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Grand Theft Auto IV

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Action-Adventure

Note: 2+
GRAND THEFT AUTO IV

Bei einem Spiel wie GTA IV steht man immer vor der Frage, wie ausführlich man es beschreiben soll, denn man könnte sich seitenweise über alle möglichen Details auslassen. Das möchte ich euch lieber ersparen und will versuchen, mich auf die wesentlichen Kernpunkte zu konzentrieren. Ich kratze deshalb nur an der Oberfläche und verschweige so manches, was ihr in diesem Spiel anstellen könnt. Ich kann euch nur empfehlen: Kauft das Ding und erkundet es selbst!

Falls jemand die Spiele der GTA-Reihe nicht kennt: Sie sind grob gesagt eine Genre-Mixtur aus Action-Adventure und Auto-Rennspiel. Man bewegt sich zu Fuß oder per Fahrzeug durch eine riesige, frei begehbare Stadt und erledigt diverse Missionen für verschiedene Auftraggeber. Die Stadt heißt Liberty City und ist bis ins Detail dem realen Vorbild New York nachempfunden. Von den früheren Spielen dieser Reihe kenne ich nur GTA III, und im Prinzip ist Teil 4 aus spielerischer Sicht kaum mehr als eine grafisch massiv aufgemöbelte Neuauflage dieses Spiels. Elemente aus anderen Spielen finden sich in Teil 4 nicht mehr wieder. So ist es nicht möglich, Immobilien zu kaufen und die Fähigkeiten der Spielfigur können nicht weiterentwickelt werden.

Kennzeichnend für den vierten Teil ist dreierlei: Die unglaublich realistische Nachbildung einer Großstadt voller Kriminalität und Korruption, die bitterböse, zynische Gesellschaftskritik, und die überraschend heftige Gewaltdarstellung. Tatsächlich kann ich mich nur darüber wundern, dass GTA IV in Deutschland ungeschnitten veröffentlicht wurde.

Story

Niko Bellic, ein serbischer Kriegsveteran, kommt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort sucht er allerdings nicht sein Glück, sondern Darko Brevic, einen ehemaligen Kameraden, der für ein Massaker an Nikos Kampfeinheit verantwortlich ist. Nur Niko hat damals überlebt, und er wird die quälenden Erinnerungen nicht mehr los. Er findet bei seinem Cousin Roman in Liberty City Unterschlupf. Schnell stellt sich heraus, dass Romans Geschichten von luxuriösen Villen, schnellen Autos und schönen Frauen frei erfunden sind. Nikos Cousin ist keineswegs der reiche Lebemann, als der er sich in seinen Mails stets dargestellt hat, sondern betreibt ein zweifelhaftes Taxiunternehmen und quartiert Niko in einem schäbigen Appartement im Immigrantenviertel ein. Roman hat Spielschulden bei einem russischen Gangsterboss. Natürlich steht Niko seinem Cousin bei, und so wird er immer tiefer in die kriminelle Unterwelt Liberty Citys hineingezogen, begegnet dabei aber auch neuen Freunden, die ihm bei der Suche nach dem Verräter helfen.

Dass Niko eigentlich nach Darko Brevic sucht, wird nicht gleich zu Anfang klar. Man findet erst nach und nach heraus, warum er überhaupt nach Amerika gekommen ist. Leider gerät das Ganze im Verlauf des Spiels ein wenig in Vergessenheit. Niko wird sozusagen in der Unterwelt "herumgereicht", d.h. es werden immer mächtigere Gangsterbosse auf ihn aufmerksam und setzen ihn als Handlanger ein. Niko erledigt somit Aufträge für immer neue Leute, bis er sich irgendwann weit genug nach oben gearbeitet hat und Leuten begegnet, die ihm bei seinem eigentlichen Ziel helfen. Rivalisierende Gruppen wie in GTA III, die im Verlauf des Spiels permanent zu Freunden oder Feinden werden, gibt es diesmal nicht. Erst zum Ende hin tritt die Suche nach Brevic wieder in den Vordergrund. Bis es soweit ist, entwickeln sich immer wieder kleine Nebenstorys, die mit der eigentlichen Story zwar nur am Rande zu tun haben, das Spiel aber interessanter machen.

Im Gegensatz zu den "Helden" in vielen anderen Spielen ist Niko kein gesichtsloser Avatar, sondern eine eigenständige, trotz aller Brutalität sympathische und ziemlich coole Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Sein Handy ist übrigens ein wichtiger Bestandteil zur Fortführung der Story. Hierüber wird ihm mitgeteilt, an welchen Zielort er sich begeben soll, Leute wollen sich mit ihm treffen und so weiter. Möchte man mit der Story pausieren, kann man das Handy auch stummschalten.

Die Stadt

Wie schon gesagt: Liberty City ist riesig, und die Stadt "lebt". Sie besteht aus mehreren durch Brücken miteinander verbundenen Inseln, die nach und nach "freigeschaltet" werden. Zu Beginn sind die Brücken gesperrt wegen "Terrorgefahr"! Man hat wirklich den Eindruck, sich in einer pulsierenden Großstadt zu bewegen. Das liegt einerseits natürlich an der wunderbaren Grafik: Jedes einzelne Gebäude wurde bis hin zu kleinen Details den realen Vorbildern nachempfunden, die Häuser wiederholen sich somit nicht, viele können auch betreten werden. Fliegt man mit dem Hubschrauber über die Stadt, wird deutlich, dass es in diesem Spiel nirgendwo zweidimensionale Kulissen gibt. Jedes Gebäude ist "echt", und jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charakter. Viele Objekte können physikalisch korrekt zerstört werden. Straßenlampen knicken funkensprühend ab, wenn man sie umfährt, aus umgeworfenen Zeitungsboxen flattert Papier über die Straße, aus zerstörten Hydranten sprüht eine Wasserfontäne empor... Hinzu kommen verschiedene Wetterverhältnisse sowie ein Tag-Nacht-Wechsel.

Der Straßenverkehr ist manchmal so dicht, dass es zu richtigen Staus oder Unfällen kommt ganz wie im echten Leben. Eine Massenkarambolage kann in GTA IV ein beeindruckendes Erlebnis sein. Überall latschen Passanten herum, und es gibt so viele verschiedene Figurenmodelle, dass man im Gegensatz z.B. zu Oblivion nie den Eindruck hat, man sei unversehens in eine Klonfabrik geraten. Die Passanten haben wohl keinen Tagesablauf wie die NPCs in aktuellen Rollenspielen, gehen aber doch ganz unterschiedlichen Beschäftigungen nach. Dabei folgen sie nicht stur einem vorgegebenen Ablauf, sondern interagieren untereinander und reagieren natürlich auch auf Niko. Wenn Niko jemanden anrempelt, lässt der z.B. seine Einkaufstüte fallen. Richtet Niko eine Waffe auf einen NPC oder schießt er in die Luft, dann bricht Panik aus und alle rennen weg. Außerdem sprechen alle NPCs miteinander. Man pöbelt sich an, Polizisten greifen ein... Die Geräuschkulisse mit dem Verkehrslärm, den Stimmen der NPCs, irgendwo laufender Musik und anderen Geräuschen rundet den realistischen Gesamteindruck perfekt ab.

Wie eingangs gesagt ist es unmöglich, auf alle Details einzugehen. Ich belasse es deshalb bei der Behauptung, dass ich selten in einem Spiel eine so realistisch und lebendig wirkende Stadt erlebt habe. In den ersten Stunden des Spiels habe ich mich oft nur damit beschäftigt, die totale Bewegungsfreiheit zu genießen (alles was man sieht, kann man auch irgendwie erreichen) und mir die Sehenswürdigkeiten anzusehen.

Autos und sonstige Fahrzeuge

In Liberty City gibt's wie gesagt einen lebhaften Straßenverkehr. Niko muss beim Überqueren der Straße schon aufpassen, sonst macht er auf schmerzhafte Weise Bekanntschaft mit der nächsten Stoßstange. Dutzende der verschiedensten Fahrzeuge kurven durch die Straßen oder sind irgendwo geparkt. Und man kann jedes einzelne davon benutzen. Die Bandbreite entspricht auch hier wieder der Realität: Europäische Kleinwagen, massige Limousinen, SUVs, Hummer-Jeeps, Sportwagen, Kleintransporter, Polizeiautos usw. bis hin zu großen Sattelschleppern, Müllautos (komplett mit zwei Arbeitern, die hinten drauf stehen) Löschzügen und dergleichen alles ist dabei. All diese Autos haben zwar Fantasienamen, sie gleichen aber ihren realen Vorbildern bis ins Detail, außerdem haben alle ein umfangreiches Schadensmodell und jedes fährt sich anders. Es sind sogar voll funktionsfähige Navigationsgeräte vorhanden. Der Detailgrad ist wirklich enorm, auch im Innenraum! Die Autos sehen fast genauso gut aus wie Fahrzeugmodelle aus aktuellen Rennspielen. Genial: Man kann sogar einen echten Burnout hinlegen, aber man sollte es nicht übertreiben, denn irgendwann platzen die Reifen! Dann muss man auf den Felgen weiterfahren.

Möchte man nicht zu Fuß von A nach B gehen, kann man auch ein Taxi nehmen und sich kutschieren lassen. Man kann die komplette Fahrt dann aus verschiedenen Kameraperspektiven bewundern, es ist aber auch möglich, die Fahrt zu überspringen. Außerdem gibt es in Liberty City ein Straßenbahnnetz, das ebenfalls benutzt werden kann. Man kann Hubschrauber-Rundflüge machen oder mit dem Boot um die Inseln herumfahren. Niko benötigt für seine Missionen meist einen eigenen fahrbaren Untersatz. Den kann er sich beschaffen, indem er ein beliebiges geparktes Fahrzeug knackt, oder indem er den Fahrer aus einem Auto herauszerrt. Aber Vorsicht: Manche Fahrer machen es mit Niko genauso, wenn er nicht schnell genug wegfährt, und dann gibt es Ärger. Außerdem ist die Polizei überall in Liberty City präsent, und wenn Niko einen Autodiebstahl (oder irgendein anderes Verbrechen) unter ihren Augen verübt, wird er zur Fahndung ausgeschrieben und verfolgt. Je mehr man sich zuschulden kommen lässt, desto mehr steigt das "Fahndungslevel" an. Je mehr Sternchen das Fahndungslevel hat, desto übellauniger werden die Cops, bis irgendwann sogar Hubschrauber und Spezialeinheiten anrücken. Verlässt man den Sichtradius der Verfolger, wird die Fahndung nach kurzer Zeit beendet.

Niko findet im Verlauf des Spiels in jedem Stadtteil ein Versteck, also eine Wohnung, in der gespeichert werden kann. Hier kann Niko auch seine Kleidung wechseln und vor der Wohnung gibt es einen Parkplatz, in dem zwei Fahrzeuge abgestellt werden können. Nur die bleiben dann gespeichert, d.h. nach Neustart der Konsole stehen sie immer noch dort. Alles andere wird nach dem Neustart neu geladen. Jedes Fahrzeug hat ein Autoradio, und mit jedem Autoradio kann man viele verschiedene Radiosender empfangen. Dort läuft nicht nur reale Musik je nach Sender sind das Hits aus verschiedenen Jahrzehnten oder Oldies, Jazz, HipHop usw., und je nachdem, in welchem Viertel man ein Auto klaut, läuft immer die für die dortigen Bewohner typische Musik sondern auch Werbung, Talkshows und Nachrichten. In letzteren wird ab und zu sogar auf Spielereignisse Bezug genommen, die ihr gerade erlebt habt.

Haupt- / Nebenmissionen und deren Entlohnung

Wie der Story schon entnommen werden kann, erledigt Niko im Verlauf der Story unzählige Aufgaben für die unterschiedlichsten Auftraggeber. Meist geht es darum, heiße Ware unauffällig von A nach B zu bringen, irgendetwas zu stehlen, Zielpersonen zu observieren oder auszuschalten, Bomben zu legen und so weiter. Das mag sich zwar irgendwann mal wiederholen, wird aber trotzdem nie langweilig, denn jede Mission hat einen anderen Hintergrund und läuft anders ab. Auch hier ist es wieder unmöglich, der ganzen Bandbreite gerecht zu werden. Sei es, dass Niko zusammen mit einigen Kumpanen eine Bank ausraubt und sich dann den Weg durch anrückende Polizeieinheiten bahnen muss, dass er jemandem belastendes Bildmaterial abjagen oder selbst Beweismaterial fotografieren muss, dass er jemanden zu Fuß/per Auto/per Motorrad/per Boot/per Hubschrauber usw. zu verfolgen hat immer wieder nehmen die zu Beginn des Spiels einfachen, zum Ende hin aber kontinuierlich länger und schwieriger werdenden Missionen unerwartete Wendungen. Wenn Niko vorsichtig durch die Stockwerke eines Hochhauses schleichen muss, wo sich hinter jeder Tür ein Gegner verbergen kann, dann erreicht das Spiel sogar fast die Qualitäten eines Egoshooters. Hier ist Nikos Fähigkeit, sich an Wände zu pressen, um die Ecken zu linsen und von Deckung zu Deckung zu huschen sehr nützlich.

Abgesehen von den unzählbaren Missionen, die zur Absolvierung der Story erforderlich sind, kann man diversen Nebentätigkeiten nachgehen. Klaut man z.B. einen Polizeiwagen, dann hat man Zugriff auf den Polizeicomputer, in dem die meistgesuchten Verbrecher und aktuelle Straftaten aufgelistet sind. Darum kann man sich dann selbst kümmern, wenn man möchte. Niko kann auch Kurierfahrten für seine Freunde übernehmen. Später im Spiel kann Niko an einem öffentlichen Fernsprecher Assassinen-Missionen annehmen. Jede Mission kann sofort neu gestartet werden, falls Niko nicht erfolgreich sein sollte. Man muss also nicht wieder auf einen älteren Speicherstand zurückgreifen. Niko stirbt auch nicht er wird immer beim nächsten Krankenhaus "wiederbelebt".Trotzdem ist die Speicherfunktion suboptimal, denn während der Missionen kann nicht gespeichert werden. Da man nicht selten ziemlich lange Anfahrtswege zurücklegen muss, die dann immer und immer wieder von vorn angetreten werden müssen, ist das ein echtes Ärgernis.

Niko kann auf ein nettes Waffenarsenal zurückgreifen. Es gibt eine automatische Zielerfassung, man kann aber auch manuell zielen. Alle Waffen können ständig am Mann getragen werden. Nachschub kauft man in Waffenläden, dort gibt es auch Körperpanzerungen. Diese Utensilien liegen aber auch mehr oder weniger versteckt in der Gegend rum. Ein Besuch im Waffenladen ist eine der viel zu wenigen Möglichkeiten, das Geld auszugeben, das Niko für erfolgreich beendete Missionen erhält. Okay, es gibt auch ein paar Klamottenläden, Frauen und Taxen kosten ebenfalls Geld, aber ich hatte irgendwann eine halbe Million zusammen und bin sie nicht losgeworden. Man kann weder Autos noch Häuser oder sonst irgendwelche kostspieligen Objekte kaufen. Das finde ich etwas schade. Suboptimal ist auch die Kameraführung. Ich mag es einfach nicht, wenn eine dynamische Kamera immer wieder von selbst herumschwenkt und nicht das macht, was ich gern möchte.

Freunde und Freizeitaktivitäten

Außerhalb der Missionen kann man sich auf mannigfaltige Weise in Liberty City vergnügen. Nikos Freunde rufen ihn immer wieder mal an und wollen mit ihm ausgehen. GTA IV hält hierfür mehrere vollwertige Minispiele bereit, die erstaunlich viel Spaß machen, z.B. Bowling, Pool-Billard, Darts und eine Art Tetris-Computerspiel. Man kann auch einen heben gehen (ein beschwipster Niko ist extrem schwer zu steuern) oder Stripclubs und zwei verschiedene Kabaretts aufsuchen. In letzteren werden unglaublich vielfältige Vorstellungen präsentiert. Soweit ich weiß, handelt es sich um digitalisierte Auftritte realer Künstler. In Nikos Verstecken stehen Fernseher rum, die ebenfalls benutzbar sind. Es laufen Realityshows, Werbekanäle, SF-Cartoons und dergleichen mehr. In Internetcafés kann man durch unzählige fiktive Homepages surfen, nach Flirtkontakten suchen und Mails abrufen. Auch Nikos Mutter meldet sich immer wieder mal mit besorgt klingenden Mails aus Europa...

Wenn Niko es schafft, seine Freunde und Internetbekanntschaften durch diese Freizeitaktivitäten bei Laune zu halten (erkennbar in den umfangreichen Statistiken, die jederzeit abrufbar sind, ebenso wie eine zoombare Karte), wobei jeder individuelle Vorlieben und Abneigungen hat, verschaffen sie ihm diverse Vorteile abgesehen davon, dass die Damen irgendwann bereit sind, ihn mit nach Hause zu nehmen, wovon man aber nichts sieht, sondern nur hört. Cousin Roman schickt bei Bedarf ein kostenloses Taxi vorbei, Little Jacob bietet preisgünstige Waffen an, Dwayne schickt zwei Schläger zur Unterstützung, bei Carmen kann man Nikos Gesundheit wiederherstellen, Lawchick senkt den Fahndungslevel ab und so weiter.

Manchmal begegnet Niko verschiedenen Zufalls-Charakteren, die weitere Missionen freischalten. Tja, und dann sind da noch in der ganzen Stadt Sprungschanzen für Monster-Stunts versteckt. Und noch diverse andere Kleinigkeiten, die ich nicht alle aufzählen kann. Der Abwechslungsreichtum ist also auch hier enorm, aber ich muss zugeben, dass ich gegen Ende hin nur noch eine Story-Mission nach der anderen abgehakt habe. Das Handy kann dann ganz schön nerven. Ich habe die vielen Anrufe und SMS meiner Bekannten, die wieder mal um die Häuser ziehen wollten, irgendwann einfach ignoriert.

Gewaltdarstellung / Satire

Dem bisherigen Text kann man entnehmen, dass Niko kein Waisenknabe ist, ebenso wenig, wie Liberty City als Rosengarten bezeichnet werden kann. Töten das ist es, was Niko am besten kann. Seine Hintergrundgeschichte liefert wenigstens einen Grund dafür, warum er jeden Liquidationsauftrag widerspruchslos ausführt. Dennoch ist die Gewaltdarstellung in diesem Spiel eine Sache für sich. Der Spieler hat übrigens nur selten die Wahl, ob er eine Zielperson töten oder verschonen will. Es dürfte jedem klar sein, dass Spiele dieser Art nur für Erwachsene geeignet sind. Dennoch kann man sich fragen, ob es nötig war, es dem Spieler zu ermöglichen, harmlose NPCs zu töten. Oder ob es sein muss, dass man auf am Boden liegenden Personen herumtrampeln kann. Weitere Details, die ich einfach mal so in den Raum stelle: Erschießt man jemanden durch die Windschutzscheibe, dann sieht man das blutbespritzte Einschussloch. Fährt man Passanten an, werden sie davongeschleudert oder an der Wand zerquetscht. Das hinterlässt blutige Spuren. Kurz nach dem Unfall erscheint ein Rettungswagen und es werden Reanimationsversuche eingeleitet. Bei schweren Unfällen geraten Fahrzeuge auch in Brand, dann torkeln die NPCs als schreiende menschliche Fackeln umher. Auch die Schusswechsel, die Niko sich immer wieder liefert, sind sehr realistisch dargestellt. Ich kommentiere das jetzt nicht weiter, muss aber sagen: Nicht alles hätte sein müssen. Immerhin: Passanten kann man totprügeln, muss man aber nicht. Ganz wie im richtigen Leben halt.

GTA IV ist voll gestopft mit Medienkritik, Anspielungen auf reale Gegebenheiten und sarkastischen Kommentaren zu Ereignissen in den USA. In den Radio-Talkshows wird über alles und jeden abgelästert, im Fernsehen werden reale Sendungen parodiert und auf Dutzenden von Websites sind geradezu unglaubliche Dinge zu lesen allerdings muss man der englischen Sprache mächtig sein, denn nur ein Bruchteil wurde übersetzt. Das gilt auch für die Sprachausgabe der Dialoge, hier hat man sich auf Untertitel beschränkt. Ist vermutlich auch besser so eine deutsche Synchronisation hätte viel von der Atmosphäre zerstört. Kein Detail des American Way of Life wird ausgelassen und es gibt nichts, worüber die Entwickler sich nicht rücksichtslos lustig machen. Und zwar auf äußerst derbe, manchmal sogar obszöne Art und Weise. Diese Art der Satire ist mindestens genauso gewöhnungsbedürftig wie die Gewaltdarstellung, aber auch sie trägt zu dem (ich kann mich nur wiederholen) unglaublich realistischen Gesamteindruck bei, den GTA IV hinterlässt. Man kann Stunden damit verbringen, nur den Sendungen in Radio und TV zu folgen oder im Internet zu stöbern. All die unglaublich umfangreichen Dialoge und Texte sind trotz des oft fragwürdigen Inhalts nur als perfekt zu bezeichnen. Man kann kaum fassen, wie viel Mühe die Entwickler sich mit diesen Dingen gegeben haben, die für das eigentliche Spiel ja keine Bedeutung haben.

Fazit

Es fällt schwer, ein Spiel wie GTA IV zu bewerten. Eigentlich wollte ich es wegen der Gewaltdarstellung zuerst überhaupt nicht benoten. Obige Review wird dem Spiel sowieso nicht gerecht, ich müsste noch 10 weitere Seiten füllen. Sicher habe ich auch wesentliche Bestandteile des Gameplay gar nicht erwähnt. Die tolle, realistische (schon wieder dieses Wort) Atmosphäre sowie die phantastische Grafik kann man sowieso nicht mit Worten beschreiben, man muss sie selbst erlebt haben. Die totale Freiheit, die man in Liberty City genießt, der Detailwahn und die vielen Kleinigkeiten, die man so am Rande erlebt all das ist einfach klasse. Die Gewaltdarstellung... na ja, sagen wir: Sie gehört einfach zu der realistischen Darstellung einer Stadt ohne Moral.

Die Höchstnote kann ich dem Spiel trotz allen Lobes nicht geben. Zu sehr nervt die nicht mehr zeitgemäße Speicherfunktion, auch hätte die Kameraführung besser sein können, außerdem macht auch Niko nicht immer das, was man von ihm will. Und schließlich hätte die Story besser entwickelt werden können. Deshalb schrammt GTA IV knapp an der Höchstnote vorbei.

J. Kreis, 29.07.2008




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