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Mass Effect 2

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 2
MASS EFFECT 2

Hm, welchem Genre soll ich dieses Spiel zuordnen? Rollenspiel? Egoshooter? Action-Adventure? Interaktiver Film? Es ist eine Mischung all dieser Genres, und genau das ist auch schon eine der wenigen Schwächen, die man ihm anlasten kann...

Story

Die Menschheit ist seit der zweiten Hälfte des 22. Jahrhunderts Teil einer galaktischen Völkergemeinschaft, die die Hinterlassenschaften der Protheaner nutzt, eines technisch weit entwickelten, vor Jahrzehntausenden verschwundenen Volkes. Durch den so genannten Masseneffekt wird die überlichtschnelle Raumfahrt ermöglicht, und Massen-Portale verbinden die bewohnten Sonnensysteme der Milchstraße untereinander. Machtzentrum des galaktischen Rats, dem auch die Menschen angehören, ist die gigantische Raumstation Citadel. Ihre größte Krise erleben die galaktischen Völker im Jahre 2183, als eine uralte Rasse biomechanischer Wesen, die Reaper, über Citadel herfällt. Die Reaper erscheinen seit Jahrhunderttausenden immer wieder in der Milchstraße und löschen alle intelligenten Völker aus, die einen bestimmten Entwicklungsstand erreicht haben. Tatsächlich wurden Citadel und die Masseportale einst von den Reapern erschaffen, und sie sind auch für das Verschwinden der Protheaner verantwortlich. Dem jungen Executive Officer des Raumschiffes NORMANDY, Commander Shepard, ist es zu verdanken, dass der Angriff der Reaper abgewehrt werden kann, wenn auch unter großen Verlusten.

Nach dem Sieg über die Reaper wird die NORMANDY plötzlich von einem gewaltigen Objekt angegriffen und vernichtet. Bis auf zwei Personen kann die Crew mit Rettungskapseln entkommen. Der Captain bleibt an Bord und kommt ums Leben, Shepard wird ins All geschleudert und gilt seitdem als verschollen. Seine Leiche wird jedoch insgeheim geborgen und zwei Jahre später von der mächtigen Untergrundorganisation Cerberus im Rahmen des Lazarus-Projekts wieder zum Leben erweckt. Im Auftrag des namenlosen Oberhaupts dieser Organisation, die die Vorherrschaft der Menschheit in der Milchstraße anstrebt, soll Shepard beunruhigenden Vorfällen nachgehen: Ganze Kolonien der Menschen sind bereits verschwunden und man nimmt an, die geheimnisvolle Rasse der Kollektoren, über die noch weniger bekannt ist als über die Reaper, könne dafür verantwortlich sein. Shepard ist zwar wenig begeistert von der Vorstellung, für die zwielichtige Organisation zu arbeiten, aber im Interesse der Menschheit ist er zur Zusammenarbeit bereit. Dass ihm eine modernisierte, verbesserte Version seines alten Schiffes zur Verfügung gestellt wird, die NORMANDY II, trägt nicht unerheblich zu seiner Motivation bei...



Mass Effect 2

(Bild 1: Der so genannte »Unbekannte« - Shepards undurchsichtiger Lebensretter und neuer Auftraggeber)


Mass Effect 2

(Bild 2: Auf dem Kommandodeck der NORMANDY)


Der erste Teil dieser Story ist die Geschichte des Vorgängers Mass Effect 1, den ich wg. allzu restriktiven DRM-Maßnahmen nicht gespielt habe. Teil 2 beginnt mit der Vernichtung der ersten NORMANDY und mit einer im wahrsten Sinne des Wortes furiosen Sequenz, in der man Shepard durch die Schwerelosigkeit des brennenden, abstürzenden Schiffes lenken muss. In der Story wird immer wieder Bezug auf Ereignisse des ersten Teils genommen und einige Personen, die im ersten Spiel zum vom Spieler gesteuerten Team gehört haben, tauchen wieder auf. Obwohl man Mass Effect 1 nicht gespielt haben muss, um der Handlung des zweiten Teils folgen zu können - im Ingame-Lexikon, dem "Kodex", können notfalls alle wichtigen Informationen nachgeschlagen werden - fällt der Wiedererkennungseffekt bei Neulingen wie mir natürlich weg. Wer den ersten Teil gespielt hat, darf sich nicht nur über das Wiedersehen mit alten Bekannten freuen, sondern kann außerdem seinen alten Spielstand importieren. Damit wirken sich die im ersten Teil getroffenen Entscheidungen auf den zweiten aus - ich kann nicht beurteilen, in welchem Ausmaß das geschieht.

Die Story wird in unzähligen Dialogen und epischen Zwischensequenzen weitergeführt. Manchmal nehmen die ausufernden Gespräche sogar fast störende Ausmaße an, d.h. irgendwann möchte man das ganze Gelaber am liebsten abbrechen, um endlich wieder selbst aktiv werden und sich in die Action stürzen zu können! Die professionellen Sprecher und die kinoreifen Filmszenen reißen es aber immer wieder heraus. Hinzu kommt die faszinierende Science Fiction - Welt mit ihrem unglaublich detailreichen geschichtlichen, gesellschaftlichen und technologischen Hintergrund. In den allermeisten Fällen spielen RPGs ja in Fantasy-Welten, und so ist es eine äußerst angenehme Abwechslung, es mal nicht mit Elfen, Zwergen und Orks zu tun zu haben, sondern mit phantasievoll designten außerirdischen Völkern, denen die Entwickler ganz individuelle Erscheinungsbilder, Eigenschaften, Historien, Bündnisse und Konflikte spendiert haben. Da wären die Asari, ein rein weibliches Volk, das sich Partner aus anderen Völkern zu Fortpflanzungszwecken aussuchen muss, die Salarianer, deren Lebensspanne selten mehr als 40 Jahre umfasst und die das kampfstarke Echsenvolk der Kroganer mit einer Biowaffe an den Rand der Ausrottung gebracht haben, oder die Quarianer, deren Heimatwelt durch die von ihnen erschaffenen KI-Wesen namens Geth vernichtet wurde und die ihr Leben seither auf einer Migrantenflotte fristen... und viele mehr! Für die umfangreiche, stets in sich schlüssige Ausarbeitung dieser Kosmologie verdienen die Entwickler ein ganz besonderes Lob.



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(Bild 3: Miranda Lawson, eine der neuen Hauptpersonen)


Missionen und Schauplätze

Ich will nicht sagen, dass der weitere Spielverlauf nach dem grandiosen Auftakt eintönig wäre, aber im Grunde läuft der größte Teil des Spiels immer nach demselben Schema ab: Shepard muss neue Teammitglieder rekrutieren und ihre Loyalität gewinnen. Zwischendurch wird nur ein einziges Mal in einer Kolonie nach dem Rechten gesehen. Erst ganz am Ende muss Shepard dann das Omega-4-Portal durchqueren, ein Tor zum Machtzentrum der Kollektoren, wo der Endkampf stattfindet. Man verbringt also die meiste Zeit damit, Orte zu besuchen, an denen man je einem zukünftigen Gruppenmitglied begegnet. Bevor es soweit ist, muss man denjenigen in der Regel erst einmal finden. So fragt man sich auf verschiedenen Raumstationen und Planeten durch, nebenbei kann man dort in der Regel ein bisschen auf Shoppingtour gehen und neue Ausrüstungsgegenstände oder Upgrades für Waffen, Panzerung usw. kaufen. Meist kämpft man sich dann durch sehr lineare Areale voller Feinde, muss hier und da mal einen Schalter umlegen und viele Dialoge führen (Rätsel sind äußerst selten), bevor man - evtl. nach dem Kampf gegen einen Zwischengegner - die gesuchte Person findet und entweder überredet oder durch Hilfeleistungen dazu bewegt, mit an Bord der NORMANDY zu kommen.

In der zweiten Phase werden die Neuzugänge loyal gemacht, wodurch sie neue Fähigkeiten und alternative Outfits erhalten. Zu diesem Zweck spricht man in der NORMANDY mit den neuen Besatzungsmitgliedern (jeder hat seine eigene Unterkunft im Schiff) und erfährt auf diese Weise von ungelösten Problemen, bei denen man ihnen helfen kann. Also fliegt man wieder zu verschiedenen Raumstationen und Planeten, die es zu untersuchen und in aller Regel von Gegnern zu befreien gilt, woraufhin meist ein weiterer Zwischengegnerkampf sowie die obligatorischen Dialoge anstehen. Ist man erfolgreich, hat man einen treuen neuen Freund gewonnen. Außerhalb der Missionen kann man sich frei in der NORMANDY bewegen und mit den Besatzungsmitgliedern sprechen, zu denen übrigens auch andere Personen wie eine persönliche Assistentin Shepards, der Steuermann, die Schiffsärztin oder der Koch gehören, die nicht als Teammitglieder gelten. So erfährt man mehr über sie, außerdem ist es möglich, Romanzen mit den Teammitgliedern einzufädeln - Eifersucht inklusive.



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(Bild 4: Alle zehn in der Verkaufsversion rekrutierbaren Gefährten)


Der Spielverlauf ist also nicht besonders originell. Da sich die Schauplätze aber stark voneinander unterscheiden, und da die Aufgaben in den Missionen immer mit dem persönlichen Schicksal des Teammitglieds zu tun haben und sich nicht wiederholen, bleibt das Spiel trotzdem stets spannend und motivierend. Hinzu kommen einige kleinere und größere Nebenmissionen, die man von NPCs erhält, oder auf die man zufällig stößt - zum Beispiel bei der Erkundung der zahlreichen Planeten in verschiedenen Sonnensystemen, die man anfliegen kann. Zur Erkundung steuert man einen Cursor über die Planetenoberflächen und beobachtet die Ausschläge einer Skala, auf der Rohstoffvorkommen angezeigt werden. Die verschiedenen Rohstoffe werden durch das Abfeuern von Sonden abgebaut - man braucht das Zeug für Upgrades der NORMANDY und für das Aufwerten von Charaktereigenschaften.



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(Bild 5: Rohstoffabbau)


Manchmal stößt man beim Scannen auf "Anomalien", durch die Nebenmissionen freigeschaltet werden. Nur nach der Entdeckung solch einer Anomalie kann man auf dem Planeten landen. Die Welten sind aber nicht frei zugänglich - man befindet sich immer in starr abgegrenzten Arealen und läuft mehr oder weniger durch die für Egoshooter typischen "Flaschenhälse". Aber wie gesagt: Die vielen verschiedenen Schauplätze sind stets individuell gestaltet und abwechslungsreich und es gibt überall andere Aufgaben zu erfüllen. In der Citadel bewegt man sich durch eine belebte High-Tech-Umgebung mit riesigen holografischen Werbetafeln, in Omega-Station liegen coole Vergnügungsstätten und Elendsviertel direkt nebeneinander, auf Ilium genießt man den Ausblick auf gigantische Häuserschluchten mit regem Gleiterverkehr.



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(Bild 6: Ausblick auf Ilium - nur ein winziger Bruchteil dieser Welt ist zugänglich)


Oft kämpft man gegen Söldner und Geth-Roboter, manchmal aber auch gegen teils riesige Monster. Auf manchen Planeten ist die Sonneneinstrahlung so hoch, dass man immer im Schatten bleiben muss, auf anderen fällt die Orientierung wegen dichten Giftgasnebels schwer. Mal muss man über die Trümmer eines am Rand einer Klippe liegenden Schiffswracks balancieren, dann wieder erkundet man das Innere eines zerstörten Gefängnisses, in dem menschenverachtende Experimente durchgeführt wurden und das jetzt von der Natur zurückerobert wird… die Bandbreite ist groß, und die grafische Präsentation kann sich wirklich sehen lassen. Licht und Schatten, Explosionen und Waffenfeuer, halbtransparente Hologramme und Computerbildschirme sowie viele andere futuristische Elemente wissen zu gefallen. So entstehen eine glaubwürdige Welt und eine richtig schöne Science Fiction - Atmosphäre. Leichte Clippingfehler bei den Charaktermodellen fallen zwar des Öfteren auf, sind aber noch zu verschmerzen.



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(Bild 7: Im Inneren von Citadel)


Charakter- und Teamentwicklung

Beim Spielbeginn kann man Shepards Geschlecht und Aussehen neu festlegen. Man wählt eine von mehreren Charakterklassen gibt somit vor, über welche "biotischen" Spezialfähigkeiten Shepard von Beginn an verfügt. Mit diesen Fähigkeiten kann Shepard z.B. für kurze Zeit in eine Art "Bullet-Time-Modus" wechseln, was das Zielen erleichtert. Mit anderen Fähigkeiten lassen sich Gegner einfrieren, verbrennen, in die Luft heben usw., andere dienen zum Überlasten von Schutzschirmen, zur Aktivierung von Spezialmunition oder Kampfdrohnen und so weiter. Erfahrungspunkte erhält man ausschließlich für das Absolvieren von Haupt- und Nebenmissionen. Beim Level-Aufstieg erhält man "Gruppenpunkte", mit denen man die Fähigkeiten in vier Stufen aufwerten kann. Ein Inventar im eigentlichen Sinn ist nicht vorhanden, aber vor Beginn jeder Mission kann man unter verschiedenen Waffen wählen. Shepards Schutzanzug lässt sich nur in der NORMANDY oder an bestimmten Punkten in den Levels modifizieren, sofern man zuvor die entsprechenden Rüstungsteile gekauft hat. Andere Ausrüstungsgegenstände gibt es nicht.

Shepard ist nur ganz selten allein unterwegs. In der Regel wird er von zwei Gefährten begleitet, die sehr selbstständig agieren, denen er aber auch Befehle erteilen kann. Man kann lediglich nicht die direkte Steuerung der Gefährten übernehmen. Die Teammitglieder haben ebenfalls (wenige) individuelle Fähigkeiten, die sich aufwerten lassen. Sind die Kameraden loyal, kann sich Shepard ihre Fähigkeiten aneignen. Bei den Kameraden ist die Waffenauswahl eingeschränkt, ihre Schutzanzüge lassen sich nicht verändern. Jedes Teammitglied hat seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter und seine eigene Geschichte. Das ist lobenswert, dennoch wachsen sie einem nicht so sehr ans Herz wie z.B. die Gefährten in Dragon Age Origins. Interessant sind die Damen und Herren aber auf jeden Fall. Sei es die schöne Miranda, genetisch optimiertes Ergebnis eines Klon-Experiments, oder "Jack", von Kindesbeinen an für den Kampf konditioniert und am ganzen Körper tätowiert - jede der insgesamt zehn Personen hat so einiges zu erzählen.



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(Bild 8: Jack ist, wie man unschwer erkennen kann, kein Kerl, kämpft und redet aber wie einer)


Shepard hat in den Dialogen fast immer mehrere Antwortmöglichkeiten, auf die er unterschiedliche Reaktionen erhält und die sich teilweise auf seinen Charakter auswirken. Wählt man eine aggressive, unfreundliche oder sonstwie negativ besetzte Antwort, erhält Shepard "Abtrünnigen-Punkte". Antwortet er positiv, also mitfühlend, diplomatisch o.ä., gibt's "Vorbild-Punkte". Dadurch werden besondere zusätzliche Dialogoptionen freigeschaltet, die es Shepard ermöglichen, einen Gesprächspartner einzuschüchtern oder auf andere Weise zu manipulieren, um zum Ziel zu kommen.

Die Charakterentwicklung spielt insgesamt nur eine sehr geringe Rolle, denn die Anzahl der Fähigkeiten und sonstigen Optionen ist gering - das RPG-Element beschränkt sich bei Mass Effect 2 praktisch auf den Ausbau einiger weniger Kampfkünste.

Kampf

Obwohl Shepard immer aus der 3rd-Person-Perspektive gesteuert wird, spielt sich Mass Effect 2 vor allem im Kampf fast wie ein Egoshooter. Zusammen mit zwei Teammitgliedern läuft man durch die linearen Areale und merkt recht deutlich, wann wieder ein Zusammentreffen mit Gegnern ansteht: Wenn plötzlich irgendwelche Kisten oder sonstigen Objekte herumstehen, die man als Deckung nutzen könnte, dann kann man sich darauf verlassen, dass am anderen Ende des Raumes plötzlich Angreifer erscheinen werden. Da Shepards Schutzschirm- und Lebensenergie unter Beschuss schnell aufgezehrt wird, ist der Ablauf immer derselbe: Man geht in Deckung, die Gegner ebenfalls. Wagen sie sich hervor, gibt man kurze gezielte Salven ab oder setzt die bereits erwähnten biotischen Fähigkeiten ein. Shepards Fähigkeiten und die seiner Begleiter lassen sich kombinieren, so dass noch größerer Schaden angerichtet wird. Wenn das Spiel entschieden hat, dass genug Gegner das Zeitliche gesegnet haben, ist der Kampf vorbei und man kann weiter vorrücken. Magazine sind übrigens die einzigen Gegenstände, die von besiegten Feinden fallen gelassen werden.

Der Clou: Das Spiel lässt sich im Kampf jederzeit pausieren. Dann kann man in aller Ruhe entscheiden, welche biotische Fähigkeit gegen welchen Gegner eingesetzt werden soll usw. - auch den Gefährten kann dann befohlen werden, einen bestimmten Gegner mit einer bestimmten Fähigkeit aufs Korn zu nehmen.



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(Bild 9: Am unteren Bildrand sieht man das Pausenmenü, mit dem man auf Waffen und Fähigkeiten zugreifen kann)


Fällt ein Gefährte im Kampf, kann er jederzeit mit einem Päckchen "Medigel" wieder zum Leben erweckt werden. Die Anzahl der Medigel-Pakete ist aber begrenzt. Das Teamwork, vor allem die Kombination unterschiedlicher biotischer Fähigkeiten, funktioniert sehr gut. Die Kämpfe verlaufen zwar immer gleich und eröffnen dem Spieler nicht wirklich viele taktische Möglichkeiten, sind aber sehr dynamisch und machen richtig Laune. Ganz selten kommt es mal vor, dass man einen besonders mächtigen Gegner vor sich hat, aber auch dann ist keine besondere Strategie vonnöten: Einfach mit der schwersten Waffe draufhalten, bis sein Schutzschirm und seine Panzerung zusammenbrechen, dann ist er bald Geschichte.



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(Bild 10: Ein Schiff der Kollektoren. Keine Angst, gegen diesen Klotz müsst ihr nicht kämpfen!)


Sonstiges

Überall findet man verschlossene Türen / Kisten oder gesperrte Computerterminals. Um sie zu öffnen, muss man zwei Minispiele absolvieren: Pins miteinander verbinden (so etwas wie "Memory") und identische "Programmcodes" finden, alles innerhalb eines Zeitlimits. Ist man erfolgreich, erhält man Credits, Rohstoffe, neue Waffen oder Upgrades. Upgrades gibt es übrigens auch für die NORMANDY, und man sollte sie tunlichst erwerben, denn sonst ist das Ableben einzelner Teammitglieder beim großen Showdown unvermeidlich. Einen anderen Nutzen haben sie nicht.

Man steuert nicht nur Shepard, sondern auch die NORMANDY. Öffnet man im Schiff die Karte der Galaxis, kann man ein kleines Schiffsmodell von Planet zu Planet lenken. Treibstoff und Sonden für die Planetenerkundung werden an bestimmten Raumstationen gekauft, die nicht betreten werden können.

Nett, aber in keiner Weise spielrelevant: Man kann Shepards Kapitänskajüte in der NORMANDY mit allerlei Gimmicks ausstatten: Raumschiffsmodelle, ein Hamster, Fische im Aquarium, die dann regelmäßig gefüttert werden müssen...

Wie schon erwähnt gibt es ein umfangreiches Ingame-Lexikon, dessen Einträge zum Teil sogar vorgelesen werden. Das Questlog ist dagegen sehr knapp formuliert, aber ausreichend. Karten sind nur für Areale vorhanden, in denen nicht gekämpft wird.

Fazit

Spielerisch ist Mass Effect 2 irgendwie weder Fisch noch Fleisch: Für ein RPG viel zu wenig Charakterentwicklung und andere genretypischen Gameplay-Elemente, für einen Egoshooter zu wenig Action. Die fesselnde, phantastisch inszenierte Story und die komplexe SF-Welt mit abwechslungsreichen Umgebungen sowie die sehr nette Grafik sind die größten Pluspunkte. Negativpunkte sind die recht eng begrenzten, linearen Levels und der doch fast während der gesamten Spieldauer gleich bleibende Ablauf.

Mass Effect 2 hat mir trotz dieser Schwächen viel Spaß gemacht. Es war einfach mal was anderes, nicht zum x-ten Mal die RPG-typischen Klischees geboten zu bekommen, sondern ein ganz neues, gut durchdachtes Szenario. Ich bin auf eine Spieldauer von ca. 30 Stunden gekommen, wobei viel Zeit auf den Abbau von Rohstoffen entfällt - das hätte ich in diesem Umfang gar nicht machen müssen, ich habe nur einen Bruchteil der Rohstoffe gebraucht.

Insgesamt kann man Mass Effect 2 als gutes, solides Spiel mit einem interessanten Genre-Mix bezeichnen, aber die Bestnote verdient es nicht. Etwas mehr Abwechslung bei den Missionen, größere Levels und eine etwas umfangreichere Charakterentwicklung, dafür vielleicht weniger Dialoge - das wären meine Wünsche für Teil 3, der sich ja schon in der Entwicklung befindet.

J. Kreis, 16.06.2011





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