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Gran Turismo 4

System:
Sony
Playstation 2

Genre:
Rennsimulation

Note: 2+
GRAN TURISMO 4


Früher habe ich mich nicht die Bohne für Motorsport im realen Leben und für Autorennspiele im Videospielgenre interessiert. Dann kam das Jahr 1998 und Gran Turismo (GT) erschien für die PSOne. Seitdem liebe ich Autorennspiele und sehe mir gern reale Rennen im Fernsehen an. Die Spiele der GT-Reihe gehören meiner Meinung nach zum Besten, was es auf dem Rennspielsektor je gegeben hat und auch der lang erwartete 4. Teil der Serie (genau genommen ist es ja schon der 6.) übernimmt die wohlverdiente Führung im Rennspiel-Genre.

Zum grundsätzlichen Gameplay eines jeden Rennspiels gibt es nicht viel zu sagen. Man entscheidet sich für ein Fahrzeug aus einer mehr oder weniger großen Auswahl und bestreitet damit Rennen gegen diverse gegnerische Boliden auf verschiedenen Strecken. Neue Fahrzeuge und Strecken werden verfügbar, wenn man in den Rennen erfolgreich ist. So oder so ähnlich könnte man jedes Rennspiel - auch GT4 - kurz beschreiben. Auch sonst muss man sagen, dass das Grundprinzip aller Spiele der GT-Serie beibehalten wurde. Alte Hasen werden sich also sofort zurechtfinden. Aber GT4 bietet trotzdem mehr. Viel mehr. Diese Review wird deshalb zwar lang, aber dennoch unvollständig. Mal sehen: Vielleicht ergänze ich sie bei Gelegenheit noch weiter.

In GT4 wird unterschieden zwischen dem Arcade-Modus und dem Gran Turismo - Modus. Konzentrieren wir uns zunächst auf letzteren, denn er ist das Herzstück des Spiels. Man könnte ihn auch als Karrieremodus bezeichnen. Nach dem äußerst leckeren Intro kämpft ihr euch im GT-Modus durch verschiedene Renn-Events, verdient Siegprämien, gebt das Geld für Fahrzeuge und Zubehör aus, rüstet eure Autos auf und meistert diverse Fahrprüfungen. Aber wir wollen Punkt für Punkt vorgehen.

GT-Veteranen werden belohnt: Sofern sich nämlich auf eurer Memory-Card noch Spielstände von Gran Turismo 3 A-spec und / oder Gran Turismo 4 - Prologue befinden, könnt ihr 100.000 Credits (aus GT3) bzw. die ersten beiden Fahr-Lizenzen (aus GT4-Prologue) importieren, was den Einstieg enorm erleichtert. Das zusätzliche Geld wird dann zu den etwas mageren 10.000 Credits, mit denen man normalerweise starten würde und die gerade für einen Gebrauchtwagen reichen, hinzugezählt. Wenn ihr meint, GT4 werde dadurch zu leicht, dann kann ich euch beruhigen: Dem ist nicht so. Was in GT4 noch an Aufgaben auf euch zukommt, wird euch noch ausreichend Schweiß auf die Stirn treiben…

Lizenzprüfungen

Ein typisches Merkmal von Spielen der GT-Serie ist es, dass ihr erst einmal den Führerschein machen müsst, bevor ihr überhaupt an Rennen teilnehmen dürft. Es gibt nur wenige Renn-Events, die auch Neulingen ohne Führerschein offen stehen. Insgesamt gilt es, 5 Lizenzen zu erwerben. Für jede Lizenz müssen diverse Prüfungen absolviert werden, wobei der Schwierigkeitsgrad von Lizenz zu Lizenz ständig ansteigt. Geht es bei den Prüfungen für die Nationale B-Lizenz noch hauptsächlich darum, mit langsamen Fahrzeugen die grundlegenden Techniken des Bremsens oder Kurvenfahrens zu erlernen, muss man in der Internationalen A-Lizenz schon längere Streckenabschnitte meistern, wobei leistungsstarke, aber schwer kontrollierbare Autos gesteuert werden müssen. Bei der Spezial-Lizenz müssen dann komplette Runden verschiedener Rennstrecken gefahren werden.

Für alle Prüfungen gilt, dass keine Fehler gemacht werden dürfen. Rammt man der Streckenbegrenzung oder verlässt man die Fahrbahn, gilt die Prüfung als gescheitert. Die Prüfungsfahrzeuge sind stets vorgegeben und man muss innerhalb eines Zeitlimits über die Ziellinie fahren. Die Zeitlimits sind in drei Stufen unterteilt: Gold, Silber und Bronze. Die Mindestanforderungen (Bronze) sind in aller Regel so moderat ausgefallen, dass jede Lizenzprüfung durchaus zu schaffen ist. Auch bei der finalen Prüfung der S-Lizenz, (Nürburgring über die volle Distanz! FEHLERFREI zu fahren!) müsst ihr nicht verzweifeln. In Anbetracht der Dauer dieser Prüfung haben die Entwickler wohl Mitleid mit uns Spielern gehabt, denn hier ist das Zeitlimit äußerst großzügig bemessen. Man könnte sich jetzt noch die Mühe machen, seine Zeiten zu verbessern, denn wenn man alle Lizenzprüfungen mit "Gold" schafft, gewinnt man zur Belohnung ein spezielles Auto. Aber das wäre eine sehr, sehr harte Nuss…

Spielkarte, Zentrale, Musikbox

Gleich in den ersten Minuten ist mir aufgefallen, dass alle Menüs sehr gut durchdacht und einfach zu bedienen sind. Als Neuling findet man sich schnell zurecht und als Veteran fühlt man sich schon deshalb sofort zuhause, weil die altbekannten Sounds wieder verwendet wurden. Es versteht sich übrigens von selbst, dass praktisch alles im Spiel durch eine Textlaufzeile am unteren Bildschirmrand erklärt wird.

Ruft ihr den GT-Modus auf, so seht ihr eine Karte vor euch, die sich über mehrere Bildschirmseiten erstreckt und auf der kleine Symbole verteilt sind, hinter denen sich die Automobilfirmen verschiedener Länder sowie die Lizenzprüfungen, Renn-Events usw. verbergen (mehr dazu weiter unten). Eines dieser Symbole führt euch zur Zentrale, dies ist eure virtuelle Heimat im GT-Modus. In der Zentrale findet ihr anklickbare Icons, über die ihr verschiedene Bereiche betreten könnt. Die wichtigsten sind:

Die Garage
Dies ist leider nur eine Tabelle mit Namen und Daten eurer Fahrzeuge. Man kann sie zwar nach zahlreichen Kriterien sortieren, aber wenn man genau wissen will, welches Fahrzeug sich hinter einem Eintrag verbirgt, muss man diesen anklicken. Dann erst sieht man das Auto als sich drehendes, wunderschön modelliertes Bild. Man kann durch Klick auf einen Autoschlüssel in dieses Fahrzeug "einsteigen". Außerdem kann man ein Datenblatt-Menü mit den Leistungsmerkmalen sowie dem Preis des Fahrzeugs aufrufen. Diesen Preis (der immer niedriger ist als der Kaufpreis) erhaltet ihr, wenn ihr den Wagen verkauft, was ihr ebenfalls über dieses Menü macht. Auch in GT4 ist also keine "echte", begehbare Garage vorhanden. Schade - aber auch wieder logisch, denn schon nach kurzer Zeit habt ihr Dutzende von Autos erworben oder gewonnen. Da bräuchte man schon ein ganzes Parkhaus, um die alle unterzubringen! Damit ihr nicht den Überblick verliert, solltet ihr die sehr nützliche Sortierfunktion der Liste verwenden. Ihr könnt auch gezielt nach Autos bestimmter Hersteller oder aus einem bestimmten Land usw. suchen.

Der Kalender
Dies ist eine Art Tagebuch. Ihr könnt hier zwar nicht selbst Einträge hineinschreiben, aber es werden automatisch alle eure Aktivitäten festgehalten: Siege, Niederlagen, Fotoreisen, Lizenzprüfungen, Gewinn und Erwerb von Fahrzeugen… Das kann ganz nützlich sein, wenn man z.B. nicht mehr weiß, bei welchem Rennen man ein bestimmtes Auto gewonnen hat. Es könnte ja sein, dass der Verkauf dieses Autos viel Geld bringt und dass man es daher nochmals gewinnen möchte. Schlagt einfach im Kalender nach: Da steht es drin.

Die Musikbox
Die Musikbox findet sich nicht in der Zentrale, gehört thematisch aber eigentlich zu den Optionen, deshalb habe ich diesen Punkt hier eingeordnet. Hier könnt ihr alle Musiktitel, die in GT4 vorkommen, in Ruhe anhören - 100 Stück stehen zur Auswahl. Ihr könnt hier selbst einstellen, welche davon in den Replays und/oder während des Rennens zu hören sein sollen. Die Auswahl ist sehr abwechslungsreich, da gibt es nicht nur aktuelle rockige Stücke und einige Elektro-Titel, sondern auch Klassiker von Yello, Judas Priest usw., sogar mehrere klassische Musikstücke sind dabei!

Autostädte (Hersteller)

Auf der Weltkarte verteilt findet ihr Icons in den Farben der Flaggen verschiedener Nationalitäten. Dahinter verbergen sich die Kfz-Hersteller der jeweiligen Länder. Dort könnt ihr Neuwagen und sog. "legendäre" Autos kaufen, Zubehör für diese Autos erwerben und einbauen und an speziellen Hersteller-Rennen teilnehmen, bei denen nur Fahrzeuge der jeweiligen Firma zugelassen sind. Bei VW gilt es u.a. den New Beetle - Cup zu gewinnen, an dem natürlich nur New Beetles teilnehmen dürfen. Zusätzlich findet ihr noch drei Gebrauchtwagenhändler auf der Karte, die Second-Hand-Autos aus verschiedenen Jahrzehnten zu günstigen Preisen anbieten - das Angebot wechselt, wenn man nach längerer Zeit wiederkommt! In GT4 gibt es einen unschlagbar umfangreichen Fuhrpark. Über 700 Fahrzeuge sollen im Spiel enthalten sein, und das weckt in mir natürlich sofort den Sammeltrieb, der erst dann befriedigt ist, wenn ich tatsächlich alle Autos erworben habe! Manche Fahrzeuge sind allerdings gar nicht verkäuflich, die kann man nur gewinnen. Das sind insbesondere die bereits erwähnten "legendären" Autos.

Die Autos sehen einfach wunderschön aus, hier ist nochmals eine Steigerung im Vergleich zum 3. Teil der Serie erkennbar. Allerdings haben nicht alle den gleichen hohen Grad an Details, einige Straßenfahrzeuge wirken etwas lieblos gezeichnet und an manchen Rundungen ist noch eine deutliche Stufenbildung erkennbar. Bei manchen offenen Fahrzeuge sind animierte Fahrer zu sehen - bei vielen Cabrios ist aber einfach das Verdeck geschlossen. Die Echtzeit-Reflektionen auf den Karosserien, die in 3D modellierten Felgen (hinter denen die Bremsscheiben glühen), die Reifenprofile, die Schatten unter den Autos… all das erzeugt besonders bei echten Rennautos einen derart hohen Grad an Realismus, dass man nur noch staunen kann. Der Löwenanteil des Fuhrparks besteht aus ganz normalen Serienfahrzeugen und vergleichsweise normalen Rennautos. Es gibt aber auch wieder recht exotische Einzelanfertigungen und Konzeptautos, die es in der Realität nie zur Serienreife gebracht haben. Erstmals sind jetzt auch historische Fahrzeuge vorhanden, z.B. die ersten Motorkutschen von Daimler, der VW-Käfer von 1948 usw., aber auch fette amerikanische Straßenkreuzer, stilvolle europäische Limousinen und so weiter. Nicht alle dürfen allerdings für Rennen verwendet werden, d.h. manche Oldtimer erwirbt bzw. gewinnt man nur, um den Sammeltrieb zu befriedigen. Kritiker bemängeln immer wieder, dass es in Spielen der GT-Serie viele Modelle europäischer Hersteller wie Ferrari oder Lamborghini nicht gibt. Hallo? Sonst noch Wünsche? Irgendwann muss auch mal Schluss sein! Immerhin ist man keineswegs auf japanische Modelle beschränkt: VW, BMW, Mercedes-Benz, Peugeot, Jaguar, Opel und viele mehr sind vorhanden. Von amerikanischen Firmen ganz zu schweigen.

Jedes Auto hat seinen typischen Sound, aber der klingt erst so richtig gut, wenn man in der Außenansicht spielt. Sehr gut gelungen finde ich auch die Fahrgeräusche, d.h. den Fahrtwind und die Reifengeräusche. Sehr schön kommen letztere beim Wechsel von Asphalt zu rauhem Beton auf dem Nürburgring zur Geltung. Natürlich hat auch jedes einzelne Fahrzeug ganz individuelle Eigenschaften. Wenn ihr erstmal eine Zeitlang mit einem Rally-Auto gefahren seid und dann etwa in einen ganz normalen Golf V umsteigt, werdet ihr sehr deutlich merken, wie realistisch das Fahrverhalten umgesetzt ist. Die Fahrzeugphysik ist wieder so genial wie in allen früheren Spielen der GT-Serie, vielleicht sogar noch besser. Bei vielen anderen Rennspielen hat man ja den Eindruck, dass die Autos gar nicht die Straße berühren, sondern ein paar Millimeter über dem Asphalt schweben. Nicht so bei GT4. Hier "spürt" man das Gewicht der Fahrzeuge förmlich, man merkt, wann der Wagen kurz davor ist, die Bodenhaftung zu verlieren und auszubrechen. Dieses Gefühl wird noch durch die Vibrationen des Gamepads verstärkt. Korrektes Kurvenfahren, richtiges Bremsen usw. sind möglicherweise noch wichtiger als in älteren GT-Spielen, Fahrfehler werden prompt bestraft - kurz: Man hat das Gefühl, ein echtes Auto zu steuern. Durch Fahrhilfen (die man deaktivieren kann) wird das etwas vereinfacht, außerdem gibt es im HUD jetzt eine Anzeige, der man entnehmen kann, welche Fliehkraft gerade auf das Auto einwirkt.

Tuning

Bei jedem Hersteller - und bei besonderen Tuning-Firmen - könnt ihr alle möglichen Zubehörteile für euren fahrbaren Untersatz erwerben und einbauen. Das fängt bei rein optischen Verschönerungen wie Felgen und Spoilern an. Man kann auch wieder einen Ölwechsel durchführen (überaltertes Öl führt zu PS-Verlust) und den Wagen waschen lassen - diesmal wird das tatsächlich von Mechanikern in 3D-Grafik erledigt. Aber das ist Schnickschnack im Vergleich zu den Modifikationen, die wirkliche Auswirkungen auf die Eigenschaften des Fahrzeugs haben. Reifen, Federung, Bremsen, Getriebe, Motor usw. - in jeder Kategorie stehen zahlreiche Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen ihr ein biederes Alltagsfahrzeug in einen aggressiven Rennwagen verwandeln könnt. Dann stehen euch vor Beginn jedes Rennens mannigfaltige Einstellmöglichkeiten offen. Am besten experimentiert ihr ein wenig auf den Teststrecken unter Leistung und Geschwindigkeit mit den neuen Einbauteilen und Einstellungen herum, denn es bringt z.B. nichts, einfach nur den Motor aufzumotzen, wenn von der höheren Leistung wegen der falschen Reifenwahl oder einer ungünstigen Getriebeeinstellung nichts auf die Straße gebracht wird. Die Einstellungen können durchaus rennentscheidend sein!

Auch beim Tuning und bei den Einstellungen gibt es noch mehr Möglichkeiten als früher. Sehr nettes Feature: Bei jedem Auto kann man jetzt eine Nitro-Einspritzung für kurzfristige Geschwindigkeits-Boosts einbauen…

Rennveranstaltungen

Ihr habt eure Lizenzprüfungen abgelegt und ein schönes Auto gekauft. Jetzt wollt ihr endlich auch ein Rennen gewinnen! Und da habt ihr schon wieder die Qual der Wahl: Die Vielzahl der Meisterschaften und sonstigen Rennen ist enorm. GT-Anfänger werden vielleicht enttäuscht von der anfänglich geringen Geschwindigkeit der Rennen sein, aber mit der Zeit wird man an immer schnelleren Rennen teilnehmen, bei denen man sich voll auf die Strecke konzentrieren muss. Während man nämlich bei den ersten kleinen Rennen noch gemütlich mit ganz normalen Straßenautos über die Strecken tuckert, werden höher dotierte Veranstaltungen mit hochgezüchteten Boliden ausgetragen - dann kann von Gemütlichkeit keine Rede mehr sein! "Geschwindigkeitsrausch" kommt der Sache dann schon näher… Man kann sich also nach und nach die Streckenverläufe einprägen und die Fahreigenschaften der verschiedenen Autos erkunden, während die Rennveranstaltungen immer schwieriger werden. Die genaue Kenntnis der Rennstrecken ist gerade bei den sehr schnellen Rennen spielentscheidend. Man muß jede einzelne Kurve im Traum kennen, um "saubere" Runden fahren zu können.

Bei vielen Rennen reicht es aus, das eigene Fahrzeug einfach mit mehr PS auszustatten als die gegnerischen Autos unter der Haube haben. Diese Strategie geht aber irgendwann nicht mehr auf, außerdem gelten für die Teilnahme an vielen Rennen bestimmte Einschränkungen. So dürfen entweder nur unmodifizierte Autos verwendet werden oder die Teilnahme ist auf Fahrzeuge bestimmter Länder / Modelle / Jahrgänge beschränkt. Rennen unter Spezialbedingungen sind nichts anderes als Rallys, bei denen nur die Reifenart vorgeschrieben ist. Hierbei sind jetzt erstmals auch Schnee- und Eis-Kurse vorhanden. Ausdauerrennen führen mindestens über eine Distanz von mehreren Dutzend Runden - es sind aber auch echte 24-Stunden-Rennen dabei, während denen ein Speichern nicht möglich ist! Dann gibt es noch Fahrmissionen, die mit vorgegebenen Fahrzeugen erfüllt werden müssen. Hier gilt es, einen oder mehrere Gegner innerhalb eines Zeitlimits zu überholen. Bei den Rallys und den Fahrmissionen - und zum Glück nur dort - muss man höllisch aufpassen, dass man nicht die Streckenbegrenzung oder den Gegner rammt. Sonst bekommt man nämlich eine Strafe aufgebrummt: 5 Sekunden lang wird die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt. Seltsam nur, dass die Gegner nie solche Strafen erhalten, egal wie fies sie euch rammen… In allen anderen Rennen ist es auch weiterhin möglich, die Gegner oder die Streckenbegrenzung als "Fahrhilfe" der besonderen Art - also als Abprallkissen - zu benutzen, denn auch in GT4 gibt es kein Schadensmodell. Wenn man den Reifenverschleiß und den Benzinverbrauch nicht als Schadensmodell bezeichnen will.

In den Rennen gibt es jetzt als dritte Kameraperspektive neben Cockpit- und Außenansicht noch eine "Kühlerhauben-Perspektive", bei der die Kamera etwas höher sitzt als in der Cockpit-Perspektive.

Die ca. 50 Rennstrecken sind teilweise aus früheren Spielen der Serie wohlbekannt, es finden sich aber auch wieder neue Kurse wie z.B. zwei Strecken in Paris oder auch der Nürburgring. Letzteren kenne ich in der realen Welt zwar nicht, aber anderswo habe ich gelesen, dass er im Spiel wirklich in allen denkbaren Details der Realität entspricht, auch in der Länge - je nach Auto kann eine einzige Runde schon mal 10 Minuten dauern! Es sind allerdings nicht alle altbekannten Strecken vorhanden; die "Special Stage R 11" fehlt z.B. ebenso wie die Rallystrecke am Pike's Peak. Dafür wurden alle alten Kurse nochmals aufpoliert und mit zusätzlichen Details versehen, außerdem bestehen die (nicht erreichbaren) Umgebungen der Strecken aus fotorealistischen Landschaftsbildern, die perfekt mit der unmittelbaren Grafik der Strecken zu verschmelzen scheinen und die vor allem in den Replays immer wieder für Aha-Erlebnisse sorgen - ebenso wie die teilweise animierten Zuschauer. Die meisten "Menschen" am Streckenrand bestehen zwar immer noch aus wie festzementiert dastehenden flachen Texturtapeten, aber gerade bei den Rallys sind auch 3D-Modelle dazwischen. Die stehen auch schon mal mitten auf der Strecke, machen ein Foto und rennen erst im letzten Moment weg. Manche Zuschauer drehen sich auch nach den vorbeibrausenden Autos um.

Boxenstopps sind jetzt animiert. Fahrt ihr an die Box, könnt ihr zunächst einmal auswählen, welche Arbeiten vorgenommen werden sollen. Dann kommt euer Team ans Auto, wechselt die Reifen, tankt das Fahrzeug auf - das sieht wirklich sehr nett aus und wird bei jedem Boxenstopp aus einer anderen Perspektive gezeigt. Selbst wenn ihr nicht an die Box fahrt, könnt ihr sehen, wie dort einige Männchen herumlaufen.

Kritisch sei angemerkt, dass man doch noch ziemlich oft unerwünschte Effekte wie flimmernde Linien, wabernde Texturen und in der Ferne hochklappende Polygone wahrnimmt. Das Kantenflimmern ist allerdings der einzige Effekt, der sich wirklich störend auswirkt. Pop-ups kommen nur bei Strecken mit sehr langen Geraden vor.

Speichern ist übrigens jederzeit möglich, auch während einer Meisterschaft. Voreingestellt ist "automatisches Speichern" - dann wird jedes Ereignis (sei es nun Sieg oder Niederlage) auf die Memorycard gebannt. Das kann man aber auch abschalten. Jede Meisterschaft kann zu einem beliebigen Zeitpunkt abgebrochen werden, ebenso jedes Einzelrennen. Man kann dann sofort einen Neuversuch starten.

B-Spec-Modus

Dieses neue Feature hat einen gesonderten Abschnitt verdient. In GT4 habt ihr nämlich erstmals die Möglichkeit, euch als Rennleiter zu betätigen, wenn ihr euch nicht selbst hinters Steuer klemmen wollt. Sprich: Das Spiel spielt sich selbst… Nein, ganz so krass ist es nicht. Euer Computerfahrer bestreitet zwar durchaus auch mal ein Rennen allein, aber gerade zu Anfang ist es besser, wenn man ihm Anweisungen erteilt. Man kann ihm befehlen, schneller oder langsamer zu fahren, einen Gegner zu überholen oder an die Box zu gehen. Diese Befehle sind solange von Nöten, wie der Computerfahrer noch keine ausreichende Erfahrung gesammelt hat (erkennbar an seinen "Fähigkeitspunkten"). Lässt man einen unerfahrenen Computerfahrer auf der Stufe "volles Rohr" über die Strecke rasen, dann wird er sehr schnell in Kurven die Kontrolle über das Auto verlieren. Der Computerfahrer steuert übrigens selbständig die Box an, wenn die Reifen stark abgenutzt sind.

Im B-Spec-Modus könnt ihr zwischen der normalen Rennansicht und einer Art Statistikbildschirm hin- und her schalten. Die Rennansicht bietet die normale Replay-Kameraperspektive sowie einen Blick nach hinten und eine Kühlerhauben-Perspektive. Schaltet ihr mit der R1-Taste zum Statistikbildschirm um, erhaltet ihr Daten zu den Rundenzeiten, zum Abstand zwischen den Autos usw., außerdem seht ihr eine schematische Darstellung der Rennstrecke mit den Positionen der Autos. Die Anzeigen sind für eine Kontrolle des Rennens absolut ausreichend. In dieser Ansicht könnt ihr einen Zeitraffer einschalten, der den Zeitablauf um das Dreifache beschleunigt. Realistisch betrachtet dürfte das die einzige Möglichkeit sein, die langen Ausdauerrennen zu bewältigen: 24 Stunden können auf 8 - 9 Stunden reduziert werden. Allerdings schaltet das Spiel bei jedem Boxenstopp automatisch wieder in die Rennansicht und die normale Spielgeschwindigkeit um. Man müßte also den Zeitraffer immer wieder manuell aktivieren. Sollte man während eines Rennens doch gern wieder selbst fahren wollen, vielleicht weil der Computerfahrer sich allzu dumm anstellt, dann kann man beim nächsten Boxenstopp wieder in den A-Spec-Modus wechseln. Das ist jederzeit möglich.

Wiederholungskino / Fotoreise

Wie es sich für ein Spiel der GT-Serie gehört, gibt es für jedes Rennen eine schöne Wiederholung, die man sich aus verschiedenen Kameraperspektiven anschauen kann, so oft man will. Diese Replays sind manchmal kaum noch von einer echten Fernsehübertragung eines realen Rennens zu unterscheiden. Die dynamischen Kamerapositionen tragen enorm dazu bei, eine realistische Atmosphäre zu erzeugen. Flammen schlagen aus dem Auspuff der Autos, Funken stieben hoch, wenn die Karosserie Bodenkontakt hat... Man kann auch während der Replays einen "schnellen Vorlauf" durch Druck auf die L3-Taste aktivieren, "zurückspulen" ist leider nicht möglich.

Man kann man die Replays speichern - und während einer gespeicherten Wiederholung kann man jetzt jederzeit hochauflösende Fotos machen, die separat gespeichert und sogar ein wenig bearbeitet werden können. Ihr könnt unter 62 Kameraperspektiven für eure Fotos wählen und es ist sogar möglich, die Bilder auf ein USB-Speichermedium zu kopieren. Diese Bilder sind für den Ausdruck auf Fotopapier geeignet, angeblich kann man den USB-Drucker direkt an die PS2 anschließen, d.h. man braucht gar keinen PC dazu. Ihr könnt die Bilder aber auch als schicke PC-Hintergrundbilder verwenden, eine Diashow daraus basteln - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn ihr gern solche Fotos machen, aber nicht jedes Mal ein Rennen fahren wollt, könnt ihr auch eine "Fotoreise" machen. Dann wird das ausgewählte Auto in einer sehr schön gerenderten 3D-Kulisse aufgestellt, in der ihr allerdings nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten habt. Kamera und Auto können nur innerhalb von vorgegebenen Bereichen bewegt werden. 15 solcher Hintergründe sind vorhanden, z.B. Manhattan bei Nacht, der Times Square, die Rialtobrücke und die Piazza San Marco in Venedig, ein japanisches Dorf…

Arcade-Modus

Für Einsteiger bietet es sich an, erst einmal mit dem Arcade-Modus anzufangen. Dort muss man sich nämlich nicht die Mühe machen, Fahrprüfungen zu absolvieren und Geld zu verdienen. Hier kann man stattdessen gleich in die Vollen gehen und auch hier stehen 200 Autos sowie alle Strecken zur Verfügung. Allerdings gibt es hier nicht die unglaublichen Tuning-Möglichkeiten des GT-Modus.

Mehrspielerduelle via LAN und Splitscreen sind nur im Arcade-Modus möglich, einen Online-Modus hat GT4 entgegen früherer Ankündigungen nicht zu bieten.

Sonst noch was?

An der Steuerung gibt es nichts auszusetzen. Selbst mit dem digitalen Steuerkreuz hält man auch die wildesten PS-Monster gut unter Kontrolle. Wenn man ein Gamepad verwendet, wird man allerdings praktisch immer Vollgas geben und Vollbremsungen machen, denn die entsprechenden Tasten sind zwar analog, aber in der Hitze des Gefechts ist es (mir zumindest) unmöglich, den Druck so genau zu dosieren, wie es nötig wäre. Da ich im realen Leben seit einigen Jahren ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe besitze, habe ich auch bei GT4 auf manuelle Schaltung verzichtet. Man kann jederzeit in den Optionen einstellen, wie man die Getriebeart gern hätte.

Die Anzahl der gegnerischen Fahrzeuge ist wieder auf 5 begrenzt, bei Rallys fährt man gegen nur einen einzigen Gegner.

Nach Crashs verschwimmt das Bild kurz in einem sehr netten Unschärfe-Effekt, aber was ich vermisse, ist das Hitzeflimmern in den Replays.

Veränderliche Wetterverhältnisse und Tag-Nacht-Wechsel gibt es auch diesmal wieder nicht.

Für jedes gewonnene Rennen erhält man so genannte A-Spec-Punkte, deren Berechnung und Sinn sich mir allerdings noch nicht erschlossen haben. Es scheint so zu sein, dass man nur wenige Punkte erhält, wenn die PS-Leistung des eigenen Fahrzeugs dem der Gegner weit überlegen ist - aber allein daran scheint sich die Berechnung nicht zu orientieren. Grob gesagt: Je mehr A-Spec-Punkte man für ein Rennen erhält (das wird bei Beginn angezeigt), desto schwerer ist es.

Fazit

Zunächst einmal muss man sagen, dass man im Fall von GT4 extrem viel Spiel fürs Geld erhält, denn der Umfang ist einfach unschlagbar. Bis man den Status "100%" erreicht hat, d.h. bis man wirklich jedes Rennen und jede Fahrmission gewonnen hat, vergehen MONATE. Denn man sollte sich nicht einbilden, dass jedes Rennen schon beim ersten Versuch gewonnen werden kann - allein die Suche nach dem richtigen Fahrzeug und nach den besten Einstellungen für dieses Fahrzeug kann schon mal eine Weile dauern. GT4 ist unglaublich suchterzeugend. "Nur noch dieses eine Rennen will ich gewinnen", denkt man zum Beispiel - nur um nach drei Stunden schweißgebadet wieder zu Bewusstsein zu kommen und festzustellen, dass man die Zeit vergessen hat!

GT4 ist für mich ganz unbestritten wieder die Rennspiel-Referenz auf der PS2, und zwar hauptsächlich wegen des extrem realistischen Fahrgefühls. Da stört es mich absolut nicht, dass kein Schadensmodell vorhanden ist - viel zu gern schubse ich die Gegner von der Strecke, lasse sie auffahren um sie auszubremsen oder nutze sie als Prellbock beim Kurvenfahen. Auch die schöne Grafik der Autos und der Strecken-Umgebungen, der fette Sound und der hervorragende Soundtrack zaubern immer wieder ein zufriedenes Grinsen auf mein Gesicht. Die Möglichkeit, beliebig viele Bilder während der Rennen zu schießen und die auch noch auf dem PC bearbeiten zu können, finde ich schlicht und ergreifend genial. Manchmal bringe ich allein mit dieser Knipserei eine Stunde zu und vernachlässige meine Rennfahrerkarriere…

Bei diesen Lobeshymnen werdet ihr euch vielleicht fragen, warum ich dem Spiel nur eine 2+ und keine 1 gegeben habe. Nun, ganz einfach: Es gibt ein paar Schwachpunkte, die zu sehr ins Gewicht fallen und den Spielspaß schmälern:

Den größten Bock haben die Entwickler mit den Zeitstrafen bei Rallys und Fahrmissionen geschossen. Sehr oft kann man einer Kollision mit dem Gegner nämlich gar nicht ausweichen - die Zeitstrafe erhält man aber nur selbst, der Gegner dagegen niemals, auch wenn nur er den Zusammenprall verursacht hat. Da diese Strafen über Sieg und Niederlage entscheiden können, ist das sehr ärgerlich. Überhaupt: Die KI der Gegner lässt auch im 4. Teil der Serie sehr zu wünschen übrig. Wie immer fahren sie stur auf der Ideallinie und drängen euch von der Strecke, wenn ihr neben ihnen her fahrt…

Wie schon bei früheren Spielen der GT-Serie finde ich die Rallys nicht gut gelungen. Man hat hier eigentlich dauernd das Gefühl, auf blankem Eis zu fahren - auch wenn der Untergrund angeblich aus Schotter oder Matsch besteht. Hier sind die Unterschiede einfach nicht deutlich genug und hier kann GT4 nicht mit einem "richtigen" Rally-Rennspiel mithalten.

Als zumindest zweifelhaft muss der Sinn der Ausdauerrennen bezeichnet werden. Wer bitteschön wird sich denn 24 Stunden lang (oder auch "nur" 12 oder 8 Stunden lang) vor den Fernseher setzen und diese Rennen fahren, die man nur über den Zeitraffer im B-Spec-Modus abkürzen kann? Es wäre schön gewesen, wenn man hätte zwischenspeichern können, etwa bei den Boxenstopps.

GT4 ist für Rennspielfans ein Pflichtkauf. Wer aber schon GT3 sein Eigen nennt und keinen gesteigerten Wert darauf legt, noch mehr Fahrzeuge und noch mehr Rennstrecken zur Verfügung zu haben, der braucht GT4 eigentlich nicht wirklich, denn abgesehen vom neuen B-Spec-Modus und der Fotografierfunktion bietet GT4 hauptsächlich mehr von allem, aber keine entscheidende Innovation für das Rennspielgenre.

Klang das jetzt zu negativ? Na, dann: Ich liebe dieses Spiel und brauche für lange Zeit erstmal kein anderes mehr…

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