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Need for Speed Shift

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 3
NEED FOR SPEED: SHIFT

Ich kenne nur wenige Titel aus der Need for Speed - Reihe, hatte aber immer den Eindruck, dass es sich um Spiele handelt, bei denen nicht viel Wert auf die realistische Simulation eines Autorennens gelegt wurde. Stattdessen sollten sie einfach nur Spaß machen. NFS Shift weicht von diesem Prinzip ab, und wenn das jetzt so klingt, als würde das Spiel keinen Spaß machen, dann stimmt das in gewisser Weise sogar. Gemeint ist damit allerdings, dass NFS Shift offensichtlich kein Fun-Racer sein soll, sondern eher eine Beinahe-Simulation wie die Spiele der Gran Turismo-Reihe. Das hätten die Entwickler denn doch lieber dem "großen Bruder" aus dem Hause Polyphony Digital überlassen sollen...

Aber eins nach dem anderen. Neben der Karriere (eine Story ist nicht vorhanden) gibt es den Quickrace-Modus für einzelne Rennen und die Möglichkeit des Spielens gegen menschliche Gegner (nur online) im Playstation-Netzwerk. Die Online-Features nutze ich jedoch nicht.

Karriere

Im Karriere-Modus werden nacheinander neue Schwierigkeitsstufen, Rennstrecken, Autos usw. freigeschaltet. Das Ganze ist in fünf Stufen eingeteilt (hinzu kommen gesonderte Herausforderungen) und das Ziel besteht darin, an der höchsten Stufe, der "NFS World Tour", teilzunehmen. Neue Rennveranstaltungen innerhalb einer Stufe sowie Zugang zur nächsthöheren Stufe erhaltet ihr durch den Erwerb von "Sternen". Diese werden für Podiumsplätze und das Erfüllen von Aufgaben verteilt. Die Aufgaben können z.B. darin bestehen, dass ihr bestimmte Rundenzeiten unterbieten, saubere Runden fahren, eine Runde lang auf der Ideallinie bleiben, mehrere Gegner wegschubsen oder eine Mindestzahl von Profilpunkten erlangen müsst. Manche Sterne sind allerdings nur erreichbar, wenn man Aktionen vollführt (z.B. das Drehen von mehreren Gegnern), bei denen man selbst keine Chance mehr hat, das Rennen zu gewinnen - was man aber tun müsste, um die anderen Sterne zu erhalten. Für Podiumsplätze gibt es nicht nur Sterne, sondern auch Preisgelder. Das Geld wird zum Erwerb von Autos (Autos als Siegprämie gibt es nicht) und für Upgrades benötigt.

Die Profilpunkte werden für den Aufstieg in insg. 50 Fahrer-Levels benötigt. Für jeden Level-Aufstieg gibt es Belohnungen wie neue Garagenplätze, neue Autos (die dann allerdings erst einmal gekauft werden müssen), neue Lacke und Aufkleber für die Karosserie, neue Herausforderungs-Rennen usw. - im Fahrerprofil wird zwischen "Aggression" und "Präzision" unterschieden. Für das Rammen oder Blockieren von Gegnern, Kurven-Slides, unsauberes Überholen, Fahren im Windschatten und dergleichen erhält man Aggressionspunke. Durch Fahren auf der Ideallinie, Starts im perfekten Drehzahlbereich, sauberes Überholen o.ä. heimst man Präzisionspunkte ein. Nur - warum gibt es Aggressionspunkte, wenn man ein anderes Fahrzeug gar nicht rammt, sondern selbst gerammt wird?

Beim Start der Karriere absolviert man zunächst eine Testfahrt mit einem Wagen, der danach nicht mehr in der Garage steht. Je nach dem Verhalten und den Leistungen in der Testfahrt entscheidet das System für den Spieler, wie die unterschiedlichen Fahrhilfen (ABS, Traktionskontrolle, Brems- und Lenkassistent, Einblenden der Ideallinie usw.) eingestellt sein sollen. Das kann man allerdings auch selbst wieder verändern. Damit geht es gleich schneller zur Sache als in Spielen der Gran Turismo-Serie, d.h. ihr müsst nicht erst den Führerschein machen und seid zu Beginn nicht auf langsame Straßenwagen beschränkt, sondern könnt gleich PS-starke Maschinen kaufen und müsst auch gegen (je nach Schwierigkeitsgrad) starke und entsprechend motorisierte Gegner fahren. Allerdings wird das "sofort-Vollgas-und-mittendrin-Gefühl" von Race Driver Grid nicht annähernd erreicht.

Tja, und dann arbeitet man sich von Rennveranstaltung zu Rennveranstaltung, scheffelt Geld für neue Autos und Tuningmöglichkeiten, sammelt Sterne und Punkte und nähert sich allmählich der NFS World Tour. Selbst beim mittleren Schwierigkeitsgrad hat man die dafür benötigten Sterne recht schnell zusammen - und prompt geht die Motivation flöten. Natürlich werden die Gegner immer stärker (bzw. die Autos werden schneller und leistungsfähiger, die Rennen somit schwieriger) und man steht vor immer neuen Herausforderungen. So dürfen bestimmte Rennen nur mit bestimmten Fahrzeugmodellen absolviert werden, die übrigens meist gestellt werden, so dass man kein Geld dafür ausgeben muss, aber keine Upgrades dafür kaufen kann. Abgesehen von den normalen Rennen und Rennserien mit eigenen oder gestellten Autos (bei Herstellerrennen fährt jeder das gleiche Modell) gibt es Driftrennen, bei denen Mindestpunktzahlen für elegante Schleudermanöver erreicht werden müssen, Ausdauerrennen, Zeitfahren, Car Battles / Fahrerduelle (nur ein Computergegner, eigene oder vorgegebene Autos) sowie Runden-/Zeiteliminator-Rennen.

Aber irgendwann hat man trotz dieser Vielfalt genug davon, auf den immer gleichen Strecken im Kreis zu fahren, ohne konkret etwas davon zu haben - abgesehen von den Preisgeldern, die zu großzügig bemessen sind, als dass man wirklich gezwungen wäre, alle Rennen zu fahren, um sich neue Autos leisten zu können. Also steigt man in die NFS World Tour ein, sobald man genug Sterne gesammelt hat. Und hat man die World Tour absolviert, ist die Motivation gleich Null - jedenfalls war das bei mir der Fall. Schuld daran sind nicht zuletzt auch die zahlreichen Schwächen, auf die ich gleich noch zu sprechen komme.

Rennstrecken, Autos, Schadensmodell und Fahrphysik

Anders als in anderen NFS-Titeln wird nur auf normalen, teils bekannten Rennstrecken in verschiedenen Ländern gefahren, die Nordschleife des Nürburgrings ist auch dabei. Allerdings lässt die Auswahl doch ein wenig zu wünschen übrig. Stadtkurse sind zwar auch vorhanden, aber da gibt es keine geheimen Abkürzungen und dergleichen; selbst fürs Kurvenschneiden sind Verwarnungen bis hin zur Disqualifikation fällig. In NFS Shift werden also nur "legale" Rennen gefahren. Die Kurse sind nett gestaltet und weisen eine hohe Anzahl beweglicher Details auf. Die Zuschauer bewegen sich, Flieger rasen durchs Bild, Reifenstapel sind nicht massiv, sondern die einzelnen Reifen (oder auch Fässer, Leitkegel usw.) fliegen durch die Gegend, wenn sie gerammt werden. Die Umgebung mancher Strecken ist vielleicht ein wenig eintönig, aber das macht nichts, schließlich konzentriert man sich ja aufs Rennen und macht keine Sightseeing-Tour.

Auch die Autos können sich sehen lassen, subjektiv gefallen mir die Modelle in Gran Turismo 5 Prologue aber besser, sie wirken irgendwie "realer". Immerhin sind viele kleine Details vorhanden und die originalgetreu nachgebildeten Cockpits - mit funktionierenden Anzeigen - sind eine wahre Augenweide. Leider lassen sich die Modelle in der Garage nicht frei drehen und zoomen. Autos sind in 4 Stufen (zzgl. spezielle für Driftrennen geeignete Modelle) verfügbar. Schon bei Stufe 1 handelt es sich durchweg um Sportwagen, Stufe 4 enthält dann hochgezüchtete Supercars und dergleichen. Bis auf letztere können alle Autos mit zahlreichen Upgrades verbessert werden. Hat man alle Upgrades installiert, kann man einen Werksumbau kaufen, der die Leistung weiter hochschraubt. Die Leistungsdaten jedes Autos sind in Statistiken erkennbar. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass falsche Werte angezeigt werden. Wie sonst ist es erklärbar, dass die Balkengrafik eines Fahrzeugs mit größerer PS-Zahl schlechtere Werte anzeigt als die eines wesentlich schwächeren Autos? Mit installierten Upgrades können unzählige Tuning-Optionen ausgewählt werden. So kann jedes Auto den eigenen Wünschen entsprechend angepasst werden, diese Anpassungen beeinflussen das Fahrverhalten recht deutlich. Außerdem kann man die Autos auch mit anderen Lacken und zahlreichen Aufklebern verschönern.

Das Schadensmodell halte ich für weniger gut gelungen. Man kann einstellen, ob Schäden nur optische Auswirkungen haben oder sich auch auf das Fahrverhalten auswirken sollen, aber sowohl die optischen Schäden als auch die dadurch bedingten Veränderungen des Fahrverhaltens sind nicht überzeugend. Man muss schon mit Höchstgeschwindigkeit gegen ein starres Objekt rasen, damit sich die Karosserie ein bisschen verformt (meist fliegt nur die Kühlerhaube weg), ansonsten bleibt es bei Kratzern und Dreckspritzern sowie Rissen in den Scheiben. Vom Detailreichtum anderer aktueller Spiele kann hier keine Rede sein. Und selbst nach -zig Frontalcrashs zieht das beschädigte Auto höchstens mal nach einer Seite und lässt sich schwerer lenken. Die Räder bleiben immer dran, Totalschäden wie in RD Grid sind nicht vorgesehen.

Dass viele Autos, vor allem leistungsstarke Heckschleudern, nur sehr schwer beherrschbar sind, könnte man ja noch als realistisch bezeichnen. Ich habe aber den Eindruck, dass das Handling nicht direkt genug, sondern viel zu schwammig und ungenau ist. Die zuschaltbaren Fahrhilfen greifen für meinen Geschmack zu sehr ein, da könnte man auch gleich einen Autopiloten aktivieren. Außerdem ist mir aufgefallen, dass manche Autos plötzlich anfangen zu wackeln und sogar zu springen wie Gummibälle (wobei das Rumble-Pad heftig vibriert), selbst bei der Fahrt auf einer völlig geraden, ebenen Strecke, und ganz unabhängig von meinen Fahrwerkseinstellungen. Das wäre durch Unebenheiten im Straßenbelag erklärbar, aber dann müsste dasselbe Auto an derselben Stelle immer springen. Und das war beim Neustart des Rennens nicht mehr der Fall. Jedenfalls landet man bei Rennen mit Autos der höheren Kategorien verdammt oft im Kiesbett. Und ist man da erst einmal drin, reagiert das Auto auf gar nichts mehr. Lenken und Bremsen wird unmöglich. Ob das in der Realität genauso ist, kann ich nicht beurteilen.

KI und Sonstiges

Es ist schon traurig, dass ich bei praktisch jedem einzelnen Rennspiel immer wieder dasselbe schreiben muss: Die gegnerischen Fahrer halten sich stur an die Ideallinie und unternehmen keinen Versuch, Crashs zu vermeiden. Stattdessen rammen und drängeln sie gnadenlos. Schon bei leichten Berührungen macht man dann selbst einen unhaltbaren Abflug, während die Gegner unbeeindruckt wie auf Schienen weitererfahren. Natürlich kann man sich genauso verhalten, was sogar so weit gehen kann, dass man gegnerische Autos von der Strecke schaufelt, als ob man einen Gabelstapler fahren würde. Was das mit Realismus zu tun haben soll, kann ich mir nicht vorstellen. Hier beißen sich Arcade-Elemente mit dem Anspruch einer Simulation. Direktwiederholungen wie in RD Grid gibt es nicht. Leider. Denn bei solchen KI-Schwächen sind Frustmomente vorprogrammiert - es ist schon verdammt ärgerlich, wenn nicht das eigene Können über Sieg und Niederlage entscheidet, sondern die Beklopptheit der Computergegner.

Sehr unangenehm wirkt sich auch das Fehlen von Qualifizierungs-Runden aus. Eure Startposition wird automatisch festgelegt, und meist startet ihr von den hintersten Plätzen. Bestenfalls irgendwo im Mittelfeld. Bis ihr euch durch den rempelnden Pulk von bis zu 19 Autos nach vorn gearbeitet habt, ist das von der Pole Position aus gestartete Auto möglicherweise schon längst unerreichbar weit weg. Doch damit nicht genug. Bei Crashs verschwimmt der Bildschirm, dazu ächzt und stöhnt es im Cockpit. Was soll dieser Quatsch? Gerade in einer solchen Situation wäre es vielleicht besser, wenn man wüsste, wohin man lenken soll - aber man kann rein gar nichts mehr erkennen! In solchen Momenten ist NFS Shift teils unspielbar, denn man weiß gar nicht, in welche Richtung man fährt - wer sich den Schwachsinn ausgedacht hat, sollte ausgepeitscht werden.

Vermischte Kleinigkeiten, die den Spielspaß insgesamt ganz erheblich trüben: Das Gamepad ist nicht frei konfigurierbar. Man darf nur unter einzelnen Voreinstellungen wählen. Man muss sehr lange Ladezeiten erdulden, und zwar nicht nur vor dem Start des Spiels, sondern auch nach Abschluss eines jeden Rennens. Wenigstens geht es beim Renn-Neustart flott, sonst hätte ich die Spiele-Disc vermutlich längst vernichtet. Gespeichert wird automatisch. Und gespeichert wird alles Mögliche - nur nicht die Spracheinstellung. Deshalb muss man die Sprache beim Spielstart jedes Mal neu auswählen, was den Ladevorgang weiter verzögert. Auch sonst muss man mehrere Meldungen bestätigen - sonst könnte man während der Ladezeit auch noch eben aufs Klo gehen oder so... Die Menüs sind teils unnötig unübersichtlich, die Replays können nicht gespeichert werden und während der Rennserien kann man auch nicht speichern, so dass man alle Rennen in einem Rutsch absolvieren muss. Man kann zwar Screenshots machen und bearbeiten, aber dieses Feature ist offline nicht nutzbar, denn die Bilder werden nicht auf der PS3-Festplatte gespeichert, sondern müssten ins Online-Profil geladen werden.

Bugs

Die Schwächen bei Fahrphysik und KI kann man fast schon als Bugs bezeichnen. Darüber hinaus gibt es aber eine ganze Reihe echter Fehler. Zum Beispiel gibt es zwei Rennen mit vorgegebenen Autos, zu denen die Corvette Z06 gehört. Und die vom Spieler gesteuerte Corvette fährt einfach nicht los. Im ersten Rennen kann man auch noch ein anderes vorgegebenes Auto wählen, im zweiten nicht. Dieses Rennen kann man also überhaupt nicht fahren. Außerdem sind mir sehr viele Grafikfehler aufgefallen: In der Luft schwebendes Gras, fehlende Kühlerhauben im Replay, aus dem geschlossenen Autodach ragendes Flaggengirl, Clippingfehler, Ruckeln, Tearing...

Fazit

Selten so ein fehlerbehaftetes Konsolenspiel gehabt. Ansonsten macht NFS Shift eine Zeitlang durchaus Spaß, aber der geht früher oder später flöten, wenn die Mängel zum x-ten Mal nerven. Normalerweise habe ich bei Autorennspielen immer den Ehrgeiz, jedes Rennen zu gewinnen. Wegen des o.g. Bugs ist das aber bei NFS Shift sowieso nicht möglich, außerdem wird man für Siege nicht ausreichend belohnt - Geld, das man nicht mehr braucht, Sterne, mit denen man nichts mehr anfangen kann und Profilpunkte, für die man neue Lacke oder Vinyls und dergleichen erhält - toll. Und so habe ich das Spiel dann irgendwann ins Regal gestellt, ohne auch nur ein einziges Rennen der Stufe 4 absolviert zu haben. Die NFS World Tour hatte ich da schon gewonnen. Auch gefällt mir die zunehmende Integration von nur online nutzbaren Inhalten nicht.

Somit ist selbst bei wohlwollender Beurteilung höchstens die Note 3 drin.


J. Kreis, 06.01.2010
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