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sacred

System:
PC CD-ROM

Genre:
Adventure/RPG

Note: 3
SACRED

Sacred ist ein actionreiches RPG aus deutschen Landen, genauer gesagt aus Gütersloh. Vorab sei bemerkt, dass dieser Text sich auf die gepatchte Version 1.6.6 bezieht. Die Patches sollte man unbedingt installieren, denn die Basisversion des Spiels enthält zahlreiche teils recht krasse Bugs.

Zur Story: Der Magier Shaddar hat einen Dämon beschworen, dabei jedoch einen Fehler begangen, durch den das Monstrum freigesetzt worden ist. Jetzt dringt das Böse in Form von Untoten, Orks und anderen Ungeheuern in das ohnehin durch Machtkämpfe zerrissene Land Ancaria ein. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Helden, der dem Bösen entgegentreten soll und erfährt den Fortgang der relativ linearen, belanglosen Story in Form von Dialogen und (sehr wenigen, aber super gemachten) CGI-Filmen. Die Story-Dialoge kommen neben Textfenstern auch in Sprachausgabe, für alle anderen Dialoge gibt es nur die Schriftform.

Man entscheidet sich zu Beginn für eine von sechs Charakterklassen: Gladiator, Seraphim, Waldelfin, Kampfmagier, Dunkelelf und Vampirin stehen zur Auswahl. Jeder Charakter hat individuelle Stärken und Schwächen, jeder kann spezielle Kampftechniken erlernen. Ich habe mich für die Vampirin entschieden, weil sie in ihrer "Ritterform" respektable Nahkampffähigkeiten besitzt, sich aber auch verwandeln kann und in der "Vampirform" über enorm gesteigerte Charakterwerte verfügt. Jeder besiegte Gegner und jede erfüllte Aufgabe bringt Erfahrungspunkte, hat man genug Punkte zusammen, steigt der Charakter in eine höhere Stufe auf. Seine Fähigkeiten werden dadurch verbessert und er kann höherwertige Waffen/Rüstungen verwenden. Weitere Verbesserungen kann man nach jedem Stufenaufstieg gezielt selbst vornehmen. Man muß sich gut überlegen, wie man seinen Charakter entwickelt, es bringt nichts, alle Eigenschaften gleichmäßig zu steigern. Ich habe mich auf den Axtkampf und auf die Steigerung von Angriffs- und Verteidigungswerten beschränkt. Man kann seine Fähigkeiten und Charaktereigenschaften auch durch das Anlegen bestimmter Rüstungsteile verbessern. Manche Waffen und Rüstungen wiederum kann man bei Schmieden aufwerten, z.B. indem man spezielle Schmuckstücke in sie einarbeiten lässt.

Von Anfang an steht praktisch die gesamte, enorm große, landschaftlich sehr abwechslungsreiche Spielwelt von Ancaria zur Erkundung offen, d.h. es müssen nicht erst einzelne Areale freigeschaltet werden. Allerdings sollte man sich zu Beginn nicht allzu weit vorwagen, denn in entlegeneren Gebieten lauern Gegner, die zunächst noch zu stark sind. Die Frage, was man denn als erstes machen soll, stellt sich nicht. Man erhält immer nur einen Zielpunkt, den man anlaufen muß, um dort mit einer bestimmten Person zu sprechen oder sonst irgendwas zu erledigen. Zur Orientierung dient eine Gesamtkarte, die man jederzeit aufrufen kann und auf der alle Orte und Zielpunkte verzeichnet sind, ebenfalls jederzeit aufrufbar ist eine Minikarte, die sich teiltransparent über den Spielbildschirm legt und in der man die Markierungen in einem übersichtlicheren Maßstab sieht. Jederzeit sichtbar sind kleine Pfeile am unteren Bildschirmrand, die in die ungefähre Richtung des nächsten Zielpunkts weisen.

Unterwegs begegnet man nicht nur einem bunten Sammelsurium an Gegnern, Monstern und neutralen Bewohnern von Ancaria, sondern auch Personen, von denen man Nebenaufgaben erhält. 300 solcher Nebenquests soll es geben. Diese Aufträge kann man annehmen, um Gold, Erfahrungspunkte, Gegenstände und einen besseren Ruf zu erhalten (letzteres führt dazu, dass man bei den Händlern bessere Preise kriegt), muß man aber nicht. Es ist durchaus möglich, das Spiel nur anhand der Hauptquests durchzuzocken, ohne den größten Teil Ancarias jemals betreten zu haben. Die Motivation, Nebenquests anzunehmen oder einfach mal die Gegenden abseits des Weges zu erkunden, nimmt sehr schnell ab, wenn man erst einmal festgestellt hat, dass solche Aktionen kaum was bringen – all das verdiente Gold kann man nie wirklich brauchen und wertvolle Gegenstände wie Waffen oder Rüstungen findet man auf diese Weise äußerst selten. Und wenn doch, dann kann man sie meistens gar nicht verwenden, weil sie für eine andere Charakterklasse bestimmt sind. Da läuft man ewig in der Gegend herum, schnetzelt massenweise Monster – nur um dann irgendwo anzukommen, wo ein bisschen Gold liegt oder irgendeine Waffe/Rüstung, die man nicht mehr braucht, weil man gerade erst beim Händler ein viel besseres Teil gekauft hat. Das ist in meinen Augen der Hauptschwachpunkt des Spiels, denn es lohnt sich einfach nicht, die ganze Spielwelt zu erkunden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt will man das Spiel einfach nur noch beenden, um in den Genuß der Endsequenz zu kommen. Man könnte das Spiel dann mit seinem hochgezüchteten Helden auch noch mal in einer höheren Schwierigkeitsstufe von vorn beginnen, aber ehrlich gesagt: Mir fehlte dazu die Lust.

Um die besonderen Kampftechniken des Charakters zu entwickeln, benötigt man sogenannte Runen. Bei einem Runen-Meister kann man diese dann zu schlagkräftigen Kombinationen verbinden. Auch hier gilt wieder die seltsame Regel, dass man allermeistens nur Runen der anderen Charakterklassen findet, aber wenigstens kann man die dann beim Runen-Meister gegen solche der eigenen Klasse eintauschen. Die Vampirin hat eine besonders nützliche Spezialtechnik, mit der sie jeden noch so starken Gegner hypnotisieren kann. Das macht Endgegnerkämpfe aber schon wieder zu leicht. Eine weitere Besonderheit von Sacred besteht darin, dass man Pferde kaufen kann, mit denen man dann durch die Gegend galoppiert oder Gegner angreift. Diese Möglichkeit habe ich so gut wie nicht genutzt, ist einfach überflüssig.

Die Steuerung erfolgt durch Point & Click mit der Maus. Die Kämpfe nerven manchmal ein wenig, weil man dem Gegner immer mit dem Mauszeiger folgen muß, dabei hakt die Steuerung dann öfters oder der Held rennt zum Gegner, bleibt dort dann aber erstmal wie angewurzelt stehen. Immerhin: Ein Klick reicht, d.h. solange man die linke Maustaste gedrückt hält, prügelt die Spielfigur auf den Gegner ein, bis dieser geschnetzelt ist. Die Wegfindung lässt zu wünschen übrig, ständig bleibt die Spielfigur irgendwo hängen, manchmal auch an Stellen, an denen man eigentlich gar kein Hindernis erkennen kann. Spezielle Kampftechniken werden mit Rechtsklick ausgelöst, Heil- und sonstige Tränke kann man direkt über die Tasten zu sich nehmen, ohne erst umständlich das (übrigens leider sehr begrenzte) Inventar aufrufen zu müssen. Hinweise zu den Aufgaben, Statistiken und sonstige Hilfen werden automatisch in einem umfangreichen Logbuch aufgezeichnet. So kommt man mit den Zielen, die es zu erreichen gilt, nie durcheinander.

Man erkundet Ancaria aus einer leicht isometrischen, in 3 Stufen zoombaren aber leider nicht drehbaren Draufsicht, wobei man wg. der Übersichtlichkeit in aller Regel die weiteste Zoomstufe wählen wird.

Man wird an Sacred nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase durchaus einige Stunden Spaß haben, bis sich im letzten Drittel doch Langeweile breit macht, die dann in einem enttäuschenden Ende gipfelt.

Damit hier nicht ein allzu negativer Eindruck entsteht, sei erwähnt, dass die Spielwelt unglaublich detailreich ist. Ancaria wirkt sehr lebendig und ist, wie gesagt, riesengroß und hat abwechslungsreiche Landschaften. Die teils sehr weitläufigen, wunderschönen Städte sind von Dutzenden NPCs bevölkert, manchmal wird man von Kindern verfolgt ("Bist du ein Clown?" wagt da so ein Knirps meine Vampirin zu fragen) und überall sieht man, dass wirklich viel Liebe zum Detail investiert wurde. Auch die geradezu überwältigende Vielzahl von Waffen, Ausrüstungsgegenständen und sonstigem Krimskrams ist erwähnenswert – die rollenspiel-typische Sammelleidenschaft stellt sich hier sofort ein. Hingucker sind auch die Magie-Effekte und die Einzelheiten und Animationen der vielen Monster. Feuert mal ein paar Pfeile auf einen Ork ab – die bleiben dann sogar in seinem Wanst stecken! Meine Lieblinge sind die kleinen Goblins, die dauernd solche Nettigkeiten wie "Schniepel!" oder "Bringt mir die Eingeweide!" brüllen. Es gibt natürlich einen Tag- und Nachtwechsel, was besondes für die Vampirin wichtig ist… Die Entwickler haben auch überall Gags eingebaut. Untersucht einfach mal die Gräber auf den Friedhöfen und ergötzt euch an den lustigen Grabinschriften. Überall finden sich Anspielungen auf andere Spiele oder auf Filme. Ganz im Süden von Ancaria gibt es sogar eine Insel mit dem Namen Mal-Ork-Ah…

Auch diesmal wieder kein Wort von mir zum Multiplayer-Modus, weil ich diesen nicht nutze.

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