Zurück zu den Spielen



System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 0
COMMAND AND CONQUER "GENERÄLE"

Dieses Spiel darf ich leider nicht bei seinem wirklichen Namen nennen, denn es wurde von der BPjM als jugendgefährdend eingestuft und indiziert und das, wie ich meine, völlig zu Recht. Zwei (real existierende) Supermächte und eine (fiktive) terroristische Vereinigung bekämpfen sich mit teils real existierenden, teils fiktiven Waffen, wobei auch die Zivilbevölkerung geschädigt wird. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Weltlage war es vom Hersteller EA äußerst ungeschickt, ein solches Szenario in ein Echtzeit-Strategiespiel einzubauen! Auch was die Gewaltdarstellung angeht, kann man das Spiel nur als zu krass und zu zynisch bezeichnen. Immerhin war EA vorsichtig genug, diesmal keine Real-Videosequenzen mit echten Schauspielern einzubauen und eine durchgehende Story gibt es eigentlich nicht. Die Indizierung geht also in Ordnung. Aber betrachten wir das Game einmal völlig losgelöst von dem äußerst bedenklichen, meiner Meinung nach sogar kriegsverherrlichenden Inhalt!

Es gibt pro Partei im Einzelspielermodus 7 verschiedene Missionen, die man sehr schnell durch hat, da sie nicht allzu schwer sind. So gesehen ist das Spiel zu kurz geraten. Man kann aber auch jederzeit freie Einsätze in verschiedenen Schwierigkeitsgraden spielen und sich hierzu mit einem mächtigen Editor eigene Welten zusammenbasteln. Es stehen aber auch zahlreiche Maps für die freien Gefachte zur Verfügung und für bestimmte vorgegebene Ziele (Gegner in 10 Minuten besiegen, 3 Siege in Folge erzielen usw.) erhält man Auszeichnungen.

Neben zahlreichen neuen Einheiten (je nach Gruppierung gibt es bei denen deutliche Unterschiede) bietet das Spiel ein ganz neues Feature: Für Erfolge auf dem Schlachtfeld wird man befördert und erhält Punkte, mit denen man spezielle "Fähigkeiten" und besondere Waffen kaufen kann, die es z.T. in mehreren Ausbaustufen gibt. Da man nie genug Punkte hat, um sich alles leisten zu können, muß man schon abwägen: Möchte man gern alle Einheiten in einem bestimmten Bereich heilen können oder hätte man lieber die Möglichkeit, alle paar Minuten einen A10-Thunderbolt-Luftschlag zu führen? Man kann Fußtruppen in Fahrzeuge und Zivilgebäude setzen, die dadurch (mehr) Feuerkraft erhalten. Als letztes ist noch das Skillsystem der Einheiten erwähnenswert: Je mehr Gegner eine Einheit besiegt, desto höher wird ihr Rang - erkennbar an kleinen Symbolen über der Einheit - und je höher ihr Rang, desto besser die Trefferquote. Im höchsten Rang haben die Einheiten sogar die Fähigkeit, sich selbst zu heilen. Ansonsten ist das Spielprinzip (ebenso wie die Steuerung) gleich geblieben: Basis aufbauen und sichern, Nachschub heranschaffen, schlagkräftige Armee entwickeln, Gegner auskundschaften und angreifen. Klingt simpel und nun ja das ist es auch. Das soll aber keine Negativkritik sein, denn gerade das hat bei den Vorgängern dieses Spiels ja auch immer Spaß gemacht. Leider kann man diesmal keine Mauern bauen und die Anzahl der Gebäudearten wurde etwas reduziert. Anders als bisher müssen nicht Tiberium oder andere Rohstoffe auf der Karte gesammelt werden. Es gibt jetzt "Nachschublager" in verschiedenen Größen, die man ausbeuten kann. Manchmal stehen auf der Karte verteilt auch Ölbohrtürme, die man erobern kann, um zusätzliche Geldmittel zu erhalten. Jedes "Volk" hat auch ein Gebäude oder eine Einheit, durch das bzw. durch die man an Geld kommen kann. Die USA haben Abwurfzonen, China kann Internethacker ausbilden und die GBA kann einen Schwarzmarkt bauen.

Die frei drehbare und eingeschränkt zoombare 3D-Grafik ist zwar kein echter Augenöffner, aber durchaus nett anzusehen. Einige Neuerungen, z.B. Wellen, die sich am Strand brechen und Bäume, die sich im Wind wiegen, sind aber wirklich schön anzuschauen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, weiter herauszoomen zu können, um in bestimmten Situationen mehr Überblick zu haben. Es gibt schöne Animationen der Einheiten/Gebäude und sehenswerte Effekte wie z.B. Panzerspuren auf dem Boden oder aufwirbelnde Staubwolken, fette Explosionen und gute Texturen. Zoomt man aber nah ans Geschehen heran, wirkt alles sehr klotzig und pixelig. Von den Zwischensequenzen, die in Spielgrafik dargestellt werden, wollen wir gar nicht erst reden. Man kann übrigens auch Replays abgeschlossener Missionen in der Art einer selbstablaufenden Demo bewundern.

Die KI, die schon immer bei Spielen dieser Reihe nicht gerade überragend ausgefallen ist, stellt sich diesmal sogar noch dümmer an. Helikopter, die Rohstoffe sammeln sollen, bleiben einfach bewegungslos stehen, wenn ein Nachschubdepot leer ist selbst wenn direkt daneben noch ein weiteres liegt oder wenn sie angegriffen werden. Die Kampfeinheiten verteidigen sich nicht, wenn sie unter Beschuß stehen. Achtet man nicht immer auf alle Einheiten oder stellt sie manuell auf "Bewachen", könnte im Extremfall ein einziger Bazookaschütze eine ganze Panzergruppe vernichten! Auch die Wegfindung läßt wieder zu wünschen übrig. Die Deppen rennen blind in gegnerisches Feuer, bleiben auch gern mal an unüberwindlichen Geländeformationen hängen oder blockieren sich gegenseitig. Nur gut, daß es den Gegnern genauso geht! Allerdings verhält sich der Gegner bei Attacken intelligenter als in den Vorgängern dieses Spiels und stellt sich teilweise auf die Strategie des Spielers ein. Den eigenen Einheiten muß man dagegen immer wieder genau sagen, was sie tun sollen, sonst ballern z.B. die Panzer wie bescheuert auf einfache Schützen ein, während sie selbst von einem Panzer unter Feuer genommen werden, den sie aber ignorieren...

Bleibt noch der Multiplayermodus zu erwähnen, der angeblich nicht gut funktioniert ich habe es nie ausprobiert, da ich kein Freund von Internetspielen bin.

Punkte vergebe ich für indizierte Spiele nicht. Hier nur ein Fazit: Der Singleplayermodus ist zu mager. Es gibt einfach zu wenige Missionen, die sich darüber hinaus sehr ähneln und bei den freien Gefechten ist der Ablauf immer der gleiche (so schnell wie möglich aufrüsten, denn der Gegner greift je nach Schwierigkeitsstufe sofort stur an). Der Schwerpunkt des Spiels liegt auf actionreichen Gefechten, der Aufbauteil ist eher Nebensache. Der Spielspaß wird leider durch manche Schwächen im Gameplay und vor allem durch die Kriegs- und Gewaltverherrlichung getrübt. Trotz aller Kritik ist aber auch bei diesem Spiel wieder der Effekt eingetreten, den alle Strategiespiele auf mich haben: Es macht süchtig!

Wer jetzt der Meinung sein sollte, daß ich ein indiziertes Spiel hier gar nicht erst erwähnen dürfte, der möge mir mal die Rechtslage erläutern, da ich mir darüber bis heute keine genaue Klarheit verschaffen konnte!

Seitenanfang