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Tom Clancy's HAWX

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Luftkampf-Shooter

Note: 3+
TOM CLANCY'S HAWX

In letzter Zeit hatte ich hauptsächlich Spiele, zu denen ich nicht viel sagen kann - entweder weil die Spiele nur geringen Umfang haben, oder weil es sich um die wenig innovativen x-ten Teile irgendwelcher Serien handelt. Im Fall von HAWX könnte man fast sagen, dass beides zutrifft, denn man hat die Missionen dieses Luftkampf-Shooters schnell durch, und es erinnert so sehr an Ace Combat, dass man es direkt als 7. Teil dieser Reihe bezeichnen könnte.

Wie immer vorab: Mehrspieleroptionen sind vorhanden, aber die nutze und bewerte ich nicht.

Story

In naher Zukunft nähert sich das Zeitalter der Nationalstaaten dem Ende und auch die Kriegsführung verändert sich. Militärische Konflikte werden nicht mehr nur von den Nationen selbst ausgetragen, sondern auch von privaten Militärfirmen, die ihre Dienste aufgrund des Reykjavik-Abkommens von 2012 jedem zahlungskräftigen Kunden anbieten dürfen. Sie sind berechtigt, eigene Armeen zu unterhalten. Eigenständige Militäraktionen dürfen sie aber nicht durchführen, außerdem dürfen keine zivilen Ziele angegriffen werden. Eine dieser international agierenden Söldnerfirmen trägt den Namen "Artemis Global Security" und ist der neue Arbeitgeber des Piloten David Crenshaw. Im Jahre 2021 greift Artemis die USA an. Für Crenshaw ist das ein klarer Kündigungsgrund.

Diese zwar etwas dünne, aber immerhin wenigstens vorhandene Story entwickelt sich teilweise durch die Geschehnisse während eurer Missionen weiter, hauptsächlich erfahrt ihr die neuesten Entwicklungen aber im Missions-Briefing. Eine Identifikation mit Crenshaw findet nicht statt und die Missionen sind doch eher lose miteinander verknüpft. Was das Ganze mit Tom Clancy zu tun hat? Keine Ahnung.

Gameplay

Die Kampagne umfasst 19 Missionen, die in drei Schwierigkeitsgraden gespielt werden können. Jede Mission kann jederzeit neu gestartet werden, und nach jeder bestandenen Mission darf man die dazu gehörende Map im Freiflug-Modus (ohne Gegner) in Ruhe erkunden. Durch den Abschuss von feindlichen Zielen, vor allem aber durch das Absolvieren so genannter Herausforderungen sammeln sich Erfahrungspunkte an. Hat man genug Punkte gesammelt, wird man befördert (hierzu werden militärische Ränge verwendet). Bei jeder Beförderung werden neue Flugzeuge und zusätzliche Waffenpakete freigeschaltet. Die Herausforderungen haben nichts mit den während einer Mission zu erledigenden Aufgaben zu tun. Sie bestehen hauptsächlich darin, eine bestimmte Anzahl von Gegnern mit bestimmten Waffen auszuschalten, bestimmte Flugmanöver durchzuführen, alle Missionen im höchsten Schwierigkeitsgrad zu absolvieren und so weiter. Welche Herausforderungen es gibt und wie weit man dabei schon fortgeschritten ist, kann man in den Menüs sehen. Ärgerlich: Viele Herausforderungen kann man nur im Multiplayermodus bestehen.

Nach dem schick gemachten und mit CGI-Filmen, virtuellen taktischen Karten usw. aufgemotzten Briefing wählt man den Schwierigkeitsgrad, das Flugzeug und das Waffenpaket. Ich habe festgestellt, dass die Empfehlungen, die das Programm dafür gibt, nicht immer optimal sind. Manchmal ist es besser, Langstreckenraketen auszuwählen, um gegnerische SAM-Stellungen aus der Ferne zu neutralisieren, manchmal müssen schnellstmöglich ganze Gegnergruppen vernichtet werden, so dass sich Multiziel-Luft-Luft-Raketen besser eignen. Dann wieder geht es vor allem gegen Schiffe, so dass Freifallbomben o.ä. das Mittel der Wahl sind. Während der Mission habt ihr meist zwei Kameraden dabei. Diesen beiden Flügelmännern könnt ihr lediglich befehlen, nach eigenem Ermessen anzugreifen oder hinter euch zu bleiben, so dass sie euch decken. Eine große Hilfe sind sie nicht, den einen oder anderen Abschuss erzielen sie aber durchaus. Durch den Funkverkehr zwischen den Piloten und der Basis sowie kleine Videoeinblendungen und eine vergrößerbare taktische Karte wird man gut in das Geschehen eingebunden.

Der Missionsablauf ist in den meisten Missionen mehr oder weniger identisch, man hat alles in irgeneinem anderen Spiel dieser Art schonmal gehabt. Mal geht es darum, stationäre Einrichtungen, verbündete Bodentruppen oder Lufteinheiten vor angreifenden Gegnern zu schützen, dann müssen feindliche Stellungen ausgeschaltet werden. Manchmal muss man das innerhalb eines Zeitlimits schaffen, aber das ist meist kein Problem. Dennoch sind all diese Eskortier- und Angriffsmissionen recht abwechslungsreich gestaltet, z.B. dadurch, dass eure automatische Zielaufschaltung vom Gegner gestört wird, dass ihr unter dem gegnerischen Radar bleiben müsst oder ähnliches. Ihr habt es oft mit größeren Gegnerscharen zu tun, und da kann es mitunter etwas hektisch werden. Ärgerlich fand ich aber nur, dass man Ziele nicht frei für die Raketenaufschaltung wählen kann. Man kann nur durch Druck auf die Dreieck-Taste zwischen den nächstgelegenen Zielen hin- und herschalten. Das kann fatal sein, wenn man es deshalb einfach nicht schafft, z.B. eine SAM-Stellung rechtzeitig ins Visier zu nehmen.

Flugverhalten, OFF-Modus und ERS

HAWX ist kein Flugsimulator, hier steht eindeutig die Action im Vordergrund. Ihr müsst euch keine Gedanken wegen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, dem Treibstoffvorrat und dergleichen machen. Wenn ihr nicht gerade versuchen solltet, euren Flieger unter 30 Meter Höhe zu drücken (auch das ist eine der Herausforderungen), werdet ihr es kaum schaffen, den Vogel zum Absturz zu bringen. Ein realistisches Verhalten zeigen die Flugzeuge nicht, die Fluglage bleibt immer stabil. Die Unterschiede zwischen den Modellen bestehen lediglich in Geschwindigkeit und Wendigkeit. Richtig deutlich bemerkt man das aber nur z.B. bei so grundverschiedenen Fliegern wie der A-10 Thunderbolt und der YF-22 Raptor. Über moderne Funktionen wie automatische Radar- und Raketenwarnung, radargelenkte Raketen und dergleichen verfügen alle Flugzeuge, von denen über 50 (ich habe nicht gezählt) vorhanden sind.

Die Flughilfen kann man auch abschalten. Im so genannten OFF-Modus kann es dann tatsächlich zum Strömungsabriss ("Stall") kommen. Allerdings sind im OFF-Modus noch unrealistischere Flugmanöver möglich, zum Beispiel 180-Grad-Kehren. Dummerweise wird im OFF-Modus stets automatisch eine weit entfernte, dynamische Außenkamera aktiviert, was der Übersicht schadet und die Steuerung erschwert, zumal Teile des HUD ausgeblendet werden. Man erkennt dann manchmal gar nicht, dass man dem Boden gefährlich nahe kommt. Ansonsten steuert man die Flieger aus der Egoperspektive, wobei man zwischen einer Cockpit-Ansicht und reinem HUD wählen kann, oder aus einer 3rd-Person-Perspektive. Bei letzterer kann die Kamera frei um den Flieger herum gedreht und gekippt werden, bei den anderen Perspektiven ist die Kamera nicht ganz so frei beweglich.

Das "Enhanced Reality System" (ERS) ist eine Neuerung dieses Spiels. Verfolgt man ein gegnerisches Flugzeug, nähert man sich einem Bodenziel oder wird man von einer Rakete verfolgt, so kann man per Druck auf die Quadrat-Taste einen Einflugtunnel einblenden. Durchfliegt man die dann erscheinenden virtuellen Tore, gelangt man immer in die optimale Schussposition bzw. kann Raketen sicher ausweichen. In zwei Missionen ist die Nutzung dieser Funktion sogar spielentscheidend.

Grafik

Die Flugzeugmodelle sehen zwar nicht atemberaubend, aber doch sehr hübsch aus. Sie haben diverse bewegliche Elemente, zum Beispiel Bremsklappen und Seitenruder. In der 3rd-Person-Perspektive kann man die Modelle in allen Details bewundern, aber richtig eindrucksvoll ist die Cockpit-Ansicht. Da hat man dann eine ganze Batterie voll funktionsfähiger Anzeigen vor sich! Ein echtes Schadensmodell haben die Flieger nicht, der erlittene Schaden wird nur im HUD in Prozentzahlen angegeben. Von den gegnerischen Fliegern oder kleinen Bodenzielen wie Panzern bekommt man in der Regel wenig zu sehen, denn der moderne Luftkampf spielt sich ja eher in elektronischen Anzeigen im HUD ab. Man kann aber eine Raketenkamera aktivieren und sieht dann, wie das Geschoss sich auf den Gegner stürzt. Explosionen fallen weniger spektakulär aus als erwartet. Auch das liegt daran, dass man die Gegner praktisch immer aus großer Distanz bekämpft. Dennoch: Auseinanderbrechende Flieger, herumwirbelnde Trümmerteile usw. darf man nicht erwarten.

Die Umgebungsgrafiken sind echte Hingucker. Jede Mission findet auf einer anderen Map statt, und jede Umgebung hat ihren eigenen Charakter. Es gibt Wüstenlandschaften, Inselszenarien, nächtliche Hügellandschaften usw., aber auch reale Städte wie Washington, Rio de Janeiro und Tokio oder bekannte Schauplätze wie Cape Canaveral. Alle Landschaften und Städte wurden mit Hilfe von Satellitenbildern der Firma GeoEye erstellt und wirken äußerst realistisch - solange man nicht zu nahe herangeht bzw. -fliegt. Aus der Nähe betrachtet, lösen die tollen Oberflächen und Bäume sich in ziemlich schwammige Texturen und grobe Pixelhaufen auf. Da man mit einem Düsenjäger aber nur selten dicht am Boden fliegt, kann man durchaus den Eindruck bekommen, reale Landschaften vor bzw. unter sich zu haben. Städte weisen sehr viele große 3D-Gebäude sowie andere Details auf und können auch aus der Nähe überzeugen.

Sonstiges

Nach jeder absolvierten Mission kann man sich die letzten Minuten als Replay in verschiedenen Kameraperspektiven ansehen. Speichern kann man die Replays zwar nicht, aber es ist möglich, eine Filmaufzeichnung während jeder Mission zu starten. Diese Aufzeichnung kann man dann auf die Festplatte der PS3 verschieben und von dort aus auch z.B. auf einen USB-Stick ziehen. Allerdings haben diese Filme keine hohe Auflösung und natürlich kann man die Kameraperspektive nicht ändern.

In den Menüs findet man auch ein paar Informationen über GeoEye und die von dieser Firma benutzten Satelliten.

Fazit

Durch den kontinuierlich ansteigenden Schwierigkeitsgrad, die ernst zu nehmenden Computergegner, die Vielzahl der Herausforderungen und den Levelaufstieg sackt die Motivationskurve bei HAWX nie ab. Man darf sich über spannende Luftkämpfe, eine geniale Grafik und vergleichsweise abwechslungsreiche Missionen freuen. Realismus im Sinne eines echten Flugsimulators darf man aber keinesfalls erwarten. Damit hat HAWX rein gar nichts zu tun, so dass das Spiel sich auch für Leute wie mich eignet, die sich nicht erst durch eine ziegelsteindicke Anleitung quälen wollen und auch keine Lust haben, stundenlang zu üben, um überhaupt in der Luft bleiben zu können.

HAWX ist ideal für den schnellen Spaß zwischendurch, und Spaß macht es auf jeden Fall. Wenn man sich die Mühe macht, jede Mission auf der höchsten Schwierigkeitsstufe zu absolvieren und darüber hinaus die vielen Herausforderungen zu bestehen, kann man sich eine ganze Weile mit dem Spiel beschäftigen. Würde man sich darauf beschränken, nur die 19 Missionen durchzuzocken, und das noch im niedrigsten Schwierigkeitsgrad, dann könnte man das Spiel nach drei Abenden beendet haben. Auch wenn HAWX nichts anderes ist als der x-te Aufguss eines bewährten Rezepts, verdient es dennoch eine knapp überdurchschnittliche Bewertung.


J. Kreis, 08.04.2009
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