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The Last of us

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Action-Adventure

Kurzreview
THE LAST OF US

Dies ist eines der wenigen Spiele, die ich hauptsächlich beendet habe, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Die tolle Story mit zwei unverwechselbaren Hauptfiguren, die bedrückende Endzeit-Atmosphäre und die hervorragende Grafik sind die größten Qualitäten dieses ansonsten eher durchschnittlichen Spiels. Durchschnittlich deshalb, weil von spielerischer Freiheit nicht die Rede sein kann, und weil das Gameplay lediglich eine wenig innovative Mixtur aus Stealth-Action (mit verschwindend geringem Rätselanteil) und stupidem Kampf gegen Gegnerwellen bietet.

Die kinoreif präsentierte Story erinnert sehr an Cormac McCarthys grandiosen und kongenial verfilmten Roman Die Straße: Nachdem sich ein parasitärer Pilz über das Land verbreitet hat, der Menschen unheilbar zu blutrünstigen Ungeheuern mutieren lässt, sind nur noch wenige Quarantänezonen frei von Infizierten. Selbst dort ist das Leben alles andere als ein Zuckerschlecken. Ein totalitärer, brutaler Polizeistaat ist entstanden, das US-Militär kontrolliert alles und jeden. Es kommt immer wieder zu Anschlägen durch eine Widerstandsorganisation namens "Fireflies". Plünderer und Schmuggler sind unterwegs. Kleine Gruppen von Überlebenden haben sich hier und dort außerhalb der Zonen verschanzt. Sie müssen nicht nur auf der Hut vor den Infizierten sein. Von herumstreifenden Räuberbanden, die zum Teil nicht einmal vor dem Verzehr von Menschenfleisch zurückschrecken, geht eine mindestens ebenso große Bedrohung aus. Joel und Tess sind zwei Schmuggler in der Quarantänezone von Boston. Von den Fireflies erhalten sie den Auftrag, die junge Ellie zu einem Treffpunkt außerhalb der Zone zu bringen. Joel ist nicht begeistert davon, einen etwas vorlauten Teenager am Hals zu haben. Bald stellt sich jedoch heraus, dass Ellie der Schlüssel für die Zukunft der Menschheit sein könnte, denn sie ist immun...

Diese Geschichte bleibt bis zum Ende ungemein spannend. Die Beziehung zwischen Joel und Ellie sowie die Entwicklung der beiden Hauptfiguren steht dabei ganz im Mittelpunkt. Joel verhält sich zu Anfang ziemlich brummig und aufgrund eines traumatischen Ereignisses, mit dem das Spiel (20 Jahre vor Beginn der eigentlichen Story) beginnt, ist er nicht gut auf Ellie zu sprechen. Man merkt jedoch, wie er allmählich "weich" wird. Am Ende bedeutet ihm das Mädchen alles. Ellie wiederum ist gezwungen Dinge zu tun, die sie sich nie hätte träumen lassen, und sie muss das vor sich selbst rechtfertigen. Die beiden sind keine austauschbaren Avatare, keine tumben Helden, sondern "echte" Menschen. Die perfekte deutsche Synchronisation muss ich in diesem Zusammenhang besonders lobend erwähnen. Joel und Ellie wachsen einem wirklich ans Herz! Man will, dass sie überleben und kann richtig mitfiebern. Die Story verläuft zwar absolut linear, d.h. es gibt nur ein mögliches Ende, aber das ist völlig in Ordnung, denn ich hätte mich nicht anders entschieden als Joel. Immer wieder ereignen sich dramatische Dinge - ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass nicht alle wichtigen Figuren überleben - und dazu gehört auch ein Wechsel in der Spielfigur. Gegen Ende spielt man zeitweise als Ellie, die sonst immer von der KI kontrolliert wird. Was Ellie durchmachen muss, ist sehr starker Tobak! Da verzeihe ich es gern, dass man alle bis dahin sorgfältig gehorteten Waffen und Ausrüstungsgegenstände verliert...

Die Endzeit-Atmosphäre ist wirklich hervorragend getroffen. Die verlassenen, in Trümmern liegenden Städte wurden weitgehend von der Natur zurückerobert, die Menschen leben unter erbärmlichen Bedingungen, und überall lauern die Infizierten. Das alles sieht einfach wundervoll aus und man kann ganz in diese schaurig-schöne Welt eintauchen. Es ist schon erstaunlich, welche Grafikqualität aus der guten alten PS3 noch herausgekitzelt werden konnte! Das gilt auch für die detailreich gestalteten Charaktermodelle und die realistischen Animationen. Die überwucherten Häuserschluchten, heruntergekommenen Quarantänezonen, verdreckten Notquartiere, düsteren Tunnels usw. machen einen hervorragenden Eindruck. Hinzu kommen unterschiedliche Wetterverhältnisse, Tag-Nacht- und Jahreszeitenwechsel. Die explizite, trotzdem nicht übertriebene Gewaltdarstellung verleiht dem Spiel genau die für die Glaubwürdigkeit nötige Härte.

Das alles kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Areale zwar weitläufig aussehen, in Wahrheit aber eng begrenzt sind. Im Grunde bewegt man sich nur durch aufeinander folgende Levels mit einem einzigen gangbaren Weg und einzelnen kleinen Abzweigungen, in denen vielleicht Sammelobjekte, Munition oder Gimmicks versteckt sind, vielleicht aber auch nur Feinde. Dumm finde ich, dass Rückwege manchmal grundlos versperrt sind - hat man die betreffende Abzweigung nicht zuvor durchsucht, kann man sie irgendwann nicht mehr erreichen, obwohl man noch gar nicht zum nächsten Level vorangeschritten ist. Immerhin kann man jedes abgeschlossene Kapitel nochmal neu durchspielen.

Die Angst spielt immer mit, denn egal ob Joel und Ellie es mit den durch Pilzbefall auf bizarre Weise veränderten Infizierten zu tun haben oder mit menschlichen Widersachern: Offener Kampf ist nicht empfehlenswert. Munition ist knapp, da muss jeder Schuss sitzen. Wenn Joel es mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun hat, dann stirbt er sehr schnell. Ganz waffenlos sind Joel und Ellie jedoch nicht. Man findet im Spielverlauf ein gutes Dutzend verschiedene aufwertbare Schuss-/Nahkampfwaffen bzw. kann aus Sammelobjekten Bomben und dergleichen bauen. Ebenfalls sammelbar sind Medikamente, mit denen Joel eine Handvoll Skills aufwerten kann.

Schleichen ist immer das Mittel der Wahl. Sehr nützlich ist dabei, dass man Joel in den Lausch-Modus versetzen kann. Dann kann er Gegner, die Geräusche verursachen, schon von weitem und sogar durch Mauern hindurch wahrnehmen. So könnt ihr Kämpfe entweder ganz vermeiden oder Gegner ohne Waffeneinsatz lautlos töten. Aber aufpassen! Auch die Gegner haben gute Ohren, vor allem die als "Clicker" bezeichneten Infizierten, die euch mit Schallimpulsen orten. Ihr werdet recht viel Zeit damit verbringen, in Deckung zu gehen und die Patrouillenwege der Gegner zu erkunden, um sie umgehen zu können. Wenn dann ein brandgefährlicher "Clicker" plötzlich an einer unerwarteten Stelle mitten in eurem Weg auftaucht, dann schnellt der Adrenalinpegel nur so in die Höhe!

Man gerät aber immer wieder in Situationen, in denen sich Kämpfe nicht vermeiden lassen. Man befindet sich dann in der Regel in einem abgeschlossenen Areal, das man erst verlassen kann, wenn alle meist in mehreren Wellen anstürmenden Gegner tot sind. Hier entfaltet das Spiel auf den hohen Schwierigkeitsstufen ein nicht zu unterschätzendes Frustpotential. Zum Glück kann man den Schwierigkeitsgrad jederzeit ändern.

Das Spiel ist nicht fehlerfrei. Ich hatte insgesamt sieben Abstürze, komplett mit Neustart der PS3 und Wiederherstellung des Dateisystems. An einem Tag waren es drei Abstürze kurz hintereinander! Seltsamerweise war dieses Problem während des letzten Drittels der Spielzeit komplett verschwunden.

Trotz des vergleichsweise einfallslosen Gameplays kann ich The Last of us absolut empfehlen, denn Story und Figurenzeichnung sind top und die Grafik lässt einem immer wieder die Kinnlade runterfallen.

J. Kreis, 22.09.2013





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