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ron

System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 3
RISE OF NATIONS

Rise of Nations (RoN) ist ein Strategiespiel, das Elemente von Echtzeitstrategie und rundenbasierenden Spielen vereinigen soll. Es wird generell als Mischung aus Age of Empires und Empire Earth bezeichnet und aus eigener Anschauung kann ich sagen, daß zumindest der Vergleich mit Age of Empires (AoE) absolut zutrifft, denn Look & Feel von RoN erinnern sehr stark an den bekannten Klassiker. Das betrifft sowohl das Aussehen von Einheiten und Gebäuden, als auch die Menüs und die ganze Steuerung. Alte Age of Empires-Hasen werden sich also schnell zurechtfinden. Trotzdem fühlt man sich im ersten Moment ein wenig erschlagen von all den unzähligen Auswahlmöglichkeiten, Upgrades, neuen Technologien, Einheiten, Gebäuden und Rohstoffen, die es zu erforschen, zu bauen und auszuwerten gilt. Man weiß gar nicht, was man als erstes machen soll und worauf man besonders achten muß. Man sollte erstmal mit dem Tutorial anfangen, bei dem man (mit Sprachausgabe!) durch einige kleine Szenarien geführt wird und die Grundlagen erklärt bekommt.

Kernstück des Games ist der Welteroberungsmodus nur hier kann man von einem rundenbasierenden Gameplay reden. Man entscheidet sich zunächst für eine von 18 historischen Nationen, die man zur Weltherrschaft führen kann. Jedes Volk hat bestimmte Stärken, Schwächen und speziellen Einheiten. Auf einer Weltkarte sieht man nun, über welche Gebiete die Nationen herrschen und kann entscheiden, welchem Nachbarland man sich beim Kampf um die globale Vorherrschaft zuerst "zuwenden" möchte. Man hat die Wahl zwischen Diplomatie und Angriff. Entscheidet man sich für letzteres, kann man zunächst noch eine von zahlreichen "Karten" kaufen und ausspielen, die für bestimmte Vorteile in der Schlacht sorgt. Dann wechselt die Ansicht und man befindet sich in der bekannten AoE-2D-Spielumgebung, in der man seine Gebäude errichtet, Ressourcen sammelt, Einheiten produziert und schließlich auch Schlachten bestreitet. Nicht immer hat man die Möglichkeit, Städte zu errichten und Forschung zu betreiben. Es gibt auch Missionen, bei denen man nur über eine Armee in begrenzter Truppenstärke verfügt, mit der man eine feindliche Stadt erobern oder zerstören muß.

In RoN hat jeder Spieler seine eigenen Landesgrenzen. Nur auf eigenem Hoheitsgebiet können Gebäude gebaut werden. Einheiten, die sich außerhalb der eigenen Grenzen befinden, erleiden automatisch Schaden und der Computergegner verhält sich bei Grenzverletzungen sehr aggressiv. Und solche Konflikte sind irgendwann unvermeidbar, wenn die Landesgrenzen sich nach gewisser Zeit berühren! Es ist schon amüsant zu beobachten, wie die Grenzerläufe sich ändern, sobald man erst einmal eine Stadt erobert oder eine feindliche Grenzfestung zerstört hat. Sobald man das Ziel der Mission erreicht hat i.d.R. muß man die gegnerische Hauptstadt innerhalb von 90 Minuten erobern ist die Echtzeit-Runde vorbei und man gelangt wieder zur Weltkarte, wo man die neuen Gebietsverteilungen erkennen kann und zur nächsten Runde voranschreitet. Manchmal muß man sich auch gegen Konterangriffe der Völker wehren, die man gerade attackiert hat. Man kann natürlich auch Bündnisse eingehen oder den Gegner bestechen. Jedes eroberte Gebiet bringt Vorteile wie z.B. seltene Ressourcen, über die man dann permanent verfügt, oder zusätzliche Armeen, die man über die bereits eroberten Länder verteilen kann und durch die man während der nächsten Echtzeit-Runde Unterstützung erhält. Während der Kampagne führt man seine Nation durch acht (!) Zeitalter vom Altertum bis zum Informationszeitalter. Das bedeutet, daß z.B. Griechen oder Azteken irgendwann im Verlauf des Spiels mit Panzern und Kampfjets gegen die deutsche Wehrmacht oder das römische Imperium antreten müssen. Leider wirken sich Forschungen und produzierte Einheiten nicht auf die nächste Runde aus, man startet immer wieder neu mit einem vorgegebenen Level. Übrigens: Je länger die gegnerischen Nationen ihre Städte halten, desto stärker werden diese von Runde zu Runde...

Während die Zeitalter, die man durch Forschung erreichen kann, in der Welteroberungskampagne vorgegeben sind (es ist immer nur der Fortschritt in die nächsthöhere Epoche möglich, dann ist Schluß), kann man bei den freien Szenarien tatsächlich alle acht Entwicklungsstufen erreichen. Und hierbei zeigt sich schon gleich die große Schwäche dieses Spiels: Gerade die frühen Epochen sind eigentlich nur dazu da, um schnell durchlaufen zu werden, d.h. das eigentliche Geschehen mit Schlachten, Eroberungen usw. spielt sich in aller Regel in den späteren Zeitaltern ab, in denen immer neue Einheiten entwickelt und neue Technologien erforscht werden können. Außerdem muß man sich schon sehr beeilen und vor allem den Überblick bewahren, um genauso schnell voranzuschreiten wie der Computergegner, denn sonst greift der evtl. mit einer riesigen Panzerarmee an, während man selbst gerade mal über berittene Musketenschützen oder so verfügt! Dabei ist mir allerdings aufgefallen, daß selbst Ritter mit ihren Schwertern problemlos einen Panzer niedermachen können. Das ist bei allen Einheiten so an der Ausgewogenheit könnte nur noch ein Patch was ändern. Man kann sich also kaum Zeit lassen, in Ruhe eine Basis (bzw. mehrere Basen, denn bei RoN kommt es darauf an, möglichst schnell viele Städte zu gründen) aufzubauen. Das Ganze artet dann gerade bei höheren Schwierigkeitsgraden in eine wilde Klickorgie aus, bei der man sehr oft Gebrauch von der Pausentaste machen muß, um sich z.B. die immerhin sehr informativen Hilfetexte durchzulesen, die im Spiel eingeblendet werden können. Leider kann man keine Mauern errichten, zur Basisverteidigung stehen nur Türme, Forts und Flakbatterien zur Verfügung. Nützlich für den Überblick, den man bei wachsender Ausdehnung des besiedelten Gebiets schnell mal verliert, ist die Zoomfunktion. Drei Stufen sind möglich, wobei die am weitesten entfernte Kameraposition auch gut geeignet ist, um große Armeen zu steuern.

Grafik und Sound sind sehens- bzw. hörenswert. Die teilweise animierten 2D-Gebäude weisen liebevoll gestaltete Details auf und alle 3D-Einheiten verfügen über viele verschiedene Animationen. Bürger ohne Arbeit setzen sich schonmal zu einem Päuschen ins Gras, Generäle befehligen ihre Armee stehend vom Jeep aus und beim Aufbau neuer Gebäude sieht man die Entwicklung vom Baugerüst bis hin zum fertigen Haus... Die Umgebungsgrafik ist ein wenig eintönig, immerhin gibt es schöne Effekte wie an den Strand rollende Wellen, Reifenspuren auf dem Boden oder Explosionstrichter nach massivem Artilleriebeschuß. Ein besonderes Highlight sind die Weltwunder, die man in den freien Szenarien ausreichende Ressourcenvorräte vorausgesetzt errichten kann und die wiederum bestimmte Einflüsse auf Einheiten, Forschung usw. haben.

Steuerung und KI lassen auf den ersten Blick kaum Wünsche offen, wenn man auch viel mit Hotkeys arbeiten muß, um keine Zeit zu verlieren. Man muß sich beispielsweise nicht um untätige Bürger kümmern: Solange irgendwo noch ein Holzfällerlager, eine Mine oder eine Baustelle vorhanden ist, bei der es Arbeit gibt, gehen die Leute selbständig dorthin. Auch die Militäreinheiten verhalten sich intelligent und je nach Einstellung mehr oder weniger aggressiv, d.h. sie stehen nicht einfach tatenlos herum, während nebenan der Feind über die Grenzen schreitet. Man kann auch zwischen verschiedenen Formationen wählen. Allerdings kann man das Schlachtengetümmel nicht mehr so leicht lenken wie noch bei AoE, was auch damit zusammenhängt, daß die Armeen größer sind: Soldaten werden immer gleich in Dreiergruppen produziert und zählen nur als eine Einheit bei der maximalen Bevölkerungszahl (die beträgt übrigens 200). Und die Wegfindung ist wie fast bei jedem Spiel dieser Art nicht optimal, da muß man manchmal nachsteuern. Sehr angenehm ist dagegen die Tatsache, daß bei RoN die Rohstoffe nicht zur Neige gehen. Wenn beispielsweise Holzfäller einen Wald ausbeuten, dann können sie das praktisch endlos tun. Leider bedeutet das aber auch, daß auch der Gegner über unerschöpfliche Rohstoffvorräte verfügt, d.h. es ist nicht mehr so einfach, ihn vom Nachschub abzuschneiden und bei einer Belagerung auszuhungern. Und bei RoN gibt es sehr viel mehr Rohstoffe mit z.T. ganz besonderen Eigenschaften als bei jedem anderen Strategiespiel, das ich kenne!

Wie es sich gehört, sind ein Online-Multiplayermodus und ein Level-Generator ebenfalls enthalten. Erwähnenswert und vorbildlich sind die Einstellmöglichkeiten in den zahlreichen Menüs, mit denen man das Spiel ziemlich gut an die eigenen Vorlieben anpassen kann.

Insgesamt ist das Spiel sicher nicht schlecht, aber es ist auch nicht gerade die Offenbarung, als die es vorab angepriesen wurde. Der rundenbasierende Anteil des Gameplay ist verschwindend gering, eigentlich liegt der Schwerpunkt genau wie bei AoE auf Echtzeitschlachten. Dabei liegt das Schwergewicht wiederum auf extrem aggressivem Vorgehen, d.h. wer zuviel Zeit damit verschwendet, seine Städte zu planen und sich einzuigeln, wird schnell vom Gegner überrannt. Bei Eroberungen reicht es meistens aus, einfach mit der Armee anzugreifen, die bei Beginn der Runde zur Verfügung steht. Da muß man erst gar keine weiteren Einheiten produzieren oder neue Technologien erforschen nach diesem Schema läuft praktisch der ganze Welteroberungs-Modus ab. Und schon Alexander der Große wußte: Wenn man die Welt erstmal erobert hat, ist es mit der Langzeitmotivation vorbei!

Also: Einige gute neue Ideen, sehr schöne Grafik, aber zu hektisches/aggressives Gameplay und zu wenig Motivation für Einzelspieler.

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