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Quake 4

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Egoshooter

Note: 2
QUAKE 4 Special Edition


Die Spiele aus den Serien Doom und Quake sind Ikonen des Egoshooter-Genres und nach dem Erscheinen von Doom III haben die Fans sehnsüchtig auf eine Fortsetzung der anderen Serie gewartet. Hier ist sie nun - und das Warten hat sich gelohnt, mehr noch als das Warten auf Doom III.

Story

Die Story von Quake 2 wird nahtlos fortgesetzt: Die Strogg, ein Volk von Außerirdischen, das die Körper seiner Feinde verwendet, um sie mit Maschinen zu verbinden und zu Cyborgs umzuwandeln, versuchen die Erde zu erobern. Die Menschen schlagen zurück und greifen die Heimatwelt der Strogg an. Der Anführer der Strogg (der Makron) wurde zwar besiegt, aber die Schlacht auf dem Planeten ist noch nicht zu Ende, solange der Nexus existiert. Dieser gigantische Komplex steuert sämtliche Strogg-Drohnen auf dem Schlachtfeld, und aus den sterblichen Überresten der gefallenen Marines werden immer neue Strogg hergestellt.

An dieser Stelle übernehmt ihr die Rolle von Matthew Kane, einem Neuzugang in der Rhino Squad. Kane landet mit seinen Kameraden mitten im Kampfgetümmel und ist immer an vorderster Front, um bis zum Nexus vorzudringen. Es stellt sich aber heraus, dass es unmöglich ist, dorthin zu gelangen - es sei denn, man wäre selbst ein Strogg…

Die Story wird zwar im Spiel weitergeführt, ist aber eigentlich völlig nebensächlich. Sie würde in gedruckter Form nicht mal für eine Kurzgeschichte reichen! Es geht im Grunde nur darum, nach und nach die Verteidigungseinrichtungen des Nexus auszuschalten und sich am Ende bis zum Kern des Strogg-Reiches durchzukämpfen. Filmsequenzen (mit Ingame-Grafik) gibt es nur wenige, man erhält seine Aufträge hauptsächlich im laufenden Spiel durch Funksprüche oder von Kameraden, die man unterwegs trifft.

Grafik / Sound / Leveldesign

Wer Doom III gespielt hat, wird sofort erkennen, dass bei Quake 4 (Q4) die gleiche Engine verwendet wurde. Man sieht die gleichen genialen Echtzeitschatten und Lichteffekte, die sehr fein und detailreich strukturierten Texturen. Es gibt transparente Flächen mit beweglichen Elementen dahinter, wabernde Energiesphären - die Screenshots sagen eigentlich genug. Dennoch ist Q4 nicht bloß eine Kopie oder Modifikation von Doom III (mehr dazu auch unter den Kapiteln Atmosphäre und Gameplay), denn die Strogg-Welt sieht doch ein wenig anders aus als die etwas eintönigen Korridore der Forschungseinrichtung auf dem Mars, die man aus Doom III kennt. Die Areale sind weit abwechslungsreicher und interessanter als in Doom III, was nicht zuletzt an der Angewohnheit der Strogg liegt, menschliche Überreste in ihre Maschinen einzubauen. Besonders die letzten Abschnitte im Inneren des Nexus gefallen mir sehr gut. Dort bilden sich Hologramme aus dem Nichts, sichtbar gemachte Datenströme zischen durchs Bild. Im Gegensatz zu Doom III gibt es sehr große Außenbereiche, in denen vor allem Kämpfe gegen Zwischengegner stattfinden. Weiter entfernte Hintergründe sehen im Freien allerdings relativ verwaschen aus.

Insgesamt sind die Levels recht linear gestaltet. Es kommt aber durchaus vor, dass ein Durchgang versperrt ist, so dass man einen Umweg suchen muss. An manchen Stellen muss man den gleichen Weg auch wieder zurückgehen. Im Nexus muss man gar ein bisschen herumspringen, um ans Ziel zu gelangen.

Die Marines und die Strogg haben einen geradezu unglaublichen Detailgrad, bewegen sich ungemein flüssig und realistisch und sind auch in kleinen Details wie Augenbewegungen, die euch folgen, sehr nett gestaltet. Auch der Gore-Faktor ist (in meiner Importversion) nicht zu verachten, obwohl besiegte Strogg sich ähnlich wie in Doom III in grünen Nebel auflösen. Die verschiedenen Strogg-Drohnen sehen schon ziemlich abgedreht aus, die Zwischen- und Endgegner beeindrucken darüber hinaus durch ihre Größe. Interaktive Elemente wie in Doom III gibt es ebenfalls, allerdings muss man in Q4 keinen einzigen Code eingeben.

Es gibt zwar nur wenige bewegliche Objekte, aber die verhalten sich physikalisch korrekt, wenn man sie zum Beispiel wegsprengt. Von Bedeutung für das Spiel ist das aber an keiner Stelle.

Der bombastische Sound mit der orchestralen Musik, die sich der Situation anpasst, ist ein weiteres Schmankerl. Für die Sprachausgabe, die übrigens nicht deutsch synchronisiert wurde, wurden professionelle Schauspieler herangezogen, und das merkt man auch. Dumm nur, dass man die Musik nicht abstellen kann, denn manchmal würde man lieber hören, ob sich gerade ein Gegner nähert…

Atmosphäre

Auch bei der Atmosphäre zeigen sich Unterschiede zu Doom III. Es gibt zwar hier wie dort dunkle Abschnitte, bei weitem aber nicht so viele. Da man außerdem die Taschenlampe zumindest zusammen mit zwei Standardwaffen verwenden kann, ist das sowieso nicht so tragisch. Die Atmosphäre enthält denn auch nicht so viele Grusel- und Schockelemente. Es wird mehr Wert auf die Darstellung der bizarren biomechanischen Welt der Strogg gelegt, und das finde ich erheblich interessanter als pausenlose Angriffe von Dämonen aus der Dunkelheit. Immer wieder hört man verzweifelte Funksprüche von Kameraden mit, die irgendwo anders gerade zu Hackfleisch verarbeitet werden oder man vernimmt schon hinter einer verschlossenen Tür einen wilden Schusswechsel.

Ab und zu besteigt man auch das Landungsschiff der Rhino Squad und kann sich dort in Ruhe umsehen. Schon lustig, durch die Quartiere, den Hangar, den Besprechungsraum und so weiter zu gehen und den Gesprächen der Kameraden zuzuhören. Das ist zwar nicht spielentscheidend, trägt aber erheblich zur überzeugenden militaristischen Front-Atmosphäre bei.

Gameplay

Fahrzeuge
Noch ein Unterschied zu Doom III: Man darf zwei Fahrzeuge (einen Hover-Panzer und einen bewaffneten Mech-Walker) steuern und fährt manchmal auf anderen Vehikeln mit, die man nicht selbst steuern kann. Bei letzterem arbeitet man dann als Bordschütze. Die Fahrzeugsteuerung unterscheidet sich praktisch nicht von der normalen Steuerung und geht leicht von der Hand. Panzer und Walker sind schwer bewaffnet und gepanzert, praktischerweise regenerieren sich Schutzschilde und Panzerung mit der Zeit von selbst, wenn das Fahrzeug nicht getroffen wird. Diese Abschnitte sorgen also schon mal für Abwechslung bei der gewohnten Shooter-Kost.

Teamwork
Unterschied Nr. 4: Während man in Doom III praktisch immer allein unterwegs ist, hat man bei Q4 sehr oft einen oder mehrere Kameraden dabei. Die verhalten sich relativ intelligent und sichern eine zu öffnende Tür erst einmal ab, bevor sie hindurchgehen, und suchen dann selbständig Deckung. Man kann ihnen leider keine Befehle erteilen, d.h. wenn sie vorrücken wollen, dann kann man sie nicht davon abhalten. Dennoch sind sie eine große Hilfe.

Manche Kameraden muss man beschützen, da sie irgendwo eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben. Andere Team-Mitglieder sind nur zu eurer Unterstützung da, aber im Falle von Sanitätern und Mechanikern solltet ihr trotzdem gut auf sie aufpassen: Die können nämlich eure Gesundheit und Panzerung bis zum Maximum wiederherstellen.

Viele Kameraden aus der Rhino-Squad begleiten euch von Anfang bis zum Ende. Ihre Namen werden eingeblendet, wenn ihr das Fadenkreuz über sie bewegt und natürlich haben sie auch individuelle Gesichtszüge, Stimmen und Akzente. Dadurch entsteht fast ein bisschen so was wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Kampf
Die Action, also der Kampf gegen die Strogg-Drohnen, ist das Herzstück von Q4. Hierbei zeigt sich das gleiche, was auch für Doom III gilt: Vieles ist gescriptet. Typische Situation: Ihr durchquert einen gegnerfreien Raum. In der Mitte steht ein Computer, den ihr aktivieren müsst. Sobald ihr das getan hat, gehen plötzlich irgendwelche verborgenen Türen auf oder ein Teleporter aktiviert sich und Gegner stürmen auf euch ein. Man lernt recht schnell, wann wieder so etwas ansteht und kann sich entsprechend darauf einstellen. Leider provozieren die Teamkameraden derartige Angriffe manchmal selbst, da sie weiter vordringen, als man es gern hätte. Ganz so schlimm wie in Doom III ist es mit der Scripterei aber nicht und auch hier gibt es wieder viel Abwechslung. Manchmal landen zum Beispiel Truppentransporter und laden einige Strogg ab, die sich sofort im Gelände verteilen und angreifen.

Die KI der Gegner ist sehr gering. Typisch für Strogg: Schließlich haben sie keinen eigenen freien Willen, sondern werden alle vom Nexus gelenkt. So stürmen sie denn blindwütig auf euch zu, nur wenige Gegnertypen suchen auch mal Deckung oder weichen seitlich aus. Ein Gegnertyp hat auch einen Energieschild, den er vor sich halten kann. Ab und zu begegnet man besonders schlagkräftigen, riesigen Zwischengegnern. Eine besondere Strategie ist hier nicht erforderlich: Ausweichen und Draufhalten ist bei Q4 bis zum Schluss immer das Mittel der Wahl - nur beim finalen Endgegner muss man erstmal die Stelle finden, an der er verwundbar ist.

Nach und nach erhält man immer schlagkräftigere Waffen - auch solche der Strogg - die von den Mechanikern eurer Einheit teilweise sogar noch aufgerüstet werden. Am besten haben mir der Dark-Matter-Generator und die Railgun gefallen. Erstere Kanone verschießt eine Kugel aus "Dunkler Materie", die über eine weite Strecke fliegt und dabei alles mit sich reißt, was ihr im Weg steht. Die Railgun eignet sich hervorragend, um Gegner auszuschalten, die sich euch nur durch einen engen Zugang nähern und nicht ausweichen können. Medipacks, Rüstungsteile und Munition sind überall in ausreichender Menge zu finden. Das ist ein fairer Zug, denn im letzten Drittel des Spiels hat man es meist mit ganzen Horden recht starker Gegner zu tun.

Stroggifizierung / Rätsel / Sonstiges

Ich spoilere wohl nicht zu sehr, wenn ich es verrate: Kane wird recht bald in einen Strogg verwandelt. Damit steigen seine maximale Gesundheit und Panzerung - aber nicht die freundschaftlichen Gefühle der anderen Strogg, auch wenn Kane nach den vermutlich recht schmerzhaften Operationen so aussieht wie sie.

Der Rätselanteil ist sehr niedrig (bzw. nicht vorhanden), vielleicht in Anbetracht der Tatsache, dass man als Strogg möglicherweise nicht mehr so klar denken kann wie als Mensch… Es gibt eigentlich nur eine einzige Stelle, an der man ein kleines puzzleartiges Rätsel lösen muss - ansonsten beschränken sich die Aufgaben des Spielers darauf, lebendig von A nach B zu kommen und vielleicht noch jemanden dorthin zu eskortieren. Am Ziel muss meist nur ein Schalter betätigt werden, damit sich anderswo eine Tür öffnet. Man muss dazu weder Schlüssel finden noch sonst irgendwelche Gegenstände einsammeln.

Ihr könnt jederzeit per Quicksave-Taste speichern. Automatisches Speichern erfolgt bei jedem Levelbeginn und an Checkpoints, zum Beispiel vor Zwischengegnern. Da eure Missionsziele sehr einfach gestrickt sind, braucht ihr kein Ingame-Menü, erst recht kein Inventory oder gar ein PDA wie in Doom III. Eure Aufgabe wird euch aber angezeigt, wenn ihr die TAB-Taste drückt.

Multiplayer

Die üblichen Mehrspieler-Modi sind vorhanden, aber die nutze ich nicht, daher hierzu wie immer kein Kommentar!

Fazit

Q4 sorgt für ca. 15 Stunden schnörkellosen, einfach gestrickten, aber enorm actionreichen Spielspaß. Durch die verschiedenen Elemente wie Fahrzeugsteuerung und Teamwork ist für viel Abwechslung gesorgt und die Motivation bleibt konstant hoch. Der Kampf gegen den finalen Endgegner - oder vielmehr: die Endgegner - fällt ziemlich hektisch aus, ansonsten ist der Schwierigkeitsgrad zumindest auf der zweiten von vier wählbaren Einstellungen völlig in Ordnung. Optisch ist das Spiel ebenfalls ein Genuss - ausreichend leistungsfähige Hardware vorausgesetzt. Also: Hirn abschalten und Spaß haben!

Special Edition

Die Special Edition enthält eine Bonus-DVD, auf der die Vollversion von Quake 2 mit den Erweiterungen The Reckoning und Ground Zero zu finden ist. Die Handbücher hierfür befinden sich als Datei auf der DVD. Installiert Quake 2 ruhig mal und schaut es euch an - dann könnt ihr die Grafikpracht von Q4 erst so richtig würdigen. Ebenfalls auf der DVD: Einige kurze Filmclips mit Interviews (auch mit den Synchronsprechern), Konzeptzeichnungen, Renderbildern und dem E3-Trailer. Insgesamt zwar kein vollwertiges "Making of", aber doch eine nette Beigabe.

Mein System: Intel Pentium D mit 3,2 Ghz, 2048 MB Arbeitsspeicher, nVidia GeForce 7800 GTX

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Screenshots

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