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PR Adventure

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Grafik-Adventure

Note: 3

Perrypedia
Online-Lexikon
zur PR-Serie
PERRY RHODAN - THE ADVENTURE

Perry Rhodan ist die zentrale Figur der gleichnamigen Science Fiction - Romanserie. Diese Serie gibt es 1961, und man kann sie ohne Übertreibung als größte SF-Serie der Welt bezeichnen. Wer Perry ist, was es mit der Serie auf sich hat und was sich dort aktuell ereignet, könnt ihr sowohl hier als auch in der Perrypedia nachlesen. Aber Vorsicht! Das fiktive Universum dieser Serie - das Perryversum - ist riesig. Wenn ihr einmal anfangt, in der Perrypedia zu schmökern, dann könnte es sein, dass ihr kein Ende mehr findet...

PC-/Videospiele, die im Perryversum angesiedelt sind, gibt es nur sehr wenige. Ich habe mir keines der älteren zugelegt, nach diesen war 10 Jahre lang Funkstille. Nun ist im Februar 2008 endlich ein neues Spiel erschienen. Irgendwie hatte ich befürchtet, dass es sich dabei nur um ein billiges Lizenzprodukt handeln würde, um eines jener Machwerke also, die einen bekannten Namen missbrauchen, um bei den Fans abzukassieren. Diese Furcht war absolut unbegründet. Perry Rhodan - The Adventure ist trotz einiger Schwächen, die ich als Kinderkrankheiten bezeichnen würde, durchaus gelungen. Es ist allerdings ein klassisches Point & Klick - Grafik-Adventure, gehört also zu einem Genre, das meinen Geschmack nicht trifft. Mein letztes Spiel dieser Art war Myst III Exile, und so stellten sich beim Spielen des Perry Rhodan - Adventures geradezu nostalgische Gefühle ein!

Story

Im Jahre 1346 NGZ (4933 n. Chr.) verüben Unbekannte einen Anschlag auf die Solare Residenz, den Regierungssitz der Liga Freier Terrania mitten in der Riesenstadt Terrania, in dem sich auch der Regierungschef Perry Rhodan aufhält. Es gelingt ihnen, die Schutzschirme des hoch über der Stadt schwebenden Gebäudes lahmzulegen. Die Energieversorgung einiger Teile der Residenz fällt aus, Kampfroboter entführen Mondra Diamond, Perrys ehemalige Lebensgefährtin. Reginald Bull, Verteidigungsminister der LFT und Perrys bester Freund, verhängt eine Ausgangssperre und ein Kommunikationsverbot über die Residenz, denn ihm ist völlig klar, dass Perry sonst alles daransetzen würde, Mondras Schicksal auf eigene Faust aufzuklären. Perry sitzt somit in der Residenz fest, und es ist die Aufgabe des Spielers, ihm dabei zu helfen, sich und Mondra zu befreien.

Bei seinen Recherchen findet Perry Hinweise auf das mysteriöse außerirdische Volk der Illochim, das vor vielen Jahrtausenden eine wichtige Rolle in der Milchstraße gespielt haben muss. Mondra hatte den Auftrag, eine Museumsausstellung zum Thema Illochim zu organisieren, und bei ihren Vorbereitungen war sie in Konflikt mit dem Geheimdienst der Arkoniden geraten. Dieses Volk gehört zu den schärfsten Konkurrenten der LFT und scheint mehr über die Illochim zu wissen, als die Terraner erfahren dürfen...

Den weiteren Verlauf der Story, die übrigens aus der Feder der PR-Autoren Robert Feldhoff und Michael Marcus Thurner stammt, erfährt man durch Zwischensequenzen und die Ergebnisse von Perrys Recherchen. Sie enthält leider eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten, Logikfehlern und ins Nichts führenden Seitensträngen - vor allem hat sie kein überzeugendes Ende. Das ist zwar nicht den Entwicklern, sondern nur den Autoren anzulasten, aber es ist eine entscheidende Schwäche dieses Spiels. Denn bei einem Adventure, in dem ja sonst nichts aufregendes passiert, ist eine spannende Geschichte eminent wichtig. Das Ende hinterlässt einen sehr schalen Nachgeschmack. Eigentlich bleiben alle Fragen offen und man hat kein richtiges Erfolgserlebnis.

Gameplay

Bei Grafik-Adventures geht es ziemlich ruhig zu, es passiert nicht viel auf dem Bildschirm. Kämpfe oder Actionsequenzen gibt es nicht. Der Spieler steuert Perry nicht direkt und man hat auch keine volle Bewegungsfreiheit oder 3D-Rundumsicht. Perry wird per Mausklick vor festen Hintergrundbildern bewegt, wobei er durchaus nicht nur hin und her, sondern auch in die Tiefe des Raumes gehen kann. Diese vorgerenderten Hintergründe können weder gedreht noch gezoomt werden. Perrys Abenteuer führt ihn zu verschiedenen Orten auf Terra und auf anderen Welten, all diese Orte sind in verschiedene Abschnitte untergliedert. Perry bleibt immer an einem Schauplatz, kann sich in dessen Abschnitten aber frei bewegen. Hat er alle Rätsel dieses Schauplatzes gelöst, reist er zum nächsten Ort. Zu früheren Schauplätzen kann nicht zurückgekehrt werden. Das Spiel verläuft also recht linear, es gibt auch keine alternativen Lösungswege. Führt man den Mauszeiger über den Eingang zu einem Raum, den Perry schon einmal besucht hat, wird ein kleines Vorschaubild dieses Raums eingeblendet. Das macht die Orientierung leichter. Ein Problem sind die manchmal etwas langen Laufwege. Perry schreitet nämlich sehr gemächlich dahin, sofern man ihn nicht gerade zu einem interaktiven Objekt oder zu einer Tür lenkt. Zum Glück kann man die Wege zwischen den einzelnen Abschnitten abkürzen: Bei Rechtsklick auf eine Tür wird sofort zum nächsten Raum gewechselt, ohne dass Perry erst zu der Tür gehen muss.

In den Umgebungen gibt es einzelne benutzbare Gegenstände und Personen, die Perry ansprechen kann. Auch diese werden lediglich angeklickt. Hierbei kommt ein interessantes Feature zum Einsatz, das ich so noch nicht kannte: Perry hat einen Scanner dabei, der die "Hotspots" (also die interaktiven Stellen in der Hintergrundgrafik) vorübergehend sichtbar macht. Hierzu muss man nur die S-Taste betätigen. Allerdings kann Perry sich während des Scanvorgangs nicht mehr bewegen, auch sind nicht immer alle Hotspots zu sehen und manchmal sind sie nicht richtig positioniert. Diese Fehler sind aber sehr selten. Perry muss Logik-Rätsel lösen, Codes entschlüsseln und Informationen durch Dialoge sammeln, um zum nächsten Bereich zu gelangen.

Gespeichert werden kann überall und jederzeit, beim Betreten eines neuen Raumes wird automatisch gespeichert. Man hat zwar nur sieben Speicherplätze, die waren für mich aber ausreichend.

Rätsel / Inventar

Perry kann diverse Gegenstände aufsammeln, die in einem stets am unteren Bildschirmrand sichtbaren Inventar abgelegt werden. Inventareinträge erhält er auch zu Orten und Personen. Nähere Informationen über die Gegenstände, Orte und Personen erhält er durch Rechtsklick, an manchen Stellen des Spiels kann Perry auch Computer benutzen, um über die Inventareinträge zu recherchieren. Er kann auch mit den NPCs, denen er begegnet, über diese Dinge sprechen. Hierzu müssen die Inventareinträge einfach nur per Drag & Drop über den NPC geführt werden. Auf genau die gleiche Art kann Perry die Gegenstände im Inventar miteinander kombinieren, sofern das erforderlich ist, ebenso interagiert er mit den Hotspots in der Umgebung. Diese Art der Steuerung ist sehr komfortabel, die Tastatur muss nur selten benutzt werden. Zum Inventar, das übrigens nie besonders voll wird, denn die Anzahl verwendbarer Objekte ist recht gering, gehört auch Perrys Multifunktions-Armband, das ein leider nur sehr knappes Questlog enthält.

Allerdings sind die Rätsel nicht immer logisch und die Dialoge sind ebenso linear wie das Spiel selbst, d.h. unterschiedliche Antwortmöglichkeiten gibt es nur an einer einzigen Stelle gegen Ende des Spiels. Die meisten Rätsel erschöpfen sich darin, dass man den richtigen Gegenstand mit dem richtigen Hotspot kombinieren muss. Und genau das ist es, was mir an dieser Art von Spielen nicht so recht gefällt. Im PR-Adventure ist nicht immer erkennbar, was denn nun wo verwendet werden soll - man erhält manchmal nur wenige oder gar keine entsprechenden Hinweise. Es kommt auch vor, dass man die Verwendbarkeit eines Gegenstands erst durch eine andere Aktion triggern muss, ohne dass klar ist, warum denn das eine Ereignis das andere beeinflussen soll. So kann man Inventar-Gegenstände manchmal erst dann miteinander kombinieren, wenn man an der richtigen Stelle steht, oder irgend etwas, das man zuvor schon erfolglos ausprobiert hat, funktioniert plötzlich ohne erkennbaren Grund. Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr, endlos herumzuprobieren. Anspruchsvollere Rätsel wie das Ermitteln eines bestimmten Symbolcodes oder Puzzle-artige Verschiebespielchen sind eher selten. Dummerweise ist bei einzelnen Steuerdialogen etc. nicht ohne weiteres erkennbar, wie die Bedienung überhaupt funktioniert.

Insgesamt ist die Mischung aus einfachen "Finde Gegenstand A und setze ihn an Punkt B ein, damit sich eine Tür öffnet" und unlogischen Kopfnüssen unausgewogen, auch hätte etwas mehr Abwechslung dem Spiel gut getan. So etwas wie die komplexen Apparaturen in den Spielen der Myst-Serie, deren Funktionsweise man erst einmal begreifen muss, um sie dann in Gang setzen zu können, dürft ihr beim PR-Adventure jedenfalls nicht erwarten. Dennoch kann man mit den Rätseln im Großen und Ganzen zufrieden sein, mit etwas Hirnschmalz lassen die meisten Probleme sich lösen. Wer nicht weiterkommt, kann ja mal in die Perrypedia-Komplettlösung reinschauen. Ratet mal, wer die geschrieben hat...

Grafik / Sound

Die verschiedenen Umgebungen, an die Perry während seines Abenteuers geführt wird, sind sehr abwechslungsreich gestaltet und bieten so manchen Hingucker. Jeder Ort hat seinen eigenen Charakter, es wiederholt sich nichts. In der Residenz und der Waringer-Akademie bewegt Perry sich durch eine geradezu klinisch rein wirkende Welt, die Oberfläche von Gom Callaedus ist trostlos, die Bergwerke sind düster, riesig und ziemlich bizarr. Die Hintergründe enthalten viele liebvoll gestaltete Details, schön strukturierte Texturen und oft auch bewegliche Objekte. Mal sieht man Gleiter vor der Kulisse Terranias herumfliegen, mal sind es Leuchtreklamen oder ähnliches. Die NPCs wirken trotz eines leichten Cartoon-Stils überzeugend, was auch für die nicht-humanoiden Außerirdischen gilt. Dem Perryversum wurden unter anderem die Blues, die Unither und die Naats entnommen. Mit der Gestaltung dieser Wesen mag mancher Fan vielleicht nicht hundertprozentig einverstanden sein, man kann aber damit leben. Alle Figuren bewegen sich lebensecht, bei Dialogen bewegen sich sogar die Lippen. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Figuren nicht wie Puppen in einem Kasperltheater vor den Hintergründen herumstehen, sondern sehr gut in sie integriert sind. Sehr schöne Licht- und Schatten-Effekte runden den positiven Gesamteindruck ab. Allerdings frage ich mich, warum Perrys Schatten dort zwei helle Stellen hat, wo man die Augen vermuten kann. Scheint da etwa die Sonne durch den hohlen Schädel?

Auch am Sound gibt es kaum etwas auszusetzen. Die atmosphärische Hintergrundmusik passt ebenso gut ins Spiel wie die verschiedenen Synchronsprecher. Hinzu kommen diverse Soundeffekte, die aber nur sparsam eingesetzt werden. Die Dialoge sind zwar wie gesagt vorgegeben, aber die Texte sind stimmig und entbehren auch nicht eines selbstironischen Humors. Besonders lustig fand ich die quasi-telepathisch begabten Muurt-Würmer, deren Gequassel man hört, wenn man den Muurt-Wurm-Burger näher untersucht, den Perry an einer Stelle im Spiel in sein Inventar nimmt. Auch Perrys launige Kommentare sorgen immer wieder mal für ein Schmunzeln.

Beziehung zum Perryversum

Muss man Perry Rhodan - Fan sein und die Serie gelesen haben, um das Spiel genießen zu können? Die Antwort lautet "Nein", und das ist fast ein wenig schade. Denn im Grunde spielt die Handlung nur zufällig im Perryversum; man hätte sie ebenso gut in jedem anderen SF-Szenario ansiedeln können. Dass die Illochim ein Volk sind, das nur im Perryversum vorkommt, ist kein Argument, denn wenn ich die Vorgänge richtig durchschaue, dann wurden die Illochim in den gleichnamigen Taschenbüchern der Atlan-Serie überhaupt nur deshalb eingeführt, weil sie in diesem Spiel vorkommen sollten. Es ist zwar nett, mal eine Visualisierung bekannter Schauplätze des Perryversums (Solare Residenz, Waringer-Akademie, beide toll gemacht) vorgeführt zu bekommen, aber insgesamt enthält das Spiel für meinen Geschmack zu wenige dieser Elemente. Sobald Perry die Waringer-Akademie verlässt, ist es vorbei mit dem "Wiedererkennungswert", der für Fans der Romanserie bis dahin ein echter Bonus war.

Dennoch enthält das Spiel viele Aspekte, die sich nur den Lesern der PR-Serie so richtig erschließen, zum Beispiel manche Eigenheiten der Blues und Unither. Die Arkoniden kommen dagegen leider etwas zu kurz, obwohl sie ja Perrys Gegenspieler sind. So manche Anspielung und so mancher Gag dürfte nur für Fans verständlich sein, insgesamt aber werden praktisch keine Kenntnisse aus der Romanserie vorausgesetzt. Man muss den Entwicklern zugute halten, dass sie sich zwar nicht sklavisch, aber doch relativ eng an die Vorgaben des Perryversums halten. Das Spiel wirkt in sich stimmig und steht trotz diverser Abweichungen nicht im krassen Gegensatz zu dem, was man aus der Romanserie kennt.

Fehler

Ein Spiel, das ohne Patch fehlerfrei und ohne Abstürze läuft - das sieht man eher selten. Dem PR-Adventure gelingt dieses Kunststück nur fast, denn es gibt einen Fehler, der die korrekte Fortsetzung unmöglich macht. Ihr könnt ihn aber leicht vermeiden: Sprecht Krem in der Kesnar-Klinik beim 2. Besuch einfach nicht auf Kato da Trumort an. Ansonsten sind mir keine echten technischen Fehler aufgefallen, das Spiel lief von Anfang bis Ende ohne Störungen. Diese Tatsache verdient ein dickes Extra-Lob.

Fazit

Trotz der kleinen Macken und der enttäuschenden Story hat das PR-Adventure Spaß gemacht, und das will schon etwas heißen, da ich dieses Genre wie gesagt eigentlich gar nicht mag. Ich würde mir jedenfalls auch eine Fortsetzung zulegen. Das Spiel ist nicht nur für PR-Fans geeignet (für die natürlich erst recht), sondern durchaus auch für all jene, die noch niemals einen PR-Roman in der Hand hatten. Das Spiel heimst keine Lorbeeren für Originalität, fantasievolle Rätsel oder Spannung ein, bietet aber solide Adventure-Kost für leider nur ca. 15 bis 20 Stunden.



Screenshots


Perry ganz zu Beginn seines Abenteuers vor der Skyline Terranias:


Perry Rhodan


Fast am Ziel: Perry im Herzen des Illochim-Raumschiffs:


Perry Rhodan


J. Kreis, 02.04.2008
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