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Obscure

System:
Sony
Playstation 2

Genre:
Horror-Adventure

Note: 3+
OBSCURE

Fans von Resident Evil und Silent Hill, die schon sehnsüchtig auf die neuesten Spiele aus diesen Reihen warten, können sich schon mal hiermit die Zeit vertreiben: Obscure ist eine Mischung aus beidem, es ist ein kleines, feines Horror-Adventure mit Anleihen aus den beiden genannten Genre-Klassikern. Auch Kenner der Alone in the Dark – Spiele werden das eine oder andere Aha-Erlebnis haben und ein bestimmter Monstertyp sieht ziemlich genau so aus wie diese Vampir-Mutanten aus dem Film Blade II. Man soll sich bei Obscure wie in einem Teenie-Slasherfilm fühlen, deshalb findet das Ganze auch in einer Highschool statt. Wer schon immer der Meinung gewesen ist, dass er es in der Schule nur mit Verrückten und Monstern zu tun hatte, der wird sich jetzt bestätigt fühlen! Für das Spiel wurde also, wie ihr nach den ganzen genannten Vorbildern schon bemerkt haben werdet, viel "geklaut" – aber dafür gut geklaut.

Story
Die Hintergrundgeschichte ist genauso dünn und vorhersehbar wie in jedem anderen Horror-Film oder –Spiel. Da gibt es die alte, schon ziemlich baufällige und heruntergekommene Leafmore-Highschool, aus deren Wohnheim immer wieder Kids spurlos verschwinden, bis es geschlossen wird. Eines Tages nach Schulschluss fällt trotzdem wieder ein Schüler dem unbekannten Täter zum Opfer. Seine besten Freunde machen sich auf, ihn zu suchen, und stoßen dabei auf ein uraltes, grauenvolles Geheimnis…

Gameplay/Steuerung
Obscure beginnt mit einer Art spielbarem Intro, in dem ihr die Rolle von Kenny übernehmt. Das ist der verschwundene Schüler, und ihr könnt kaum mehr machen, als schon mal die intuitive, schnell erlernbare und gut durchdachte Steuerung auszuprobieren. Denn Kennys Schicksal steht ja schon fest – nach seiner fatalen Begegnung mit einem widerlichen Monster geht das Spiel erst richtig los. Ihr habt jetzt die Wahl zwischen Kennys vier Freunden, von denen jeder eine besondere Begabung hat, die mit der Quadrat-Taste aktiviert werden kann. Eins der beiden Mädels hat einen besonders wirksamen Schlag drauf und kann schneller schießen, das andere gibt Hinweise zu den Rätseln und nutzt Heiltränke besser. Einer der beiden Jungs kann besonders gut Schlösser knacken. Die nützlichste Fähigkeit hat Josh: Wenn ihr einen neuen Raum betretet, müsst ihr ihn nicht mühsam durchsuchen. Ein Druck auf die Quadrat-Taste genügt, dann sagt Josh euch, ob es hier noch was zu holen gibt oder ob ihr gleich wieder verduften könnt. Bei Secrets, d.h. wenn man einen geheimen Durchgang oder so finden muss, funktioniert dieses extrem hilfreiche Feature allerdings nicht. Die "untätigen" Charaktere warten immer an einem bestimmten Sammelpunkt, der stets monsterfrei bleibt und an dem man den Begleiter wechseln kann. Man spielt aus einer isometrischen Draufsicht, wobei die Kamerawinkel immer wieder wechseln. Verletzungen machen sich durch ein heftig pochendes Gamepad bemerkbar, ist eine Figur schwer verletzt, kann sie sich nur noch langsam und schmerzgebeugt fortbewegen. Gleichzeitig wird das Passfoto der betreffenden Figur (es gibt ein Menü mit den Schulakten) immer blutiger.

Ihr müsst euch nicht allein in den maroden, monsterverseuchten Klassenzimmern und modrigen Kellern umsehen, sondern könnt immer einen Mitstreiter mitnehmen, dem ihr mittels Steuerkreuz einfache Befehle geben könnt. Manche Verstecke sind nur mit der Hilfe dieses Begleiters erreichbar, der dann eine "Räuberleiter" für euch machen muss. Eure Begleiter wehren sich selbständig, wenn ihr ihnen was von den Waffen abgebt, die ihr aufsammeln könnt, und sind eine echte Hilfe. In manchen Situationen können sie aber auch mal im Weg herumstehen oder so – dann empfiehlt es sich, durch Druck auf die Kreis-Taste die Spielfigur zu wechseln und die Kontrolle über den Begleiter zu übernehmen. Das könnt ihr jederzeit tun, es können auch jederzeit Waffen und Gegenstände ausgetauscht werden. So klappert man auf der Suche nach Kenny zahlreiche Räume in den verschiedenen Baulichkeiten auf dem Schulgelände ab, sammelt Waffen, Munition, Heilmittel, Schlüssel und sonstige Gegenstände auf. Man löst ein paar ziemlich einfache Rätselchen und setzt sich gegen das bizarre Bestiarium zur Wehr, das die ganze Schule unsicher macht. Hier kommt eine Anleihe aus Alone in the Dark IV zum Tragen: Die Monster sind extrem lichtempfindlich und verbreiten zu ihrem Schutz einen schwarzen Nebel, den man nur mit einer Lichtquelle vertreiben kann. Also pappt man am besten eine Taschenlampe auf die Waffe oder wirft mit Blendgranaten – am Ende findet man sogar eine Laserwaffe, die sehr wirksam, leider aber auch nur begrenzt einsatzfähig ist. Ziele, die in Reichweite sind, werden nach Betätigen der R1-Taste automatisch erfasst. Bei der Monsterhatz gibt es immer wieder mal den einen oder anderen Schockeffekt, wenn etwa plötzlich besonders starke Gegner aus dem Nichts auftauchen und aus zwei Richtungen angreifen, oder wenn ein kreischendes (aber zum Glück harmloses) Bündel Mensch durch eine Fensterscheibe kracht. Immer wieder werden nett gemachte Render-Zwischensequenzen eingeblendet, mit denen die Story weitergeführt wird.

Obscure wartet mit einem weiteren sehr nützlichen Feature auf: Man findet immer wieder Karten der verschiedenen Gebäude, die man dann jederzeit aufrufen kann. Darin sind dann alle Türen eingezeichnet, die entsprechend markiert werden, wenn sie begehbar oder verschlossen sind. Ist in einem Raum noch ein Rätsel zu lösen, wird er mit einem Fragezeichen oder anderen Symbolen markiert. Besonders praktisch: Man kann jederzeit direkt – außer im Kampf – zum Sammelplatz zurückkehren und spart sich dadurch viel herumgerenne! Speichern kann man überall (sogar während des Endgegnerkampfs), sofern man über Speicherdiscs verfügt. Die sind ebenso großzügig verteilt wie alle anderen Verbrauchs-Items. Platzmangel herrscht zum Glück im Inventory nicht, man kann alles mitschleppen, was man findet.

Erwähnenswert ist noch der Co-op-Modus: Schließt man ein zweites Gamepad an, können zwei menschliche Spieler je eine Figur gleichzeitig steuern.

Hat man Obscure einmal durch, kann man es noch mal in einem Spezial-Modus starten. Dann kann man schon früh im Spiel auf schlagkräftige Argumente wie einen Morgenstern und eine Pistole mit Laser-Zielsuchsystem zurückgreifen. Die Spielfiguren tragen dann übrigens auch andere Outfits – sofern sie beim erstmaligen Durchspielen überlebt haben, was keinesfalls garantiert oder für das erfolgreiche Abschließen des Spiels erforderlich ist…

Wobei wir beim einzigen echten Kritikpunkt sind: Obscure ist nach 7 – 8 Stunden zu Ende. Beim erstmaligen Durchspielen war bei mir die gesicherte Zeit 04:30 Stunden, und ich habe mich durchaus nicht beeilt. Beim nochmaligen anzocken war ich schon nach knapp zwei Stunden zu zwei Dritteln durch und hatte nicht ein einziges Mal gespeichert!

Grafik
Die Grafik sieht zwar nicht so prächtig aus wie die feinen Charaktermodelle und vorgerenderten Hintergründe z.B. des Resident Evil – Remakes, dafür sind die Umgebungen nicht immer starr, sondern bewegen sich mit. Die Räume sind vorwiegend düster, aber doch recht abwechslungsreich gestaltet und man sieht, dass die Entwickler mit viel Liebe zum Detail am Werk waren. Auch die Licht-Effekte sind gut gelungen, Echtzeitschatten gibt es dagegen nicht. Einige Kameraperspektiven sind nicht ganz vorteilhaft. Manche Gegner sieht man deshalb erst, wenn es schon fast zu spät ist – vielleicht ist das aber auch Absicht. Ich hätte mir jedenfalls eine nachjustierbare Kamera gewünscht. Das Monster-Design ist ziemlich abgedreht – krank wäre vielleicht das richtigere Wort. Da hat sich eindeutig jemand von Silent Hill inspirieren lassen. Besonders gut gefallen hat mir die Vielzahl von beweglichen und interaktiven Objekten. Man kann nicht nur Stühle, Kartons, Gläser usw. durch die Gegend schubsen, sondern auch Scheiben zerschlagen, etwa um die Sonne reinzulassen, damit die Gegner auch ohne Waffeneinsatz zugrunde gehen. Getränkeautomaten und Vitrinen können geknackt werden, darin verbergen sich manchmal nützliche Gegenstände.

Sound
Zur richtig schön gruseligen Atmosphäre trägt die Soundkulisse enorm bei. Immer wieder ertönen irgendwo erstickte Schreie, nebenan schluchzt und weint jemand verzweifelt, Monster brüllen und stöhnen. Dumpfes Gerumpel, herabrieselnder Staub und andere undefinierbare Geräusche sind zu hören. Kommt es zum Kampf, wird die Musik richtig dramatisch – es sind sogar Kinderchöre dabei…

Fazit
Obscure macht richtig Spaß und sorgt sogar für manchen Adrenalinschub. Es gibt genug neue Ideen im Gameplay, die das Spiel aus der Masse vergleichbarer Titel herausheben. An das große Vorbild Silent Hill 3 kommt Obscure allerdings bei weitem nicht heran und es ist leider auch viel zu kurz.

Mit auf der Spiel-DVD ist übrigens noch ein ganz nett gemachtes Making of.

Für diese Leistung ist mal eine Zwischen-Note angebracht: 3+ !



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