Zurück zu den Spielen

Legacy of Kain

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Action-Adventure

Note: 3
LEGACY OF KAIN - DEFIANCE

Story:

Story

Der Vampir Kain hat die Säulen des Gleichgewichts zerstört und die Herrschaft über die Welt Nosgoth übernommen. Durch die Vernichtung der Säulen konnten die dämonengleichen Hylden aus ihrer fremden Dimension nach Nosgoth vordringen. Kain lässt seinen Leutnant Raziel in den See der Toten werfen, wo der ehemals stolze Vampir zum Wanderer zwischen den Welten und zum Seelenverschlinger wird. Fünfhundert Jahre vergehen nach der letzten Konfrontation zwischen Kain und Raziel, bis Kains ehemaliger Leutnant in die Welt der Lebenden zurückkehren darf, um nach seiner Bestimmung zu suchen. In der fünf Jahrhunderte zurückliegenden Vergangenheit begibt Kain sich auf die Suche nach Raziel. Beide ahnen nicht, dass sie nur Marionetten in einem Spiel sind, in dem selbst ihr alter Gegner Möbius nur eine Randfigur ist…

Soviel zur etwas verworrenen Handlung, der ich nicht immer folgen konnte, da ich eines der Vorgängerspiele (Soul Reaver 2) nicht kenne und da es ziemlich lange her ist, seit ich die anderen gezockt habe. Die Story wird in Filmsequenzen mit Ingame-Grafik und viel Dialog weiter entwickelt. Sie enthält sehr viele Anspielungen auf Ereignisse aus den früheren Games – und dass die Handlung mehrere Jahrhunderte überspannt, macht das Verständnis nicht einfacher…

Gameplay

Legacy of Kain – Defiance ist ein Action-Adventure mit geringem Rätsel- und hohem Kampf-Anteil. Damit ist eigentlich schon alles gesagt…

Anders als in den bisherigen Titeln der Reihe steuert man sowohl Kain als auch Raziel, und zwar abwechselnd in mehreren aufeinander folgenden Kapiteln. Da einer der beiden Protagonisten den anderen verfolgt – aber in unterschiedlichen Zeitepochen – bewegt man sich oft mehrmals durch die gleichen Umgebungen. Immerhin kann man dann erkennen, wie diese sich in den dazwischen liegenden Jahrhunderten verändert haben. Allerdings muss Raziel verschiedene Reaver-Schmieden besuchen – und die sehen alle mehr oder weniger gleich aus, obwohl überall andere Aufgaben und Rätsel zu lösen sind. Die Kain-Kapitel sind alle vergleichsweise kurz, am längsten ist man mit Raziel unterwegs. Kain und Raziel haben unterschiedliche Fähigkeiten. Im Vergleich zu den früheren Spielen der Reihe wurde die Anzahl der Spezialfähigkeiten beider Figuren allerdings drastisch reduziert. Kain kann jederzeit durch Gittertore gehen, indem er sich einfach in Nebel verwandelt. Raziel kommt an diesen Stellen nicht so einfach weiter, er muss von der materiellen Welt in die spektrale Welt wechseln, kann dann aber zum Beispiel keine Schalter betätigen und muss erst irgend einen Rückweg in die Welt der Lebenden finden.

Dieser Umstand führt auch dazu, dass die Raziel-Kapitel etwas Rätsel-lastiger sind als jene, in denen Kain die Hauptrolle spielt. Kain muss sich meist einfach nur durch diverse Gegner von A nach B schnetzeln, Raziel muss viel springen und klettern, schwimmen und schweben, ein paar moderate Puzzles lösen und auch öfter gegen stärkere Zwischengegner kämpfen. Einen besonders starken Endboss gibt es allerdings für beide – einmal müssen Raziel und Kain sogar gegeneinander antreten. Die Levels sind im Grunde sehr linear aufgebaut, da die Areale oft aber recht groß sind, fällt das nicht so schnell auf. Erst wenn man überall herumgelaufen ist, ohne irgend etwas Besonderes entdeckt zu haben, stellt man fest, dass es doch nur einen einzigen möglichen Ausgang zum nächsten Level gibt, den man erreichen muss. Dabei müssen die besonderen Fähigkeiten der beiden Anti-Helden genutzt werden. Kain und Raziel können zum Beispiel Schalter per Telekinese betätigen oder auf gleiche Weise Säulen zerschmettern, die danach als Treppe genutzt werden können. Kain kann besonders weit springen und Raziel kommt an Stellen heran, die Kain nicht erreichen kann, weil sich beim Wechsel in die spektrale Welt alles ein wenig verschiebt und verdreht (Säulen werden plötzlich niedriger oder bislang unerreichbare Absätze sind plötzlich in Sprungreichweite). Manche Türen können nur von Raziel mit Hilfe des Soul Reaver geöffnet werden.

Ab und zu findet man Symbole, mit denen man die maximale Lebens- und Telekineseenergie erhöhen kann, oder man sammelt Symbole, Schlüssel oder andere Gegenstände ein, die man zum Öffnen einer Tür usw. benötigt. Man hat eigentlich immer nur einen dieser Quest-Gegenstände dabei, den man dann auch umgehend an der richtigen Stelle verwendet. Inventory und Ingame-Menüs sind also für das Spiel eher bedeutungslos, dementsprechend unspektakulär sehen sie auch aus. Welches Ziel als nächstes erreicht werden muss, ist ebenfalls in einem Ingame-Menü zu sehen.

Kampf

In Legacy of Kain – Defiance muss man praktisch überall gegen diverse, abwechslungsreich gestaltete Gegner kämpfen. Mit der Zeit sammeln Kain und Raziel Kampferfahrung und können dann über einfache Tastenkombinationen spezielle Combos ausführen. So kann man Gegner etwa in die Luft schleudern, hinterher springen und sie in der Luft weiter verprügeln. Ein bereits "gesäuberter" Bereich ist immer dann wieder von neuen Gegnern bevölkert, wenn man eine bestimmte Aufgabe erfüllt hat oder wenn man in einem späteren Kapitel an einen bereits besuchten Ort zurückkehrt. Oft kommt es vor, dass ein Raum plötzlich durch eine Energiebarriere verschlossen wird. Man muss dann erst alle Gegner besiegen, damit diese Barriere sich wieder auflöst. Wo es solche Barrieren nicht gibt, kann man vor den Gegnern auch einfach davonlaufen, denn der Kampf gegen sie bringt nichts, d.h. man gewinnt keine Erfahrungspunkte mehr, sobald man alle Spezialattacken erlernt hat und die Gegner lassen auch keine nützlichen Gegenstände fallen.

Der Soul Reaver ist die einzige Waffe, die Kain und Raziel verwenden können. Sie ist "immer am Mann", geht nie verloren und wird nie beschädigt. Sie kann in verschiedenen Stufen aufgewertet werden und enthält dann (bei Raziel) die Kraft der Elemente bzw. die Kraft des Gleichgewichts (bei Kain). Bringt man viele Treffer in Folge bei den Gegnern an, lädt der Reaver sich auf. Dann kann eine je nach Reaver unterschiedliche Spezialattacke ausgeführt werden – oft ist dies auch nötig, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Das Kampfsystem ist recht simpel: Immer schön draufhauen, Gegner mit Telekinese in Abgründe oder ins Feuer oder auf Dornen schleudern, ausweichen (blocken ist nicht möglich) – das war’s. Nur bei den Zwischen- und Endgegnern ist eine besondere Strategie erforderlich. Gegner werden automatisch fixiert (die Fixierung kann auch gelöst werden), und wenn sie benommen sind, kann man ihr Blut / ihre Seele aufsaugen und die eigene Energie dadurch wiederherstellen.

Speichern / Sonstiges

Kain und Raziel sind unsterblich, d.h. man wird in diesem Spiel nie den Schriftzug "Game over" oder so lesen. Dennoch nimmt die Lebensenergie der beiden Recken kontinuierlich ab, wenn sie kein Blut / keine Seelen aufsaugen. Ist die Energiereserve völlig erschöpft, stürzt Raziel in die Geisterwelt zurück und muss sich erst wieder in der Welt der Lebenden materialisieren – passiert das im Kampf gegen einen Endgegner, ist dessen Lebensenergie bei Raziels Rückkehr übrigens wieder voll gefüllt. Leidet Kain an zu hohem Blutverlust, so verwandelt er sich in einen Fledermausschwarm, der sich am letzten Checkpoint wieder zusammensetzt.

Diese Checkpoints sind fair an vielen Stellen der Levels verteilt. Sichern kann man den Spielstand zwar jederzeit, aber wenn man ein gespeichertes Spiel lädt, beginnt man immer an jenem Checkpoint, den man zuletzt passiert hat. Alle bis zum Speichern erzielten Erfolge bleiben beim Laden erhalten.

Raziel und Kain finden immer wieder mal so genannte "arkane Bücher". Durch diese werden Konzeptzeichnungen und sonstige Artworks freigeschaltet, die man sich im Hauptmenü ansehen kann. Dort kann man unter dem Menüpunkt "Dunkle Chronik" auch jederzeit auf die Zwischensequenzen zugreifen. Nach dem erstmaligen Durchspielen wird eine Art "Making of" freigeschaltet, das weitere, teilweise animierte Zeichnungen usw. enthält.

Grafik und Sound

Das Spiel sieht einfach nur toll aus. Die Umgebungen sind fantasievoll und sehr detailreich gestaltet, sehr nette Licht-, Wasser- und Partikeleffekte sowie eine große Anzahl beweglicher oder zerstörbarer Gegenstände erfreuen das Auge. Man kann weit in die Ferne blicken – man sieht dann aber meist Hintergrund-"Tapeten". Weiter entfernte Orte, die man auch erreichen kann, verschwimmen dem gegenüber gerne mal im Nebel. Der hohe Detailgrad der Umgebungen führt dazu, dass man richtig in die fiktive Welt Nosgoth eintauchen kann. So kommt man durch die prächtige Kathedrale von Avernus und dringt dann in die düsteren, von Fackeln kaum erhellten Katakomben ein, wo ein riesiges Ungeheuer in einer tiefen Grube lauert. Oder man erkundet Voradors prächtiges Anwesen, das mit kunstvollen Teppichen und Wandgemälden sowie einer großen Bibliothek und einem lauschigen Innenhof ausgestattet ist. In modrigen, teilweise überfluteten Verliesen sind hilflose Damen an die Wände gekettet, die den Vampiren als willkommene Zwischenmahlzeit dienen und die spektrale Welt ist von einem grünlichen Totenlicht erfüllt. All diese Areale sind so liebevoll ausgearbeitet, dass man gern immer wieder einfach mal stehen bleibt, um sich alles in Ruhe anzuschauen.

Alle Figuren bewegen sich sehr geschmeidig und haben feine Texturen. Raziel wird immer wieder mal von aus dem Boden hervorschnellenden Tentakeln angegriffen und in der spektralen Welt hat er es mit verschwommenen, halb transparenten Geisterwesen zu tun.

Legacy of Kain – Defiance gehört zu den wenigen Spielen, bei denen ich die Hintergrundmusik nicht ausgeschaltet habe. Sowohl der dynamische, orchestrale Soundtrack als auch die übrige Geräuschkulisse sind nämlich sehr stimmungsvoll, sie tragen viel zur düsteren Atmosphäre des Spiels bei. In der spektralen Welt hört man zum Beispiel überall die gequälten Schreie und Seufzer der gefangenen Seelen… Ein Lob gebührt auch den Synchronsprechern: Man hat Kain die Stimme von Bruce Willis und Nicholas Cage (und Sam Fisher aus Splinter Cell) verliehen, und die passt sehr gut zu diesem Charakter. Auch die anderen Sprecher machen ihre Arbeit sehr gut.

Kamera und Steuerung

Da sich die Aktionen des Spielers meist auf Rennen, Springen, Klettern und Kloppen beschränken, ist die Steuerung schnell gelernt und flutscht schon nach kurzer Zeit problemlos. Man muss keine verzwickten Menüs bedienen und es gibt (leider) keine Levelkarten, die studiert werden müssten. Dummerweise hat das Spiel eine ganz entscheidende Schwäche, die auch zu einer schlechteren Benotung führt: Kain und Raziel werden aus der 3rd-Person-Perspektive gesteuert, aber die Kamera folgt ihnen nicht. D.h. man hat nicht die für diese Perspektive typische dynamische Schulterkamera, stattdessen bleibt die Kamera immer an einem festen Punkt und folgt der Spielfigur nur durch Zoom und Schwenks. Die Kameraperspektiven sind aber oft so unglücklich gewählt, dass man nicht erkennen kann, wo man gerade ist oder wohin man springen muss. Es passiert deshalb immer wieder, dass die Perspektive sich mitten im Lauf oder im Sprung ändert – wobei sich auch die Bewegungsrichtung der Spielfigur umkehrt. Im Extremfall rennt man immer im Kreis, während die Kamera nur noch wild herumwirbelt. Ich kann euch sagen: Als ich wegen dieses Mankos zum x-ten Mal den Punkt verpasst habe, auf dem ich nach einem beherzten Sprung hätte landen sollen, habe ich das Gamepad fast geschrottet. Manchmal scheint die Kamera auch genau hinter einer Säule oder so festgefroren zu sein, so dass man, wenn man angegriffen wird, praktisch blind kämpfen muss.

Leider kann man die Kamera in solchen Situationen nur sehr eingeschränkt nachjustieren, sie kann nur um wenige Grad gekippt werden. Das Sichtfeld bleibt also stark eingeengt. Man kann zwar jederzeit in die Egoperspektive umschalten und sich frei umsehen – dann bleiben Kain und Raziel aber wie festgewurzelt stehen und können sich auch nicht mehr wehren.

Fazit

Legacy of Kain – Defiance macht eine Menge Spaß, so lange man wegen der katastrophalen Kameraführung nicht die Orientierung verliert oder bestimmte Passagen x-mal wiederholen muss, weil man leider dauernd am Ziel vorbei springt. Das Spiel ist zwar sehr linear und nicht besonders lang, durch den ständigen Wechsel der Hauptfigur bleibt es aber immer spannend – man will gar nicht aufhören, weil man wissen möchte, wie es mit Raziel und Kain weitergeht. Spielerisch ist dieser Titel nicht unbedingt eine Offenbarung, dazu bietet er einfach zu wenig alternative Möglichkeiten. Für Auge und Ohr wird zum Ausgleich ordentlich was geboten.

Seitenanfang