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Project CARS

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Auto-Rennspiel

Kurzreview
Project CARS

Eigentlich dürfte ich zu diesem Autorennspiel gar nichts schreiben, denn ich habe es nicht durchgezockt. Allerdings habe ich es auch nicht nur kurz angespielt; ein paar Stunden sind durchaus zusammengekommen. Und nachdem ich inzwischen einige geradezu enthusiastische Reviews gelesen habe, juckt es mir in den Fingern, mal eine andere Meinung abzugeben. Die bezieht sich allerdings auf die ungepatchte Version des Spiels. Es könnte sein, dass einige Dinge, die mich gestört haben, bereits durch Patches behoben wurden. Außerdem muss ich anmerken, dass ich die Onlinefunktionen des Spiels nicht genutzt habe.

Dies soll keine Rezension sein - ich möchte lediglich kurz erläutern, warum mich Project CARS nicht dauerhaft an den Bildschirm fesseln konnte. An der Grafikqualität liegt es nicht! Gut, die meisten Rennstrecken wirken etwas trist und leblos, das Schadensmodell kann nicht überzeugen, aber die Autos sehen wirklich klasse aus, auch in der Cockpitperspektive.



Project CARS

Bild 1: Rückspiegel, Tacho usw. - alles voll funktionsfähig


Die sich ändernden Wetter- und Lichtverhältnisse hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Wenn die Sonne tief steht, wird man geblendet wie im richtigen Leben! Man kann nach Herzenslust Fotos aufnehmen (nur nicht während der Replays) und diese mit einem umfangreichen Editor bearbeiten.

Der Hauptgrund dafür, dass mir das Spiel keinen Spaß gemacht hat, lässt sich nicht durch Patches beseitigen, da müsste Project CARS schon von Grund auf anders designt werden. Es fehlt ganz einfach an der nötigen Langzeitmotivation. Die so genannte "Karriere" verdient diesen Namen überhaupt nicht! Man verpflichtet sich als Fahrer für ein Team, das während einer Saison nur an ganz bestimmten Rennveranstaltungen teilnimmt. Das heißt: Durch die Auswahl des Teams legt man sich auf Fahrzeug und Streckenauswahl fest. Hat man alle Rennen der Saison absolviert, kann man den "Vertrag" verlängern - dann fährt man dieselben Rennen in der nächsten Saison noch einmal. Durch Erfolge wird aber die Aufmerksamkeit anderer Rennteams geweckt, zu denen man für die nächste Saison wechseln kann. So kann man mit anderen, evtl. höherklassigen Autos auf anderen Strecken fahren. Hinzu kommen Herausforderungen, die man ohne Teamwechsel während der laufenden Saison annehmen kann. Auch hier erwarten euch dann andere (vorgegebene) Fahrzeuge und Veranstaltungen.

Soweit klingt das gar nicht schlecht, aber an der Umsetzung hapert es. Zunächst einmal wird der Karriereverlauf denkbar unspektakulär präsentiert. In einem unansehnlichen Kalender wählt man die gewünschte Veranstaltung, das war's. Dann gibt es da noch die "Karrierezentrale". Für dieses Menü werden fiktive Nachrichten und Botschaften aus "Sozialen Netzwerken" zum Renngeschehen generiert, außerdem erhält man hier Mails des eigenen Teamchefs sowie besagte Angebote anderer Teams und Herausforderungen.



Project CARS

Bild 2: Startseite der Karrierezentrale, rechts die generischen Kurznachrichten von "Fans"


Nach dem Rennen werden nüchterne Punktetabellen angezeigt, nur beim Gesamtsieg am Saisonende darf man die Animation eines Pokals bewundern. Echte Rennstallatmosphäre kommt da nicht auf! Daran kann auch der Boxenfunk nichts ändern, der übrigens in der Standard-Einstellung viel zu laut aus dem Gamepad scheppert. Die paar nichtssagenden Floskeln, die irgend so ein Typ in englischer Sprache von sich gibt, wiederholen sich schon in der allerersten Saison und nerven vom ersten Moment an. Ich habe den Boxenfunk deshalb sehr bald abgeschaltet. Die Boxenstopps sind nicht animiert, nur der Lollipop Man steht vor euch rum.



Project CARS

Bild 3: Die Boxenstopps bieten nur eins: Langweilige Wartezeit


Zudem gibt es nichts zu gewinnen oder freizuspielen. Geld verdienen, um bessere Autos/Tuningteile kaufen zu können? Punkte sammeln, um in die nächsthöhere Rennliga aufzusteigen? Das alles gibt es hier nicht. Man hat also nie das Gefühl, dass die Mühen sich gelohnt haben, dass es etwas bringt, den Sieg einzufahren, dass es Ziele zu erreichen gibt, dass man sich weiterentwickelt und so weiter. Man absolviert einfach nur stur ein Rennen nach dem anderen, bis man irgendwann alle gewonnen hat. Toll.

Apropos "Präsentation": Praktisch überall ist die Schrift viel zu klein. Wenn man dann auch noch so überladene Menüs vor sich hat wie dieses hier, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.



Project CARS

Bild 4: Alles auf einen Blick, nur - wer braucht das?


Tja, und dann die Steuerung. Versteht mich nicht falsch! Ich finde es lobenswert, wenn dem Spieler die Freiheit eingeräumt wird, bis ins allerletzte Detail am Fahrzeug-Setup herumzufrickeln. Ich habe nichts dagegen, dass man Fahrhilfen, Gamepad-Konfiguration und unzählige Feineinstellungen selbst festlegen darf. Es gefällt mir, dass sich ein PS-Monster mit Heckantrieb ganz anders fährt als ein Formel-1-Bolide mit Mittelmotor oder ein frontgetriebener Straßenwagen. Bei Project CARS ist man aber gezwungen, immer wieder am Setup herumzufrickeln, bis man hochgezüchtete Rennmaschinen unter Kontrolle bekommt. Ich würde ja noch einsehen, dass sich Autos kaum beherrschen lassen, solange die Reifen kalt sind. Bei Project CARS ist aber nicht nur das der Fall. Was soll ich denn bitte davon halten, dass ein und dasselbe Auto mit kalten Reifen heftig kippelt und springt, während es mit warmen Reifen problemlos durch dieselben Kurven buttert, in denen es sich zuvor ständig überschlagen hat? Mit der Physik-Engine kann sowieso etwas nicht stimmen. Bei Überschlägen, zu denen es sogar bei ganz harmlosen Kollisionen kommt, fliegen die Autos manchmal davon wie weggeschnippte Münzen, um sich zuletzt endlos auf dem Dach zu drehen. Ab und zu hatte ich beim Überfahren höherer Kerbs ein Erlebnis der besonderen Art. Dann hat sich das Auto nämlich nicht nur überschlagen, sondern ist auf Nimmerwiedersehen mit einem Affenzahn im schönen blauen Himmel verschwunden! Dafür habe ich dann eine Trophäe für das lange Beibehalten einer besonders hohen Geschwindigkeit erhalten...

Was die erwähnten Einstellungsmöglichkeiten bei der Steuerung angeht, lässt Project CARS den Spieler ganz schön im Regen stehen. Die zahlreichen Optionen werden nicht erklärt, obwohl im entsprechenden Menü mehr als genug Platz wäre, und ein Handbuch ist nicht vorhanden, d.h. es ist nur online verfügbar. Was ich mir unter "Empfindlichkeit Lenkung" vorzustellen habe, ist ja noch einleuchtend. Bei "Totzone Lenkung" wird's schon schwieriger. Aber welche Auswirkungen sollen "Tempoempfindlichkeit" und "Controller-Filtersensitivität" haben? Da bleibt nur Versuch und Irrtum, und das ist schon sehr unschön. Richtig ärgerlich wird es, weil Project CARS mit den voreingestellten Werten praktisch unspielbar ist! Ich weiß nicht, für welche Controller diese Einstellungen gut sein sollen. Vielleicht Lenkräder? Für normale Gamepads jedenfalls nicht. Ich habe es einfach nicht geschafft, die Autos (Karts schon gar nicht) dazu zu bringen, sich vernünftig durch die Kurven zu bewegen. Das war für mich die erste Hürde, ich hatte sogar angenommen, das sei ein Bug. Zum Glück gibt es auf YouTube Anleitungen, in denen gezeigt wird, wie man die Steuerung einstellen muss.

Die üblichen Rennspiel-Schwächen kommen noch hinzu. In mehreren Reviews wurde die Intelligenz der computergesteuerten Gegner gelobt. Das kann ich nicht bestätigen. Es mag sein, dass sie nicht wie festgeleimt auf der Ideallinie fahren, aber ich kann nicht behaupten, dass sie besonders schlau vorgehen. Zumindest wurde ich mindestens ebenso oft angerempelt, angeschoben, weggedrängelt und geschnitten wie in jedem anderen Rennspiel. Startet man mitten in einem aus 29 Gegnern bestehenden Fahrerfeld oder wird man während einer bis dahin gut gelaufenen Qualifikationsrunde für einen gegnerischen Fahrfehler mit Nichtwertung der Zeit bestraft, dann sind Schreikrämpfe vorprogrammiert. Vor dem Rennen kann man den Schwierigkeitsgrad per Schieberegler einstellen. Ich glaube, diese Einstellung hat vor allem Auswirkungen auf die Aggressivität der Computergegner und ihr Kurvenverhalten, aber nicht auf ihre Intelligenz.

Ich könnte jetzt noch von diversen weiteren Bugs sowie von äußerst unschönen Grafikfehlern bis hin zu wildem Geflacker in den Replays berichten, aber ehrlich gesagt habe ich mit Project CARS schon zu viel Zeit verschwendet.


J. Kreis, 19.07.2015



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