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Project Gotham Racing 2

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 2
PROJECT GOTHAM RACING 2

Eigentlich ist dies nicht erst der zweite, sondern schon der dritte Teil einer Rennspielserie, in der es nicht nur um das Gewinnen von Autorennen geht, sondern auch um das Sammeln von Punkten für stilvolles Fahren - die so genannten "Kudos". Das erste Spiel dieser Reihe ist Metropolis Street Racer (MSR) aus dem Jahre 2000, erschienen für Segas leider viel zu früh "gestorbene" Dreamcast-Konsole. MSR war eines der ersten Spiele, die ich geschrottet habe, denn der Frustfaktor war enorm hoch. Warum das bei Project Gotham Racing 2 (PGR2) nicht mehr so ist, erfahrt ihr in dieser Review.

Vorab nur ein paar kurze Worte zu den umfangreichen Online-Funktionen, die PRG2 bietet: Über Xbox Live könnt ihr nicht nur Online-Rennen austragen, sondern auch "Geister" von anderen Spielern herunterladen, euch in Bestenlisten eintragen und vieles mehr. All diese Funktionen nutze ich als eingefleischter Singleplayer jedoch nicht und kann deshalb auch nichts davon bewerten.

Im Einzelspielerbereich findet man drei Renntypen: Die Kudos-Weltmeisterschaft, die Arcade-Rennen und Zeitrennen. Wer darauf keine Lust hat, wählt "Instant Action" und findet sich sofort mitten im Renngeschehen wieder.

Bevor man einsteigt, legt man noch das Nummernschild fest, das dann für jedes vom Spieler gesteuerte Auto verwendet wird. Hier könnt ihr euren Namen eingeben - der ist dann im Spiel deutlich zu erkennen.

Zunächst einmal - was sind überhaupt Kudos?

Kudos

Kudos ist laut Wikipedia ein von einem griechischen Wort abgeleiteter Begriff und bedeutet soviel wie "Ruhm" oder "Ehre". In PGR2 erhält man Kudos-Punkte für gute fahrerische Leistungen, und dazu gehört nicht nur der Sieg, sondern auch der Fahrstil. So gibt es Punkte für elegantes Driften, wenn ihr Kurven mit der Höchstgeschwindigkeit nehmt, wenn ihr Gegner überholt, ein Rennen ohne Blechschäden abschließt, im Windschatten fahrt und so weiter. Die gesammelten Punkte kommen zunächst für einige Sekunden in einen Zwischenspeicher, bevor sie eurem Konto gutgeschrieben werden. Schafft man es, in dieser Zeit weitere Punkte zu sammeln, dann erhält man für derartige Kombos ein Vielfaches der normalen Punktzahl. Der Zwischenspeicher wird geleert, wenn ihr euch einen Crash leistet, so dass alle Punkte verloren gehen. Fahrfehler werden glücklicherweise großzügiger behandelt als in MSR. Ein leichtes Touchieren einer Bande darf man sich schon mal leisten, ohne dass man sich von den Kudos verabschieden muss. Außerdem sind Zusammenstöße mit den anderen Fahrzeugen lobenswerterweise völlig unschädlich.

Wenn ihr genügend Kudos gesammelt habt, steigt ihr in die nächste Stufe auf und erhaltet so genannte Kudos-Tokens. Damit könnt ihr neue Autos freischalten. Eine andere Bedeutung haben die Kudos nicht - und das ist der entscheidende Unterschied im Vergleich zu MSR, denn wenn ich mich recht erinnere, war es in diesem Spiel von der Anzahl der gesammelten Kudos abhängig, ob man überhaupt weiterspielen konnte, und das sorgte bei mir doch für erheblichen Frust. Diesen Frustfaktor gibt es bei PGR2 nicht mehr.

Rennmodi

Kudos-Weltmeisterschaft

Es gibt verschiedene Meisterschaften, die sich hauptsächlich in den verfügbaren Fahrzeugen voneinander unterscheiden. Die ersten Meisterschaften werden mit normalen Straßenautos bestritten, dann kommen Meisterschaften mit Kabrios, Oldtimern und anderen Fahrzeugtypen, später fährt man reinrassige Rennautos. Jede Meisterschaft ist in mehrere Herausforderungen und je fünf Schwierigkeitsgrade unterteilt. Für jede dieser Herausforderungen stehen sofort mindestens zwei Autos bereit, die man nicht erst mit Kudos-Tokens freischalten muss. Allerdings hat man mit diesen einfachen Modellen in höheren Schwierigkeitsgraden meist keine Chance - allerdings ist das auch nicht weiter schlimm, durchzocken (d.h. alle Meisterschaften wenigstens in den einfacheren Schwierigkeitsstufen abschließen) kann man das Spiel durchaus auch mit diesen Standard-Fahrzeugen, ohne überhaupt Kudos investieren zu müssen. Nur "Medaillensammler" kommen am Autokauf nicht vorbei. Für jeden Schwierigkeitsgrad gibt es nämlich eine Medaille, und um die Platin-Herausforderungen gewinnen zu können, muss man schon das jeweils beste Auto der Meisterschaftsgruppe erwerben.

Die Weltmeisterschaft führt euch durch eine ganze Reihe realer Städte, in denen es verschiedene Rennkurse gibt. Ihr fahrt also nicht auf bekannten Rennstrecken (einzige Ausnahme: Der Nürburgring), sondern mitten durch Städte wie Florenz, Edinburgh, Sydney, Rio de Janeiro, Stockholm und einige mehr, bekannte Sehenswürdigkeiten inklusive. Jede Meisterschaft besteht aus mehreren Herausforderungen. So muss man eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen innerhalb eines Zeitlimits überholen, eine Runde innerhalb einer vorgegebenen Zeit absolvieren, mit einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit an einem Blitzgerät vorbeifahren (!) oder Kudos in einem Slalom-Parcours sammeln. Hinzu kommen natürlich auch ganz normale Straßenrennen mit bis zu sieben CPU-Gegnern. Erfüllt man alle Aufgaben einer Meisterschaft, so wird die nächst höhere Meisterschaft freigeschaltet.

Arcade-Modus

Der Arcade-Modus unterscheidet sich von der Weltmeisterschaft eigentlich nur darin, dass hier die Fahrzeuge vorgegeben sind, d.h. ihr könnt hier nicht zwischen den Autos wählen, die sich in eurem Besitz befinden. Auch die Rennen sind denen der Weltmeisterschaft sehr ähnlich, außerdem könnt ihr auch durch stilvolles Fahren im Arcade-Modus euer Kudos-Konto aufstocken.

Zeitfahren

Wie der Name schon sagt, geht es in diesem Modus nur darum, Bestzeiten zu fahren. Kudos könnt ihr dabei nicht verdienen, aber ihr könnt eure eigenen Autos verwenden. Alle freigeschalteten Strecken sind hier frei wählbar.

Garage und Ausstellungsraum

PGR2 bietet etwas, das ich bei allen anderen Rennspielen immer vermisst habe: Eine "echte" Garage. Dort seht ihr alle Fahrzeuge, die sich in eurem Besitz befinden. Ihr könnt sie ausgiebig von allen Seiten betrachten, denn ihr könnt euch in der Egoperspektive frei in der Garage bewegen. Gleiches gilt auch für den so genannten Ausstellungsraum. Dort stehen alle im Spiel verfügbaren Autos (ca. 100), diese könnt ihr dort auch gleich käuflich erwerben. Sind die Autos noch nicht freigeschaltet, weil ihr die entsprechende Meisterschaft noch nicht erreicht habt, dann sind sie mit einem weißen Tuch verdeckt.

Steuerung

In PGR2 zeigen die Autos zwar durchaus ein unterschiedliches Fahrverhalten - je nachdem, ob sie Front-, Heck- oder Allradantrieb haben, wie sie gefedert sind und so weiter. Allerdings geht die Fahrphysik doch deutlich in Richtung Arcade, von einer Simulation ist das Spiel weit entfernt. Wäre ja auch noch schöner, sonst könnte man ja gar nicht so schön driften und Kudos sammeln! So liegen denn die allermeisten Autos wie Bretter auf der Straße und selbst exzessives Betätigen der Handbremse wird nicht etwa bestraft, sondern sogar mit Kudos-Punkten belohnt. Es besteht denn auch keine Möglichkeit, die Autos zu tunen oder die Einstellungen zu verändern.

Man kann sich jedes Rennen in voller Länge als Wiederholung anschauen. Diese Wiederholungen können auch gespeichert werden. Leider gibt es keine richtige Cockpit-Perspektive, immerhin steht in der »Stoßstangenperspektive« ein Rückspiegel zur Verfügung, außerdem kann die Kamera noch zur Seite und nach hinten geschwenkt werden. Die Autos haben zwar ein Schadensmodell, aber Auswirkungen auf das Fahrverhalten habe ich nicht festgestellt - die Schäden sind also wohl rein optisch.

Die CPU-Fahrer verhalten sich - je nach Schwierigkeitsstufe - recht intelligent bzw. aggressiv. Sie folgen zwar nicht immer stur der Ideallinie, dennoch wird man oft genug gerammt. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass die Fahrer noch im letzten Moment ausweichen. In den niedrigsten Schwierigkeitsstufen machen sie ziemlich oft krasse Fehler und fallen recht schnell zurück - so als ob sie den Mut verlieren und aufgeben würden...

Gespeichert wird übrigens nach jedem Rennen automatisch.

Grafik / Sound

Was bei PGR2 sofort auffällt: Es gibt keine Einbrüche in der Framerate, das Spiel läuft jederzeit absolut flüssig. Da hakt oder ruckelt nichts! Die Fahrzeugmodelle sehen sehr schick aus - Kantenbildung sucht man da vergebens. Karosseriespiegelungen sind ebenso vorhanden wie Hitzeflimmern, gezielt eingesetzte Kamera-Unschärfen in den Replays, Echtzeitschatten und andere nette Kleinigkeiten. Zum Beispiel bilde ich mir ein, dass in den Rückspiegeln tatsächlich etwas zu erkennen ist. In den Außenperspektiven sieht man erstaunlich viele Details, bei Cabrios erkennt man auch Einzelheiten des Fahrzeuginneren. Der Fahrer schaltet, neigt sich in die Kurven und wackelt bei Zusammenstößen mit dem behelmten Kopf (welchen Helm er tragen soll, kann man sich übrigens aussuchen).

Die 90 Rennstrecken sind vom Design her sehr abwechslungsreich, schöne Gebäudetexturen, realistisch wirkende Bäume und prächtige Lichteffekte sowie unterschiedliche Wetterbedingungen (manche Rennen finden auch in der Nacht statt) verwöhnen das Auge. Manchmal zischt man durch enge Gassen, dann wieder hat man viel Platz zur Verfügung, auch gibt es immer wieder mal alternative Streckenverläufe zu entdecken, die man als Abkürzungen verwenden kann. Leider wirken alle Strecken ziemlich "tot", denn es gibt keine Zuschauer. Obwohl man durchaus das eine oder andere animierte Objekt sieht. Andererseits ist mir das fast lieber, als wenn da irgendwelche 2D-Pappkameraden herumstehen würden. Jedenfalls schadet das Fehlen von Zuschauern der genialen Rennatmosphäre nicht.

Zum Fahrzeugsound gibt es nicht viel zu sagen. Jedes Auto klingt anders, dies ist auch abhängig von der Kameraperspektive. Das aus MSR bekannte Autoradio ist auch wieder dabei. Man kann ein Bedien-Display des Radios einblenden und hat dann verschiedene Sender zur Verfügung. Je nach Austragungsort hört man auch verschiedene Radiomoderatoren und Werbespots. Man kann sich aber auch selbst einen Soundtrack aus den Musiktiteln zusammenstellen, die man auf der Festplatte der XBox gespeichert hat.

Fazit

Durch die größere Fairness beim Sammeln von Kudos und die Tatsache, dass man die Kudos eigentlich nicht benötigt - wenn man sich mit den einfachen Schwierigkeitsgraden und den Standard-Autos zufrieden gibt - sorgt PGR2 für einen erheblich größeren Spielspaß als MSR. Allerdings werdet ihr feststellen, dass ihr schnell zum Medaillensammler werdet und auch die höchste Schwierigkeitsstufe knacken wollt. Und dann geht die Jagd nach den Kudos richtig los, was für einen hohen Suchtfaktor sorgt. Dann werdet ihr wahrscheinlich den einen oder anderen Wutanfall bekommen, denn einfach sind die Platin-Herausforderungen nun wirklich nicht!

Die geniale Grafik und die tolle Rennatmosphäre lassen kleinere Schwächen (z.B. fehlende Tuning-Möglichkeiten) schnell vergessen. Wenn ihr nicht so viel Wert auf eine "echte" Rennsimulation legt, sondern einfach nur spaßige Wettkämpfe auf interessanten Rennstrecken bestreiten möchtet, dann ist PGR2 das Spiel eurer Wahl. Hinzu kommt, dass das Spiel aufgrund seines Alters schon für wenig Geld zu haben ist: Es ist in der Reihe "XBox-Classics" erschienen.

J. Kreis, 03.04.2007

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