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Resident Evil Revelations

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Horror-Adventure

Kurzreview
RESIDENT EVIL: REVELATIONS

Obwohl man diesem Spiel deutlich ansieht, dass es ursprünglich für Nintendos Handheld-Konsole 3DS entwickelt wurde, macht es um Längen mehr Spaß als das direkt für die PS3 konzipierte Resident Evil 6. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Weg hin zu zwar spektakulär inszenierter, aber stupider Dauer-Action endlich verlassen wurde. Mit Revelations wird zumindest teilweise zu alten Stärken der Reihe zurückgekehrt, so dass man endlich wieder von "Survival Horror" sprechen kann!

Die Story ist in zwölf Kapitel mit je zwei bis drei relativ kurzen Unterkapiteln eingeteilt. Sie spielt im Jahre 2005, müsste also irgendwo zwischen Resident Evil 4 und 5 angesiedelt sein. Sie ist aber für die Gesamt-Storyline der Spieleserie irrelevant. Terragrigia, eine schwimmende Stadt im Mittelmeer, wird von Bioterroristen der Gruppe "Il Veltro" angegriffen. Dabei werden BOWs eingesetzt, so dass die gesamte Stadt vernichtet werden muss. Der Federal Bioterrorism Commission (FBC) gelingt es, Il Veltro zu zerschlagen, doch die weltweite Angst vor dem Bioterrorismus bleibt bestehen. Ein Jahr später kommt es zu Zwischenfällen, bei denen ebenfalls wieder BOWs gesichtet werden. Chris Redfield und seine neue Partnerin Jessica Sherawat untersuchen einen Flugzeugabsturz, während Jill Valentine und ihr neuer Partner Parker Luciani ein Geisterschiff entdecken: Die Queen Zenobia, ein Kreuzfahrtschiff, zu deren Reisezielen seinerzeit auch Terragrigia gehört hat. Auf dem Schiff ist niemand mehr am Leben. Nur grausig mutierte Kreaturen befinden sich an Bord. Ein Maskierter kündigt in einer Videobotschaft die Rückkehr von Il Veltro an. Als Rache für das Terragrigia-Debakel will er das T-Abyss-Virus in den Weltmeeren freisetzen. Jill, Chris und ihre Partner müssen dies um jeden Preis verhindern, doch es gibt einen Verräter in ihren Reihen, und selbst B.S.A.A.-Chef O'Brien spielt nicht mit offenen Karten...

Nur am Ende eines Kapitels kann der Spielstand manuell gesichert werden, ansonsten wird automatisch an fair verteilten Checkpoints gespeichert, wofür immer derselbe Spielstand verwendet wird. Aus diesem Grund sollte man die manuelle Speicheroption stets nutzen.

In Revelations gibt es nicht nur eine Spielfigur. Ihr übernehmt in der Kampagne meist die Kontrolle über Jill, aber auch über Chris und Parker. Letzteren steuert ihr nur bei Rückblicken, in denen ihr den Untergang Terragrigias miterlebt. Außerdem gibt es einzelne Abschnitte, in denen ihr in die Rolle des B.S.A.A.-Agenten Keith Lumley schlüpft. Auf diese Weise entsteht eine episodenhafte Erzählweise mit parallel oder zeitversetzt stattfindenden Handlungsebenen. Der von euch gesteuerten Figur stehen manchmal computergesteuerte Partner zur Seite. Für den Spielverlauf ist das unwichtig, Teamarbeit kommt praktisch nicht vor. Euer Partner bekämpft die BOWs selbst, aber ihr könnt ihm die Arbeit keineswegs überlassen, da er nur minimalen Schaden anrichtet. Gegner kommen fast immer zielstrebig auf euch zu, so dass der Partner nur selten zur Ablenkung genutzt werden kann. Im Grunde hätte man auf die Partner ebenso gut verzichten können - ich fand die Abschnitte am besten, in denen ich allein unterwegs war.

Ort des Geschehens ist größtenteils das Innere des Kreuzfahrtschiffes. Ich war angenehm überrascht, hier nicht schon wieder die lineare Level-Struktur aus RE6 vorzufinden. Nein, ganz wie früher dürft ihr euch nach Belieben auf den zahlreichen Decks des Schiffes umsehen, könnt fast immer in bereits besuchte Bereiche zurückkehren und steht nur dann vor verschlossenen Türen, wenn ihr den benötigten Schlüssel noch nicht gefunden oder das zum Öffnen der Tür zu absolvierende kleine Puzzle noch nicht gelöst habt. Nur selten seid ihr mal außerhalb des Schiffes unterwegs, oder besser gesagt: Der Schiffe. Es gibt nämlich nicht nur ein einziges und auch das bleibt nicht während des ganzen Spiels unverändert. Im letzten Drittel spielt sich einiges gar unter Wasser ab. Leider geht beim Tauchen manchmal die Orientierung verloren.

Außerdem gibt es jetzt wieder die altbekannten "magischen Kisten", in denen Ausrüstungsgegenstände verstaut werden können, was wegen des begrenzten Inventars auch dringend nötig ist. Nur drei Schusswaffen können mitgenommen werden. Die Kisten dienen zusätzlich quasi als Werkbank zur Waffenmodifikation. Nett: Alle verwendeten Modifikationen können nach Belieben wieder entfernt und in andere Waffen eingebaut werden. Die dazu erforderlichen Upgrade-Kits sowie Munition, verschiedene Granaten und Grüne Heilkräuter liegen hier und da offen herum, werden von besiegten Gegnern gedroppt oder sind versteckt. Manche sind sogar unsichtbar. Hier kommt ein neues Feature zum Einsatz: Der Genesis-Scanner. Der macht Unsichtbares sichtbar, erst danach können die entsprechenden Objekte eingesammelt werden. Ihr könnt sogar die Monster scannen. Dafür erhaltet ihr Prozentpunkte. Wenn 100 erreicht sind, gibt's zur Belohnung ein Heilkraut.

Neue Waffen werden im Verlauf der Handlung automatisch freigeschaltet oder können gefunden werden. Das Arsenal ist allerdings nicht besonders groß. Das wiederum ist nicht allzu tragisch, denn Revelations ist keine Schießbude wie RE6, bei der permanenter Kampf angesagt ist. Das Gegner-Aufkommen ist durchaus nicht gering und manchmal geht es auch hier einfach nur darum, eine Gegnerwelle nach der anderen zu besiegen. Besonders bei den Bosskämpfen geht die Munition schnell mal zur Neige - aber das ist alles bei weitem nicht so nervtötend wie in RE6. Die Spannung entsteht stattdessen eher dadurch, dass ihr nie wisst, hinter welcher Ecke wohl wieder so ein Mutant lauern mag.

Die Bosskämpfe sind wie üblich besonders fordernd, hier muss man schon ein bisschen aufpassen, dass man die verwundbaren Bereiche trifft, rechtzeitig ausweicht und so weiter. Das Ausweichen geht dummerweise nicht besonders komfortabel vonstatten, jedenfalls bin ich doch immer wieder in der liebevollen Umarmung eines Mutanten gelandet. Immerhin kann man Munition sparen und den Biestern einen saftigen Tritt verpassen, wenn man sie zuvor zum Stolpern gebracht hat. Gleichzeitiges Zielen und Gehen ist übrigens auch in diesem Spiel möglich - das war bei Resident Evil früher ja noch anders.

Außerhalb der Kampagne könnt ihr euch im "Raubzug-Modus" austoben, und zwar entweder allein oder mit einem menschlichen Partner, der eine zweite Spielfigur steuert. Hierbei kommt es nur darauf an, einen bestimmten Raum zu erreichen, der als Ziel festgelegt wurde, und unterwegs verschiedene Monster zu bekämpfen. Der Schwierigkeitsgrad nimmt von Szenario zu Szenario zu. Ich habe den Modus nicht durchgespielt, aber mir scheint, es werden ausschließlich Schauplätze aus der Kampagne verwendet. Hier sammelt ihr nicht nur die üblichen Verbrauchsgegenstände ein, sondern auch Punkte. Die investiert ihr in neue Waffen, Upgrades und dergleichen. Außerdem wird manches erst beim Level-up der Spielfigur zugänglich.

Bei der Grafik muss man natürlich Abstriche machen. Während Jill und ihre Kollegen ganz gut aussehen und sich realistisch bewegen, wirken die normalen Gegner etwas langweilig. Die Standard-Mutanten ähneln beige-grauen Plastikfiguren. Die Umgebung ist relativ detailarm, manche Texturen sehen matschig aus. Im Menü steht zwar eine 3D-Umgebungskarte zur Verfügung, aber die lässt sich nicht frei drehen, kippen und zoomen. Sie bietet nur einen so groben Überblick, dass ich fast wieder dazu übergegangen wäre, eigene Karten zu zeichnen - ganz wie damals, vor vielen Jahren, beim allerersten Spiel dieser Reihe!

Eine gesunde Mischung aus Kampf und Erkundung, gelungene Schreckmomente, einzelne Bosskämpfe gegen besonders bizarre Kreaturen, dazu noch ein paar Rätsel - das waren in der "guten alten Zeit" die Stärken von Resident Evil. Und wie es scheint, hat man sich nach dem Debakel von RE6 genau darauf zurückbesonnen. Revelations bietet ausreichend Action, ist aber längst nicht mehr so ballerlastig wie die letzten beiden Titel der Hauptreihe. Das Kreuzfahrtschiff kann genauso frei erkundet werden wie damals das alte Herrenhaus in Raccoon City, die Grusel-Atmosphäre passt. Und deshalb hat mir das Spiel trotz der altbackenen Grafik wirklich gut gefallen.

J. Kreis, 21.12.2014





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