Zurück zu den Spielen

Resistance - Fall of Man

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Egoshooter

Note: 3
RESISTANCE - FALL OF MAN

Egoshooter mit Zweiter-Weltkriegs-Thematik gibt es ja spätestens seit der Medal of Honor – Serie wie Sand am Meer. Damit ein Spiel sich aus der Masse abhebt, muss man sich schon was Besonderes einfallen lassen. Warum nicht Außerirdische einbauen? So geschehen bei Resistance – Fall of Man.

Wie immer vorab: Es sind zwar Multiplayer-Spielmodi vorhanden (online und offline), aber die nutze und beurteile ich nicht.

Story

Die vierziger Jahre verlaufen friedlich. Doch dann werden Gerüchte über Genversuche laut. Im Jahre 1951 wird dann der gesamte europäische Kontinent, ausgehend von Russland, von grausamen Bestien überrannt, die alles zerstören, was auf ihrem Weg liegt. Diese Wesen infizieren jeden, der mit ihnen in Berührung kommt, mit einem Virus und verwandeln ihn dadurch in ihresgleichen. Die britischen Inseln sind eine der letzten Bastionen im Verteidigungskampf der Menschheit, doch auch hier greifen die Bestien an. Schließlich greifen die USA in den aussichtslos erscheinenden Krieg ein, doch die ersten Truppen, die in England landen, werden fast völlig aufgerieben. Einziger Überlebender ist Sgt. Nathan Hale – und er ist infiziert. Allerdings verwandelt er sich nicht wie alle anderen Bestien-Opfer. Hale kehrt ins Kampfgeschehen zurück, aber es wird bald klar, dass er in mehr als einer Hinsicht mit den Bestien verbunden ist…

Diese Geschichte spielt in einer Alternativwelt, in der es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hat. Sie wird nur in wenigen Videoclips mit Ingame-Grafik weitergeführt. Die gehen dann nahtlos ins Spielgeschehen über, was einen recht netten Effekt ergibt. Ansonsten wird die Story von einer Frau erzählt, der Hale im Verlauf des Spiels begegnet. Derweil sieht man dann lediglich Standfotos. Die irgendwie ziemlich wirre Story endet – soviel kann ich wohl verraten – mit einem Cliffhanger. Nach den Credits kommt noch eine Szene – also nicht abbrechen!

Gameplay

Was soll man zum Gameplay eines Egoshooters noch groß sagen? Resistance erinnert sehr an Call of Duty, was auch daran liegt, dass man oft nicht allein unterwegs ist, sondern sich einer Gruppe anschließt. Da auch schon mal ein Dutzend Gegner (oder mehr) gleichzeitig auftauchen, ist man manchmal mitten in einem beeindruckenden Kampfgewühl. Die Kameraden fallen zwar ziemlich schnell, sie werden aber ebenso schnell durch aus dem Nichts auftauchende neue Soldaten ersetzt. Ich finde diese Massenszenen zwar gut, aber nicht so packend umgesetzt wie in Call of Duty 2, d.h. man wird nicht so sehr in das Geschehen "hineingezogen".

Typischerweise muss man in der Gruppe entweder Gebäude von Bestien-Befall reinigen, ein besetztes Gebiet im Sturmangriff erobern oder aber ein erobertes Gebiet gegen Wellen von Gegnern verteidigen. Sehr oft ist man aber auch ganz allein unterwegs, dann ist man in der für Egoshooter so typischen "finde den Weg von A nach B" - Situation. Zwar suchen Freunde und Feinde selbständig Deckung, gehen seitwärts aus der Feuerlinie und so weiter, aber die meisten Ereignisse in diesem Spiel sind gescriptet, d.h. oft erscheinen die Gegner einfach aus dem Nichts, wenn man sich einer bestimmten Stelle nähert.

Hale kann massenweise Waffen (auch Granaten) und Munition mit sich herumschleppen, d.h. findet er eine neue Waffen, muss er seine anderen nicht ablegen. Er kann auch Waffen der Bestien verwenden, und da sind einige interessante Schießprügel dabei, die außerdem immer zwei Feuer-Modi haben. Die "Bullseye" genannte Waffe kann z.B. eine Markierungskugel abfeuern, so dass alle folgenden Schüsse genau im Ziel sitzen, selbst wenn man die Waffe gar nicht auf den Gegner richtet.

Gespeichert wird ausschließlich automatisch an fair verteilten Checkpoints. Sehr nützlich: Beginnt man an einem Checkpoint neu, ist die Lebensenergie wieder vollständig aufgefüllt. Hale kann sich in bestimmten Grenzen sogar selbst heilen, außerdem liegen recht oft Energiezellen zum Auffrischen der Lebensenergie herum. Auch an Munition herrscht in der Regel kein Mangel.

Level- und Gegnerdesign

Resistance ist in viele kleine Abschnitte aufgeteilt. Weitläufige Umgebungen wie in S.T.A.L.K.E.R. gibt es nicht. Manchmal besteht so ein Level nur aus einem Straßenzug oder zwei Stockwerken eines Gebäudes. Diese Levels sind dann so hintereinander gruppiert, dass man den Eindruck hat, sich in einem größeren Bereich zu bewegen. Einzelne größere Areale sind dann die Schauplätze für die bereits erwähnten Gruppenkämpfe. Man ist meist zu Fuß unterwegs. Nur an eher kurzen Stellen darf mal ein Panzer, ein Jeep oder ein Kampfläufer der Bestien gesteuert werden. Die Optik der fast ganz in matten Braun- und Grautönen gehaltenen Umgebung weiß zu gefallen: Zerbombte Ruinenstädte, riesige bizarre Alien-Maschinerien, unterirdische Tunnels, London unter Schnee und Eis – all das sieht durchaus nett aus und ist detailreich gestaltet. Explosionsblitze und Rauchwolken sind ebenfalls schön animiert. Leider wiederholt sich vieles auch recht oft, die Bestien-Gebäude erinnern mich außerdem sehr an Half Life 2.

Während die menschlichen Soldaten sich nicht von dem unterscheiden, was man aus zahllosen anderen 2.-Weltkrieg-Shootern kennt, hat man es auf Bestien-Seite mit ziemlich abgedrehten Kreaturen zu tun. Da der Stoffwechsel der Bestien viel schneller abläuft als der eines Menschen, sind sie auf externe Kühlung angewiesen. Deshalb werden ihnen Kühlaggregate in den Rücken gerammt… Meist begegnet man dem Standard-Hybriden, seltener tauchen kleine echsenartige Wesen auf, die immer in Massen angreifen, noch seltener sind große Bossgegner wie zum Beispiel Kampfläufer, die nur an einer Stelle verwundbar sind. Alle Bestien sehen sehr interessant aus und weisen viele Details auf. Erledigt man zum Beispiel einen Hybriden, dann platzen die Kühlschläuche ab und verlieren zischend Druck…

Irgendwie hätte ich mir von der Grafik – obwohl sie wirklich nicht schlecht ist! – für PS3-Verhältnisse mehr erwartet. Vielleicht liegt es an den matten Farbtönen, aber die sind wahrscheinlich absichtlich so gewählt worden. Es gibt ja durchaus einiges zu entdecken, aber so richtig spektakulär wirkt das alles dann doch nicht.

Sonstiges

Hat man alle Abschnitte eines Levels absolviert, dann kann man dieses Level jederzeit noch mal neu betreten. Überall sind "Geheimdokumente" mit Hintergrundinfos versteckt, außerdem kann man so genannte "Stilpunkte" verdienen, wenn man bestimmte Aufgaben erfüllt – dummerweise weiß man vorher gar nicht, worin diese Aufgaben bestehen. Stilpunkte erhält man für besondere Aktionen, etwa wenn man mehrere Gegner gleichzeitig mit einer Granate oder einer bestimmten Waffe besiegt, wenn man alle Geheimdokumente findet, sich nicht von einer bestimmten Gegnerart packen lässt und so weiter. Diese Punkte kann man gegen Bonusmaterial (Konzeptskizzen usw.) eintauschen.

Wer (wie ich) seit Jahren nur noch PC-Egoshooter gespielt hat, der wird Tastatur und Maus schmerzlich vermissen. Die Steuerung über die beiden Sticks ist ziemlich gewöhnungsbedürftig und es ist praktisch unmöglich, einen Gegner sofort anzupeilen – man rührt meist einige Sekunden lang mit dem Stick herum. Die Gegner sind aber auch nicht schneller, also ist das kein Problem. Jedenfalls so lange, wie sie einzeln auftreten. Allerdings werden die Gegnergruppen im Verlauf des Spiels immer größer, so dass der Schwierigkeitsgrad ansteigt.

Fazit

Resistance teilt eine Schwäche vieler Egoshooter: Man hat das Spiel locker an acht Abenden durch. Wenn man bedenkt, was so ein Spiel kostet, dann ist das ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, auch wenn es durchaus Spaß macht. Und man muss auch sagen: Irgendwann reicht’s auch, denn für eine längere Spieldauer hätte die Motivation wohl nicht gereicht. Im Grunde möchte man nur wissen, was für exotische Gegner man wohl noch zu sehen bekommen wird, welche neuen Waffen man noch finden wird und so weiter. Hat man das Spiel durch, darf man es mit neuen Waffen nochmals anfangen, aber diese neuen Waffen stehen leider nicht von Anfang an zur Verfügung.

Insgesamt gibt es zu wenig Abwechslung, nichts wirklich neues und praktisch keine besonders einprägsame Spielsituation. Ein schneller Spaß für zwischendurch, mehr ist nicht dran an diesem Spiel.

J. Kreis, 09.08.07

Seitenanfang