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Resident Evil Revelations 2

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Horror-Adventure

Kurzreview
RESIDENT EVIL: REVELATIONS 2

Resident Evil, erschienen 1996, war für mich eine wahre Offenbarung. Kein Spiel hatte mich zuvor derart fasziniert und bis in meine Träume hinein verfolgt. Die meisten folgenden Spiele der Reihe waren ebenfalls sehr gut, doch zuletzt wurde eine Richtung eingeschlagen, die mir nicht gefällt. So ist in Resident Evil 6 (2012) praktisch nichts mehr vom "Survival Horror"-Spielprinzip zu spüren. Anstelle von nervenzerfetzender Spannung findet man nur noch stupide Schießbudenballerei. Dass es auch anders geht, wurde mit Resident Evil Revelations (PS3-Version 2013) unter Beweis gestellt. Ich hatte gehofft, mit der Fortsetzung werde dieser Weg weitergeführt, aber leider ist das nicht der Fall. Ich will nicht behaupten, dass Revelations 2 wieder nichts außer hirnloser Daueraction zu bieten hat. Zumindest zeitweise hat mich das Spiel durchaus gepackt und einige Gameplay-Ideen gefallen mir ganz gut. Aber insgesamt überwiegen doch die Schwächen, so dass ich froh war, als der Abspann kam...

Die Story beginnt einige Jahre nach der Vernichtung der Stadt Terragrigia, die auch Ausgangspukt für die Geschehnisse des ersten Teils ist. Claire Redfield nimmt an einer Veranstaltung von "Terra Save" teil, einer Hilfsorganisation für Opfer des Bioterrorismus. Unbekannte greifen das Gebäude an und entführen zahlreiche Personen, darunter Claire und ihre Freundin Moira Burton. Die beiden jungen Frauen finden sich in Gefängniszellen wieder, die sich allerdings von selbst öffnen. Während sie nach einem Weg nach draußen suchen, stellen Claire und Moira fest, dass sie sich auf einer Insel voller Monster befinden und von einer Unbekannten beobachtet werden, die ein ganz besonderes Interesse am Überlebenskampf der Gefangenen hat.



Resident Evil Revelations 2

Bild 1: Kaum zu glauben, aber diese Kreatur ist mit Albert Wesker verwandt (Cutscene)


Es gelingt Claire und Moira, einen Notruf abzusetzen. Barry empfängt den Hilferuf seiner Tochter, gelangt aber erst Monate später zu der Insel. Von Claire und Moira ist keine Spur mehr zu finden und auch sonst ist die Insel unbewohnt. Zumindest begegnet Barry außer grässlich entstellten Kreaturen nur einem seltsamen kleinen Mädchen namens Natalia, das unerklärliche Fähigkeiten besitzt und etwas über Moiras Verschwinden zu wissen scheint...



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Bild 2: Natalia (Cutscene)


Die Kampagne besteht aus vier Kapiteln. Jedes Kapitel ist in zwei Hälften unterteilt. In einem steuert man Claire und Moira, im anderen Barry und Natalia. Hier zeigen sich schon gleich Stärken und Schwächen des Spiels. So funktioniert die Zusammenarbeit der Partner ziemlich gut, was während der Kampagne übrigens via Splitscreen auch mit einem menschlichen Mitspieler geht. Spielt ihr allein, könnt ihr jederzeit zwischen den Partnern wechseln. Der jeweils andere wird dann vom Computer gesteuert. So ist es ab und zu erforderlich, zwei Hebel an verschiedenen Stellen gleichzeitig zu betätigen oder eine Figur gelangt in einen Raum, den sie für die andere öffnen muss. In der Regel ist es offensichtlich, was in solchen Situationen zu tun ist. Richtige Rätsel sind Mangelware.

Besondere Leistungen werden mit Punkten belohnt, zusätzliche Punkte erhält man, wenn man Edelsteine findet. Mit den Punkten können Upgrades freigeschaltet werden: Höherer Waffenschaden, bessere Widerstandsfähigkeit, größere Erfolgschance beim Ausweichen und so weiter. Leider sind viele Verbesserungen so minimal, dass sich die Investition von Punkten gar nicht lohnt. Ihr könnt die Punkte auch einsetzen, um Belohnungen wie Artworks und dergleichen freizuschalten. Alle Figuren haben individuelle Fähigkeiten. Schusswaffen können nur von Claire und Barry eingesetzt und verbessert werden. Moira hat seit einem Kindheitstrauma eine Abneigung gegen Pistolen. Sie gibt den Gegnern ausschließlich im Nahkampf Saures, wobei sie ein Brecheisen verwendet, das außerdem zum Öffnen verbarrikadierter Türen benutzt werden kann. Natalia kann den Monstern Steine an den Kopf werfen, wodurch die Viecher betäubt werden. Sie kann sich mit diesen Steinen auch im Nahkampf wehren und Kisten zertrümmern.



Resident Evil Revelations 2

Bild 3: So nahe sollte man die Monster lieber nicht an sich herankommen lassen


Nur Claire und Moira können Truhen öffnen, in denen sich wertvolle Items befinden, wobei ein Minispiel absolviert werden muss. Moira hat eine Taschenlampe dabei, mit der sie versteckte Objekte und Inschriften sichtbar machen sowie Gegner derart blenden kann, dass diese für kurze Zeit völlig handlungsunfähig werden. Manche explodieren dann sogar. Natalia besitzt einen besonderen Sinn, der sie ebenfalls versteckte Gegenstände wahrnehmen lässt. Zeigt sie darauf, kann anschließend auch Barry die Objekte sehen. Darüber hinaus kann Natalia Monster aus der Ferne und sogar durch Mauern hinweg sehen, bei manchen Gegnertypen erkennt sie zusätzlich die verwundbaren Stellen. Für das Erkunden der Umgebung wählt man also am besten Moira und Natalia, für den Kampf Claire und Barry. Man muss schon sehr genau hinschauen, um alle versteckten Dinge zu finden, da sie oft nur aus einem ganz bestimmten Blickwinkel sichtbar werden.

Nun zur ersten großen Schwäche: Barry und Natalia durchlaufen größtenteils dieselben Umgebungen wie zuvor Claire und Moira! Eher selten gelangt man auch mal in eine andere Gegend. Zudem hat man im Gegensatz zum Vorgänger wieder ganz deutlich das Gefühl, wie an der Hundeleine durch isolierte Levels gezogen zu werden. Man betritt ein neues Areal bei Punkt A und versucht den Ausgang bei Punkt B zu erreichen. Oft ist es dazu nicht nur erforderlich, die in dem Bereich umhertorkelnden Monster auszuschalten oder zu umgehen, sondern man befindet sich in einer Arena und muss immer aufs neue spawnende Gegner abwehren oder einen Zwischenboss besiegen. Dann geht die zuvor verschlossen gewesene Ausgangstür von selbst auf und man befindet sich im nächsten Level. Eine Rückkehr zu den früher erkundeten Bereichen ist nicht möglich.

Im Kampf verhalten sich die computergesteuerten Partner keineswegs passiv. So setzen Barry und Claire ihre Schusswaffen auch dann ein, wenn ihr die Figuren nicht steuert (das muss allerdings erst freigeschaltet werden). Der omputergesteuerte Partner ist somit eine echte Hilfe, zumal er ggf. grünes Kraut verwendet, um euch zu heilen. Die Gesundheit von Moira und Natalia regeneriert sich übrigens von selbst, wenn sie eine Zeitlang keinen Schaden mehr nehmen. Die Steuerung ist im Kampf ganz OK, aber für meinen Geschmack ist der Balleranteil viel zu hoch. Und wenn man weglaufen will, bekommt man Probleme. Sobald eine Figur zu sprinten anfängt, verändert sich die Kameraperspektive ein wenig, so dass die Figur plötzlich nicht mehr geradeaus läuft, sondern in eine ganz andere Richtung. Wenn dann noch Hindernisse im Weg sind, könnte man Schreikrämpfe kriegen. Ab und zu bin ich genau auf Gegner zugerannt, denen ich eigentlich davonlaufen wollte!

Die Grafik mag nicht auf der Höhe der Zeit sein, ist zumindest im Vergleich mit dem Vorgänger aber doch ganz ansehnlich. Der Look der Umgebungen und Monster hat mich recht oft an die Spiele der Silent Hill-Serie erinnert, teilweise ist dadurch eine schön morbide Atmosphäre entstanden.



Resident Evil Revelations 2

Bild 4: Wer auch immer hier wohnen mag, hat einen sehr fragwürdigen Geschmack


Als positiv habe ich es außerdem empfunden, dass man den offenen Kampf manchmal vermeiden kann. Wenn es Claire oder Barry gelingt, sich unbemerkt anzuschleichen, können sie einen Gegner mit einem Schlag erledigen. Im Zusammenspiel Barrys mit Natalia hat das besonders gut funktioniert.

Ansonsten bleibt zu sagen, dass manuelles Speichern nicht möglich ist, auch nicht zum Kapitelende. Es wird immer derselbe Speicherstand automatisch überschrieben. Kisten zur Aufbewahrung von Objekten sind nicht vorhanden. Zum Glück kann das Inventar erweitert werden und wenn man Objekte fallen lässt, dann bleiben sie dort liegen und können später wieder mitgenommen werden.

Revelations 2 wurde ursprünglich in vier Episoden zum Download angeboten. Alle vier Kapitel sowie die Bonusepisoden "Die Prüfung" und "Eine kleine Frau" liegen auf der Disc vor. Zusätzlich enthält das Box-Set vier exklusive Kostüme, den Raid-Modus und ein Nostalgiekartenpaket sowie die Figuren Hunk und Albert Wesker für den Raid-Modus. Überraschung: All diese Inhalte müssen nicht erst online aktiviert werden! Das ist heutzutage ja leider die Ausnahme.



Resident Evil Revelations 2

Bild 5: Moira (links) und Claire in den Bonuskostümen "Urban Ninja" und "Rodeo"


In der Hauptkampagne werden Claire und Moira am Ende getrennt. In "Die Prüfung" erfahrt ihr, wie es Moira danach ergeht. Beim Spielen dieser Bonusepisode habe ich mich gefragt, ob sich die Entwickler das Ziel gesetzt haben, ein Spiel zu kreieren, das unter keinen Umständen Spaß machen kann. Zunächst mal befindet man sich schon wieder in denselben Umgebungen wie in der Hauptkampagne, es spawnen Massen von Gegnern und man steht oft unter Zeitdruck. Der Knaller ist aber folgendes "Feature": Ihr müsst Wildtiere jagen, deren Fleisch ihr aufsammelt. Nur wenn ihr eine Fleischeinheit besitzt, könnt ihr bei einem Misserfolg vom letzten Speicherpunkt aus weiterspielen. Habt ihr kein Fleisch mehr, heißt es wirklich "Game over". Ihr startet dann nicht am letzten Speicherpunkt, auch nicht am Beginn des Kapitels. Nein, euer Speicherstand wird komplett gelöscht und ihr müsst ganz von vorn anfangen!

"Eine kleine Frau" ist dagegen gar nicht schlecht gemacht. Ihr spielt die Erlebnisse der kleinen Natalia vor Barrys Ankunft nach. Sie vermisst ihren geliebten Teddy Lottie und begegnet einer dunklen Version ihrer selbst, die künftig an ihrer Seite bleibt. Ihr könnt beide steuern. Natalia hat in dieser Bonusepisode noch nicht ihre besondere Wahrnehmungsfähigkeit und sie kann keine Ziegelsteine verwenden. Sie kann aber Rauchflaschen einsetzen. Das ist wichtig, denn sobald sie entdeckt wird, ist das Spiel zu Ende. Die dunkle Natalia hat besagten Sinn, kann Monster für ihr Alter Ego markieren und wird von den Kreaturen völlig ignoriert. Die dunkle Natalia kann also ungehindert jeden Winkel erkunden. Sie kann aber nichts aufheben und keine Türen öffnen.

Im Raid-Modus kämpft ihr euch allein oder mit Freunden (Splitscreen und online) durch virtuelle Realitäten, die vom Kampfsimulator Red Queen Alpha erzeugt werden. Ihr müsst meist lediglich den Ausgang erreichen (manchmal läuft ein Countdown ab), es gibt aber auch Missionen, bei denen ihr ein Ziel schützen müsst. Hierfür könnt ihr alle Figuren verwenden, die in der Hauptkampagne vorkommen. Im Raid-Modus stehen endlich mal ganz neue sowie aus älteren Spielen bekannte Umgebungen zur Verfügung, außerdem ist die Bandbreite der Waffen viel größer und es können interessante Fähigkeiten freigeschaltet werden. Die gewählte Spielfigur entwickelt sich somit nach und nach weiter wie in einem RPG.



Resident Evil Revelations 2

Bild 6: So beginnt der Raid-Modus


Revelations 2 bietet zweifellos knackig-kurzen Spielspaß für wenig Geld, aber irgendwie ist das für mich nicht Resident Evil. Ich habe keine Lust, ein Level nach dem anderen abzuarbeiten (und das Ganze auch noch x-mal), ohne je dorthin zurückkehren zu können, oder Arenakämpfe gegen Angreiferwellen bestehen zu müssen. Ich möchte Rätsel lösen, nach und nach neue Bereiche der Spielwelt freischalten und mich dort frei bewegen können. Ich brauche keine Dauer-Action und lege mehr Wert auf Grusel-Atmosphäre. Deshalb gefällt mir Revelations 2 trotz erheblich besserer Grafik und interessanter Gameplay-Elemente nicht so gut wie der Vorgänger.


J. Kreis, 26.04.2015



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