände steigern die Fähigkeiten des Helden und können beim Schmied mit Runen und Edelsteinen usw. aufgewertet werden.



Sacred 2

(Bild 2: Auf dem Marktplatz einer Stadt)


Wie gesagt: Als RPG'ler freut man sich ja immer über eine gewisse Komplexität bei der Charakterentwicklung, und die ist bei Sacred 2 auf jeden Fall vorhanden vielleicht ist sie sogar etwas zu sehr ausgeprägt, denn die Vor- und Nachteile der Massen von Modifikationen erschließen sich dem Spieler nicht immer sofort. Man muss sich schon ein wenig mit dem System beschäftigen, um es wirklich ausreizen zu können.

Spielwelt / Kampf

Die zweite Hauptmotivation bei RPGs neben der Charakterentwicklung ist das Erkunden der Welt. Auch hier schlägt Sacred 2 eigentlich zunächst einmal einen guten Weg ein, denn Ancaria ist riesig und kann optisch überzeugen, wenn man das Alter des Spiels berücksichtigt. Die Welt ist mit sehr abwechslungsreichen Landschaftsbildern ausgestattet worden und besteht aus verschiedenen Klimazonen. Auch die Baustile unterscheiden sich von Ort zu Ort. Liebevolle Details erfreuen das Auge. Hinzu kommen unzählige Dungeons. Die ganze Welt steht dem Spieler von Beginn an offen, wobei es natürliche Grenzen in Form von Bergen und Flüssen gibt. Man reist zu Fuß oder mit dem Pferd von Ort zu Ort, was bei den großen Entfernungen zur zeitraubenden Angelegenheit werden kann. Nur wenige Orte sind durch Schnellreise-Portale miteinander verbunden.

Die gesamte Spielwelt wird von unzähligen ganz verschiedenen Monstern und humanoiden Gegnern in allen denkbaren Schwierigkeitsgraden heimgesucht, die meist auch noch in Gruppen auftreten und nach jedem Gebietswechsel und Reload neu spawnen. Man könnte ihnen zwar davonlaufen, denn sie geben irgendwann die Verfolgung auf. Aber dann rennt man nur wieder ins nächste Rudel hinein. Also stellt man sich dem Kampf. Hierbei muss man permanent klicken, denn sonst würde die Spielfigur tatenlos in der Gegend herumstehen und sich niedermetzeln lassen. Der ständige Kampfzwang kann ganz schön lästig werden, vor allem dann, wenn die Gegner ein zu niedriges Level haben, so dass man keine EP mehr erhält. Immerhin geben die Gegner (sofern sie denn sprechen können) ganz witzige Sprüche von sich - genau wie im ersten Sacred wiederholen sie sich aber recht schnell.



Sacred 2

(Bild 3: Im Kampf mit einer kleinen Gegnergruppe)


Oftmals schließen sich euch Begleiter an, manchmal sogar mehrere, und in der Regel ungefragt. Die sind eher hinderlich als nützlich, denn sie wuseln wild in der Gegend herum und hören nicht auf Befehle, sondern greifen selbst übermächtige Gegner eigenständig an oder werden von diesen verfolgt. Dabei entfernen sie sich gern mal so weit vom Helden, dass man ihnen nicht rechtzeitig zu Hilfe eilen kann. Tja, und wenn der Begleiter im Rahmen einer Quest hätte beschützt werden sollen, dann schlägt die Quest bei seinem Tod natürlich fehl.

Leider kann man nicht in die Egoperspektive wechseln, um alles aus der Nähe zu bewundern; Sacred 2 wird in der isometrischen Ansicht gespielt. Und so schön die Welt auch ist: Letzten Endes bringt es nichts, sie zu erkunden. Abgesehen von diversen Nebenquests gibt's nichts Interessantes zu entdecken. An manchen Stellen wird die Gegend übrigens so unübersichtlich, dass man den richtigen Weg nicht auf Anhieb findet.

Quests

Das Questsystem bietet gewohnte Kost: Eskortiere Person A zum Ort B, besorge diverse Gegenstände für den Auftraggeber oder liefere sie irgendwo ab, säubere einen bestimmten Ort von Monstern. Zum Glück bleibt immer anhand von Markierungen auf der Karte erkennbar, welche Aufgaben zur Hauptquest gehören, denn es gibt eine unglaubliche Masse an Nebenquests. Potentielle Auftraggeber werden durch Frage- bzw. Ausrufezeichen markiert. Leider lohnt es sich oft nicht, alle Quests abzuklappern, denn bei vielen Nebenquests ist die EP-Ausbeute sehr mager. Auch sonstige Belohnungen in Form von besonders guten Waffen und Rüstungen o.ä. sind Mangelware. Dass die kleinen Geschichten, die zu den meisten Quests gehören, nur in Form von Textfenstern vermittelt werden, trägt nicht gerade zur Motivation bei.

Ich bin irgendwann nur noch der Hauptquest gefolgt, weil ich keine Lust mehr hatte, mich in -zig letzten Endes doch immer gleich ablaufenden sinnlosen Nebenquests zu verzetteln. Es gibt aber auch die eine oder andere Ausnahme. Manche Aufträge entwickeln sich zu umfangreichen Questreihen, und eine ganz spezielle Nebenquest führt zur originellsten Belohnung, die mir bisher in RPGs untergekommen ist. Ihr begegnet nämlich den Bandmitgliedern der Metal-Band "Blind Guardian", denen die Musikinstrumente von untoten Metalfans gemopst worden sind. Gelingt es euch, alles wiederzubeschaffen, dann startet ein sechs Minuten langes CGI-Konzert. "Blind Guardian" gibt ein Lied zum Besten, das Publikum besteht aus einigen Kreaturen aus dem Spiel und am Mischpult steht ein Ork. Die Questbelohnung besteht in einem mächtigen Zweihandschwert in Form einer E-Gitarre!



Sacred 2

(Bild 4: Begegnung mit den Jungs von Blind Guardian)


Sonstiges /Bugs

An der Steuerung und den Menüs gibt es wenig auszusetzen. Mit den diversen Quickslot-Belegungen, den Pop-up-Infos zu sämtlichen Objekten, der Karte usw. hat man das Geschehen nach kurzer Eingewöhnungsphase gut im Griff. Das Handbuch liegt im PDF-Format vor. Nur das Speichersystem nervt. Es gibt lediglich einen einzigen Savegame, der immer überschrieben wird. Man kann keine unterschiedlichen Spielstände speichern! Außerdem kann das Spiel nicht ohne Speichern beendet werden, so dass ein Reload nach einer gescheiterten Quest rein gar nichts bringt.

Ich hatte des Öfteren das Problem, dass ich beim Laden des Speicherstands die Meldung erhalten habe, das Programm funktioniere nicht mehr. Erst nach weiteren Fehlversuchen konnte ich das Spiel starten. Außerdem waren die Zielmarkierungen manchmal nicht richtig oder verschwanden aus nicht nachvollziehbaren Gründen von selbst.

Fazit

Sacred 2 hat einen riesigen Umfang und kann mit einer durchdachten Komplexität bei der Charakterentwicklung punkten. Die Welt sieht nett aus und es gibt ordentlich was zu metzeln. Trotzdem hat mich das Spiel nicht so richtig überzeugt, und zwar aus denselben Gründen, die ich schon dem ersten Teil angelastet habe. Es gelingt dem Spiel einfach nicht, mich in seinen Bann zu ziehen. Ich wurde nicht richtig gefesselt, es entsteht keine schöne Atmosphäre, kein Gefühl des Eintauchens in die Spielwelt. Zu gering ist die Motivation, jeden Winkel zu erkunden und jede Aufgabe zu erledigen.

Vielleicht habe ich ja auch den Fehler gemacht, das Spiel in einem zu niedrigen Schwierigkeitsgrad zu starten. Ich wähle meistens den mittleren Schwierigkeitsgrad, und auf dieser Stufe ist das Spiel zu leicht. Mir fehlte wohl einfach die Herausforderung! Leider kann man die einmal gewählte Stufe nicht mehr nachträglich ändern.

J. Kreis, 08.01.2012





Gastkommentare


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Gastkommentar von Ralf (14.04.2012):

Hi,

ein paar Anmerkungen zum Spiel:
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich jedesmal direkt vor dem Laden des gewählten Charakters ändern. Anfangs nur Bronze und Silber, nach jedem Durchspielen dann den entsprechend freigeschalteten Schwierigkeitsgrad zusätzlich (gold, platin, niob).
Es gibt für jeden Charakter eine spezifische Questreihe mit speziellem Gegenstand als Erfolgsprämie.
Es gibt eine Questreihe, die jedem Charakter erlaubt ein Charakterspezifisches "Reittier" auszuwählen (Monowheel für Tempelwächter, deshalb Anführungszeichen)
Die Konzertquest gibt als Belohnung alle Musikinstrumente und einen Spiegelschild.
Die Bewertung selbst kommentiere ich natürlich nicht, da so etwas viel zu subjektiv ist. Man sollte allerdings darauf hinweisen, dass Sacred 2 weniger RPG als Hack'n'Slay in der Art eines Diablo ist (inkl. Sammeln von Ausrüstungssets).

VG
Ralf



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