Zurück zu den Spielen

Risen

Risen

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 2
RISEN (Collector's Edition)

Dies ist zwar nicht der offizielle vierte Teil der Gothic-Spieleserie, dennoch hätte man auf die Verpackung ebenso gut auch diesen Namen draufschreiben können. Letztlich zählt, was drin ist, und das ist definitiv Gothic. Story, Gameplay, Atmosphäre, Grafik und Sound lassen daran keinen Zweifel. Wer Gothic II oder 3 kennt, der muss noch nicht mal das Handbuch lesen, so sehr ähnelt Risen diesen Spielen.

Klingt das nach einem Vorwurf? Ist nicht so gemeint. Man sollte es eher als Lob auffassen, denn insbesondere nach dem Fiasko von Gothic 3 - Götterdämmerung ist Risen eine wahre Wohltat für geplagte Freunde des wohlbekannten namenlosen Helden.

Story

Die Götter haben vor langer Zeit alle Titanen besiegt oder vertrieben, so dass die Welt sicher war. Nun haben die Götter jedoch die Welt verlassen, so dass die Titanen zurückkehren und Chaos verbreiten können. Auf der Insel Faranga, dem letzten sicheren Hort, brechen plötzlich versunkene Tempel durch die Erdoberfläche, denen schreckliche Ungeheuer entsteigen. Sie ermöglichen aber auch den Zugang zu märchenhaften Schätzen und geheimnisvollen Artefakten. Inquisitor Mendoza, der von Magiern und Ordenskriegern unterstützt wird und in der Vulkanfestung residiert, untersucht diese Vorgänge und verdrängt Don Esteban, den bisherigen Machthaber Farangas. Mendozas Männer suchen nach Artefakten, während es Don Esteban nur um das Gold geht. Niemand darf die Insel verlassen, und Don Estebans Leute ziehen sich in den Sumpf zurück, wo sie ein Banditenleben führen.

Der namenlose Held gelangt als blinder Passagier eines Schiffes der Inquisition nach Faranga. Er beobachtet, wie sich Mendoza einen vergeblichen Kampf gegen einen Titanen liefert, der sich aus dem Meer erhebt und das Schiff zerschmettert. Als Schiffbrüchiger muss sich der Held zunächst auf der Insel zurechtfinden, wobei er auch noch eine junge Frau beschützen muss, die das Unglück ebenfalls überlebt hat. Schon bald steht er vor der Wahl, sich entweder den Banditen, den Ordenskriegern oder den Magiern anzuschließen. Alle Wege führen jedoch zur Vulkanfestung, denn dort brennt die Heilige Flamme - sollte sie erlöschen, wie die Magier befürchten, dann hätte Faranga keinen Schutz mehr vor den Titanen.



Risen

(Bild 1: Kringel in einer Krypta unter dem Vulkan)


Die Geschichte erstreckt sich über vier Kapitel und wird nach dem unspektakulären Intro fast ausschließlich über Dialoge weitergeführt. Wie in so vielen RPGs ist die Story zweitrangig. Der rote Faden geht zwar nie verloren, aber man fühlt sich nicht so recht in die Geschichte eingebunden. Zu beliebig sind die zu erfüllenden Aufgaben, vor allem aber fehlt die Interaktion mit NPCs - natürlich gibt es eine Reihe von Personen (z.B. Inquisitor Mendoza), mit denen man es immer wieder zu tun hat, aber irgendwie bleiben sie doch bloße Randfiguren ohne echtes eigenes Profil. Man kann keine Beziehung zu ihnen aufbauen und es ist egal, was aus ihnen wird. Einzige Ausnahme ist vielleicht Patty, die Tochter eines Piratenkapitäns, doch auch sie gerät irgendwann aus dem Fokus und spielt keine Rolle mehr. Somit rennt man in den späteren Kapiteln nur noch durch die Gegend, um spezielle Artefakte bzw. die Bestandteile einer Rüstung zu finden - beides wird für den Zugang zum Endgegner und für den Kampf gegen denselben benötigt.

Fraktionen

Zu Beginn des Spiels ist der namenlose Held auf eigene Faust unterwegs, aber schon bald muss man sich zwangsläufig für eine der drei Fraktionen entscheiden. Bei den von Don Esteban angeführten Banditen sind Schwertschwinger gut aufgehoben, die mit Magie nichts am Hut haben. Die Magier können Runen verwenden - eine Rune ist sowas wie eine unbegrenzt verwendbare Spruchrolle - und somit diverse Zauber einsetzen (Levitation, Telekinese, Verwandlung in verschiedene Tiere, diverse Angriffs- und Beschwörungszauber usw.), außerdem steht ihnen die Kristallmagie zur Verfügung. Das sind drei Arten von Angriffszaubern, die ebenso wie alle Kampf-Fertigkeiten in zehn Stufen verbessert werden können. Die Ordenskrieger sind eine Mischung aus diesen beiden Gruppen. Ich habe den Weg des Magiers eingeschlagen und diese Entscheidung nicht bereut. Runen und Kristallmagie erleichtern den Kampf und auch manche Quest doch sehr. Als Bandit hat man es zweifellos sehr viel schwerer, denn da liegt der Schwerpunkt auf dem Nahkampf, und der gestaltet sich manchmal schwierig. Aber dazu kommen wir noch. Natürlich kann man als Bandit auch den Kampf mit Bogen und Armbrust erlernen, aber das ist kein echter Ersatz für die Kristallmagie.

Bevor man von einer der Fraktionen aufgenommen wird, muss man erst einmal Zugang zu ihren Basen erhalten, das Vertrauen der Verantwortlichen gewinnen und deshalb Aufgaben für sie erledigen. Dann muss (bei Magiern und Ordenskriegern, die beide für Mendoza arbeiten) eine Ausbildung durchlaufen werden. Eine entscheidende Schwäche von Gothic 3 besteht nicht mehr: Es ist nicht mehr völlig egal, welcher Fraktion man sich anschließt. Wer Magier wird, erhält keinen Zugang zu den Quests der Banditen und umgekehrt, das gilt auch für bestimmte Fähigkeiten, Rüstungen und dergleichen. So entsteht ein recht gutes Zugehörigkeitsgefühl. Allerdings führen im weiteren Verlauf der Story doch wieder die Handlungsstränge aller Fraktionen zusammen, d.h. egal zu welcher Fraktion man gehört: Die Hauptquest läuft dann identisch weiter.

Charakterentwicklung

Gothic-Standard: Verschiedene Heldenklassen, Völker usw. gibt es nicht, jeder Spieler startet mit demselben namenlosen Helden. Erledigte Quests und besiegte Feinde bringen Erfahrungspunkte für den Levelaufstieg, bei jedem Levelaufstieg erhält man 10 Lernpunkte zur Verbesserung der Eigenschaften des Helden und seiner Fertigkeiten. Das sind neben verschiedenen Kampfskills vor allem Dinge wie Schmieden, Schlösser knacken, Alchemie, Tiere ausweiden usw., und für alle Fertigkeiten muss erst einmal ein Lehrmeister gefunden werden. Jede "Unterrichtsstunde" kostet Gold, außerdem verlangen viele Lehrmeister, dass ihr eine Aufgabe für sie erledigt, bevor sie euch trainieren. Auch hängt es von der Fraktionszugehörigkeit ab, von welchen Lehrmeistern ihr überhaupt lernen könnt. Hin und wieder findet man auch mal eine besondere Pflanze, einen Trank oder andere Artefakte, deren Benutzung zur dauerhaften Verbesserung von Eigenschaften führt. Mit entsprechender Alchemie-Fertigkeit und den richtigen Zutaten kann man solche Tränke auch selbst brauen. Hat man die Goldschmiedekunst erlernt, das nötige Werkzeug erworben und bestimmte Edelsteine gefunden, kann man Ringe und Amulette zur Attributsteigerung herstellen.



Risen

(Bild 2: Der Charakterbildschirm)


Die Eigenschaften werden beim Levelaufstieg nicht automatisch erhöht, auch zur Verbesserung von Stärke, Geschicklichkeit und Mana müssen Lehrmeister bemüht werden. Die z.B. aus Gothic 3 bekannten Schreine, bei denen man die Lebensenergie aufwerten konnte, gibt es nicht mehr. Manchmal erhält man geringfügige Verbesserungen auch als Lohn für erledigte Quests. Man muss sich zwar gut überlegen, wofür man die raren Lernpunkte verwendet, da es unmöglich ist, alle Kampfskills und Fertigkeiten zu erlernen bzw. auszubauen. Dennoch ist die Charakterentwicklung bei weitem nicht so umfangreich wie in anderen RPGs, zum Beispiel Oblivion oder Neverwinter Nights 2. Das hat aber auch den Vorteil, dass alles gut überschaubar bleibt.

Viele Fertigkeiten habe ich kaum oder gar nicht genutzt, z.B. Tiere ausweiden, Erz schürfen und Alchemie. Die ersten beiden braucht man praktisch nur, um Handelsware zu erhalten. Es war mir zu teuer, die Alchemie-Fertigkeit soweit zu verbessern, dass sie wirklich nützlich geworden wäre. Auch die Schmiedekunst habe ich nur selten genutzt, immerhin kann man sich mit dieser Fertigkeit ein schönes Obsidianschwert zurechtdengeln. Es ist jedoch sehr ratsam, das Knacken von Schlössern zu lernen, denn man findet viele verschlossene Truhen mit teils sehr wertvollem Inhalt. Als Magier sollte man nicht zu viele Lernpunkte in diese Fähigkeit investieren, denn es gibt eine Rune, die das Knacken aller Schlösser ermöglicht.

Quests

Die zu erledigenden Aufgaben sind in Haupt- und Nebenquests aufgeteilt. Hauptquests müssen zur Weiterführung der Story erfüllt werden, Nebenquests sind dazu nicht unbedingt erforderlich. Sie bringen euch aber neben den für die Charakterentwicklung nötigen Erfahrungspunkten oft auch wertvolle Gegenstände, Waffen und so weiter ein. Sie laufen in der Regel nach genau dem gleichen Schema ab: Erledige Quest 1, indem du Gegenstand A für Person X beschaffst. Person X gibt dir zum Dank Gegenstand B. Bringe Gegenstand B zu Person Y, um auf diese Weise Quest 2 zu erledigen und Gegenstand C zu erhalten, den du für Quest 3 bei Person Z brauchst...

Puzzles, Geschicklichkeitsaufgaben oder Rätsel, für deren Lösung man ein wenig nachdenken muss, kommen nicht sehr häufig vor. Ab und zu muss man überlegen, in welcher Reihenfolge Schalter betätigt werden müssen oder es müssen bestimmte Zauber eingesetzt werden, damit man weiterkommt. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, die benötigten Personen, Gegenstände und Orte überhaupt erst einmal zu finden bzw. an sie heranzukommen. Hier hilft Risen dem Spieler besser als die Gothic-Spiele: Auf der Questkarte zeigen bunte Punkte an, wo sich questrelevante Personen und Objekte befinden. Allerdings ist die Arbeit damit noch nicht getan, denn zwischen euch und eurem Ziel stehen in der Regel unzählige Gegner. Ihr seid nur ganz selten mit Begleitern oder zu eskortierenden Personen unterwegs. Die könnt ihr zwar nicht selbst steuern (ihr könnt ihnen nur befehlen, stehen zu bleiben bzw. euch zu verlassen), aber die meisten Begleiter sind so stark, dass sie euch sehr gut unterstützen.

Die Anzahl der Quests wurde im Vergleich zu den Gothic-Spielen herabgesetzt, so dass sich eine Spielzeit von höchstens 30 Stunden ergibt (so lange habe ich jedenfalls gebraucht, und ich habe mir sehr viel Zeit gelassen). Immerhin kann man sich deshalb aber auch nicht mehr so sehr verzetteln wie in Gothic 3. Alternative Lösungswege sind praktisch nicht vorhanden und eine komplexe Beeinflussung des Spielverlaufs wie in anderen aktuellen RPGs existiert ebenfalls nicht. Meist ist es völlig egal, welche Dialogoption man auswählt - das Ergebnis ist immer dasselbe. Und sollte man doch mal jemanden beleidigt haben, gibt es den Zauberspruch "Witz erzählen". Danach ist alles wieder in Butter. Schade nur, dass man den Witz selbst gar nicht hört.

Grafik: Spielwelt, NPCs und Monster

Die von Beginn an völlig frei zugängliche Spielwelt besteht aus der Insel Faranga und diversen unterirdischen Dungeons, Höhlen und Tempeln. Besonders groß ist die Insel ja nicht; man braucht nur ein paar Minuten, um von Küste zu Küste zu laufen (Begegnungen mit Monstern nicht mitgerechnet). Man kann die Insel nicht verlassen (der Held kann nicht schwimmen!), obwohl es keine unsichtbaren Barrieren gibt. Wenn der Held zu weit ins Meer hinaus watet, dann wird er immer von einem riesigen Ungeheuer gefressen. Auch hier muss man wieder sagen: Die geringeren Abmessungen haben auch ihre Vorteile, denn man kann sich kaum verirren. Außerdem ist praktisch jeder Ort, den man sehen kann, jederzeit auch erreichbar. Wenn man sich die Mühe macht, z.B. per Levitationszauber den einen oder anderen schwer zugänglichen Ort aufzusuchen, dann findet man dort oft nützliche Gegenstände oder versteckte kleine Gags. Deshalb ist man immer motiviert, auch noch den letzten Winkel auszukundschaften.

Die oberirdische Landschaft wurde abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Hier kann Risen wirklich punkten! Sich wiederholende Baukasten-Elemente erkennt man nicht, so dass alles sehr natürlich wirkt. Dazu trägt die ungemein dichte, üppige und farbenprächtige Pflanzenwelt bei. Kleingetier ist auch unterwegs, besonders viel tut sich da aber nicht. Die Insel ist zwar nicht in verschiedene Klimazonen unterteilt (der obligatorische Sumpf ist recht klein), aber man merkt doch, wie sich das Landschaftsbild von der Küste hin zum Zentralvulkan ein wenig verändert. Auch die Siedlungen sind sehr schön geworden, es hätten nur ruhig ein paar mehr sein können. In den Dungeons sieht die Sache anders aus, hier hat man es fast nur mit den farblich immer gleichen Höhlen und Tempelruinen zu tun. Unter dem Vulkan kommen noch Lavaseen hinzu. Dennoch ist der Gesamteindruck äußerst positiv; Tag-Nacht-Wechsel und verschiedene Wetterverhältnisse tragen auch noch dazu bei.



Risen

(Bild 3: Im Kampf gegen zwei Krallenfalter, irgendwo im Dschungel)


Von anatomischer Korrektheit kann man bei den humanoiden Figuren kaum sprechen. Gut, ihre Kleidung, die Rüstungen und Waffen weisen viele kleine Details auf, aber die Menschen selbst sind fast schon als hässlich zu bezeichnen. Man begegnet auch immer wieder denselben Gesichtern und besonders stark bevölkert scheint mir die Insel nicht zu sein. Immerhin haben die NPCs ihren eigenen Tagesablauf, allerdings bewegen sich nur sehr wenige weiter als ein paar Meter von ihrer Ausgangsposition weg. Bei den Monstern ist das Bild uneinheitlich. Wölfe und Wildschweine wirken kantig und unansehnlich, Krallenfalter, Echsenmenschen und andere Viecher sehen dagegen klasse aus. Meine Lieblinge sind die Gnome: Knuffige, aber dennoch gefährliche kleine Gesellen, die allen möglichen Schrott horten und den namenlosen Helden auch schonmal mit Fischen bewerfen...

Es wurden Synchronsprecher eingesetzt, die auch schon bei den Gothic-Spielen mitgewirkt haben. Die Stimmen werden euch, sofern ihr diese Spiele kennt, sofort bekannt vorkommen. Der Grundton ist in Risen übrigens genauso ruppig, wie man es aus Gothic kennt, und auch der teilweise derbe Humor dieser Reihe findet sich hier genauso wieder.

Kampfsystem

Alle Kämpfe verlaufen in Echtzeit, der Held wird dabei direkt gesteuert. Besonders in Gothic 3 war der Kampf eher als Krampf zu bezeichnen. Das wurde enorm verbessert. Zwar kommt es infolge der immer noch vorkommenden "Kettenangriffe" mancher Gegner dazu, dass man selbst gar nicht zum Schlag kommt, aber man kann diese Angriffe einfach mit einem Schild abblocken. Die Viecher weichen aber auch automatisch zurück, wenn man selbst angreift, so dass man immer danebenschlägt. Man muss sie also in die Ecke drängen. Bei menschlichen Gegnern ist das anders, bei denen kann man die erlernbaren Kombinationsangriffe zur Anwendung bringen, wobei das richtige Timing sehr wichtig ist. Aber auch die Gegner verwenden Combos, und so kann ein Schwertkampf aus längeren Phasen des gegenseitigen Abblockens bestehen. Außerdem hat man es sehr oft nicht nur mit einem einzigen Gegner zu tun, sondern mit ganzen Gruppen. Ist man erst einmal eingekreist, dann naht das Ende ziemlich schnell.

Als Magier hat man es leichter: Einfach einen Gegner einfrieren und derweil den anderen verprügeln! Allerdings muss der Held jedes Mal eine Handbewegung zu Ende bringen, bevor er wieder mit Eis oder Feuer um sich werfen kann. In dieser Phase sollte man außerhalb der gegnerischen Schwertreichweite sein, denn wenn man Hiebe einstecken muss, wird der Zauber abgebrochen. Fernkampf mit Bogen oder Armbrust ist natürlich auch möglich, aber allein darauf könnt ihr euch nur dann verlassen, wenn die Gegner euch nicht erreichen können, z.B. weil sie durch einen Abgrund oder ein Gitter von euch getrennt sind.



Risen

(Bild 4: Dieses Vieh kann soviel Staub aufwirbeln wie es will; ich werde es doch in aller Ruhe durchs Gitter hindurch mit Armbrustbolzen spicken)


Der nächstgelegene Gegner wird im Nahkampf immer automatisch anvisiert. Es ist nicht möglich, einen bestimmten Gegner gezielt auszuwählen. Greifen mehrere Gegner an, verliert man schnell die Übersicht und es geschieht allzu leicht, dass man einen befreundeten NPC trifft. Hat man Pech, dann tötet man ihn unabsichtlich, oder seine Einstellung ändert sich in "feindlich". Da muss man dann wieder mal einen Witz erzählen... Die Stärke der Gegner passt sich zum Glück nicht der des Helden an, d.h sie leveln nicht mit. Manche Gegner und Monster sind dem Helden zu Anfang deshalb deutlich überlegen - da gilt die Devise: Wegrennen und später wiederkommen. Das Erfolgserlebnis ist dann umso größer, wenn man merkt, dass das Hochleveln des Helden auch wirklich was gebracht hat.

Inventar und andere Menüs

Das Inventar ist unbegrenzt, lässt sich nach sieben Kategorien sortieren und steht auch im Charakterbildschirm zur Verfügung - so kann man z.B. sofort sehen, welche Auswirkungen eine Rüstung, ein Trank usw. auf die Werte des Helden hat. Häufig benutzte Objekte können in eine Quickslot-Leiste gezogen werden, so dass das Inventar nicht bei jeder Benutzung geöffnet werden muss. Das Inventar und alle anderen Menüs (Charakterbildschirm, Questlog usw.) sind übersichtlich aufgebaut, daran gibtís nichts zu meckern. Infos zu allen Einträgen werden eingeblendet, wenn man mit der Maus über einen Menüpunkt fährt. Von den Questkarten war ja schon die Rede, hinzu kommen Regional- und Übersichtskarten, die eingeblendet bleiben können, während der Held durch die Welt gesteuert wird.

Während es unzählige Pflanzen, Schriftrollen, Werkzeuge, Speisen & Getränke sowie diversen nutzlosen Kleinkram zu finden gibt, herrscht bei Waffen und Rüstungen leider Ebbe. Rüstungen gibt es praktisch gar nicht zu kaufen, die erhält man im Verlauf der Karriere bei der jeweiligen Fraktion automatisch. Zugang zur besten Rüstung des Spiels erhält man erst im letzten Kapitel im Rahmen der Hauptquest. Mächtige Schwerter (vor allem Einhandschwerter) sind äußerst selten. Auch Gold ist vor allem zu Beginn des Spieles immer knapp, da die Waren recht teuer sind und weil man ja auch zum Lernen Bares braucht. Die beliebten Teleportsteine, die das Reisen erheblich beschleunigen, sind übrigens wieder mit von der Partie. In einer Nebenquest hat man die Aufgabe, alle zu finden.

Bugs

Tja, zu diesem Punkt kann ich nicht viel schreiben, denn das Spiel ist fast fehlerfrei - und das, obwohl der schon lange vorab angekündigte Veröffentlichungstermin nicht verschoben werden musste. Ich musste keinen Patch installieren, um Risen problemlos durchzocken zu können. Das verdient ein großes Extralob! Ich bin im ganzen Spielverlauf nur auf eine einzige merkwürdige Stelle gestoßen: Im Osttempel wird man beim Durchschreiten einer bestimmten Tür immer in ein höheres Stockwerk des Gebäudes teleportiert. Wenn man die Nautilus-Verwandlung verwendet, geschieht das nicht.

Besonderheiten der Collector's Edition

Abgesehen von der schöneren Verpackung (die normale Hülle steckt in einer großen Pappbox) bietet die Collector's Edition diverse Gimmicks: Eine Bonus-DVD, den Risen-Soundtrack auf CD (der ist aber auch bei der normalen Version des Spiels dabei, glaube ich), drei Aufkleber, eine Karte der Insel, ein beidseitig bedrucktes Poster mit Autogrammen der Entwickler, einen Code für die Teilnahme am Betatest eines neuen Spiels von Deep Silver, und zwei Booklets. Das erste ("The Art of Risen") enthält Konzept-Gemälde, beim zweiten handelt es sich um ein Comic mit einer kurzen Vorgeschichte zum Spiel.

Die DVD enthält einen Trailer, vier Videos mit Präsentationen der Spielgrafik incl. Musik und zwei Featurettes: Ein "Making of" (ca. 20 Minuten) und "Piranha Bytes Privat" (29 Minuten). Beides sind ausschließlich Zusammenstellungen von Interviews. Die Entwickler sprechen über ihre Gothic-Vergangenheit, wie sie an die Entwicklung von Risen herangegangen sind und was ihnen dabei wichtig war; Besonderheiten der XBox-Version werden ebenfalls erwähnt. Außerdem erfährt man, welche Hobbys, Vorlieben, berufliche Erfahrungen usw. Björn Pankratz, Kai Rosenkranz, Philipp Krause und Ralf Marczinczik haben.

Sonstiges

Kurze Ladezeiten, keine Probleme beim Anlegen neuer Speicherstände, keine Pflicht zur Online-Registrierung und dergleichen - ein Traum wird wahr! Aber damit nicht genug: Meine bescheidene Wenigkeit wird im Handbuch erwähnt. Es gibt einen Anhang, in dem -zig Nicknames aus der Deep Silver-Community aufgelistet werden, und da bin ich ("Kringel") auch dabei.

Fazit

Risen ist eine grafisch aufgepeppte, inhaltlich aber stark abgespeckte Mischung aus den drei bisherigen Gothic-Spielen, da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich habe aber gar nichts dagegen, denn Risen greift die Stärken von Gothic auf, ohne die Fehler des dritten Teils zu wiederholen.

Die Story ist zwar etwas dünn und lieblos präsentiert, auch ähneln sich die Hauptquests im Mittelteil gar zu sehr, aber man kann sich ja mit den Nebenquests ablenken. Immerhin ist wenigstens eine Story vorhanden, die auch logisch weiterentwickelt wird, da kann man darüber hinwegsehen, dass sie äußerst geradlinig und für alle Fraktionen gleich verläuft. Die mangelnde Charakterisierung der einzelnen Nebenfiguren und das nicht hundertprozentig gelungene Kampfsystem sind die einzigen Schwächen, die ich Risen anlaste. Spiele wie Drakensang oder Neverwinter Nights 2 zeigen, was man bei der Charakterzeichnung besser machen kann. Da hat man es mit echten Individuen zu tun, während die Charaktere in Risen (bis auf Mendoza und Patty) völlig austauschbar bleiben.

Weder wurde irgendetwas am grundlegenden Spielprinzip, dem ganzen Gameplay usw. geändert, noch weist Risen echte Innovationen auf, die das Spiel zu etwas Besonderem machen würden. Aber das ist alles nicht weiter tragisch. Entscheidend ist: Es macht einfach Spaß, Faranga bis in den letzten Winkel zu erkunden und den Helden allmählich immer weiter aufzuwerten. Die Motivation reißt bis zum Schluss nicht ab; man möchte alles gesehen und jede einzelne Quest absolviert haben. Allerdings hatte ich nicht das Bedürfnis, das Spiel nach dem Ende nochmals als Bandit oder Ordenskrieger zu beginnen.

Aufgrund des vergleichsweise geringen Umfangs und der geringen Komplexität, des sehr niedrigen Rätselanteils und des einfachen Regelwerks ist Risen für RPG-Neulinge gut geeignet. Veteranen erfreuen sich an der wunderschönen Grafik und der fast vollständigen Abwesenheit von Fehlern.


J. Kreis, 04.02.2010

Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang