Zurück zu den Spielen

moh

System:
Sony Playstation 2

Genre:
Egoshooter

Note: 5
MEDAL OF HONOR - RISING SUN

Am 07.12.1941 erklärt Japan den USA und England den Krieg, kurz danach greifen japanische Flottenteile den größten Flottenstützpunkt der USA im Pazifik Pearl Harbour an. Durch Luftangriffe werden zahlreiche der nicht voll gefechtsbereiten amerikanischen Schiffe und Flugzeuge vernichtet, viele Tote sind zu beklagen. Diese Aktion hat den Eintritt der USA in den Krieg zur Folge, der von diesem Zeitpunkt an als Weltkrieg bezeichnet werden muß.

Die Story des Egoshooters Medal of Honor Rising Sun beginnt vor diesem historischen Hintergrund mit dem "Day of Infamy" und führt den Spieler durch 10 Missionen, die an den damaligen Pazifik-Kriegsschauplätzen (wie z.B. Pearl Harbour, Guadalcanar, Henderson Field) spielen. Zu Beginn des Spiels findet man sich im Inneren eines US-Kriegsschiffs wieder, das gerade von den Japanern zerbombt wird. Man muß sich irgendwie nach draußen durchkämpfen und unterwegs anderen Soldaten helfen, Feuer löschen und ähnliches. Oben angekommen fällt man erstmal ins Meer. Von Kameraden in einem Schnellboot wird man wieder herausgefischt und muß ihnen dann helfen, die japanischen Flieger abzuwehren. Man steht an einem MG und feuert auf alles, was sich bewegt, während das Schnellboot zwischen riesigen brennenden Schiffen, abstürzenden Fliegern und Trümmern herumkurvt. Das geht solange, bis man eine ausreichende Anzahl von Abschüssen erzielt hat. So weit, so gut. Alles ist so, wie man es von MoH kennt und liebt: Überzeugende Kriegsatmosphäre mit bombastischem Sound, viel Action und Geballer. Die Grafik wirkt hier zwar schon etwas lieblos und verwaschen, aber das könnte man ja noch mit der Vielzahl von sich bewegenden Objekten, den Flammen und dem Rauch entschuldigen all das gleichzeitig darzustellen, fällt der PS2 eben nicht leicht. Könnte man denken.

Doch dann kommt nach einer Zwischensequenz mit historischen Filmaufnahmen das erste "richtige" Level, und damit beginnt der Frust. Was den Spieler da an ewig gleichen, öden Umgebungsgrafiken erwartet, ist so grottenschlecht, daß man allenfalls von PSOne-Niveau sprechen kann. Grobpixelige Objekte, einfallslose und verwaschene Texturen, zweidimensionale "Pappaufsteller" anstelle von richtigen Pflanzen, das ist einer Next-Generation-Konsole nicht würdig, und daß es besser geht, beweist der Vorgänger Medal of Honor Frontline! Dieses vergleichsweise alte Spiel hat wesentlich besser ausgesehen! Lediglich die Soldaten und Waffen sind auch diesmal wieder nett anzuschauen und ganz realistisch animiert. Der unübersichtliche Grafikbrei der Umgebung sorgt des öfteren für Orientierungsprobleme. Es kann leicht passieren, daß man eine Weile im Kreis herumläuft, ohne es zu merken. Mir ist auch aufgefallen, daß die Kollisionsabfrage nicht fehlerfrei ist. Manchmal können die Gegner durch Bäume oder Felsen hindurchschießen. Im Gegensatz dazu hat man oftmals zwar einen Gegner direkt im Fadenkreuz, trifft ihn aber trotzdem nicht.

Hinzu kommt der öde, langweilige Spielverlauf. Daß man in den ganzen ziemlich gleich aussehenden Levels im wesentlichen immer dasselbe macht (Gegner töten, Dinge sprengen) kann man noch verschmerzen, das ist ja in den meisten Shootern so. Aber muß es heute wirklich noch sein, daß man fast immer nur auf vorgegebenen Pfaden herumlaufen darf und sich in den Levels nicht frei bewegen kann? An manchen Stellen ist es noch extremer, dann kann man nämlich nichts weiter tun, als von einem Fahrzeug (einmal sogar von einem Elefanten) aus alle Gegner abzuballern. Das Fahrzeug steuern oder den Ablauf sonstwie beeinflussen? Fehlanzeige!

Von einer KI kann in diesem Spiel keine Rede sein. Alles was passiert ist gescriptet, wiederholt sich endlos und wird schnell langweilig. Die Gegner rennen entweder blind auf einen zu oder stehen dumm in der Gegend herum, wobei sie nur ab und zu mal ihre Position wechseln egal ob man auf sie schießt oder nicht. Auch die Kameraden, von denen man in den meisten Missionen unterstützt wird, haben ihr Offizierspatent offenbar im Lotto gewonnen. Es ist schon ein komisches Bild, wenn ein Japaner x-mal mit dem Bajonett auf einen stoisch in der Gegend herumstehenden US-Soldaten einsticht oder wenn sich zwei Leute mit angelegtem Gewehr Nase an Nase gegenüberstehen, ohne jemals zu schießen. Das ist schlampig gemacht und ärgerlich. Man muß sich auch nicht einbilden, daß es für die Missionsziele etwa unterschiedliche Lösungswege gebe. Nein, alles läuft schematisch und linear ab.

Die Steuerung ist recht durchwachsen. Man kann die Gamepad-Konfiguration zwar beliebig ändern und man kommt mit der Tastenbelegung auch ganz gut zurecht. Das Zielsystem ist aber unter aller Kanone, denn entweder reagieren die Sticks viel zu feinfühlig, oder im Sniper-Modus viel zu träge. Man muß meistens wie verrückt mit den Sticks herumrühren, bis man endlich mal einen Gegner anvisiert hat. Da merkt man überdeutlich, daß solche Egoshooter eigentlich nicht das richtige für Konsolen sind: Hier braucht man einfach Tastatur und Maus. Alternativ wäre eine Auto-Aim-Funktion hilfreich gewesen, aber dieses Feature gibt es bei MoH-Rising Sun leider nicht. Bis man also mal zum Schuß gekommen ist, hat man meist schon mehrere Treffer eingesteckt. Dann schießt man endlich selbst und stellt überrascht fest, daß so ein Gegner nach einem Kopfschuß erstmal zu humpeln anfängt und erst mit einem weiteren Treffer niedergestreckt werden muß. Irgend etwas scheint da ziemlich schief gegangen zu sein...

Einzige Verbesserung im Vergleich zu älteren MoH-Titeln: Es gibt jetzt Continue-Punkte in den Levels und an bestimmten (festgelegten) Stellen kann man sogar selbst den Spielstand speichern. Man muß also endlich nicht mehr das ganze Level von vorne durchzocken, wenn man kurz vor Schluß noch ins Gras gebissen hat. Wäre dieses Feature nicht vorhanden, ich glaube, dann hätte ich den Silberling schon längst in tausend Stücke zertreten.

Noch ein Wort zum Umfang: Bei anderen Spielen ist es eigentlich immer ein Anlaß für Tadel, wenn man es schnell durchgezockt hat. Bei MoH Rising Sun dagegen kann man direkt froh sein, wenn man nach etwa 6 Stunden den Abspann sieht! Man könnte das Spiel auch online und offline (per Splitscreen) gegen menschliche Gegner und offline im Ko-op-Modus zocken, aber ich nutze diese Features nicht und kann zur Qualität daher nichts sagen.

Sorry, aber das war nix!

Cheats:
Als Passwort GOBY eingeben - jetzt kann man bei den Extras unendliche Munition aktivieren.
Als Passwort TANG eingeben - jetzt kann man bei den Extras Unverwundbarkeit aktivieren.


Seitenanfang