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Risen 3

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
RPG

Note: 2
Risen 3: Titan Lords (Enhanced Edition)

Wenn man sich ein RPG von Piranha Bytes zulegt, dann kann man davon ausgehen, dass man so ziemlich dasselbe Spielerlebnis haben wird, das man vor vielen, vielen Jahren schon beim Genreklassiker Gothic hatte. Die Ähnlichkeiten mit dem vorherigen Spiel der Reihe sind diesmal sogar so groß, dass es mir schwer fällt, eine neue Review zu schreiben. Ich könnte den Löwenanteil des Texts einfach kopieren! Immerhin ist die Story neu, sie bildet eine direkte Fortsetzung von Risen 2.

Story

Nach dem Ende der Titanengöttin Mara ist den Inseln der südlichen See keine lange Ruhepause vergönnt. Überall öffnen sich Höhlen mit Eingängen, die wie Totenschädel aussehen. Im Inneren jeder Höhle steht ein Kristallportal. Die Portale bilden Verbindungen zum Schattenreich und werden von verschiedenen Kreaturen genutzt, die aus dem Land der Toten kommen, um die Lebenden zu vernichten oder zu versklaven.

Der namenlose Held - ein neuer Protagonist, ein bisher nicht erwähnter Bruder der aus den ersten beiden Spielen bekannten Piratin Patty Stahlbart - ist mit seiner Schwester auf Schatzsuche an der Krabbenküste.



Risen 3

(Bild 1: In diesem Tempel wollte der Held einen Schatz finden - doch er fand den Tod! Jedenfalls beinahe.)


Nachdem sie sich Zugang zu einer uralten Tempelanlage verschafft haben, stehen die Geschwister plötzlich vor einer Schädelhöhle. Bei der Erkundung berührt der namenlose Held das Kristallportal. Prompt erscheint ein Schattenlord und entreißt ihm die Seele. Der leblose Körper des Helden wird an der Krabbenküste beigesetzt, doch er ist nicht tot - jedenfalls nicht ganz. Er wird einige Zeit später von einem Schamanen namens Bones wiederbelebt und erfährt, dass sich seine Seele immer noch im Schattenreich befindet. Körper und Seele müssen so bald wie möglich wieder vereinigt werden, denn sonst würde der Held irgendwann den Schatten anheimfallen und sich als willenloser Untoter in die riesige Armee jener Kreaturen einreihen, die sich anschicken, die Welt zu erobern.

Bones wird zum ersten mehrerer treuer Gefährten des Helden, mit deren Hilfe er die Unterstützung dreier mächtiger Zauberer zu gewinnen sucht, um wieder ein vollwertiger Mensch zu werden. Im Verlauf seiner Abenteuer besucht der Held im Auftrag des Piratenadmirals Alvarez die stärksten Gemeinschaften der Südsee, denn eine Geisterflotte wurde gesichtet, die die Herrschaft über das Meer an sich zu reißen droht. Nur eine Allianz aller großen Mächte wäre in der Lage, dieser Bedrohung die Stirn zu bieten. Der namenlose Held ahnt nicht, dass er von jemandem beobachtet wird, dessen finsteren Plänen er durch seine Bemühungen unwissentlich dient. Dieser Hintermann ist niemand anderer als Nekroloth, der Titanenlord des Todes ...



Risen 3

(Bild 2: Ein Schattenlord entreißt dem namenlosen Helden die Seele)


Der Spielverlauf ist genauso angelegt, wie es seit Gothic immer der Fall war. Es gibt diesmal drei Fraktionen, denen man sich grundsätzlich anschließen kann. Das sind die Kristallmagier der Insel Taranis, die Eingeborenen der Insel Kila und die auf der Insel Calador ansässigen Dämonenjäger. Die Zugehörigkeit zu einer der drei Gruppen ist obligatorisch; nur wer von einer Fraktion aufgenommen wurde, kann das Kommando über ein großes Schiff erhalten, und nur wer ein solches Schiff sein Eigen nennt, kann die für die Weiterführung der Story benötigte Flotte zusammenstellen. Die Entscheidung ist außerdem endgültig. Man kann sich danach keiner anderen Gruppe mehr anschließen. Bekanntlich haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt, und so muss man sich erst einmal nützlich machen, bevor man von einer Fraktion aufgenommen wird. Auch danach müssen viele Aufträge für diese Gruppe erledigt werden, damit man bis zum Kapitän befördert werden kann.

Während die Story unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit immer denselben Verlauf nimmt, so wirkt sich die Entscheidung direkt auf die erlernbaren Fähigkeiten aus und natürlich erhält man manche Quests nur als Angehöriger einer Fraktion. Welche Endsequenz der Spieler zu sehen bekommt, hängt davon ab, wie er sich den NPCs gegenüber verhält. Wählt er freundliche Dialogoptionen und positive Aktionen, so gewinnt der namenlose Held an Menschlichkeit, ansonsten verliert er sie. Ein paar Menschlichkeitspunkte gehen ab und zu auch beim Schlafen verloren, denn wenn man sich ins Bettchen legt, um die Gesundheit wiederherzustellen, so findet man sich manchmal unversehens im Totenreich wieder. Man schlüpft also in die Rolle der verlorenen Seele und kann dann nicht viel mehr tun, als mit den Geistern der Verstorbenen zu sprechen (so begegnet man Kapitän Stahlbart und Mara, beide in Teil 2 gestorben) und Seelenstaub zu sammeln. Den Seelenstaub kann man später einsetzen, um die verlorene Menschlichkeit zurückzugewinnen. Ist das Menschlichkeitskonto bei Spiel-Ende voll, liegen sich Bruder und Schwester glücklich in den Armen. Bei niedriger Menschlichkeit sieht es nicht so gut aus.



Risen 3

(Bild 3: Patty, die Schwester des Namenlosen Helden)


Auch diesmal werden wieder einige überraschende Wendungen, viel derber Humor, raubeinige Figuren, kernige Dialoge, Anspielungen und sonstige Gags geboten. So kann man bei genauer Erkundung der Welt sogar dem alten namenlosen Helden begegnen, den man in Teil 1 und 2 gesteuert hat. Weitere bekannte Figuren außer Bones und Patty sind die Voodoo-Priesterin Chani und der Druide Eldric. Auch sonst sind mir manche Namen bekannt vorgekommen. Am wichtigsten ist, dass sich das typische "Gothic-Feeling" von Beginn an einstellt! Lobend ist außerdem zu erwähnen, dass man zwar jederzeit frei durch die Gegend schippern, also tun und lassen kann, was einem beliebt, dass die Story dabei aber trotzdem nicht in Vergessenheit gerät.

Charakterentwicklung

Tja, und damit kommen wir zum Thema "Gameplay". Wie eingangs gesagt ähneln sich Teil 3 und 2 der Reihe diesbezüglich wie ein Ei dem anderen, sogar die Menüs sehen fast identisch aus. Auch in Sachen Charakterentwicklung ist alles beim Alten geblieben. Der RPG-typische Levelaufsieg entfällt. Jedes Mal, wenn ihr einen Gegner besiegt und eine Quest erfolgreich abschließt, erhaltet ihr Ruhmpunkte. Diese Punkte könnt ihr sofort in die Aufwertung der diesmal acht Attribute des namenlosen Helden investieren. So teilt ihr bei Aufwertung des Attributs "Nahkampf" mehr Schaden mit Hieb- und Stichwaffen sowie Schwertern aus, während es euch bei Aufwertung des Attributs "Einfluss" leichter fällt, einen NPC im Dialog zu überreden oder einzuschüchtern. Die Aufwertung des Attributs "Fingerfertigkeit" ermöglicht es euch, schwerere Schlösser zu knacken und Taschendiebstahl zu begehen. Attribute werden auf diese Weise in Fünferschritten verbessert, und das wird kontinuierlich teurer. Habt ihr zum Beispiel den Nahkampf auf den Wert 85 gebracht, dann kostet die nächste Stufe (90) 15500 Ruhmpunkte.



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(Bild 4: Das Charaktermenü)


Durch den Sieg über normale Gegner erhaltet ihr in der Regel 50 bis 200 Ruhmpunkte, bei Quests sieht es ähnlich aus. Nur bei abgeschlossenen Hauptquests winken auch mal 1000 bis 2000 Punkte. Man darf also keinem Kampf aus dem Wege gehen und muss so viele Quests wie möglich absolvieren, um genug Punkte zur Verbesserung der Attribute einzuheimsen. Es dauert ziemlich lang, bis die Aufwertungen merklich was bringen. Das ist nicht gerade einsteigerfreundlich! Aufwertungen sind dringend nötig, denn zu Beginn des Spiels ist der Held noch ziemlich schwach. Außerdem können viele Fähigkeiten nur erlernt werden, wenn die Attribute ein hohes Level erreicht haben. Es gibt noch einige andere Möglichkeiten zum Verbessern von Attributen, und zwar auch über den für den Einsatz von Ruhmpunkten geltenden Maximalwert von 100 hinaus. So sind überall in der Spielwelt legendäre Gegenstände versteckt, durch deren Besitz je ein Attribut dauerhaft gesteigert wird. Dasselbe ist beim Verzehr seltener Pflanzen möglich, die man allerdings besser zum Tränkebrauen einsetzt, denn dann ist der Effekt stärker.

Zum Erlernen von Fähigkeiten benötigt ihr keine Ruhmpunkte, hierfür braucht ihr Gold und einen Lehrmeister. Bei Trainern könnt ihr nicht nur die zu den Attributen gehörenden Skills verbessern - beim Nahkampf ist das der Umgang mit Stichwaffen, Hiebwaffen und Schwertern - sondern auch besondere Fähigkeiten lernen. Zum Beispiel kann man lernen, besiegten Tieren das Fell abzuziehen, ihnen die Krallen herauszubrechen und so weiter. Oder wie wäre es mit einem dressierten Äffchen, das ihr wie den Helden steuern könnt und das sich durch ansonsten unpassierbare Engstellen quetschen kann, um auf der anderen Seite zu klauen, was nicht niet- und nagelfest ist? Die Schnapsbrennerei ist auch so eine Fähigkeit, hierzu müsst ihr außerdem eine Destille aufsuchen.



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(Bild 5: Mit der Destille werden erfrischende Getränke hergestellt)


Magietrainer bringen euch Zaubersprüche bei, anderswo könnt ihr das Schmieden von Waffen, das Brauen magischer Tränke und so weiter lernen beziehungsweise verbessern. Kleidungsstücke, Waffen, Ringe, Ohrringe und Amulette wirken sich in der Regel positiv auf die Skills aus. Die genannten Schmuckstücke kann man nach dem Erlernen der entsprechenden Fähigkeit sogar selbst herstellen. Hier sind die Kombinationsmöglichkeiten groß, denn manche Ausrüstungsgegenstände verbessern nur Kampffähigkeiten, andere den Taschendiebstahl und so weiter.

Viele Lehrmeister sind gegen entsprechendes Entgelt gern bereit, euch zu Diensten zu sein. Andere weigern sich, euch zu unterrichten, solange ihr nicht ihrer Fraktion beigetreten seid oder verlangen zumindest, dass ihr ihnen einen Gefallen tut (also eine Quest für sie erledigt), bevor ihr Trainingsstunden bei ihnen nehmen könnt. Umsonst macht's ein Lehrmeister aber niemals. Hochwertige Fähigkeiten kosten richtig viel Gold. Also muss man immer schön die Augen offen halten, Wertgegenstände einsammeln oder stehlen, Leichen ausplündern, Belohnungen für Quests einsacken, Schätze heben (Schatzkarten gibt's hier und da zu finden) und Truhen knacken.



Risen 3

(Bild 6: Minispiel "Schlösserknacken". Die Pins müssen in der richtigen Reihenfolge mit dem Dietrich angestupst werden.)


Das Inventar ist zum Glück unbegrenzt, man kann also beliebig viel Plunder mit sich herumschleppen und beim nächsten Händler verkaufen. Tatsächlich habe ich die Händler fast ausschließlich zu diesem Zweck besucht. Nur ganz selten hatte einer auch mal etwas im Angebot, das ich wirklich gebrauchen konnte, zum Beispiel einen legendären Gegenstand. Alle anderen Objekte, vor allem Waffen, Rüstungen und Schmuck, konnte ich besiegten Gegnern abnehmen, in Truhen finden oder als Questbelohnung erhalten.

Wie schon gesagt dauert es geraume Zeit, bis der Held merklich stärker wird. Auf diese Weise wird natürlich dafür gesorgt, dass man sich bemüht, auch noch die kleinste Nebenquest zu absolvieren, die hintersten Winkel der Spielwelt abzusuchen und die allerletzte fiese Kreatur umzulegen. Aber es lohnt sich! Mit einem sehr starken und widerstandsfähigen Helden muss man sich selbst vor dem Endgegner nicht fürchten. Tatsächlich war der finale Bossfight bei mir schon nach wenigen Minuten vorbei - da war ich aber auch wirklich schon sehr mächtig.

Eine Besonderheit von Risen 3 ist die Astralsicht. Durch Betätigen der Schultertaste verändert sich der Blick des Helden auf die Welt. Je nachdem, wie weit ihr die Astralsicht aufgewertet habt, werden in der schattenhaften Darstellung bestimmte Objekte hervorgehoben. Das ist sehr nützlich, wenn man nach versteckten Items oder Gegnern sucht. Unter anderem erstrahlen Wertgegenstände golden, Pflanzen grün, Lebewesen rot - sie sind auch dann gut zu sehen, wenn sie hinter Objekten verborgen sind.



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(Bild 7: So sieht die Welt in der Astralsicht aus. Man sieht u.a. einen Menschen, der hinter dem Mast steht)


Kämpfe zu Lande und auf dem Wasser

Was die vielen, vielen Kämpfe angeht, die ihr in Risen 3 bestreiten werdet, so hat sich nur eines geändert: Neben der mit dem zweiten Teil neu eingeführten Voodoomagie sind jetzt wieder zwei andere Magierschulen vertreten, nämlich die Kristallmagier und die Dämonenjäger. Letztere setzen Magie im Kampf bei weitem nicht so intensiv ein wie erstere, sie besitzen aber die einzigartige Fähigkeit, sich über kurze Strecken zu teleportieren. Als Mitglied der Kristallmagiergilde dürft ihr euch über ein ganzes Arsenal an Zaubersprüchen freuen, die ebenso unbegrenzt eingesetzt werden können wie Waffen. Dazu gehören neben den Klassikern (Feuer, Blitze, Eis) auch andere nette Effekte wie zum Beispiel Telekinese. Damit könnt ihr unerreichbare Objekte zu euch heranholen. Wer sich keiner der genannten Schulen anschließt, ist auf Runen und Spruchrollen angewiesen, wenn er Zauber wirken möchte. Auch sie gehören zu den herstellbaren Objekten, sie werden beim Einsatz verbraucht. Die Bandbreite ist enorm! So lassen sich die verschiedensten Angriffszauber wirken, diverse Kreaturen können beschworen werden, damit sie an eurer Seite kämpfen und mit dem Zauber "Papageienflug" verwandelt ihr euch in einen Vogel, der kurze Strecken im Flug überwinden kann. Nur so sind manche Stellen der Spielwelt erreichbar.

Zum Fernkampf setzt ihr wie gehabt Musketen ein. Das ist nur sinnvoll, wenn euch die Gegner noch nicht bemerkt haben, denn ihr müsst zielen, bis sich die Trefferanzeige gefüllt hat. Je weniger sie gefüllt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses. Beim Nahkampf könnt ihr die bekannten "schmutzigen Tricks" ausführen. Ihr könnt eine Pistole oder eine kleine Armbrust zücken und dem Gegner aus nächster Nähe eins auf den Pelz brennen. Führt ihr rechtzeitig einen Nahkampfangriff nach dem anderen aus, dann richten die folgenden Schläge immer größeren Schaden an. Dumm beim Ausführen dieser Combos ist der Umstand, dass man im Eifer des Gefechts gern mal zu oft auf die Angriffs-Taste drückt. Der Held drischt dann immer weiter drauflos, auch wenn der Gegner längst tot ist. So kann es geschehen, dass man einen NPC verprügelt, der deshalb feindlich wird! Ansonsten funktioniert die Mischung aus Angriff, Parade und Ausweichen gegen einzelne Gegner gut.



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(Bild 8: Ich warte ab, während Bones (rechter Bildrand) einen Drachensnapper bekämpft)


Bei Gegnergruppen kann es allerdings etwas hektisch werden, denn die Gegner, sogar Tiere, führen ebenfalls Combos aus. Selbst relativ schwaches Viehzeug kann den Helden auf diese Weise zu Boden werfen, wo er wehrlos weiteren Schaden einstecken muss, bis er sich wieder aufgerappelt hat. Zur Wiederherstellung der Gesundheit kann man sich selbst im wildesten Getümmel jederzeit in aller Ruhe einen Schnaps hinter die Binde gießen, denn wenn man das Inventar öffnet, wird das Spiel pausiert. Rum anklicken, Menü verlassen - schon ist der Held wieder frisch und munter! Außerdem muss man nie allein durch die Lande ziehen. Im Spielverlauf werdet ihr mehrere Besatzungsmitglieder für euer Schiff rekrutieren. Einer davon kann euch begleiten, er wird dann an eurer Seite kämpfen. Jedes Besatzungsmitglied hat Spezialfähigkeiten. Bones ist sehr nützlich, besonders in der Anfangsphase, denn er wirkt automatisch einen Heilzauber auf den Helden, wenn dieser schwer angeschlagen ist.

Somit komme ich zur zweiten Besonderheit von Risen 3, das sind die Seeschlachten. Zu Beginn seid ihr lediglich mit Bones' Schaluppe unterwegs. Sie bringt euch problemlos von Insel zu Insel, zu mehr ist sie aber nicht zu gebrauchen. Wie im Kapitel "Story" erwähnt erhaltet ihr im weiteren Spielverlauf das Kommando über einen stolzen Dreimaster. Dieses Segelschiff ist sozusagen eure Operationsbasis, denn alle Gefährten stehen dort bereit. An Bord tummeln sich stets einige Matrosen, außerdem ist das Schiff mit mehreren Kanonen und einem Frontgeschütz bestückt.



Risen 3

(Bild 9: Mein eigenes Schiff: Die Galeere der Magier.)


Wenn ihr damit in See stecht, kommt es mehrmals zu Gefechten. Wenn ihr von Schiffen angegriffen werdet, dann kämpft ihr lediglich auf dem Deck eures Schiffes gegen enternde Feinde. Wenn alle besiegt sind, setzt ihr über und nehmt es mit dem gegnerischen Kommandanten auf. Ganz anders laufen Schlachten gegen Seeungeheuer ab. Hier steht ihr dann wirklich am Steuer eures Schiffes! Die gigantischen Bestien schlängeln sich durch die Wellen und tauchen immer wieder ab, um ganz woanders an die Oberfläche zu kommen. Ihr müsst sie verfolgen und mit den Geschützen unter Beschuss nehmen. Das klingt leichter als es ist, denn ihr müsst sowohl das Ungeheuer im Blick behalten (es kann euch rammen und mit Feuerbällen beschießen) als auch die Küsten der Inseln, zwischen denen ihr manövriert. Mitten im Kampf auf Grund zu laufen ist gar nicht gut! Außerdem müsst ihr dem Ungeheuer beim Feuern die Breitseite zuwenden, denn das Frontgeschütz richtet nicht genug Schaden an. Bei alldem müsst ihr auch noch auf den Seegang achten. Solltet ihr eine Breitseite ausgerechnet dann abfeuern, wenn sich das Schiff in der Dünung neigt, dann gehen die Kanonenkugeln entweder hoch über das Ziel hinweg oder klatschen wirkungslos ins Wasser. Zum Glück habt ihr es nie mit mehreren Seeungeheuern gleichzeitig zu tun.

Spielwelt

Offene, relativ große, natürlich wirkende und von Beginn an jederzeit komplett zugängliche Spielwelten, deren teils echt wunderschöne Landschaften mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden und nie den Eindruck erwecken, aus Baukastenelementen zusammengesetzt worden zu sein - das waren schon immer die Stärken der Gothic- bzw. Risen-Reihe. Das ist auch diesmal nicht anders. Schon im Prolog, an der Krabbenküste mit ihren leuchtenden Stränden, dem klaren Wasser und dem lockeren Palmenbestand, kommt passend zum Piratenszenario richtiges Südseefeeling auf.



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(Bild 10: Mit Patty am Strand der Krabbenküste)


Euer Weg führt euch durch tückische Sümpfe, dichten Dschungel und Höhlen voller Spinnennetze, vorbei an schroffen Steilküsten und lebensfeindlichen Regionen, in denen Lavaströme blubbern. Ihr besucht die weitläufigen Festungen der verschiedenen Gilden, von denen jede ihren ganz eigenen Charakter hat. Dazwischen liegen kleine Bauernhöfe und einzelne Hütten, hier und da leuchtet auch nur ein Lagerfeuer in der Dunkelheit (es gibt einen Tag-Nacht-Wechsel, hinzu kommen verschiedene Wetterverhältnisse), an dem sich einsame Jäger oder sonstige NPCs aufhalten. Dungeons uralter Tempel warten darauf, erkundet zu werden, manche Gebiete sind von labyrinthischen Ruinen bedeckt.



Risen 3

(Bild 11: Im Fackelschein unterwegs in einer gefährlichen Gegend)


Es wurde eine Palette intensiver Farben eingesetzt, mit anderen Worten: Risen 3 ist in weiten Teilen recht bunt, aber nicht zu schrill. In den Schattenzonen, die sich rings um die Totenkopfhöhlen erstrecken, wirkt dagegen alles wie ausgebleicht. Hier herrschen Grautöne vor, wodurch die Geisterhaftigkeit dieser Gegenden betont werden soll.

Unpassierbar steile Gebirgszüge sind zwar vorhanden, aber ansonsten gilt: Was man sehen kann, kann man auch erreichen, und sei es unter Zuhilfenahme des Papageienfluges. Ihr reist immer per Schiff von Insel zu Insel (das heißt: Ihr wählt ein Ziel aus und bekommt dann eine kurze Zwischensequenz zu sehen), und das könnt ihr beliebig oft tun. Nie ist euch der Rückweg versperrt! Ansonsten seid ihr stets zu Fuß unterwegs. Damit ihr euch nicht die Hacken schief latschen müsst, sind auf jeder Insel mehrere Teleporter verteilt. Diese werden mit speziellen Steinen aktiviert. Danach könnt ihr nach Belieben von einem Teleporter zum anderen springen, allerdings immer nur auf derselben Insel.

Ich habe geschrieben, die gesamte Spielwelt sei von Anfang an erreichbar. Das stimmt nicht ganz; die Totenkopfinsel, Schauplatz des Endkampfes, wird erst ganz am Schluss der Story freigeschaltet. Zuvor ist sie nicht auf der Karte zu sehen.



Risen 3

(Bild 12: Die gesamte Inselwelt von Risen 3, oben rechts die Totenkopfinsel)


Besonders lobenswert: Es macht nicht nur wegen des Abwechslungsreichtums Spaß, die gesamte Spielwelt intensiv zu erkunden - es lohnt sich auch. Wenn euch irgendwo ein kleiner Seitenpfad auffällt, dann könnt ihr fast immer sicher sein, dass an dessen Ende eine Truhe, eine seltene Pflanze oder ein anderes nützliches Objekt zu finden ist, eventuell sogar ein Questgeber oder einfach nur ein witziges Easteregg. Dasselbe gilt für besonders schwer zugängliche Stellen.

Bei Mensch und Tier setzt sich die Vielfalt fort. Es würde zu weit führen, wollte ich das Aussehen der unzähligen verschiedenen NPC und Kreaturen beschreiben - wie in Risen 2 hat man es in Sachen Fauna sowohl mit normalen Tieren wie Raubkatzen, Affen bis hin zu großen Gorillas, Alligatoren, Nashörnern und dergleichen zu tun, als auch mit teils ziemlich bizarren Fabelwesen. Das sind die aus früheren Spielen bekannten Scavenger, Snapper, Leviathane, Sandteufel, Riesenkrabben, Golems, Skelette etc. pp.! Als neue Gegnerart kommen die Schergen und andere Bewohner des Totenreiches hinzu, die von den besonders mächtigen Schattenlords in die Schlacht geführt werden. Ach, nicht zu vergessen: Spinnen. Dieses Viehzeug kommt überall vor. In besonders großem Artenreichtum begegnet man ihnen auf Kila, wo sie scharenweise unterwegs sind. Es gibt große und kleine, manche leuchten sogar.



Risen 3

(Bild 13: Ich hasse Spinnen, auch wenn sie noch so schön leuchten!)


Gnome sind auch wieder unterwegs. Die diebischen kleinen Gesellen nerven manchmal zwar ein wenig mit ihrem kaum verständlichen Kauderwelsch, sind ansonsten aber harmlos. Sie haben sogar ihre eigene Insel, darauf gehe ich weiter unten ein.

Auf jeder Insel findet man eine ausgewogene Mischung normal starker und gefährlicherer Gegner vor. Man kann also ruhig jede Insel erkunden, aber es gibt Gegenden, die man zunächst besser meidet. Umso mehr Spaß macht es, mit einem weiter entwickelten Helden dorthin zurückzukehren, um jene Biester ordentlich zu vermöbeln, die einen zuvor das Fürchten gelehrt haben!

Bossfights sind nur ganz selten zu bestreiten (dasselbe gilt übrigens für Schalterrätsel), dabei reicht reines Draufhauen nicht, dann ist eine besondere Strategie erforderlich. In einem dieser Kämpfe müsst ihr gegen eine der bizarrsten Kreaturen der Spielewelt antreten - siehe nächstes Bild!



Risen 3

(Bild 14: Margoloth, die Mutter aller Spinnen)


Wie die Screenshots vielleicht erahnen lassen, sind die Spielwelt und ihre Bewohner nicht nur liebevoll designt, sondern sehen auch ziemlich gut aus. Manche Texturen mögen so schwammig wie eh und je sein, es mag aktuelle Konsolenspiele mit spektakuläreren Effekten geben und die NPCs mögen etwas eckig wirken, insgesamt bin ich mit der Grafikqualität aber durchaus zufrieden. Auch die Fernsicht kam mir OK vor. Grobe Fehler sind mir nur selten aufgefallen, und wenn doch, dann nur in wirklich abgelegenen Ecken, die eigentlich gar nicht dafür vorgesehen sind, dass sich dort jemand umsieht. An solchen Stellen waren denn doch mal in der Luft hängende Bäume oder merkwürdig verkantete Felsen zu sehen. Zugegeben, gelegentlich sind schon mal Blätter oder ganze Bäume vor mir wie aus dem Nichts aufgetaucht, aber insgesamt macht das Spiel einen wirklich guten Eindruck.

Besonderheiten der Enhanced Edition

Die Enhanced Edition enthält die Add-ons "Nebelinsel" und "Koboldplage", außerdem befindet sich in dieser Edition von Beginn an eine relativ hochwertige Rüstung in eurem Inventar. Durch die Add-Ons werden zwei neue Inseln zugänglich, nämlich die Nebelinsel und die Insel der Diebe. Erstere wurde von der Inquisition besetzt, aber es gibt ein Problem. Auf der Insel treiben Seelenfresser ihr Unwesen, gefährliche Kreaturen, die den Geist der Menschen verwirren und sie Dinge sehen lassen, die nicht da sind. Eure Aufgabe ist es nun, die Seelenfresser unschädlich zu machen. In "Koboldplage" reist ihr zur Insel der Diebe, der Heimat der Gnome.



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(Bild 15: Gespräche mit Gnomen verlaufen meistens ... seltsam.)


Dort haben sich Kobolde breit gemacht, die sich anschicken, die armen kleinen Diebe auszurotten. Sie haben mehrere Lager eingerichtet und werden offensichtlich von jemandem angeführt, denn sie gehen ungewöhnlich koordiniert vor und haben die Gnome ausgetrickst, so dass diese es nicht wagen dürfen, die Invasoren anzugreifen. Da kommt der Namenlose Held natürlich wie gerufen!

Die Add-Ons bieten im Grunde nur noch mehr vom Bekannten - keine aufregenden neuen Geschichten oder Gameplay-Elemente, aber immerhin viele Quadratmeter unbekannten Landes zum Erforschen!

Sonstiges

In dieser Review bin ich nur auf einen Teil dessen eingegangen, was man in Risen 3 unternehmen kann. Eure Hauptbetätigung besteht natürlich darin, durch die Lande zu marschieren, Gegner zu töten und wertvolle Objekte einzusammeln, ein bisschen Abwechslung wird aber schon geboten. So könnt ihr euch beim Messerwerfen vergnügen oder Wettsaufen spielen. Hier muss man Flaschen zu packen bekommen und dabei schneller als der Gegner sein, während die Steuerung bei steigendem Alkoholpegel immer ungenauer wird. Außerdem könnt ihr euch im Armdrücken versuchen, dabei gilt es im richtigen Moment die auf dem Bildschirm angezeigte Taste zu drücken.



Risen 3

(Bild 16: Minispiel "Armdrücken")


Von Bugs kann ich diesmal nicht berichten - mir sind keinerlei Questfehler untergekommen, das Spiel ist konstant flüssig gelaufen und kein einziges Mal abgestürzt! Das fand ich gerade im Vergleich mit dem zweiten Teil sehr erfreulich.

Auch noch erwähnenswert: Der stimmungsvolle Soundtrack. Besonders ein Stück, bei dem die Melodie von einer Harfe gespielt wird, hat es mir angetan.

Fazit

Ich würde sagen, man muss Gothic geliebt haben, um die Risen-Spiele zu mögen. Dem Vergleich mit Top-Titeln wie Dragon Age: Inquisition hält dieses RPG nicht annähernd stand! Piranha Bytes veröffentlichen seit vielen Jahren genaugenommen immer wieder dasselbe, leicht abgewandelte Spiel. Dennoch hat mir Risen 3 viel Spaß gemacht, was hauptsächlich an der mal farbenfrohen, mal düsteren Spielwelt liegt, in der das Erkunden belohnt wird. Die unverwechselbare Gothic-Atmosphäre ist für Fans der alten Spiele natürlich ein Schmankerl. Auch der Umfang kann sich definitiv sehen lassen. Alles in allem erhält Risen 3 von mir die möglicherweise stark subjektiv geprägte Note 2.

Hier noch ein paar Screenshots:


Risen 3

(Bild 17: Der namenlose Held (li.) steht mit Bones am eigenen Grab)


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(Bild 18: Die Schamanin Chani - eine alte Bekannte aus Risen 2)


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(Bild 19: Ein Kristallportal)


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(Bild 20: Im Gnomendorf. Rechts ein Teleporter.)


J. Kreis, 25.12.2015



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