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Metro Redux

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Egoshooter

Note: 2
METRO REDUX

Teil 1: Metro 2033

In Metro Redux sind die Egoshooter Metro 2033 und Metro: Last Light mit allen Erweiterungen und DLCs enthalten. Diese Review beginnt mit dem ersten Spiel. Eine Ergänzung zu Last Light folgt weiter unten, danach kommen die Zusatzinhalte der Redux-Version. Beide Spiele sind schon etwas älter und sollen für die Konsolen der aktuellen Generation in Sachen Grafikqualität, Animationen, Gegner-KI und Waffenhandling verbessert worden sein. Ob das stimmt, kann ich mangels Vergleichsmöglichkeit nicht beurteilen.

Beim Start wählt man zunächst eines der beiden Spiele aus und kann sich dann entweder für den Spartaner-Modus oder den Überleben-Modus (auch das soll neu sein) entscheiden. In jedem Modus stehen mehrere Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Soweit ich weiß, unterscheiden sich die Spielmodi hauptsächlich hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Munition und anderer Ressourcen sowie der Anzahl der Gegner. Ich habe den Überleben-Modus gewählt und hatte im mittleren Schwierigkeitsgrad keine Probleme.

Die Geschichte von Metro 2033 folgt (mit einigen Abweichungen) der Handlung des gleichnamigen Romans von Dmitry Glukhovsky. Der Roman wird anscheinend in der Metro gern gelesen, die Bücher liegen überall herum! Story: Nach einem Atomkrieg ist die Erdoberfläche unbewohnbar. In den Tunnels und Stationen der Moskauer U-Bahn haben einige tausend Menschen überlebt. Mit den verbliebenen technischen Hilfsmitteln, großen Pilzfarmen und den Nachkommen einer kleinen Schweineherde wird die Grundversorgung mehr schlecht als recht gesichert. Verschiedene teils untereinander verfeindete Gruppierungen sind entstanden, so dass nicht alle Metro-Linien für jedermann passierbar sind. Die Menschen haben die Hoffnung, irgendwann wieder ein normales Leben an der Oberfläche führen zu können, längst aufgegeben. Nur wagemutige Abenteurer, die "Ranger", unternehmen riskante Expeditionen in die Ruinen Moskaus, um wertvolle Dinge zu beschaffen. In den entlegenen Randstationen leben die Menschen in ständiger Angst vor mutierten Bestien, die sich in der Unterwelt eingenistet haben. Gerüchte über unerklärliche Anomalien in den unerforschten Teilen der Metro machen die Runde.

Artjom lebt in einer Station, die immer wieder von Mutanten angegriffen wird. Seit einiger Zeit sind in der Metro außerdem die "Schwarzen" unterwegs. Wer diesen furchteinflößenden Kreaturen begegnet, verfällt dem Wahnsinn und ist unrettbar verloren. Eines Tages erscheint der Ranger Hunter in Artjoms Station. Er will dieser neuen Bedrohung auf den Grund gehen, aber er kehrt nicht zurück. Artjom erhält den Auftrag, sich zur Hauptsiedlung Polis durchzuschlagen, um dort Bericht zu erstatten.



Metro 2033

(Bild 1: In den Tunnels der Metro vor Artjoms Heimatstation, die wieder mal angegriffen wurde)


Diese Story bildet nur die Ausgangssituation bzw. den Hintergrund. Das Spiel selbst hat eigentlich keine Story. Artjom muss lediglich von Station zu Station gelangen, ab und zu auch mal an die verseuchte Oberfläche gehen und am Ende ein Raketensilo reaktivieren. Was es mit den "Schwarzen" auf sich hat erfährt man ebenso wenig wie man Informationen darüber erhält, wer Artjom eigentlich ist. Das würde ich nicht als Story bezeichnen. Das Spiel ist absolut linear. Man durchläuft ein Level nach dem anderen und befindet sich in der Regel in eng begrenzten Bereichen, wie es dem Szenario entspricht. Ein U-Bahn-Tunnel ist halt genau das: Ein Tunnel, in dem man nur von A nach B gehen kann. Aber auch außerhalb der U-Bahn hat man nicht viel Bewegungsspielraum und es kommt immer nur darauf an, schnell in einen sicheren Bereich zu gelangen. Nebenmissionen, Rätsel gibt's nicht, allenfalls kann man in Seitengängen und Abzweigungen Munition und Verbrauchsgegenstände sowie Tagebucheinträge finden, in denen Artjom seine Eindrücke schildert.

In Sachen Atmosphäre kann das Spiel schon eher punkten. Die düstere Welt ist aufgrund vieler liebevoll designter Details glaubwürdig, wenn auch nicht besonders groß. Es gibt sicherlich Spiele mit spektakuläreren Grafikeffekten, aber die Engine erfüllt ihren Zweck definitiv. Die verzweifelte Lage der unter teils erbärmlichen Bedingungen in den überbevölkerten Metrostationen dahinvegetierenden Überlebenden wird sehr gut rübergebracht. Die NPCs unterhalten sich ausgiebig, man kann manchmal minutenlang einfach irgendwo herumstehen und zuhören. So erfährt man viel über die Geschichte des Krieges, die verschiedenen Gruppierungen, die in der Metro kursierenden Gerüchte und so weiter. Derweil erklingt irgendwo melancholische Musik, Schlafende schnarchen lautstark…



Metro 2033

(Bild 2: Für die Bewohner der Metro stellt ein Lied am Lagerfeuer schon den Gipfel der Unterhaltung dar)


Im Verlauf seiner Reise begegnet Artjom manchmal NPCs, von denen er weitere Informationen erhält und die ihn zeitweise begleiten. Sie kämpfen an seiner Seite und sind anscheinend unsterblich. Jedenfalls muss man keinen einzigen Schuss abgeben, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Es kommt nur darauf an, den Gegnern solange auszuweichen, bis der Kamerad alle ausgeknipst hat. Am besten läuft man also immer im Kreis um ihn herum. Dann wieder gibt es Stellen, an denen das Spiel zur selbstablaufenden Schießbude degeneriert. Beispiel: Man sitzt auf einer Draisine, die vor einer Barrikade mehrmals vor- und zurück fährt, wobei sie ständig nachrückende Gegner passiert. Eure Aufgabe besteht darin, diese Gegner abzuballern. Ihr sitzt auf der Draisine und könnt nur zielen, euch ansonsten aber nicht bewegen. Dass es so etwas in einem aktuellen Spiel noch geben kann, hätte ich nicht gedacht.

Auch sonst sind die Kämpfe manchmal ziemlich stupide. Man muss nur durchhalten, bis die vom Spiel vorgesehene Anzahl von Gegnern getötet wurde, dann darf man weitergehen. Manchmal ist man allerdings in Situationen, bei denen Aushalten und Kämpfen völlig sinnlos wäre, weil endlos neue Gegnerwellen auftauchen oder weil es sich um eine unbesiegbare Kreatur handelt. Hier möchte das Spiel, dass ihr drauflosrennt und einen bestimmten Punkt schnell genug erreicht, bevor euch der Garaus gemacht wird. Dass ihr euch in einer solchen Situation befindet und wohin ihr gehen müsst, sagt euch das Clipboard mit integriertem Kompass. Wenn ihr es aktiviert, hält Artjom außerdem ein Feuerzeug in die Höhe. Dieses eignet sich wunderbar zum Wegbrennen von Spinnweben, die euer Vorankommen erschweren. Der Kompass zeigt immer in die Richtung des aktuellen Missionszieles.



Metro 2033

(Bild 3: Clipboard mit Kompass und Feuerzeug)


Zum Glück darf man manchmal auch anders vorgehen. Wenn Artjom etwa die Station der Faschisten durchquert, kämpft er allein und nur gegen eine begrenzte Anzahl von Gegnern, die er ausspähen, umgehen und lautlos eliminieren kann. Ein Blinklicht an der Uhr zeigt an, ob Artjom von seinen Gegnern gesehen werden kann. Er könnte sich ihnen natürlich auch im offenen Feuergefecht stellen. Wie ihr vorgeht, bleibt euch überlassen. Ich habe mich meist fürs Anschleichen entschieden, denn wenn die Gegner erst einmal auf euch aufmerksam geworden sind, rufen sie ihre Kameraden herbei und in einem Schusswechsel mit mehreren Gegnern kann es hektisch werden. Geht man dann nicht schnell in Deckung, ist Artjom bald tot. Er hat zwar bis zu fünf Medipacks dabei, aber es dauert ziemlich lange, eines zu verwenden. Artjoms Gesundheit regeneriert sich ohne Medipack nach einiger Zeit von selbst, wenn er es schafft, aus der Schusslinie herauszukommen. Sehr schlau sind die Gegner nicht, weder die Mutanten noch die Menschen. Wenn ihr von einer ganzen Gruppe verfolgt werdet, müsst ihr einfach hinter einer Tür stehen bleiben und könnt einen nach dem anderen töten - sogar munitionssparend im Nahkampf. Merkwürdigerweise kann man Gegner, die selbst nach mehreren Pistolentreffern wieder aufstehen, mit einem einzigen Messerstich niederstrecken. Und damit meine ich nicht die "Finishing Moves", die möglich werden, wenn ihr euch unbemerkt anpirscht!

Die nichtmenschlichen Kreaturen habe ich als größere Herausforderung empfunden. In der Metro tummeln sich vor allem Viecher, die als "Nosalis" bezeichnet werden und wahrscheinlich mutierte Ratten sind. Die sind sehr aggressiv und treten fast immer im Rudel auf, so dass man im Kampf schnell die Übersicht verliert - die Gamepad-Steuerung ist für einen Egoshooter leider nicht präzise genug. An der Oberfläche greifen manchmal fliegende Bestien an, denen ihr besser ausweicht, denn sie können euch davontragen und stecken sehr viele Treffer problemlos weg. Die "Schwarzen" tauchen immer wieder mal auf, bekämpfen muss bzw. kann man sie aber nicht. Trotzdem sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Besonders merkwürdig und gefährlich sind die Bibliothekare. Wenn ihr es wagt, diese Viecher anzugreifen, seid ihr schon so gut wie tot. Ihr müsst regungslos stehen bleiben und dürft euren Blick nicht abwenden. Das funktioniert zwar auch nicht immer, oft drehen sich die Bibliothekare aber einfach um und trollen sich. Wer weiß? Vielleicht waren die Kerle früher Menschen und erinnern sich bei eurem Anblick daran...



Metro 2033

(Bild 4: Aug in Aug mit einem Bibliothekar - jetzt bloß nicht bewegen!)


Artjom kann maximal drei Schusswaffen sowie verschiedene Granaten und Wurfmesser tragen. Ein Kampfmesser und eine Taschenlampe sind immer am Mann. Im Verlauf des Spiels erhält Artjom außerdem ein Nachtsichtgerät. Das Waffenarsenal kann sich sehen lassen, denn neben Vorkriegswaffen wie der AK47 werden auch teils recht eigenwillige Neukonstruktionen der Metrobewohner verwendet. Außerdem lassen sich die Schusswaffen mit verschiedenen Zubehörteilen aufrüsten. Dumm nur, dass man keinerlei Beschreibung von Vor- und Nachteilen der Waffen erhält! Man muss also ein bisschen experimentieren. Es empfiehlt sich, immer eine Schrotflinte für den Nahkampf, ein Sturmgewehr für hektische Gruppengefechte und z.B. eine Druckluftwaffe zum Snipen dabei zu haben. Letztere muss tatsächlich regelmäßig aufgepumpt werden! Je höher der Druck, desto größer die Schadenswirkung. Taschenlampe und Nachtsichtgerät werden über einen vorsintflutlichen Akkulader mit Saft versorgt. Sehr wichtige Verbrauchsgegenstände sind Filter für die Gasmaske. Achtet immer darauf, genug davon im Gepäck zu haben! Denn sobald sich Artjom an die Oberfläche wagt, bleibt ihm die Luft weg. Auch manche Bereiche der Metro sind mit Giftgas geflutet. Dann muss die Gasmaske aufgesetzt werden, und ein Filter reicht nur für ein paar Minuten. Ein Filterwechsel mitten im Kampf kann gefährlich werden!

Waffen, verschiedene Munitionsarten, Medipacks, Atemfilter und dergleichen können besiegten Gegnern abgenommen sowie in Schränken und anderen Verstecken gefunden werden. Das ist, wie oben erwähnt, schon der einzige sinnvolle Grund dafür, auch mal blind endende Seitenstollen, Nebenräume usw. zu durchsuchen. Lästig: Nützliche Objekte werden nicht automatisch eingesammelt, man muss immer die Quadrat-Taste drücken. Und das geht oft nur - genauso wie bei allen anderen Interaktionen - wenn man im genau richtigen Winkel davorsteht. Sonst merkt man gar nicht, dass da irgendwas ist, das aufgesammelt werden könnte. Wenn Artjom eine von befreundeten Menschen bewohnte Metrostation erreicht, kann er in der Regel Händler aufsuchen, bei denen die genannten Verbrauchsgegenstände erhältlich sind. Dort können außerdem neue Waffen und Waffen-Upgrades erworben werden, Schießstände zum Üben mit unbegrenztem Munitionsvorrat sind manchmal ebenfalls vorhanden. Als Währung dient besondere Vorkriegsmunition, die natürlich auch verschossen werden kann; sie richtet besonders großen Schaden an.



Metro 2033

(Bild 5: Bei diesem Händler könnt ihr Vorkriegsmunition in normale Munition umwandeln)


Die Grafik reißt mich wie schon erwähnt nicht zu großen Begeisterungsstürmen hin, kann sich aber durchaus sehen lassen. Oft herrscht Dunkelheit vor, dann entfaltet das Spiel mit Licht und Schatten eine ganz besondere Wirkung. Grubenlampen und andere Lichtquellen können ausgeknipst werden, so erleichtert ihr euch das Schleichen. Naturgemäß sieht die Umgebung etwas deprimierend aus, schließlich ist der Atomkrieg viele Jahre her, und da ist alles derart verrottet, verrostet und heruntergekommen, dass man es kaum als "schön" bezeichnen kann, und an der Oberfläche scheint ewiger Winter zu herrschen.



Metro 2033

(Bild 6: In der zerstörten Stadt Moskau)


Aber gerade das, also die gelungene Darstellung einer postapokalyptischen Welt, macht den Reiz des Spiels aus. Abwechslungsreichtum ist gleichwohl vorhanden, und wenn man mal in eine Umgebung gelangt, die nicht dem Metrotunnel-Stereotyp entspricht, dann ist der Überraschungseffekt umso größer.



Metro 2033

(Bild 7: In einer ehemaligen Kapelle)


Teil 2: Metro Last Light

Die Story von Last Light hat nichts mehr mit dem oben verlinkten Roman oder mit der Fortsetzung Metro 2034 zu tun. Das Spiel beginnt ein Jahr nach dem Ende des ersten Teils. Der D6-Bunker, eine riesige weitgehend intakte Militäreinrichtung aus der Vorkriegszeit, hat bei den Faschisten des Vierten Reichs und den Bewohnern der Roten Linie Begehrlichkeiten geweckt, ist aber vorerst in der Hand der Ranger. Artjom ist jetzt Mitglied dieser Gruppe und wohnt in D6. Bisher sind die Bewohner der Metro davon ausgegangen, dass die "Schwarzen" restlos ausgerottet wurden, doch eines Tages taucht Artjoms alter Bekannter Khan in D6 auf und behauptet, dass ein "Schwarzer" überlebt hat. Khan glaubt, dass dieses Wesen den Schlüssel zur Zukunft der Menschheit in Händen hält. Oberst Miller, das Oberhaupt der Ranger, betrachtet den "Schwarzen" dagegen als Bedrohung und will ihn vernichten. Da es eine besondere Beziehung zwischen Artjom und den "Schwarzen" zu geben scheint, wird er zusammen mit Millers Tochter, der Scharfschützin Anna, zur Oberfläche geschickt. Artjom spürt den "Schwarzen" auf, wird aber von Soldaten des Reichs gefangen genommen. Mit Hilfe eines anderen Gefangenen namens Pavel Morozov kann Artjom entkommen. Doch Artjom wird verraten, gerät vom Regen in die Traufe und muss schließlich feststellen, dass der Krieg womöglich erst enden wird, wenn in der Metro kein Mensch mehr am Leben ist...



Metro Last Light

(Bild 8: Artjom und Anna unterwegs zur Oberfläche)


Im Gegensatz zu Metro 2033 kann man diesmal wirklich von einer Story sprechen. Sie handelt von Verrat und Liebe, Machtgelüsten und Vergebung, Verlust und Sehnsucht. Es gibt einige überraschende Wendungen und am Ende weiß man zwar immer noch nicht, wer die "Schwarzen" wirklich sind, hat aber ein ganz anderes Bild von ihnen als bisher. Zumindest wird gezeigt, warum Artjom als einziger Mensch mit ihnen kommunizieren kann. Und man erhält genauere Einblicke in die verschiedenen Gruppierungen der Metro.

Am Spielablauf hat sich dagegen rein gar nichts geändert. Last Light ist im Grunde dasselbe Spiel, nur in anderen Umgebungen. Diesbezüglich wurde einiges verbessert! Man bewegt sich durch weitläufigere Areale, der Abwechslungsreichtum ist viel größer, zudem ist Artjom öfter an der Oberfläche unterwegs. In Moskau hat eine Eisschmelze eingesetzt, einige Bereiche der Metro wurden überflutet. So ist "Venedig" entstanden, eine Siedlung mit Wasserstraßen. Hier kann man ein Freudenhaus aufsuchen und sich mit leicht bekleideten Damen amüsieren. Auch sonst scheint mir in den Stationen mehr los zu sein als in Metro 2033, will sagen, es gibt mehr zu sehen und zu hören sowie mehr Interaktionsmöglichkeiten. Es ist sogar ein richtiges Theater vorhanden, in dem man zwanzig Minuten lang verschiedene Darbeitungen genießen kann!



Metro Last Light

(Bild 9: Eine Tänzerin des Bolshoy-Balletts macht Zigarettenpause)


Obwohl das Gameplay inklusive des linearen Verlaufs fast hundertprozentig mit Metro 2033 übereinstimmt, ist doch einiges anders. Das merkt man vor allem außerhalb der befreundeten Metrostationen. Stationäres Ballern, Angriffe von Gegnerwellen und dergleichen kommen immer noch vor, aber nicht mehr so oft - zumindest gewinnt man diesen Eindruck, weil derartige gescriptete Ereignisse geschickter in den Gesamtablauf eingebunden wurden. Besonders erfreulich finde ich, dass man in der weit überwiegenden Anzahl aller Kämpfe nicht nur große Bewegungsfreiheit hat, sondern auch entscheiden kann, wie man vorgehen möchte. Man kann sich nach wie vor auf wilden offenen Kampf Mann gegen Mann einlassen. Schleichen geht aber noch besser als in Metro 2033, denn fast immer stehen irgendwelche versteckten Nebenwege zur Verfügung. Das können Schächte unter dem Boden sein oder Laufstege über den Köpfen der Gegner. In solchen Situationen habt ihr es in der Regel mit menschlichen Gegnern von der Roten Linie und vom Vierten Reich zu tun.



Metro Last Light

(Bild 10: Hier müsst ihr mitten durch - zum Kampf kommt es glücklicherweise nicht!)


Den gefürchteten Bibliothekaren begegnet ihr in Last Light nicht mehr, wohl aber den altbekannten Nosalis-Mutanten. Mutierte Spinnen und verschiedene eklige Wasserbewohner kommen hinzu. Ihr befindet euch außerdem mindestens dreimal in Situationen, die man als Bosskämpfe bezeichnen könnte: Ein begrenztes Areal, das ihr solange nicht verlassen könnt, bis ein besonders starker Gegner besiegt wurde. Das hat es in dieser Form im ersten Spiel nicht gegeben.

In Sachen Grafik macht Last Light einen guten Eindruck, was nicht zuletzt am erwähnten größeren Abwechslungsreichtum liegt. Es kommen mehr Farben ins Spiel, es ist überall mehr zu sehen. Wie schon im ersten Teil hat Artjom manchmal Visionen - in diesen bizarren Momenten konnten sich die Entwickler richtig austoben. So manche Animation wirkt immer noch unrealistisch, die Gesichter wirken wie eingefroren. Aber erneut gefällt mir das Spiel mit Licht und Schatten besonders gut.



Metro Last Light

(Bild 11: Kinderbespaßung im Metro-Stil)


Teil 3: Zusatzinhalte

Die Redux-Version enthält alle Download-Inhalte, die ursprünglich in mehreren Paketen für Metro Last Light veröffentlicht worden sind. DLC für Metro 2033 existiert meines Wissens nicht. Ihr findet den DLC, wenn ihr Metro Last Light startet und in die Kapitelauswahl geht. Dort drückt ihr die Quadrat-Taste und gelangt zum Menü "Neue Missionen". Hier kann jede Zusatzmission einzeln gestartet werden. Das Problem dabei ist nur: Für alles wird ein einziger Speicherstand verwendet. Wenn ihr also eine Zusatzmission angefangen habt und speichert, dann eine andere startet und speichert, so wird der Fortschritt der ersten Mission überschrieben und ihr müsstet hier ganz von vorn anfangen. Also immer schön eins nach dem anderen!

Zum ersten DLC-Paket gehören die Missionen Schwerer Reichssoldat, Scharfschützenteam und Polis Kschatria. Die ersten beiden bieten genau das, was ich schon am Hauptspiel nicht mochte: Herumstehen und auf alles ballern, was sich bewegt. Ihr müsst als schwer bewaffneter Kämpfer des Vierten Reichs den Ansturm von Gegnerwellen aus der Roten Linie abwehren bzw. als Scharfschütze von einem Beobachtungsposten aus alle Gegner eliminieren - und zwar in der richtigen Reihenfolge, damit kein Alarm ausgelöst wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Scharfschützenmission an der Oberfläche abspielt, so dass ihr unter Zeitdruck steht, weil sich die Gasmaskenfilter abnutzen. Immerhin: Dem schweren Soldaten steht eine Minigun mit unbegrenztem Munitionsvorrat zur Verfügung!



Metro Redux DLC

(Bild 12: In der Mission "Schwerer Reichssoldat" habt ihr nur eine Aufgabe: Alles umnieten, was über diese Brücke kommt!)


Das Problem mit den Filtern habt ihr auch bei Polis Kschatria, aber diese Mission ist ganz anders gestaltet. Hier unternehmt ihr als Nachwuchs-Ranger von einer Basis aus Vorstöße in ein Tunnelsystem, an die Oberfläche sowie ins Innere der zerstörten Bibliothek (ja, die allseits beliebten Bibliothekare machen euch in diesem DLC neben Nosalis und anderen Mutanten das Leben schwer!), wo ihr völlige Bewegungsfreiheit genießt und nach besonderen Artefakten suchen müsst. Munition liegt dort ebenfalls herum, aber keine Filter. Ihr könnt jederzeit zur Basis zurückkehren - insoweit unterscheidet sich diese Mission sehr angenehm vom Hauptspiel - und dort euren Fortschritt speichern sowie neue Filter, Waffen inklusive Upgrades, Schutzanzüge und andere Ausrüstungsgegenstände kaufen. Die dazu benötigten Mittel erhaltet ihr, indem ihr die gesammelten Artefakte abliefert. Nach und nach öffnet ihr an der Oberfläche Türen, die euch Zugang zu neuen Bereichen des Tunnelsystems gewähren oder als Abkürzung zur Basis dienen.



Metro Redux DLC

(Bild 13: Hier verkauft ihr die Artefakte. An der Wand hängt eine Liste der wertvollen Stücke)


Das zweite Paket wird als Turm-Pack bezeichnet und gefällt mir wiederum nicht so besonders. Ihr werdet gebeten, einen experimentellen Kampfsimulator zu testen. In einem Raum, der an das nicht aktivierte Holodeck aus "Star Trek - The Next Generation" erinnert, wählt ihr eure Waffen. Dann betretet ihr eine Arena und müsst euch den üblichen Gegnerwellen stellen - gähn!



Metro Redux DLC

(Bild 14: Der Kampfsimulator)


Paket Nr. 3, das Entwickler-Pack, ist dagegen ein echtes Highlight. Zunächst einmal könnt ihr euch nach Herzenslust ungestört im Museum umschauen. In einem Ausstellungsraum sind Modelle aller Kreaturen und Personen aus Metro Last Light zur gefahrlosen Betrachtung aufgestellt. Ihr könnt jedes einzelne Modell anklicken und seht dann eine drehbare Darstellung mit verschiedenen Animationen. Auf der Schießbahn könnt ihr sämtliche Waffen ausprobieren, die es in dem Spiel gibt. In der KI-Arena könnt ihr Menschen und Mutanten in frei wählbarer Konstellation gegeneinander hetzen und in aller Ruhe dabei zusehen, wie sich die Kontrahenten gegenseitig zerlegen.



Metro Redux DLC

(Bild 15: Im Museum)


Zum Entwickler-Pack gehört außerdem die Mission Spinnenhöhle. Sie beginnt mit einer Unterhaltung dreier Ranger, die auf die nicht so gute Idee kommen, eine geheimnisvolle Region der Metro zu untersuchen, aus der noch niemand zurückgekehrt ist. "Was kann uns schon passieren", meint einer, nachdem ein anderer stolz seinen großen Flammenwerfer präsentiert hat. Schnitt - nächste Szene: Ihr hängt kopfüber in der Spinnenhöhle, habt außer eurem Feuerzeug nichts dabei und müsst die beiden Kameraden sowie den Weg nach draußen finden. Hier gilt es, immer schön für Licht zu sorgen, denn hartnäckige Spinnenmutanten machen Jagd auf euch. Diese Mission ist ein echt spannendes Abenteuer!



Metro Redux DLC

(Bild 16: In der Spinnenhöhle)


Das letzte DLC-Paket trägt den Namen Chroniken-Pack. Es enthält Einzelmissionen der aus Metro Last Light bekannten Hauptfiguren Pavel Morozov, Khan und Anna. So werden ein paar Hintergrundinformationen zu diesen Figuren vermittelt. Pavel wird von Banditen gefangen genommen, nachdem er seinen Auftrag in Venedig erledigt hat. Er kann sich befreien und muss nun zur Roten Linie zurückkehren. In dieser Mission habt ihr es nur mit menschlichen Gegnern zu tun, und wie im Hauptspiel könnt ihr entscheiden, ob ihr lieber schleichen oder offen kämpfen wollt. Am Ende erreicht Pavel eine Metrostation, in der er eine Peepshow besuchen und die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch nehmen kann. Als Khans Begleiter Ullmann durchquert ihr einen gruseligen, sehr dunklen Abschnitt der Metro, in dem Erinnerungen buchstäblich wieder lebendig werden; ihr erlebt auf diese Weise ein traumatisches Ereignis aus Khans Vergangenheit mit.



Metro Redux DLC

(Bild 17: Haben die Lokführer mal wieder gestreikt?)


In Annas Rolle kehrt ihr sozusagen zum Anfang von Metro Last Light zurück. Bekanntlich war Artjom mit Anna unterwegs, um den Schwarzen zu finden. Jetzt erlebt ihr das noch einmal aus Annas Perspektive. Sie klettert von einem Aussichtspunkt zum nächsten und gibt Artjom mit dem Scharfschützengewehr Rückendeckung.

Fazit

Ich bin hin- und hergerissen. Metro 2033 und Metro Last Light haben eine richtig tolle, sehr beklemmende Atmosphäre und sind insoweit gute Umsetzungen des Romans. Die Metro sieht genau so aus, wie ich es mir bei der Lektüre des Romans vorgestellt habe. Spielerisch ist Metro 2033 aber eher mau, denn abgesehen von den Händlern gibt es keinen Grund, warum man sich in den sicheren Stationen länger aufhalten sollte, und in den Tunnels gibt es meist nur zwei Möglichkeiten: Entweder passiert gar nichts, oder es sind stupide anrennende Gegnerhorden zu eliminieren. Und das nicht selten auch noch, während man ansonsten zur Passivität verdammt ist, weil man sich nicht frei bewegen kann bzw. ein stationär installiertes Geschütz bedienen muss. Das Spiel macht insgesamt einen unausgewogenen Eindruck, es nervt nicht selten durch einen heftig schwankenden Schwierigkeitsgrad.

Metro Last Light macht da einiges besser, führt aber keine Neuerungen ein und wirkt deshalb wie ein - wenn auch besser präsentierter und spannenderer - Aufguss des ersten Spiels. Unangenehm ist mir zudem das Fehlen eines Handbuches aufgefallen. Nicht jedes Detail der Steuerung wird im Spiel erklärt oder erschließt sich intuitiv. Immerhin erhält man nicht nur zwei komplette Spiele zu einem günstigen Preis, sondern auch noch einen ganzen Sack voller Add-Ons. Die sind zwar nicht alle ganz nach meinem Geschmack, aber allein der Abwechslungsreichtum verdient schon Lob und der Gesamtumfang kann sich wirklich sehen lassen. Hätte ich nur die beiden Hauptspiele zu bewerten, dann würde ich die Note 3 geben, vielleicht mit einem kleinen Plus dahinter. Zusammen mit den Zusatzinhalten bin ich denn doch geneigt, Metro Redux mit einer soliden Note 2 zu bewerten!

J. Kreis, 16.10.2014 / 30.10.2014 / 18.11.2014





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