Zurück zu den Spielen

Race Driver GRID

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 2
RACE DRIVER GRID

Dieses Autorennspiel ist ein weiterer Titel aus der TOCA-Reihe. Der Namenswirrwarr geht damit in die nächste Runde. Die ersten drei Spiele dieser Reihe hießen TOCA Touring Cars. Im englischsprachigen Raum wurde das Kürzel "TOCA" auch für die folgenden drei Spiele beibehalten, in Deutschland wurde daraus DTM Race Driver ein etwas irreführender Titel, denn die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft war schon immer nur ein kleiner Teil der Rennveranstaltungen, an denen man in diesen Spielen teilgenommen hat. Im siebten Teil der Serie ist die DTM praktisch gar nicht mehr enthalten, und somit haben wir die dritte Namensvariante...

Dies ist das allererste Spiel, das mich persönlich anspricht. Legt man ein Benutzerprofil an, kann man nämlich unter einigen gängigen Namen wählen, und Johannes ist auch dabei. So sagt eine nette Dame nun immer, wenn ich das Spiel starte: "Hallo Johannes...", und auch im Boxenfunk werde ich so angesprochen. Witziges Feature!

Neben dem Karriere-Modus, auf den ich mich in dieser Review konzentriere, stehen die Spielmodi "Renntag" und "Multiplayer" zur Verfügung. Der erste Modus ist wie die Karriere für Einzelspieler vorgesehen, hier wählt man die Renndisziplin, die Strecke, das Fahrzeug usw. aus und kann sofort loslegen. Rennen gegen andere Spieler sind nur via LAN und Internet möglich, Splitscreen-Duelle bietet RD GRID nicht.

GRID-Welt

Fahren lernen? Lizenzen erwerben? Mit langsamen Autos anfangen und dann allmählich schnellere erwerben? So ist der Ablauf in vielen anderen Auto-Rennspielen aber nicht in RD GRID. Wenn ihr hier in das einsteigt, was als Storymodus durchgehen mag, dann seid ihr sofort mittendrin. Ihr findet euch hinter dem Steuer eines Dodge Viper wieder, der bereits an der Startlinie steht, und schon geht's auch los: Das Rennen beginnt, das Fahrerfeld braust los, Zweikämpfe entwickeln sich und ihr werdet von der ersten Sekunde an feststellen, wie euch das Adrenalin ins Blut schießt, denn der Bolide ist schwer zu beherrschen und das Tempo ist für den Anfänger geradezu mörderisch. Es geht allerdings nicht darum, dieses Rennen zu gewinnen ihr müsst es nur anständig überstehen, damit Sponsoren auf euch aufmerksam werden und euch Angebote machen. Dieser brachiale Einstieg ist ein guter Vorgeschmack auf das, was euch bei RD GRID erwartet: Rasante Renn-Action ohne viel Drumherum. Denn genauso temporeich wie in diesem allerersten Rennen geht es dann auch weiter. Eine Hintergrundgeschichte gibt es dabei nicht, ihr bestreitet einfach eine Rennveranstaltung nach der anderen und arbeitet euch lediglich in der ewigen Fahrer- und Team-Rangliste weiter nach oben.

Dabei sind zwei Dinge entscheidend: Geld und Ansehen. Für jedes gewonnene Rennen erhaltet ihr sowohl Preisgelder als auch Ansehenspunkte. Zusätzliche Einnahmen erhält man durch Sponsoren, aber nur, wenn man deren Vorgaben erfüllt: Das Rennen gewinnen, vor einem bestimmten anderen Team ins Ziel gehen, das Rennen ohne Schäden bestehen und so weiter. Nach und nach erhaltet ihr immer lukrativere Sponsoring-Angebote, und ihr könnt mehrere gleichzeitig annehmen. Wenn ihr genug Geld und Ansehen zusammen habt, könnt ihr euer Team aufstocken: Ihr könnt einen zweiten Fahrer verpflichten, der an jedem Rennen teilnimmt und Preisgelder für euch einheimst. Einen Teil steckt er aber auch selbst ein. Ihr könnt den Teamkollegen jederzeit feuern und einen anderen aus der Liste aller Fahrer auswählen. Ihre Eigenschaften werden in einem Diagramm angezeigt. Manche sind eher defensiv eingestellt, haben dafür viel Erfahrung, andere verhalten sich sehr aggressiv, dafür lässt ihr Können zu wünschen übrig. Wirklich gute Fahrer, die nicht nur aggressiv sind, sondern auch was auf dem Kasten haben, sind richtig teuer. Dummerweise kann man ihnen keine Befehle erteilen, und so sind sie während des Rennens nichts anderes als ein weiterer Gegner. Dementsprechend verhalten sie sich auch, d.h. sie rammen und drängeln genauso wie alle anderen Computerfahrer. Von einem echten Teamkollegen würde man wenigstens etwas mehr Rücksichtnahme erwarten!

Die zu bestreitenden Rennveranstaltungen sind in die Regionen USA, Europa und Japan aufgegliedert. Man fährt mit den zur jeweiligen Region passenden Autos auf Rennstrecken dieser Länder, auch die Rennveranstaltungen selbst sind landestypisch. Außerdem sind die Veranstaltungen in vier Lizenzklassen unterteilt. Die Lizenz für höherwertige Veranstaltungen erwirbt man nicht etwa durch Fahrprüfungen, sondern durch die bereits erwähnten Ansehenspunkte, die sich nach und nach ganz automatisch ansammeln. Hat man alle Rennen einer Region in einer Lizenzklasse gewonnen, steht noch ein Direktvergleich mit dem stärksten rivalisierenden Team an. Nach jeweils drei Rennveranstaltungen hat man außerdem die Möglichkeit, an den 24 Stunden von Le Mans teilzunehmen.

Zusätzlich zu diesen Rennveranstaltungen, die ihr mit eurem Team und dem eigenen Fuhrpark bestreitet, erhaltet ihr auch Fahrerangebote von anderer Seite. Ihr müsst dann mit vorgegebenen Autos antreten und die Anforderungen des Geldgebers erfüllen.

Die Rennen / Rennstrecken

Insgesamt besteht der Karriere-Modus also zwar nicht aus mehr als dem Abhaken der Veranstaltungen, dennoch lässt die Motivation nie nach, denn in den höheren Lizenzklassen werden die Rennen natürlich immer schwerer. Die Gegner werden stärker, die Autos schneller und schwerer zu beherrschen, die Strecken werden länger bzw. die Rundenzahl erhöht sich und die Veranstaltungen bestehen nicht mehr nur aus einem Rennen, sondern aus mehreren, die nacheinander absolviert werden müssen. Zum Glück kann man das Spiel zwischendurch auch beenden. Startet man es neu, kann man wieder in eine unterbrochene Serie einsteigen. Auch wenn die DTM nicht dabei ist genug Abwechslung wird dennoch geboten. Meist bestreitet man zwar ganz normale Platzierungsrennen, bei denen man gegen bis zu 19 weitere Fahrer antritt, es gibt aber auch Veranstaltungen, bei denen es darauf ankommt, möglichst elegant um die Kurven zu driften und dadurch Punkte einzusammeln. Die Drift-Rennen sind wiederum unterteilt in solche mit und ohne Gegner. Dann gibt es noch Togue-Rennen, bei denen man gegen einen einzigen Fahrer antritt, dessen Auto man aber nicht berühren darf. Die finden auch schon mal bei Nacht und mit Gegenverkehr statt! Und schließlich hat sich sogar eine Art Destruction-Derby in das Spiel verirrt, bei dem wirklich die Fetzen fliegen. Für jede Rennstrecke sind nur bestimmte Fahrzeugklassen zugelassen, manchmal auch nur ein einziges Modell.

Die Rennstrecken lassen keine Wünsche offen. Durch verschiedene Unterteilungen werden aus den im Grunde gar nicht so vielen verschiedenen Kursen insgesamt 90 Strecken (laut Werbung, gezählt habe ich sie nicht), d.h. mal ist hier eine Abzweigung gesperrt, mal nimmt man dort eine andere Schleife. Da gibt es bekannte Strecken wie den Nürburgring (aber nicht die Nordschleife), Donington Park, Spa-Francorchamps und den Circuit de la Sarthe, aber auch Bergstrecken oder Kurse durch Großstädte in den USA und Japan. Besonders die detailreichen Stadtkurse sind eine optische Pracht. Was da an Neonreklame, blinkenden Streckenmarkierungen, beweglichen Zuschauern und sonstigen Objekten an einem vorbeirauscht, kann man gar nicht alles richtig wahrnehmen. Da ist die Zeitlupenfunktion in den Replays sehr nützlich, die man über die gesamte Rennlänge aktiviert lassen kann. Leider kann man die Wiederholungen nicht speichern. Durch die entsprechende Geräuschkulisse wird der realistische Eindruck echter Geschwindigkeit noch verstärkt. Wettereffekte gibt es nicht, es scheint fast immer die Sonne. Dafür darf man bei den 24 Stunden von Le Mans einen Tag-Nacht-Wechsel bewundern aber keine Angst: Diese Rennen dauern nicht wirklich 24 Stunden wie bei Gran Turismo 4, sondern laufen wie im Zeitraffer ab. Boxenstopps sind übrigens nicht vorhanden.

Die Gegner-KI lässt wie in praktisch jedem Rennspiel zu wünschen übrig. Man könnte sagen: Okay, die Jungs sind einfach nur zu aggressiv. Allerdings sind sie auch strunzdämlich und versuchen erst gar nicht, einer Kollision auszuweichen. Mir scheint, dass sie ziemlich stur auf der Ideallinie fahren und dabei ohne Rücksicht auf Verluste rempeln und drängeln. Ich weiß gar nicht, wie oft ich von einem Auffahrer ins Kiesbett geschoben worden bin! Dieses Verhalten ist zwar ziemlich ärgerlich, es kann aber auch sehr nützlich sein, denn die Fahrer behindern sich auch gegenseitig, machen Fehler und bauen auch mal Massenkarambolagen, an denen man dann entspannt vorbeibrettern kann. Und natürlich kann man auch selbst rempeln und drängeln, soviel man will die lästigen Zeitstrafen anderer Spiele (z.B. Gran Turismo 5 Prologue) gibt es hier Gott sei Dank nicht.

Sehr schade: Es gibt keine Qualifikationsmöglichkeit. Das Spiel entscheidet, von welcher Position aus ihr starten dürft, und ihr werdet euch meist im hinteren Bereich wieder finden. Oft sogar auf dem letzten Platz. Das finde ich ziemlich unfair, denn wie soll man sich von dort aus an 20 Fahrern vorbeimogeln, wenn bei den späteren Hochgeschwindigkeitsrennen jede noch so leichte Fahrzeugberührung zum Abritt ins Grüne führt? Oder wenn man wieder mal weggerammt wird, während der Kontrahent unbeeindruckt weiterfährt? In solchen Momenten kommt als letzte Rettung ein geniales neues Feature zum Einsatz, das mir ein gesondertes Kapitel wert ist:

Direktwiederholungen

In jedes eurer Autos ist eine Zeitmaschine eingebaut. Hä? Ganz einfach. Ihr könnt während des Rennens jederzeit eine Direktwiederholung der letzten Sekunden aufrufen. Das ist an sich schon nett, aber je nach Schwierigkeitsgrad dürft ihr diese Wiederholung bis zu fünfmal nutzen, um die Zeit zurückzudrehen und an einer früheren Stelle neu ins Rennen einzusteigen. Solltet ihr also einen Totalschaden gebaut haben, ins Kiesbett abgeritten oder nach mehreren Pirouetten auf den letzten Platz zurückgefallen sein, dann müsst ihr euch nicht ärgern, sondern könnt zu einem Moment vor dieser Situation "zurückspulen" und es noch einmal probieren! Dieses Feature zur Eindämmung von Frustmomenten ist so praktisch, dass ich in keinem Rennspiel mehr darauf verzichten möchte. Ich habe es mindestens 300 Mal genutzt (kein Scherz) und es hat vermutlich auch dafür gesorgt, dass mein Gamepad dieses Spiel "überlebt" hat. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass jedes Rennen auch problemlos von Beginn an neu gestartet werden kann, lästige Ladezeiten muss man dabei nicht erdulden.

Die Autos / Fahrphysik

Auch die vielen verschiedenen Fahrzeuge sehen klasse aus. 3D-Felgen, toll ausgearbeitete Cockpits, Karosseriespiegelungen, Licht-/Schatteneffekte, kleine bewegliche mechanische Details, die unter transparenten oder durchbrochenen Abdeckungen zu sehen sind usw. die Modelle bieten alles, was man von einem modernen Rennspiel erwarten darf. Mit dem umfangreichen Schadensmodell bietet RD GRID auch deutlich mehr als z.B. das bereits erwähnte GT5-Prologue. Man kann die Autos tatsächlich komplett zerlegen, und bei den rabiaten Zweikämpfen bleibt es nie lange bei bloßen Lackschäden. Da fliegen schon mal Trümmer oder ganze Reifen durch die Gegend, die dann als Gefahrenquelle auf der Strecke liegen bleiben. Die Schäden wirken sich sehr deutlich auf das Fahrverhalten aus, und beim Totalschaden müsst ihr das Rennen neu beginnen oder die Direktwiederholung nutzen. Es gibt nur eines, was bei den Autos wirklich fehlt: Ein Rückspiegel. Nicht mal die aus früheren Titeln dieser Serie bekannten roten Pfeile, die das Herannahen eines Verfolgers anzeigen, sind vorhanden. So wird es noch schwerer, Zusammenstöße zu vermeiden. Für mich ist das unverständlich, zumal man in den Replays deutlich Echtzeitspiegelungen in den Außenspiegeln erkennen kann!

Man kann das Äußere der eigenen Autos auch selbst gestalten: Umfangreiche Optionen zur Lackierung stehen zur Verfügung. Euer Teamkollege fährt dann natürlich mit denselben Farben. Hinzu kommen die Logos der von euch ausgewählten Sponsoren. Reinrassige Rennautos sind in RD GRID sehr teuer, die Preisgelder sind aber fairerweise recht saftig. Deshalb habe ich ein Feature dieses Spiels gar nicht genutzt: Man könnte Autos auch bei "eBay" kaufen. Dort sind billigere Gebrauchtwagen zu finden. Eigene Autos kann man auf diese Weise wieder versilbern.

Ihr könnt zwar ein paar Fahrhilfen ein/ausschalten, aber Aufrüst- oder Einstellmöglichkeiten sucht man vergebens. Das ist zwar schade, kann aber verschmerzt werden, weil die Gegner ebenfalls immer mit nicht wesentlich stärkeren Autos unterwegs sind. Jedes Auto fährt sich anders, und auch wenn das Fahrverhalten vielleicht nicht an den Realismus einer richtigen Rennsimulation herankommt, so ist es für meine Begriffe doch realistisch genug immer nur Vollgas geben oder mit voller Kraft bremsen führt jedenfalls nicht zum Erfolg, und auch die Gesetze der Physik werden nicht missachtet. Man hat jedenfalls immer ein gutes Fahrgefühl, vom genialen Geschwindigkeitsgefühl ganz zu schweigen.

Fazit

Adrenalingeladene und immer fordernder werdende Rennen, schweißtreibende Positionskämpfe mit bis zu 19 Gegnern, beeindruckende Crashs, sehr schöne Fahrzeug- und Umgebungsgrafik das ist RD GRID. Von Anfang an müsst ihr euch voll konzentrieren, ein langsames Eingewöhnen wie bei Spielen der Gran Turismo Reihe, bei denen ihr erst einmal mit langsamen Straßenwagen unterwegs seid, gibt es hier nicht.

RD GRID macht von Anfang an Spaß und motiviert bis zuletzt. Da ich mir aber doch die eine oder andere Möglichkeit zur Feinabstimmung der Autos gewünscht hätte und mich regelmäßig über die schiere Blödheit der Computergegner (und des Teamkollegen) aufregen musste, vergebe ich dennoch nicht die Höchstnote.

J. Kreis, 12.09.2008


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang