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Mass Effect 3

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
RPG

Note: 3
MASS EFFECT - N7 Collector's Edition

Der finale Teil der Mass Effect - Trilogie hat dieselben Stärken und Schwächen wie der zweite Teil (den ersten kenne ich nicht), aber nicht nur das. Beide Spiele ähneln sich so sehr, dass man fast behaupten könnte, Mass Effect 3 sei eine Art Add-On! Das gesamte Gameplay unterscheidet sich nur in kleinen Details von Teil 2, auch an der Grafik hat sich nicht viel getan. Wer Teil 2 gespielt hat, wird sich deshalb problemlos mit der Steuerung zurechtfinden, außerdem wird er sich sofort in der Welt von ME3 heimisch fühlen.

Warum auch nicht? Das Rad muss ja nicht immer wieder neu erfunden werden. Bei Filmen funktionieren Fortsetzungen prima, und auch bei ME3 ist das in Ordnung, denn es wird eine durchgehende Geschichte erzählt, und da ist es nur logisch, dass es keine Brüche in Grafik, Gestaltung der Welt usw. gibt. Aufgrund der großen Übereinstimmungen mit Teil 2 gehe ich hier nur auf die Besonderheiten des dritten Teils ein.

Eins vorab: Die PC-Version von ME3 setzt die Einrichtung eines "Origin"-Kundenkontos voraus, über welches das Spiel aktiviert werden muss. Weil diese Art der Bevormundung für mich nicht in Betracht kommt, habe ich mich für die PS3-Version entschieden. Deshalb kann ich euch diesmal keine Screenshots bieten.

Story

Die Reaper-Invasion hat begonnen. Die Allianz der Citadel-Völker, zu der auch die Menschen gehören, hat den gewaltigen Kampfschiffen der Reaper nichts entgegenzusetzen. Das erste Angriffsziel ist die Erde. Commander Shepard - vom Dienst suspendiert und nicht mehr Kommandant der NORMANDY II - befindet sich vor Ort und wird Zeuge, wie die Reaper ganze Städte in Schutt und Asche legen, wobei fast alle Mitglieder des Verteidigungskomitees getötet werden. Shepard kommt nur knapp mit dem Leben davon. Von Admiral Anderson, mit dem er durch die Trümmer flieht, wird er wieder in seinen alten Rang eingesetzt. Während Shepard von der NORMANDY evakuiert wird, bleibt Anderson auf der Erde zurück, um den Widerstand zu organisieren. Kurz vor dem Start des Schiffes sieht Shepard, wie ein Shuttle mit Flüchtlingen von den Feinden abgeschossen wird. Ein kleiner Junge, dem Shepard zuvor helfen wollte, findet dabei den Tod. Dieses Ereignis verfolgt den Commander noch lange bis in seine Träume.

Shepard hat nun die Aufgabe, die anderen galaktischen Zivilisationen an einen Tisch zu bringen, denn allein würde die Menschheit auf verlorenem Posten stehen. Doch obwohl jedem klar sein muss, dass die Reaper nicht einfach wieder verschwinden werden, sobald sie die Menschheit vernichtet haben, gestaltet sich Shepards Mission schwierig. Alle Völker versuchen vor allem sich selbst zu retten oder verfolgen eigene Interessen wie die Quarianer, die eine Chance wittern, endlich die Geth zu vernichten. Selbst Turianer und Kroganer, deren Heimatwelten bald ebenfalls angegriffen werden, sind kaum dazu zu bewegen, an einem Strang zu ziehen. Außerdem gibt es eine weitere Macht, die sich zu einer nicht zu unterschätzenden Bedrohung entwickelt: Die Untergrundorganisation Cerberus mischt sich ein, hintertreibt Shepards Pläne und infiltriert höchste Regierungskreise. Der "Unbekannte", Chef von Cerberus und einst Shepards Lebensretter, glaubt immer noch, die Reaper kontrollieren zu können. Somit hat Shepard an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen.

Eine epische, kinoreif präsentierte Geschichte und eine emotionale Bindung an die Teammitglieder - das waren die größten Stärken von ME2. Der dritte Teil schlägt dieselbe Richtung ein. Wieder gibt es viele Bezugnahmen auf die früheren Spiele, beim Import eines alten Speicherstands wirken sich die Ereignisse aus Teil 2 auf Teil 3 aus - wie, kann ich nicht sagen, da ich die PC-Version von Teil 2 gespielt habe. Und wieder war ich irgendwann genervt, nur Zuschauer bei den endlosen Gesprächen und Zwischensequenzen zu sein, die man oft nicht abbrechen kann. Tja, und dann das Finale. Viel ist im Internet darüber geschrieben worden. Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen: Wenn ich am Ende eines Spiels zwei Entscheidungen treffen kann, die praktisch zum selben (unschönen) Ergebnis führen und immer gleich sind, egal was ich zuvor getan habe - dann macht sich Enttäuschung breit.

Es ist möglich, den Online-Mehrspielermodus und das Browserspiel Mass Effect Infiltrator mit ME3 zu verknüpfen. Erfolge in diesen externen Games sollen den Verlauf des Hauptspiels irgendwie beeinflussen. Wie? Keine Ahnung, denn ich nutze diese Features nicht.

Gameplay

Hier verweise ich auf meine Review zu Teil 2 (siehe Archiv), denn im Prinzip verläuft das Spiel völlig identisch. Musste man in Teil 2 neue Teammitglieder rekrutieren und loyal machen, so muss man diesmal die Unterstützung der verschiedenen galaktischen Völker gewinnen. Hinzu kommen zahlreiche Nebenmissionen, durch die Shepard zusätzliche Ressourcen für den Krieg erhält. Dann ist es irgendwann soweit: Der letzte Angriff auf die bei der Erde stationierten Reaper beginnt, und solange dieser läuft, kann man nichts anderes mehr machen. Die NORMANDY als Operationsbasis und Ort für Gespräche, die Galaxienkarte, lineare Level, in denen man gemeinsam mit zwei Teammitgliedern Gegnerwellen bekämpfen muss, Ausbau diverser Fähigkeiten, Shepards Ruf - alles wie gehabt. Shops gibt es nur noch auf der Citadel, andere Planeten werden nur im Rahmen der Kampfmissionen besucht.

Nette Neuerungen: Vom Shuttle-Deck der NORMANDY aus hat man Zugriff auf alle Shops (leichter Aufpreis), dort gibt es außerdem eine Station zur Aufrüstung von Waffen und zur Modifikation des Kampfanzugs. In der Krankenstation können Teamfähigkeiten erworben und alle Teampunkte für den Erwerb der Kräfte neu verteilt werden - das kostet allerdings Geld. In Liaras Unterkunft hat man Zugriff auf weitere Spezialfähigkeiten. In der Citadel steht ein Spectre-Terminal zur Verfügung, über das Shepard Zugriff auf wichtige Informationen und dergleichen erhält. Ein Schießplatz zum Üben ist dort ebenfalls vorhanden.

Mir scheint, dass es mehr Nebenmissionen gibt als in Teil 2, allerdings verlaufen die immer nach dem Schema "Bringe Gegenstand X zu Person Y". Wenn man in der Citadel umherwandert, hört man immer wieder "zufällig" Gespräche mit, durch die man erfährt, dass jemand etwas benötigt, das man beschaffen soll. Umgekehrt findet man bei der Planetenerkundung stets irgendwelche Gegenstände, für die es Abnehmer in der Citadel gibt. Außerdem kann man sich in Streitgespräche einschalten und eine der beiden Parteien unterstützen. Dadurch steigert man Shepards Ruf oder erhält zusätzliche Kriegsressourcen. "Richtige" Nebenmissionen, in deren Verlauf Shepard einen neuen Schauplatz betritt, sind viel seltener.

Apropos Ressourcen: Es werden keine Rohstoffe mehr benötigt, der Abbau ist völlig weggefallen. Fliegt die NORMANDY in einem Sonnensystem herum, kann man ihre Scanner aktivieren. So werden Treibstoffvorräte, Credits und Planeten entdeckt, auf denen es etwas zu holen gibt. In letzterem Falle begibt man sich in den Orbit und scannt die Planetenoberfläche, bis man den Standort der "Anomalie" gefunden hat. Dort schickt man eine Sonde hin, und schon wurde irgendwas eingesammelt - Informationen, Raumschiffe, Artefakte oder was auch immer. Nichts davon bekommt man jemals zu sehen; man erhält nur eine Textnachricht, die den Fund kurz beschreibt. Nach mehreren Scanvorgängen erscheinen Reaper im System und machen Jagd auf die Normandy. Dann muss man das System schleunigst verlassen, sonst heißt es "Game over"! Sobald man eine Mission absolviert hat, sind die Reaper aber wieder verschwunden.

Am Kampfsystem hat sich nicht viel geändert. Wie gehabt führt nur der Kampf aus der Deckung heraus mit geschicktem Einsatz der Teamfähigkeiten zum Erfolg. Ich habe aber den Eindruck, dass die Kämpfe insgesamt dynamischer geworden sind. Die Gegner sind für die träge Gamepad-Steuerung fast schon zu agil, auch gibt es eine ganze Reihe neuer, besonders mächtiger Gegner, die nur schwer zu knacken sind. Sogar gegen einen Reaper muss man einmal antreten. Der Deckungswechsel funktioniert einfacher als bisher und das virtuelle Universalwerkzeug lässt sich in eine Nahkampfwaffe verwandeln.

Sonstiges / Collector's Edition

Die verschiedenen Schauplätze unterscheiden sich stark voneinander, alle sind wunderschön und detailreich gestaltet. Erneut merkt man aber schnell, dass man sich nur in eng begrenzten Arealen bewegt, und dass man meist nur durch "Flaschenhälse" läuft. Einmal befindet man sich im Inneren einer virtuellen Realität, in der man Datencluster von Schadcode befreien muss. Für PS3-Verhältnisse ist die Grafik wirklich sehr ansehnlich, aber ich könnte nicht behaupten, dass mir besondere Verbesserungen im Vergleich mit Teil 2 aufgefallen wären.

Die aus Teil 2 bekannten Minispiele zum Knacken von Schlössern und zum Hacken von Computern sind nicht mehr vorhanden. Alle nützlichen Dinge, die man einsammeln kann, liegen offen herum.

Abgesehen von kleineren Grafikfehlern ist mir nur ein echter Bug aufgefallen: Beim Benutzen des Fahrstuhls in der Citadel hat sich das Spiel ab und zu komplett aufgehängt. Ich musste die Konsole dann neu starten.

Die Collector's Edition enthält ein kleinformatiges Artbook, ein ebenso kleines Comic mit einer nicht in sich abgeschlossenen Geschichte (weitere Comics müsste man kaufen), einen N7-Aufnäher und ein Bild der NORMANDY im Postkartenformat. Hinzu kommen Ingame-Inhalte. Man muss sie über das Origin-Konto aktivieren, und darauf wird nicht hingewiesen. Jedenfalls konnte ich auf der Verpackung keine Warnung finden. Warum muss ich etwas, das ich schon bezahlt habe, erst noch über das Internet freischalten? Bei den diversen Gimmicks (Waffen, ein Roboterhund usw.) wäre das nicht so tragisch. Beim Soundtrack sieht es schon anders aus, den hätte ich schon gern gehabt. Wirklich doof ist aber, dass ich mangels Internetanschluss auf eine Zusatzmission verzichten muss, die eigentlich zur Collector's Edition gehört. Man erhält dabei nämlich einen Protheaner als Teammitglied, und ich habe gehört, dass der einige wichtige Informationen zur Story beizutragen hat!

Fazit

ME2 konnte mich nicht restlos begeistern und ME3 ist wie gesagt eigentlich genau dasselbe Spiel - nur mit anderer Story und (teilweise) anderen Schauplätzen. Das Spiel kann mit seinem komplexen Science Fiction - Szenario und der spannenden, sehr düsteren Geschichte punkten, hat ansonsten aber genau dieselben Schwächen wie der Vorgänger. Damit will ich keineswegs sagen, dass ME3 ein schlechtes Spiel sei. Im Gegenteil: Es macht auf jeden Fall Spaß und sieht klasse aus. Mit einer Spielzeit von knapp 40 Stunden kann sich auch der Umfang sehen lassen.

Allein aufgrund der Tatsache, dass uns alter Wein in neuen Schläuchen verkauft wird, möchte ich ME3 nicht so gut bewerten wie den Vorgänger. Wegen des suboptimalen (um es mal vorsichtig auszudrücken) Finales und des großen Ärgers über die nicht nutzbaren Zusatzinhalte der Collector's Edition bin ich sogar geneigt, nicht nur ein Minus an die bisherige Note zu hängen, sondern die Note 3 zu vergeben!

J. Kreis, 03.05.2012





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