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hdr

System:
Sony Playstation 2

Genre:
Action-Adventure

Note: 4
DER HERR DER RINGE - DIE ZWEI TÜRME

Videospielumsetzungen von Kinofilmen sind meistens schlechter als schlecht - damit soll i.d.R. schnelles Geld mit dem bekannten Namen des Films gemacht werden und das Ergebnis ist dann so übel, daß selbst Fans des Films mit dem Game nichts anfangen können. Nun - dies ist eine Filmumsetzung und ich bin ein absoluter Herr-der-Ringe-Fan. Vielleicht wird dieser Text also nicht ganz objektiv...

Was bei diesem Spiel sofort angenehm auffällt, sind Grafik und Sound. Schon in den Menüs kann man Stücke aus dem Original-Soundtrack genießen und während der Action wird man von dem bombastischen Sound fast umgeworfen, vor allem, wenn man ihn über eine Stereoanlage laufen läßt. Die Synchronsprecher sind die gleichen, die auch für den Film gearbeitet haben - in der englischen Version waren sogar die Schauspieler selbst als Sprecher tätig.

Die Grafik gehört zum feinsten, was es derzeit auf der PS2 gibt. Die Levels sind den Schauplätzen aus den Filmen nachempfunden und sehen tatsächlich so aus wie das, was man im Kino gesehen hat bzw. sehen wird, denn Teil 2 kommt ja erst im Dezember 2002. Die Figuren wie verschiedene Arten von Orks sowie Trolle, Warge, Elben, Menschen und Zwerge sehen sehr schön aus und bewegen sich richtig lebensecht. Die Gesichtszüge sind zwar nur angedeutet (am besten sehen die fiesen Orks aus), aber die Rüstungen/Kleidung usw. sind sehr detailreich gestaltet. Hinzu kommen optische Schmankerl wie fließendes Wasser, loderndes Feuer, Explosionen und sonstige Lichteffekte. Manchmal kann man kaum glauben, was sich da alles gleichzeitig auf dem Bildschirm abspielt: Da stürmen Massen von Orks heran, Brandpfeile zischen durch die Luft, irgendwo explodiert etwas, und weiter hinten nähern sich schon zwei riesige Trolle... Bei solchen Gelegenheiten geht die Framerate natürlich etwas in die Knie, das stört aber nicht besonders.

Zwischen den Levels kann man Original-Spielfilmsequenzen bewundern und nach und nach werden Interviews mit den Schauspielern und Standfotos aus den Filmen freigeschaltet. Hier besteht natürlich erhebliche Spoilergefahr - wer sich den Spaß am kommenden zweiten Film nicht verderben will, sollte die Filmsequenzen vielleicht abbrechen.... Die Filmsequenzen gehen meist nahtlos in das Spiel über. Ich habe schon mehrmals gelesen, daß man diese Übergänge kaum bemerken würde, aber das ist natürlich Unsinn. Man sieht den Unterschied ganz deutlich, man erkennt aber auch, wie genau sich die Progammierer an die Vorlagen aus dem Film gehalten haben.

Grafik und Sound sind also schonmal ein dickes Plus für dieses Spiel. Von so etwas sollte man sich aber nicht blenden lassen, denn die Kritikpunkte überwiegen doch deutlich.

1.: Das Spiel ist viel zu kurz. Das gute Dutzend Levels hat man an zwei bis drei Abenden durch! Man könnte die gleichen Levels dann noch dreimal durchspielen, denn es gibt neben drei Standard-Charakteren (Aragorn, Legolas, Gimli) noch Isildur, den man am Ende freischaltet. Die Motivation zum nochmaligen Durchspielen ist aber eher gering...

2.:...denn Die zwei Türme ist ein völlig einfallsloses Hack and Slay mit minimalsten Adventure-Elementen. Durch getötete Gegner erhält man Erfahrungspunkte, durch die man in höhere Levels aufsteigt und die man zum Erwerb verschiedener Fähigkeiten verwenden kann. Außer besseren Rüstungswerten, besseren Pfeilen und so kann man mit diesen Fähigkeiten aber kaum was anfangen (siehe hierzu Punkt 3), ein Inventory oder ähnliches gibt es überhaupt nicht.

3.: Die Gegner kommen nicht in Gruppen, sie kommen in Scharen! Außerdem können sich selbst solch eigentlich schwerfällige Kerle wie Trolle praktisch auf dem Absatz um sich selbst drehen und sie kleben wie festgeleimt an unserer armen Spielfigur. Orks bewegen sich unheimlich schnell und prügeln, was das Zeug hält! So steckt man oft in einer Traube von Gegnern fest, die so dicht ist, daß man die eigene Figur nicht mehr erkennen kann und in der man keine Gelegenheit hat, selbst Schläge auszuteilen. Irgendwelche der o.g. Schlag-Combos anzuwenden, ist in diesem Chaos ausgeschlossen.

4.: Man muß sich, wenn man (was nicht gerade selten vorkommt) ein Level nicht schafft und es neu startet, immer wieder die ewig gleichen und z.T. recht langen, langweiligen Cutscenes ansehen, die man nicht abbrechen kann. Und die Ladezeiten sind einfach nur quälend lang! Das sorgt spätestens beim dritten Wiederholen eines Levels für heftige Hassattacken!

5.: Speichern ist in den Levels nicht möglich und es gibt immer nur höchstens zwei Checkpoints, die auch noch unfair verteilt sind, nämlich vor schwereren Zwischengegnern und nicht danach.

6.: Eine Story ist praktisch nicht vorhanden, die Levels sind einfach nur so ziemlich zusammenhanglos aneinandergekleistert - nach der Schlacht, bei der Sauron seinen Ring verliert, ist das nächste Level z.B. bereits die Wetterspitze...

Insgesamt ist Die zwei Türme natürlich eine der besseren Filmumsetzungen und das Spiel sieht wirklich verdammt gut aus. Das reicht aber nicht, um Spielspaß und Langzeitmotivation zu garantieren, denn nach einer Woche oder so steht es dann doch wieder unbeachtet im Regal. Zu banal und einfallslos ist das Gameplay, zu gering der Umfang, zu störend sind Ladezeiten und sonstige Schwächen.

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