Zurück zu den Spielen

nfsu

System:
Sony Playstation 2

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 3
NEED FOR SPEED UNDERGROUND

Da es noch gar so lange dauert, bis endlich die ersehnte Mutter aller Autorennspiele in neuester Version erscheinen wird (ich meine natürlich Gran Turismo 4), habe ich mir mal einen Fun-Racer zugelegt – wenn man von Need for Speed Underground (NFSU) nicht mehr erwartet als Spaß, dann liegt man durchaus richtig. Viel mehr bietet das Spiel nämlich nicht, insbesondere kann man Fahrphysik, Karrieremodus und Tuning-Möglichkeiten nicht mit Gran Turismo vergleichen. Während aber bei Gran Turismo anfänglich alles sehr gemächlich abläuft, bis man sich leistungsfähigere Fahrzeuge leisten kann, legt NFSU von Anfang an eine unglaubliche Geschwindigkeit vor, die immer weiter gesteigert wird.

Der Storymodus ist das Herz von NFSU. Im illegalen Straßenrennen-Untergrund einer fiktiven Stadt muß man versuchen, sich durch Siege in insgesamt 111 nächtlichen Rennen und durch ein aufgemotztes Auto in der Rangliste nach oben zu arbeiten. So arbeitet man ein Rennen nach dem anderen ab, nur nach Siegen kommt man weiter. Hat man ein Rennen gewonnen und ist zum nächsten fortgeschritten, kann man nicht wieder zu früheren Herausforderungen zurückkehren. Das Ganze verläuft also absolut linear, unterschiedliche Verläufe der Story gibt es nicht. Die Renn-Modi sind unterteilt in Rundkurse, Sprintrennen von A nach B, sowie in Drift- und Drag-Strecken. Während man bei den ersten beiden einfach nur alle Gegner abhängen muß (es sind nie mehr als drei), kommt es beim Drift darauf an, möglichst lange und elegant um Kurven zu schliddern, wofür man Punkte einheimst. Bei Drag-Rennen muß man so schnell wie möglich die Höchstgeschwindigkeit erreichen und zu diesem Zweck zum genau richtigen Zeitpunkt hochschalten. Selbst wenn man die Steuerung ansonsten auf "Automatik" gestellt hat, kommt man daran nicht vorbei. Alle diese Spielmodi sowie ein Trainingsmodus sind auch außerhalb der Story anwählbar, durch Siege im Storymodus schaltet man hierfür neue Strecken und Autos frei.

Für jeden Sieg im Storymodus gibt es sowohl Geld als auch Style-Punkte. Letztere allerdings nur, wenn man besonders gut gefahren ist, d.h. wenn man spektakuläre Sprünge und Drifts hingelegt hat, knapp an anderen Autos vorbei oder in deren Windschatten gefahren ist und so weiter. Mit dem Geld kann man sein Auto mit Spoilern, Vinyls, Neonröhren, Reifen, Motor-Upgrades und vielem mehr in verschiedenen Ausbaustufen aufmotzen. All diese Upgrades sind aber nicht von Anfang an verfügbar, sondern werden erst nach und nach freigeschaltet, unter anderem dann, wenn man genug Style-Punkte gesammelt hat. Mit den optischen Upgrades, die das Auto immer cooler aussehen lassen, verdient man sich "Respekt-Sternchen". Diese wiederum werden zur Multiplikation der Style-Punkte benötigt. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Man muß sich eigentlich um nichts kümmern, sondern einfach nur fahren (und siegen) und danach alles an Upgrades einbauen, was dann evtl. neu verfügbar ist. Man entscheidet sich zu Anfang zwar für ein bestimmtes Auto (ich empfehle den Mazda MX-5), kann dieses aber jederzeit wechseln – ausreichende Barmittel sind eigentlich immer vorhanden. Richtige Flitzer sucht man vergebens – in NFSU gibt es nur 20 normale Straßenfahrzeuge. Allerdings sind die Unterschiede zwischen all diesen Autos rein optischer Natur, denn jeder neu erworbene Wagen übernimmt automatisch alle bereits verbauten Upgrades. Auch das Fahrverhalten aller Autos ist absolut identisch – und zwar unabhängig davon, ob es nun ein Fahrzeug mit Front- oder Heckantrieb ist, was mir doch sehr unrealistisch erscheint. Leistungsupgrades einbauen ist Pflicht, sonst kommt man in den nächsten Rennen nicht mehr mit. Manuelles Feintuning wie bei Gran Turismo ist übrigens nicht möglich.

Überhaupt ist die Fahrphysik alles andere als realistisch. Der Bleifuß regiert, wer bremst verliert. Das ist die einfache Regel, an die ihr euch halten müsst. Dabei gibt es aber zwei Probleme. Erstens: Beinahe jede Kollision mit irgendwelchen Hindernissen führt dazu, dass euer Auto sich überschlägt oder wilde Dreher macht, als ob es keine Schwerkraft gäbe. Die gegnerischen Fahrer dagegen führen Lenkmanöver aus, die man nur noch als physikalisch unmöglich bezeichnen kann. Sie machen allerdings durchaus auch öfters mal Fehler, rammen den Gegenverkehr oder krachen in einen Baum. Bei der Irrsinnsgeschwindigkeit in den Rennen muß man schon hellwach sein und die Strecken gut kennen, um eine Chance zu haben. Die Sache wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass alle Rennen in der Nacht stattfinden und man manchmal vor lauter vorbeiflitzenden Lichtern gar nicht mehr weiß, wo es eigentlich langgeht. Zweitens: Der Gegenverkehr. Sowohl die CPU-Gegner als auch der manchmal recht dichte "Zivilverkehr" fahren stur auf einer Linie. So wird man von den Gegnern immer gern mal gerammt, während regelmäßig kurz vor dem Ziel irgend ein Kleintransporter hinter einer Kuppe erscheint oder aus einer Seitenstraße herausfährt – Krach – Überschlag – zuviel Zeit verloren – letzter geworden. Das ist besonders ärgerlich, weil man den Gegenverkehr oft einfach nicht rechtzeitig sehen und somit auch nicht ausweichen kann. Vorsichtig gemäß der Straßenverkehrsordnung fahren? Unmöglich – so gewinnt man keine Rennen! Auf diese Weise wird die Entscheidung über Sieg oder Niederlage sehr oft zu einem reinen Glücksspiel. Ganz extrem fällt dieses Problem in den Hochgeschwindigkeits-Drag-Rennen auf, weil man da kaum lenken kann. Gut, dass man jederzeit in jedem Rennen noch mal von vorn anfangen kann, ohne dass das als Niederlage gewertet wird. Es scheint auch eine "Aufhol-Funktion" zu geben, d.h. wenn man weit zurückliegt, scheinen die Gegner langsamer zu werden.

Die Grafik wirkt auf den ersten Blick sehr opulent. Viele Gebäude, viele bunte Lichter, bewegliche Objekte wie Mülltüten, Zäune, Einkaufswagen (!) die im Weg herumstehen und beiseitegefeuert werden können, nasser und spiegelnder Asphalt. Gibt man einen Nitro-Boost, kommt es zu einem Motion-Blur-Effekt, d.h. die Umgebung verschwimmt und verstärkt den Eindruck extremer Geschwindigkeit. Fährt man aber langsam und guckt sich die Umgebung genauer an, kommt die Ernüchterung: Alles wirkt kantig, klotzig, pixelig und detailarm. Da man aber kaum einmal so langsam fahren wird, fällt das kaum negativ auf. Die Fahrzeuge selbst sind sehr schön und detailreich modelliert, der Lack zeigt nette Lichtreflektionen. Manchmal, besonders beim Start, ruckelt das Spiel ein wenig. Es gibt zwar viele Streckenvarianten und man kann auch über Abkürzungen fahren, aber eigentlich findet alles in einer einzigen städtischen Umgebung statt und sehr bald hat man alles schon einmal gesehen. Alles sieht genau gleich aus – da hätte ich mir mehr Vielfalt gewünscht. Ein ganz großes Manko, das mich sehr enttäuscht hat: Es gibt keine Replays der Rennen! Nur wenn man einen Crash hinlegt oder wenn der Wagen abhebt, schaltet die Perspektive automatisch in eine Zeitlupen-Außenansicht um, bis man wieder auf allen vier Rädern steht. Im Rennen kann man zwischen zwei Außenkamera-Perspektiven und einer Egoperspektive wählen, ich nehme immer letztere. Ein Schadensmodell gibt es nicht – brauche ich aber auch nicht. Selten gibt es auch mal eine Zwischensequenz zu bewundern.

Der Sound ist okay, aber insbesondere die Motorgeräusche klingen nicht so gut wie bei Gran Turismo. Den HipHop-Sondtrack habe ich sofort abgeschaltet.

Auch die PS2-Version dieses Spiels hat einen Splitscreen- und einen Online-Multiplayer-Modus. Diesen nutze ich aber nicht und kann daher nichts dazu sagen.

NFSU ist ideal für den schnellen Geschwindigkeitsrausch zwischendurch, mehr aber auch nicht. Die Motivation bleibt durch die vielen freischaltbaren Upgrades konstant hoch, der Frustfaktor wegen der geschilderten Mängel aber auch. Spaß macht es aber durchaus. Ihr werdet merken, dass ihr irgendwann leicht verschwitzt und mit rasendem Puls vor dem Fernseher hängt – danach solltet ihr mindestens noch eine Stunde entspannen, bevor ihr euch ins Bett legt oder euch gar in ein reales Auto setzt! Und legt euch schon mal einen Ersatz-Controller bereit, denn es kann sein, dass ihr das Teil vor Zorn schrottet…

Seitenanfang