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Medal of Honor

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Egoshooter

Note: 3-
MEDAL OF HONOR - Limited Edition

Hurra, ich kann mich kurz fassen! Dieser Egoshooter ist mit dem Wörtchen "kurz" nämlich im Grunde schon ausreichend beschrieben...

Medal of Honor (MoH) - der Name stand bisher für Spiele, deren Handlung in der Zeit des zweiten Weltkrieges angesiedelt ist. Da sich aber eines der großen Konkurrenzprodukte (Call of Duty - Modern Warfare) sehr erfolgreich von diesem Szenario verabschiedet hat, hat man im Hause EA offenbar geglaubt, es sei auch ein "Reboot" von MoH erforderlich. Und so überrascht es nicht, dass der Krieg in Afghanistan in MoH als Szenario verwendet wird. Über die moralischen Implikationen breite ich lieber den Mantel des Schweigens.

Eine Story ist praktisch nicht vorhanden. Der Spieler übernimmt abwechselnd die Rolle von vier verschiedenen Soldaten, die in Afghanistan entweder Geheimmissionen hinter den feindlichen Linien absolvieren müssen oder am offiziellen Feldzug beteiligt sind. Als "Rabbit" (Mitglied eines vierköpfigen Teams von SEALs) gerät er in Gefangenschaft und als Dante Adams (Soldat in einem Ranger-Regiment) ist er an Rabbits Befreiung beteiligt. Hinzu kommen der Scharfschütze "Deuce" und der Helikopter-Bordschütze Brad Hawkins.



Medal of Honor

(Bild 1: Bordschütze in einem Kampfhubschrauber)


Sehr schicke CGI-Filme verknüpfen die einzelnen Missionen miteinander und zeigen außerdem die Probleme, die der Oberbefehlshaber in Afghanistan mit dem US-Präsidenten hat, der von der sicheren Heimat aus zweifelhafte Entscheidungen trifft.

Der Spieler hat im Grunde nichts mit dieser Story zu tun, d.h. er muss sie nicht durch eigene Aktionen vorantreiben, er trifft keine Entscheidungen und trägt nichts zum Finale bei. Er erfährt nichts über die Soldaten, deren Rolle er übernimmt, und schon gar nichts über die Situation in Afghanistan.

Die Singleplayer-Kampagne ist in drei bis vier Stunden erledigt. Dann darf man sich online austoben - diese Option nutze ich aber nicht und kann sie daher weder beurteilen noch in meine Gesamtbewertung des Spiels einbeziehen. Ich weiß nur, dass mich das Spiel für gerade mal zwei Abende beschäftigt gehalten hat!

Das Gameplay ist simpler kaum denkbar. Im Grunde hat der Spieler nur zwei Aufgaben: Entweder seinen Kameraden von A nach B zu folgen und unterwegs Unmengen von Turbanträgern umzunieten, oder eine Stellung für die vom Spiel vorgesehene Zeit zu halten und dabei Unmengen von heranstürmenden Turbanträgern umzunieten. Zwischendurch darf er mal die verschiedenen Bordwaffen eines Helikopters bedienen (den Heli kann er aber nicht selbst lenken), Ziele für Luftangriffe markieren oder als Scharfschütze einen Berghang per Zielfernrohr absuchen und "säubern", bevor seine Kameraden dorthin vorrücken.



Medal of Honor

(Bild 2: Gemeinsam mit einem anderen Scharfschützen auf der Pirsch)


Laufen und ballern oder stehen und ballern - das ist im Grunde alles, was ihr in diesem Spiel zu tun habt. Ihr könnt euren Kameraden, mit denen ihr meist unterwegs seid, keine Befehle erteilen, es gibt keine alternativen Lösungswege und keine anderen Optionen. Geheimnisse, die es zu entdecken gilt? Besondere Waffen, die man erbeuten kann? Fehlanzeige. Eigentlich ist es egal, mit welcher Bleispritze man herumläuft, Hauptsache ist, dass sie ein großes Magazin für Dauerfeuer hat! Einmal darf man zur Fortbewegung ein Quad benutzen, dabei kommt es aber nicht zum Kampf.

Auf dem Bildschirm sind normalerweise nur ganz wenige Informationen zu sehen. Munitionsvorrat, gewählte Waffe und andere Anzeigen werden nur eingeblendet, wenn man die H-Taste drückt. Es gibt keinen "Lebensenergie-Balken" und keine Möglichkeit der Selbstheilung. Ihr könnt eine begrenzte Anzahl von Treffern einstecken, dann müsst ihr in Deckung gehen. Liegt ihr dann nicht mehr unter Feuer, erholt ihr euch allmählich wieder. Müsst ihr weitere Treffer einstecken, ist das Spiel zu Ende. Ihr könnt nicht jederzeit speichern, das Spiel erledigt das an Autosave-Punkten von selbst. Die Speicherpunkte sind aber fair verteilt.

Die KI der Kameraden und Gegner ist eher mau; meist stehen die Leute nur in der Gegend oder hinter einer Deckung herum und warten darauf, erschossen zu werden. Manchmal laufen sie aber auch weg oder wechseln die Deckung. Immerhin sind die Kameraden im Kampf recht hilfreich, denn sie rücken eigenständig vor, schalten Gegner aus und sind unsterblich. Man kann sie also gut als Schutzschild benutzen. Außerdem kann man bei ihnen Munitionsnachschub anfordern.



Medal of Honor

(Bild 3: Lasst den Kameraden ruhig vorausgehen - er ist kugelsicher!)


Die meisten Ereignisse sind gescriptet. Unvorhersehbare Variationen oder echte Reaktionen auf eigene Handlungen erhält man nicht.

Immerhin: Wenn man weiß, welche imaginäre Linie man überschreiten müsste, um den Angriff der nächsten Horde von Gegnern zu triggern, dann kann man erst einmal stehen bleiben, um die schöne Landschaft zu bewundern, denn an der Grafik gibt's wenig zu meckern. Beinahe schon fotorealistische, zumindest weitläufig aussehende Levels erfreuen das Auge. Man hat zwar trotz der scheinbaren Größe des Geländes nur wenig Auslauf, da es überall unüberwindbare Mauern oder sonstige Hindernisse gibt (meist läuft man also doch durch die üblichen Schläuche und Flaschenhälse), aber zumindest bestehen die Areale nicht aus flachen Texturtapeten, sondern aus echten Landschaften mit teilweise zerstörbaren Elementen.

Das gilt auch für die eigene Deckung. An einer speziellen Stelle im Spiel muss man sich mit drei Kameraden, denen allmählich die Munition ausgeht, in einer Hütte verschanzen. Die wird von den Gegnern, die die Berghänge herabströmen, nach und nach in Trümmer geschossen!



Medal of Honor

(Bild 4: In der Hütte dort unten müsst ihr den Ansturm der Gegner aussitzen, die aus dem Gebirge kommen)


Die Soldaten bewegen sich lebensecht, die Gewaltdarstellung wurde in der deutschen Version entschärft. Es fließt Blut, aber es können keine Gliedmaßen abgeschossen werden wie in der internationalen Version. Aber wer braucht das schon. Explosionen, in der Luft schwebender Staub, Licht-/Schatten-Effekte: Alles sehr fein.

Man kann auch nicht leugnen, dass die Atmosphäre ganz gut gelungen ist, wozu die deutsche Sprachausgabe sowie der orchestrale Soundtrack nicht unerheblich beitragen. Die Soldaten unterhalten sich in typischer Frontschwein-Manier - da stutzt man manchmal wegen der Ausdrucksweise, außerdem ist es lustig zu hören, dass sich die Kämpfer selbstverständlich vor jedem Einsatz davon überzeugen, es nur mit "bösen Jungs" zu tun zu haben, so dass man bedenkenlos auf alles schießen kann, was sich bewegt. Ganz wie im echten Leben...

Was an der Limited Edition so besonders sein soll, dass sie diese Bezeichnung verdient, konnte ich nicht herausfinden. Es gibt auch noch eine "Tier 1 - Edition". Keine Ahnung, worin der Unterschied besteht.

Fazit

MoH macht durchaus Spaß, wenn man außer lecker aussehender, aber völlig anspruchsloser Dauer-Ballerei nichts erwartet. Der Spaß ist aber schon nach viel zu kurzer Zeit schon wieder zu Ende. Für diesen Minimal-Umfang dasselbe Geld zu verlangen, das z.B. auch ein vergleichsweise komplexes und sehr viel umfangreicheres Spiel wie Fallout 3 kostet, dann kann man sich durchaus veräppelt vorkommen. Ich kann mich an Demoversionen anderer Spiele erinnern, mit denen man länger beschäftigt war... und die haben gar nichts gekostet!

Einfallslose Missionen, ein absolut linearer Spielverlauf, nicht vorhandene Identifikation mit den verschiedenen Charakteren der Story - wenn ich dem Rohrkrepierer Call of Duty - World at War nicht schon eine 4+ gegeben hätte, dann wäre MoH ein Kandidat für diese Note. Um die Verhältnismäßigkeit zu wahren, vergebe ich deshalb die äußerst wohlwollende Note 3-

J. Kreis, 25.10.2010



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