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Mittelerde: Mordors Schatten

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Action-Adventure

Note: 2
Mittelerde: Mordors Schatten

Ein Action-Adventure mit offener Welt, angesiedelt in John R.R. Tolkiens Mittelerde? Ein Traum wird wahr! Das Gameplay von Mittelerde: Mordors Schatten erinnert zwar in mancherlei Hinsicht stark an Assassin's Creed und Batman, dennoch hat das Spiel genug Eigenständigkeit, damit das nicht stört.

Die Game of the Year - Edition enthält das Hauptspiel sowie die Erweiterungen "Der Helle Herrscher" und "Meister der Jagd", außerdem verschiedene Herausforderungen sowie Ingame-Inhalte wie Skins und Runen.

Story

Die Story findet irgendwann nach dem Ende von Der Hobbit und vor Beginn des Ringkrieges statt. Sie wird hauptsächlich durch einige toll gemachte Zwischensequenzen erzählt.

Talion ist ein Waldläufer von Gondor. Er dient in einer Garnison, die das Schwarze Tor von Mordor bewacht. Seit einiger Zeit breitet sich jenseits des Tores wieder Dunkelheit aus, denn Sauron ist zurückgekehrt und bereitet sich darauf vor, die freien Völker Mittelerdes anzugreifen. Talions Garnison wird von Orks überrannt, die von drei Schwarzen Numenorern angeführt werden. Talions muss mit ansehen, wie seine Frau Ioreth und sein Sohn Dirhael ermordet werden, bevor er selbst getötet wird. Einer der drei Schwarzen Numenorer, bekannt als "Die Schwarze Hand Saurons", will auf diese Weise den Geist eines mächtigen Elbenfürsten beschwören. Das Ritual verläuft erfolgreich, doch der Geist verschmilzt unerwarteter Weise mit Talion, so dass der Waldläufer aus dem Reich des Todes zurückkehrt und nun nicht mehr sterben kann. Der Elb hat zwar sein Gedächtnis verloren, steht Talion aber als wertvoller Ratgeber zur Seite. Durch die Verschmelzung mit ihm gewinnt Talion unter anderem die Fähigkeit, in die Schattenwelt überzuwechseln und Dinge zu sehen, die den Augen der Sterblichen verborgen sind.

Talion bleibt in Mordor, um sich an den Schwarzen Numenorern zu rächen. Nach und nach - nicht zuletzt durch die Hilfe einer merkwürdigen Kreatur namens Gollum - kehren die Erinnerungen des Elben zurück. Er ist niemand anderer als Celebrimbor, der größte Elbenschmied des Zweiten Zeitalters. Er wurde einst von Sauron betrogen und ermordet. Auch Celebrimbor sucht Rache. Doch selbst mit vereinten Kräften sind Talion und Celebrimbor zu schwach, um es mit den Schwarzen Numenorern und den hinter ihnen stehenden gewaltigen Orkheeren aufzunehmen, zumal in Mordor noch Menschen leben, die vom erstarkenden Dunklen Herrscher bedroht werden. Talion und Celebrimbor versuchen Saurons Streitkräfte von innen heraus zu schwächen und eine eigene Armee aufzustellen, bestehend aus Orks, die Celebrimbor seinem Willen unterwirft. Doch in Mordor sind noch andere Kräfte am Werk, mit denen sich der Waldläufer und der Elbenfürst auseinandersetzen müssen ...



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 1: Marwen, Königin der Menschen vom Nurnenmeer)


Diese Geschichte ist nicht kanonisch, sie steht nicht ganz im Einklang mit Tolkiens Werk. Das gilt insbesondere für Celebrimbors Vergangenheit. Hier wurde einiges hinzugedichtet! Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass der Elbenschmied den Einen Ring an sich gerissen, Sauron mit einer eigenen Orkarmee herausgefordert und sogar fast besiegt hätte. Diese Hinzuerfindung hätte vielleicht nicht sein müssen, aber ich finde es nicht weiter tragisch. Jedenfalls ist die Story werktreu genug, um sich ganz gut in Tolkiens Universum einzugliedern. Man muss aber sagen, dass der Storyentwicklung im Spiel nicht sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Tatsächlich tritt die Geschichte wegen der vielen Nebenmissionen über weite Strecken ganz in den Hintergrund. Durch die allmähliche Enthüllung der wahren Hintergründe wird dieses Manko ein wenig ausgeglichen. Leider ist das Ende unbefriedigend - ich hatte den Eindruck, dass mit einer Fortsetzung geliebäugelt wurde. Dagegen hätte ich nichts einzuwenden!



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 2: Talion in Geisterform am Schwarzen Tor. Die farbigen Symbole auf der Minimap zeigen Quest-Startpunkte an)


Steuerung: Klettern und Schleichen

Talion wird aus der 3rd-Person-Perspektive gesteuert. Durch Betätigen einer Schultertaste wird in die Geisterform gewechselt. Man sieht die Welt dann praktisch aus Celebrimbors Augen. Die Umgebung wird schattenhaft, Details sind nicht mehr zu erkennen. Interaktive Objekte und Gegner dagegen werden hell hervorgehoben, ähnlich wie bei Batmans Detektivmodus sieht man sie dann auch durch Wände hindurch.

Talion kann schleichen, wobei er im Gebüsch und hinter Wänden Deckung sucht, er kann ohne Pause rennen und dabei kleinere Hindernisse überspringen, außerdem ist er ein geschickter Freeclimber. Mauern und selbst senkrechte Felswände stellen kein Hindernis für ihn dar! Das ist schon gleich die erste Parallele zu Assassin's Creed, denn ebenso wie die Meuchelmörder in dieser Serie schwingt sich Talion in Windeseile an Wänden nach oben, hüpft von Absatz zu Absatz, balanciert über Planken, hangelt sich an schmalen Vorsprüngen entlang und springt wagemutig von hohen Türmen - schließlich ist er schon tot, da macht ihm so etwas nichts aus. All das funktioniert in der Regel problemlos, nur manchmal bleibt Talion im vollen Lauf wie angewurzelt vor Objekten stehen, über die er eigentlich hinwegspringen können müsste. Oder er hüpft vor einer Wand auf und nieder, weigert sich aber beharrlich, endlich zuzupacken und sich nach oben zu ziehen. Beim Sprinten wird die Steuerung unpräzise, dann schlägt Talion manchmal Haken, die man nicht beabsichtigt hatte. Nervende Macken wie diese hätten nicht sein müssen.

Kampf

Im Kampf kann man gemäß den eigenen Vorlieben vorgehen. Es ist in der Regel möglich, Nahkämpfe völlig zu vermeiden. Durch seine Kletter- und Schleichkünste kann sich Talion unbemerkt an seine Gegner anschleichen oder sie anlocken und den Dolch (das zerbrochene Schwert seines Sohnes) nutzen, um einzelne Gegner lautlos auszuschalten. Das ist auch möglich, wenn sich der Gegner zum Beispiel über ihm auf einer Wachplattform befindet, an deren Rand sich Talion gerade festhält. Umgekehrt kann sich Talion wie Batman aus großer Höhe auf einen Gegner fallen lassen. Kommt Talion nicht auf Dolchstoßnähe an seine Widersacher heran, nutzt er den Bogen. Beim Fernkampf wird stets in die Geisterform gewechselt, außerdem wird die Zeit stark verlangsamt, so dass gezielte Kopfschüsse möglich werden. Allerdings wird dabei "Fokus" verbraucht. Ist die Fokusanzeige leer, verläuft die Zeit wieder normal. Mit den Pfeilen kann Talion außerdem Lagerfeuer und Fässer zur Explosion bringen. Wespennester lassen sich abschießen, um Feinde zu verwirren. Man kann die Türen von Käfigen mit reißenden Bestien (Caragor genannt, siehe Bild 3) aufschießen, die dann über die Orks herfallen. Im weiteren Spielverlauf lernt Talion sogar, diese Kreaturen zu reiten. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten im Kampf.



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(Bild 3: Hoch zu ... äh ... Ross gegen in Brand gesetzte Orks)


Manchmal lassen sich Nahkämpfe doch nicht vermeiden. Dann greift Talion zum Schwert, mit dem er nicht nur Hiebe austeilen, sondern auch gegnerische Angriffe blocken/kontern kann. Bei jeder erfolgreichen Standardattacke und jedem Konter baut sich eine Trefferserie auf. Hat diese einen bestimmten Wert erreicht, kann Talion Spezialattacken ausführen. Zudem kann Talion Wurfdolche und eine Art Energiestoß im Nahkampf einsetzen. Über Gegner mit Schilden springt er hinweg, um sie von hinten zu attackieren. Geschwächte Gegner werden mit Finishing Move erledigt oder zum Verhör gepackt, ins Feuer geworfen oder in den Abgrund gestoßen. Beim Nahkampf kommt es auf das richtige Timing an, sonst schlagen Blocks zum Beispiel fehl. Hat man einmal den Bogen raus, kann sich Talion sogar gegen große Gegnergruppen behaupten. Das ist auch bitter nötig, denn bekanntlich kommt ein Ork selten allein! Und wenn in einer Festung Alarm ausgelöst wird, kommt auch noch massenhaft Verstärkung ... Außerdem respawnen alle Gegner endlos - gesäuberte Gebiete bleiben also nie gegnerfrei. Talion kann einzelne Gegner "aufzehren" und damit schwächen oder töten. Bei der Aufzehrung gewinnt er automatisch Fokus und neue Pfeile.



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(Bild 4: Ein Ork wird aufgezehrt)


In der zweiten Spielhälfte wird aus der Aufzehrung eine Art Hypnose. Talion kann die Orks dann seinem Willen unterwerfen und ihnen befehlen, an seiner Seite zu kämpfen. Am häufigsten wird gegen Orks angetreten, seltener gegen die bereits erwähnten Caragor-Bestien oder gegen Ghule und Graugs. Letztere sind riesige Viecher, aus denen Sauron seine Trolle züchtet. Besonders starke Kreaturen wie Ghul-Matronen oder gehörnte Graugs sind noch seltener. So gefährlich die Biester auch sind - sie sind auch nützlich. Möchte man sich nicht selbst mit den Orks in einer Festung befassen, so muss man nur einen Graug dorthin locken und sich anschließend zurücklehnen, um bei dem Gemetzel zuzuschauen. Sollte Talion doch mal einer erdrückenden Übermacht gegenüberstehen, was gar nicht so selten vorkommt, dann ergreift er lieber die Flucht. Die Orks brechen die Verfolgung irgendwann ab. Außerdem verlieren sie Talion schnell aus den Augen, wenn er irgendwo hochklettert und sich auf einem Dach versteckt. Sterben kann Talion nicht; fällt seine Lebensenergie auf Null, wird er am nächsten Schmiedeturm wiederbelebt. Geschieht das im Rahmen einer Quest, so wird diese abgebrochen und muss neu gestartet werden.

Insgesamt geht der Nah-/Fern-/Schleichkampf gut von der Hand, erinnert aber wie gesagt sehr an Assassin's Creed und Batman. Immerhin: Lieber gut geklaut als schlecht neu entwickelt ...

Runen, Fähigkeiten und Attribute

Schwert, Bogen und Dolch können mit Runen aufgewertet werden. Diese Runen werden in unterschiedlicher Qualität von besiegten Orkhäuptlingen fallen gelassen. Bis zu fünf lassen sich in jede Waffe einbauen, der Rest wird gelagert. Man kann die Runen jederzeit auswechseln. Sie verstärken die Eigenschaften der Waffe oder ihres Trägers teilweise enorm, spielentscheidend ist das Ganze aber nicht. Die im nächsten Screenshot markierte Rune verleiht zum Beispiel Immunität gegen Gift.



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(Bild 5: Die Dolch-Runen)


Andere, nicht so hochwertige Runen erhöhen z.B. die Chance auf kritische Treffer, setzen den Fokusverbrauch herab, verbessern den Schadenswert bei bestimmten Angriffen und so weiter. Die Variationsmöglichkeiten sind enorm.

Die Charakterentwicklung umfasst einen zwar nicht sehr komplexen, aber durchaus mit nützlichen Skills ausgestatteten Fähigkeitenbaum und eine Liste von Attributen. Durch das Besiegen von Gegnern sowie das Absolvieren von Haupt- und Nebenquests erhält Talion Erfahrungspunkte. Ist die XP-Anzeige voll, erhält er einen Fähigkeitspunkt, mit dem er einen neuen Skill freischalten kann. Dazu gehören unter anderem besonders mächtige Kampffähigkeiten, die per Tastenkombination aktiviert werden. Manche Fähigkeiten werden im Verlauf der Story automatisch freigeschaltet, hierfür braucht man keinen Punkt. Die Fähigkeiten sind in verschiedene Stufen unterteilt. Um die jeweils nächste Stufe zu aktivieren, muss Talion Macht gewinnen. Was es damit auf sich hat, erkläre ich im Kapitel "Saurons Armee / Nemesis-System".

Zur Verbesserung der Attribute wird Mirian benötigt. Das ist eine Währung, die auch bei Tolkien vorkommt. Man erhält Mirian, wenn man bestimmte Sammelobjekte (siehe Kapitel "Mordor") findet. Außerdem kann man nicht benötigte Runen verkaufen, um Mirian zu verdienen. Hat man genug Geld beisammen, kann man Lebensenergie und Fokus verbessern, den Vorrat an Elbengeschossen erhöhen und Runenplätze für die Waffen kaufen. Sehr teuer, aber auch sehr nützlich sind Spezialfähigkeiten für den Kampf. Je eine für Schwert, Bogen und Dolch ist vorhanden. Aktiviert man zum Beispiel die Dolch-Fähigkeit "Acharns Schatten", so kann Talion 20 Sekunden lang nicht entdeckt werden, so dass er unbegrenzt Schleichtötungen ausführen kann.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 6: Alle Fähigkeiten freigeschaltet)


Saurons Armee / Nemesis-System

Typisch Orks: In Saurons Armee gibt es eine klare Hierarchie, aber keine Loyalität! Verrat, Revolten, Rangkämpfe und so weiter sind an der Tagesordnung. Deshalb sind die Machtverhältnisse ständig im Fluss, und diesen Umstand kann sich Talion bei seinem Rachefeldzug zu Nutze machen. Außerdem gibt es neben der breiten Masse namenloser Uruks, denen Talion auf Schritt und Tritt begegnet, auch richtige Ork-Persönlichkeiten. Diese Hauptmänner und Häuptlinge haben individuelle Namen, Stärken und Schwächen - und wenn ihr einen angreift, aber nicht im ersten Anlauf töten könnt, dann entwickelt sich eine richtige Erzfeindschaft. Die Orks merken sich, was ihnen von Talion angetan wurde, teilweise sieht man es ihnen sogar an. Sollte es einem Hauptmann gelingen, Talion zu töten (was ja nie zu seinem endgültigen Ende führt), dann wird er den Waldläufer verspotten, wenn er ihm noch einmal begegnet. Außerdem gewinnt der Ork dadurch an Macht, was sich nach meinen Beobachtungen vor allem auf die Anzahl der Gefolgsleute auswirkt, die ihn begleiten und beschützen. Doch Talions Rache kommt bestimmt! Tötet er seinen Erzfeind, fällt die Belohnung höher aus - erst recht, wenn Talion dabei die Schwächen und Ängste des Hauptmanns ausnutzt.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 7: Das "Schachbrett" der Orkarmee mit Häuptlingen auf Podesten - die Konstellation ändert sich ständig)


Häuptlinge müssen erst im Rahmen von Quests hervorgelockt werden, vorher sind sie in der Spielwelt nicht zu finden. Sie haben stets einige Hauptmann-Leibwächter, die man beseitigen sollte, bevor man sich an einen Häuptling heranwagt. Das Geplänkel in den Reihen der Ork-Armee ist ein wirklich lustiges Feature, denn man kann es direkt beeinflussen. Tötet Talion hochrangige Orks, so rücken neue nach, deren Karriere er fördern kann! Talion kann in die internen Auseinandersetzungen der Hauptmänner eingreifen, um selbst an Macht zu gewinnen, welche er zum Freischalten höherer Fähigkeiten-Levels benötigt. Ähnlich wie bei den Story-Quests finden sich auf der Karte Symbole, die Stellen kennzeichnen, an denen derartige Missionen gestartet werden können. Talion muss dann dafür sorgen, dass ein Ork über einen anderen triumphiert oder dass er Erfolg bei der Jagd hat, er muss verhindern, dass ein Hauptmann Gefangene hinrichtet oder neue Gefolgsleute rekrutiert und so weiter. Sobald er die Fähigkeit "Brandmarken" erhalten hat, kann Talion selbst Rebellionen anzetteln oder dem gebrandmarkten Ork befehlen, einen anderen zu ermorden. Informationen über Stärken und Schwächen seiner Gegner erhält Talion unter anderem, indem er Uruks verhört. Mit der Fähigkeit "Todesdrohung" kann er dann einen Hauptmann herausfordern. Tötet er ihn nach der Todesdrohung, steigt die Chance, dass der Ork eine hochwertige Rune fallen lässt.

Mordor

Schauplatz ist Mordor, das Land des Dunklen Herrschers Sauron. Das Spiel beginnt im Bereich unmittelbar hinter dem Schwarzen Tor. Hier, auf der Hochebene von Udun, spielt sich die erste Hälfte ab. Später wird eine andere, ebenso große Umgebung freigeschaltet, und zwar die Küste des Nurnenmeeres. Man kann dann jederzeit zwischen den beiden Bereichen hin und her reisen. Einer der finalen Bossfights findet in einer Festung im südöstlich des Nurnenmeeres gelegenen Gebirge Ered Glamhoth statt. Diese nicht sehr weitläufige Gegend ist vorher nicht und danach nicht mehr erreichbar. Quests, die zum Vorantreiben der Story absolviert werden müssen, sind auf der Karte farblich gekennzeichnet. Man muss sich an einen bestimmten Ort begeben und die Quest aktivieren, damit es mit der Geschichte weitergeht. Man darf dann das Gebiet, in dem die Handlungsepisode stattfindet, nicht verlassen. Abseits der Quests kann Mordor frei erkundet werden.

Das Design des Schwarzen Tores und der Orkbauten - sowie natürlich der Orks selbst - ist an die Herr-der-Ringe-Filme angelehnt. Die Orks unterhalten sich, prahlen und drohen, schimpfen und fluchen - auch diese aus den Romanen und Filmen bekannten Verhaltensweisen wurden prima umgesetzt. Viele kleine Details erfreuen das Auge, außerdem wird nicht mit Orkblut gegeizt - die Gewaltdarstellung hat's ganz schön in sich.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 8: Talion erledigt einen Ork, dass das schwarze Blut nur so spritzt)


Allerdings liegt das Land noch nicht so sehr unter Saurons Schatten, wie wir das aus den Filmen kennen - der Dunkle Herrscher ist ja noch dabei, Kräfte zu sammeln und seine Position zu festigen. Daher wirkt Mordor nicht ganz so lebensfeindlich, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Von den Orks zugemüllte Wasserläufe, Ruinen, Trümmerfelder usw. gibt es aber durchaus, zumindest beim Schwarzen Tor. Die Farbpalette enthält hier viel Grau, Schwarz und Braun. Am Nurnenmeer wird's grüner, diese Landschaft wirkt direkt freundlich. Hier leben nicht nur menschliche Sklaven, sondern auch freie Menschen, deren Königin Marwen ihr im 1. Screenshot sehen könnt. Ich bin nicht sicher, ob das in den Quellen belegt ist, aber ich glaube, das ist eine Hinzuerfindung des Spiels. Besonders spektakulär ist die Grafik nicht, anders als bei anderen Open-World-Spielen bin ich nicht auf Sightseeingtour durch die Gegend geschlendert. Aber bitte: Wir sind hier schließlich in Mordor! Dem Land, wo die Schatten drohn! Da sind Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten logischerweise rar. Immerhin wachsen hier und da Pflanzen. Die kann Talion zum Wiederherstellen von Lebensenergie ernten.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 9: Unterwegs in Nurn mit dem Zwerg Torvin, einer Figur aus einer Nebenquest-Reihe)


Und noch ein von Assassin's Creed übernommenes Gameplay-Element: Mordor ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die zunächst als nicht erkundet gelten, egal wie lange ihr dort herumlauft. Erst wenn ihr den dortigen Schmiedeturm aktiviert, werden die Quests und Sammelobjekte dieses Gebietes freigeschaltet. So ähnlich funktioniert es übrigens auch in Watch Dogs. Talion kann von einem aktivierten Turm zum anderen teleportieren, hier wird er wiederbelebt, wenn er im Kampf fällt.

Sammelobjekte wie Ithildin-Runen und Artefakte, mit denen Celebrimbors Erinnerung auf die Sprünge geholfen wird, sind überall mehr oder weniger gut versteckt. Außerdem sind Überlebens- und Jagd-Herausforderungen zu absolvieren. Dabei muss Talion Pflanzen sammeln und diverses Viehzeug erlegen - neben den aggressiven Kreaturen sind in Mordor nämlich auch noch Spinnen, Fledermäuse und Ratten unterwegs. Eher zu den Nebenquests zählen Missionen, bei denen gefesselte Sklaven befreit werden müssen, zudem gibt es bestimmte Missionen, die nur mit Schwert, Bogen oder Dolch zu lösen sind, wobei vorgeschriebene Aufgaben erledigt werden müssen. Mal muss man 10 Orks per Schleichtötung besiegen, dann wieder welche anzünden, mal darf man keinen Alarm auslösen oder man muss verhindern, dass Meldegänger eine Brücke überqueren. Ansonsten gibt es in Mordor praktisch keine Interaktionsmöglichkeiten, also keine Händler, keine ansprechbaren NPCs, keine zu knackenden Schatztruhen oder ähnliches.

Sonstiges

Mit der großen interaktiven Übersichtskarte und der detaillierteren Minimap hat man das Geschehen stets gut im Blick. Auch sonst kann ich die Menüs nur loben! Ein Handbuch wird bei Mittelerde: Mordors Schatten nicht gebraucht, denn alles wird im Spiel erklärt. Hinzu kommen unzählige Kodexeinträge mit ausführlichen Erläuterungen und Bildern zur Geschichte des Tolkien-Universums, zu Personen, Kreaturen, Pflanzen, den verschiedenen Regionen Mordors und so weiter.

Der gesamte Spielfortschritt wird automatisch gesichert, egal ob ihr eine Quest absolviert, ein Sammelobjekt gefunden, einen Gegner getötet, eine Rune verkauft habt und so weiter. Dabei wird immer derselbe Speicherstand überschrieben. Manuelles Speichern ebenso wenig möglich wie das Anlegen mehrerer Speicherstände. Beim Neustart des Spiels wird Talion immer auf einen Schmiedeturm zurückversetzt. Das klingt unkomfortabel, funktioniert aber wie beim schon mehrfach zitierten Assassin's Creed so gut, dass ich die fehlende manuelle Speichermöglichkeit nie vermisst habe. Die Game of the Year - Edition ist übrigens fehlerfrei. Jedenfalls sind mir keine Quest- oder Grafikbugs aufgefallen und ich hatte keinen einzigen Absturz oder sonstige technische Probleme.

Als zusätzliches Feature enthält das Spiel einen Fotomodus, mit dem sich mitten im dicksten Getümmel bequem Screenshots erstellen und bearbeiten lassen. Mit einem Druck auf die L3-Taste wird der Fotomodus aktiviert. Das Spiel pausiert und nun habt ihr umfangreiche Optionen zum Drehen, Schwenken, Kippen, Zoomen, könnt verschiedene Einstellungen vornehmen und Grafikfilter anwenden.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 10: Im Fotomodus aufgenommen: Ein gezähmter Graug ist eine fürchterliche Waffe. Orks findet er lecker!)


Besonderheiten der Game of the Year - Edition

Die Game of the Year - Edition von Mittelerde: Mordors Schatten enthält das Hauptspiel und Zusatzinhalte, die zuvor nur per Download erhältlich waren. Das sind zwei Singleplayerkampagnen sowie zusätzliche Inhalte für das Hauptspiel. So sind von Beginn an neun legendäre Runen für Schwert, Bogen und Dolch verfügbar, man muss sie nicht erst durch die Tötung von Häuptlingen und Hauptmännern erringen. Die Runen erleichtern den Einstieg ungemein, denn eine macht immun gegen Gift, eine andere verleiht euch die Schwertfähigkeit "Urfaels Sturm", in deren Freischaltung ihr ansonsten sehr viel Mirian investieren müsstet. Zudem könnt ihr alternative Skins für Talion auswählen, durch die sein Erscheinungsbild verändert wird. Ihr könnt das Hauptspiel sogar in der Gestalt Celebrimbors, Lithariels oder der Schwarzen Hand Saurons beginnen!

Hinzu kommen noch die so genannten Kriegsproben. Mir ist allerdings nicht klar, ob sie ausschließlich in der Game of the Year - Edition enthalten sind oder ob einzelne nicht auch in der Standardversion zur Verfügung stehen. Bei den Kriegsproben ist es eure Aufgabe, eine bestimmte Anzahl von Hauptmännern und Häuptlingen zu töten. Die Missionen finden in der bekannten Spielwelt statt, stellen euch aber vor besondere Herausforderungen. Es gibt zum Beispiel eine Kriegsprobe, in der ihr Lithariel steuert. Anders als in Talions Fall ist der Tod für Lithariel endgültig - ihr habt nur ein Leben. Außerdem ist die Dame leichter gerüstet als Talion. Zum Ausgleich dieser Schwächen sind ihre Nahkampfattacken stärker. Für gemeisterte Kriegsproben erhaltet ihr Punkte, die in Online-Ranglisten mit den Leistungen anderer Spieler verglichen werden können.

Viel interessanter als diese kleinen DLCs sind die Story-Packs "Meister der Jagd" und "Der Helle Herrscher". Beide Kampagnen sind komplett vom Hauptspiel abgekoppelt. Die erste spielt ausschließlich in der Umgebung des Nurnenmeeres, die zweite in Udun. Neue Cutscenes sind nicht vorhanden.

Meister der Jagd

In dieser Kampagne schlüpft ihr wieder in Talions Rolle. Obwohl sich der gute Mann ganz schön verändert hat ...



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 11: Talion trägt jetzt Bart und wirkt ein bisschen ungepflegt)


... dürfte die Geschichte zeitlich kurz vor Ende der Story des Hauptspiels stattfinden. Talion sagt an einer Stelle, die Numenorer seien tot, nur die Schwarze Hand sei noch übrig. Jedenfalls sind fünf neue Häuptlinge in Mordor einmarschiert, mit denen sich Talion befassen muss. Der Zwerg Torvin, mit dem der Waldläufer auch im Hauptspiel manchmal unterwegs ist, hat beunruhigende Informationen zu diesen Anführern. Sie sind Bestienmeister, die Saurons Heerscharen mit Kreaturen verstärken sollen, vor denen sich selbst die Uruks fürchten. Das muss Talion verhindern, denn mit diesen schrecklichen Wesen wäre Saurons Armee unbesiegbar.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 12: Torvin erklärt Talion, was es mit den Bestienmeistern auf sich hat)


Talions bzw. eure Aufgabe besteht nun darin, alle neuen Häuptlinge zu töten. Das klingt ein bisschen einfallslos, weil man dasselbe ja schon im Hauptspiel tun muss, aber zu diesem Zweck könnt ihr eben jene Kreaturen einsetzen, die von den Bestienmeistern gezähmt wurden, wodurch das Spiel denn doch wieder interessant wird. Caragaths und eine besondere Graug-Subspezies sind neu, Ghule kennt ihr aus dem Hauptspiel. Caragaths ähneln Caragors, haben aber zusätzliche Fähigkeiten. Auf dem Rücken einer solchen Kreatur könnt ihr durch Betätigen der R2-Taste in den Schleichmodus wechseln und Schleichtötungen vollführen, ohne abzusteigen. Die neuen Graugs können Gift erbrechen. Man hat die Wahl zwischen einzelnen Göbelstößen und schwallartigem Erbrechen. Dabei nehmen diese Garstigen Graugs allerdings Schaden. Also ab und zu mal pausieren und einen Uruk vernaschen! Dann geht's dem Graug wieder gut und er kann weiterreihern. Unter einem Haufen ätzender Trollkotze fühlt sich selbst der hartgesottenste Uruk nicht wohl, und so lassen sich auf diese Weise selbst Häuptlinge innerhalb kürzester Zeit matt setzen.



Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 13: Unterwegs mit einem Garstigen Graug)


Auch Ghule können in diesem Add-On für den Kampf eingesetzt werden. Man kann sie hervorlocken, indem man auf ihre Baue (Erdhügel) schießt. Sie lassen sich auf ähnliche Weise wie Uruks beherrschen und folgen euch in die Schlacht.

Zusätzlich könnt ihr euch mit der Nebenquestreihe "Die gejagten Jäger" befassen, bei deren Abschluss die "Macht des Flammenrosses" freigeschaltet wird. Das ist eine Spezialfähigkeit der Caragaths, die dazu führt, dass alle Uruks, denen man sich nähert, in Flammen aufgehen. Eine weitere Mini-Nebenquest besteht in der Suche nach Einträgen in Torvins Tagebuch, die überall auf der Map verteilt sind.

Der Helle Herrscher

Dieses Add-On dürfte ich eigentlich nicht bewerten, denn es hat mir so wenig Spaß gemacht, dass ich es nicht durchgezockt habe. Die Story spielt in der Vergangenheit, Spielfigur ist diesmal Celebrimbor. Er hat Sauron den Einen Ring abgenommen und ist jetzt dabei, eine eigene Ork-Armee aufzustellen, um Sauron niederzuwerfen und seine von diesem in Gefangenschaft gehaltene Familie zu befreien. Sauron meldet sich immer wieder mal mit finsteren Drohungen zu Wort. Wieder geht es darum, fünf Häuptlinge zu beseitigen, bzw. zu brandmarken, damit sie Celebrimbor dienen. Zusätzlich kann man beim Wandeln in der Geisterwelt einige Orkbriefe finden.


Mittelerde: Mordors Schatten

(Bild 14: Celebrimbor in Geisterform hat einen Brief von der Front gefunden)


Damit Storymissionen freigeschaltet werden und die Schnellreisefunktion verfügbar wird, muss Celebrimbor Türme erobern und zu diesem Zweck eine bestimmte Anzahl von Orks im betreffenden Gebiet unter seine Kontrolle bringen. Überhaupt ist das Beherrschen von Uruks der Schlüssel zum Erfolg, denn Celebrimbor hat nur halb so viel Lebensenergie und halb so viele Elbengeschosse wie ein voll aufgelevelter Talion - eine Weiterentwicklung ist nicht möglich. Fokus steht überhaupt nicht zur Verfügung, d.h. beim Fernkampf wird die Zeit nicht verlangsamt. Zu allem Übel muss man auch noch auf die Fähigkeit verzichten, fünf Wurfdolche in Folge zu schleudern. Das habe ich schmerzlich vermisst!

Die Spezialfähigkeit des Einen Ringes (Celebrimbor ist unsichtbar und kann unbegrenzt Hinrichtungen ausführen) ist allenfalls ein schwacher Trost. Nützlicher ist da schon seine Fähigkeit, jederzeit fünf Uruks zu beschwören, die dann wie herbeiteleportiert erscheinen und für ihn kämpfen oder aufgezehrt werden können. Den Todesstoß hat das Add-On dadurch erhalten, dass man eine Hauptmission, an der man nicht vorbeikommt, innerhalb eines knappen Zeitlimits erledigen muss. Ich hasse Zeitlimits, und nach dem dritten Fehlversuch hatte ich genug.

Fazit

Ich kann zwar nicht behaupten, dass mich die Story nach dem relativ starken Auftakt bis zum Ende hätte fesseln können, außerdem laufen alle Quests so ziemlich nach demselben Schema ab (töte / beherrsche alle Orks) dennoch hat mir Mittelerde: Mordors Schatten viel Spaß gemacht. Sich mit immer neuen Kampffähigkeiten durch Orkhorden zu schnetzeln oder die Uruks durch Attacken aus dem Hinterhalt in Panik zu versetzen, die Hauptmänner gegeneinander aufzuhetzen und dabei zuzusehen, wie sich das Machtgefüge der Orkarmee verändert - das macht echt Laune!

Ich war sogar so motiviert, dass ich alle Sammelobjekte finden und alle Herausforderungen meistern wollte, was mir auch gelungen ist. Daher habe ich mich ziemlich lange mit dem Spiel beschäftigt, 40 Stunden sind allein für das Hauptspiel zusammengekommen. Hätte ich mich auf die Hauptmissionen konzentriert, dann wäre ich in weit weniger als der Hälfte der Zeit am Ende angelangt. Die Frage ist nur, ob das funktioniert hätte, das heißt, ich hätte dann viele hilfreiche Fähigkeiten nicht freischalten können. Für "Meister der Jagd" habe ich ungefähr vier Stunden gebraucht, "Der Helle Herrscher" dürfte einen ähnlichen Umfang haben.

Mittelerde: Mordors Schatten ist ein unkompliziertes Action-Adventure mit RPG-Elementen, das man auch mal kurz zwischendurch zocken kann. Insoweit kann ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen. Die Steuerung hätte präziser sein dürfen und in Sachen Story hätte ich mir weniger Eigenkreationen, dafür aber eine packendere Inszenierung gewünscht. Die Höchstnote kann ich deshalb nicht vergeben.


J. Kreis, 01.11.2015 / 23.11.2015





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