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Gothic 3 Götterdämmerung

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 4
GOTHIC 3: GÖTTERDÄMMERUNG

Dieses Spiel wird als Add-On für Gothic 3 bezeichnet, aber das ist etwas irreführend, denn Götterdämmerung ist allein lauffähig. Man benötigt das Hauptspiel nicht, um diese "Erweiterung" verwenden zu können. Da sich am grundlegenden Gameplay, an der Steuerung, der Grafik usw. kaum etwas geändert hat, gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Lest meine Review zu Gothic 3, um Details zu den genannten Punkten zu erfahren.

Story

In einem öden, aus pixeligen Einzelbildern bestehenden Intro erfahren wir, dass es einige Zeit nach dem Ende der Story von Gothic 3 schon wieder Streit zwischen dem namenlosen Helden und Xardas gibt. Die Auseinandersetzung entzündet sich an der Frage, wie die Zukunft Myrtanas aussehen soll, denn einige alte Bekannte des namenlosen Helden haben das von den Orks befreite Land unter sich aufgeteilt und es droht ein neuer Krieg. Es kommt zum Kampf zwischen Xardas und dem Helden, nach dem letzterer sich plötzlich im Dorf Silden wiederfindet. Seine Aufgabe - bzw. die des Spielers - besteht nun darin, Myrtana zu vereinen. Der Held muss sich im Verlauf des Spiels entweder Gorn oder Thorus anschließen und erhält dem entsprechend andere Aufgaben in der Hauptquest.

Die Story wird ausschließlich in Dialogen weitergeführt, soweit man überhaupt von einer Weiterführung sprechen kann. Man bekommt lediglich mit, was die Gründe für die Konflikte zwischen den einzelnen Gruppierungen sind und welche Pläne deren Anführer verfolgen. Alternative Enden gibt es aber nicht. Es ist zwar im Gegensatz zu Gothic 3 nicht völlig egal, wen man unterstützt, besonders wichtig ist es aber auch nicht. Jedenfalls verspürt man nie das "Zugehörigkeitsgefühl", das man in den ersten beiden Spielen der Reihe wegen der klar voneinander abgegrenzten Fraktionen hatte. Die Story soll, wie man hört, als "Bindeglied" zwischen Gothic 3 und dem für 2010 angekündigten vierten Teil der Reihe dienen.

Am Ende der Story - soviel sei verraten - ist die Zeit des namenlosen Helden übrigens vorbei. Er wird rechtmäßig zum neuen König Rhobar III:




Gameplay-Besonderheiten

Wie bereits gesagt: Es gibt kaum Unterschiede zu Gothic 3. Glücklicherweise muss man mit der Charakterentwicklung nicht bei Null anfangen; der namenlose Held beherrscht durchaus schon einige Fertigkeiten. Bis auf eine einzige neue Rüstung, deren Herstellung Bestandteil einer Nebenquest ist, sind mir keine neuen Objekte untergekommen. Was auffällt, ist die Freigiebigkeit des Spiels mit mächtigen Waffen, Rüstungen und dergleichen: Man findet in den sehr zahlreich überall in der Landschaft herumstehenden Truhen schon gleich zu Beginn extrem mächtige Waffen, nach denen man sich im Hauptspiel die Finger geleckt hätte. Ich sage nur: "Innos Zorn"! Diesen Zweihänder gibt es gleich mehrfach. Übrigens kann man jederzeit problemlos in bewohnte Gebäude eindringen und dort alle möglichen Schlösser direkt unter den Augen der NPCs knacken - das interessiert niemanden. So ist es überhaupt kein Problem, sich in kürzester Zeit ein riesiges Waffenarsenal zusammenzuklauen, haufenweise Gold zu scheffeln und so weiter.

Auch das Erfahrungspunkte-Konto füllt sich in Windeseile, nur kann man diese Punkte nicht so schnell wieder sinnvoll investieren, denn NPCs, bei denen man z.B. Kampftalente lernen könnte, sind dünn gesät. Immerhin kann man die Stärke und die Gesundheit des Helden sehr schnell enorm verbessern. Insgesamt wird das Spiel durch all das rasch zu leicht. Man hat sehr bald einen übermächtigen Helden gebastelt, der selbst Gruppen von Trollen ohne mit der Wimper zu zucken plättet.

Verkleinerte, leicht veränderte Spielwelt

Götterdämmerung beschränkt sich auf Myrtana. Nordmar und Varant können nicht betreten werden, man läuft hier gegen unsichtbare Grenzen und kommt nicht weiter. Immerhin hat sich in den bekannten Ortschaften einiges getan: Vengard wurde wieder aufgebaut, vor Gotha gibt es zwei Feldlager (Orks und Rebellen), und auch andernorts findet man einige Veränderungen vor. Gothic 3 - Veteranen werden sich dennoch sofort heimisch fühlen. Alle bekannten Orte sind vorhanden, aber nicht alle sind bewohnt. Reddock steht z.B. völlig leer.

Neue NPC-Typen (bis auf ein paar mehr Frauen vielleicht) und Monster gibt es bis auf einzelne Ausnahmen nicht. Eine davon sind seltsame Kreaturen ("Troglodyten"), die wohl im Zusammenhang mit dem Endgegner stehen, der ebenfalls neu ist. Auch hier also: Alt bekannte Kost, kaum neue Ideen.

Neue Quests

Es gibt zwar viel zu tun, wenig davon lohnt sich aber wirklich. Man findet ja überall mächtige Waffen, die einfach so herumliegen - warum sollte man sich also die Mühe machen, eine Nebenquest zu absolvieren, bei der eine vielleicht weniger mächtige Waffe als Belohnung winkt? Oder gar nur etwas Gold, von dem man ohnehin schon fast von Beginn an mehr als genug hat? Das Sammeln von Erfahrungspunkten ist der einzige Grund dafür, auch mal etwas abseits der Hauptquests zu erledigen. Oft macht man das ohnehin unfreiwillig, da teilweise gar nicht erkennbar ist, was denn nun für die Fortführung der Story relevant ist und was nicht.

Meist bestehen die Aufgaben zwar nur darin, Gegenstand X für Person Y zu besorgen oder Person A im Auftrag von Person B zu eliminieren, recht oft müssen auch irgendwelche Leutchen von einem Ort zum anderen eskortiert werden. Aber manchmal gibt es doch etwas Abwechslung, wobei auch der für die Spiele dieser Reihe typische ironische Humor ab und zu aufblitzt. Mal beschafft man irgendein Kraut für einen schusseligen Alchemisten, der dann gar nicht mehr weiß, was er damit anfangen wollte, mal soll man einen Verrückten zur Ordnung rufen, der Brotkrumen auf Hausdächer streut, damit deren Bewohner vom Gepicke der Vögel in den Wahnsinn getrieben werden. Dann wieder soll man die Frau eines Händlers nach Faring zum Shopping begleiten oder ein feiger Ork möchte, dass man ihn zu einer Art Kifferbude eskortiert...

Bugs

Kommen wir zum entscheidenden Punkt: Dieses Spiel ist selbst mit installiertem Patch (ich habe Version 1.07 installiert) so verseucht mit großen und kleinen Fehlern, dass man mehrere Seiten mit der Aufzählung der Bugs füllen könnte. Über flimmernde Texturen, wegclippende Polygone, mitten in der Luft hängende oder im Boden verschwindende / unsichtbare Objekte und NPCs und dergleichen sowie über die schon aus Gothic 3 bekannten Schwächen wie "Kettenangriffe" von Monstern oder Arenakampf-Abbrüche bei angeblichem Verlassen der Kampfzone regt man sich als geplagter Fan ja schon fast nicht mehr auf. Hinzu kommen Schreikrampf-verdächtige Ladezeiten (selbst bei "Quickload") und ebenso unglaubliche wie unerklärliche Performanceprobleme und diverse Abstürze, vor allem beim Ändern der Auflösung. Die Synchronsprecher wechseln ständig, selbst der Held spricht manchmal mit ganz anderer Stimme. Die Wegfindung der NPCs ist einfach nur grausig. Man muss in diesem Spiel ja ziemlich oft Leute von A nach B bringen, und das kann zu einem echten Geduldsspiel werden, denn die Deppen bleiben dauernd irgendwo hängen. Einer weigerte sich standhaft, mir über eine Brücke zu folgen, und rannte dauernd am Flussufer hin und her. Man muss sich alle paar Meter vergewissern, dass die Idioten noch da sind...

Richtig ärgerlich sind aber Schlampigkeiten wie Texte, die über die entsprechenden Anzeigefelder hinausgehen und somit nicht lesbar sind, oder die nicht übersetzt wurden. Ich hatte englische, französische, spanische und italienische Texte wild durcheinander. Dabei musste ich aber noch froh sein, denn ab und zu haben die Entwickler sich die Texte auch ganz gespart. Da kann man dann in einem Gespräch zwar eine Dialogoption wählen, weiß hinterher aber nicht, was gesagt wurde. Vertont sind diese Texte nämlich auch nicht. Außerdem wurde so mancher Text falsch übersetzt, was sich besonders schwerwiegend auswirkt, wenn es sich um einen Hinweis in einer Quest handelt, denn einen Questkompass gibt es bei den Gothic-Spielen nicht. Zum Beispiel sollte ich einen Schwarzmagier finden, der sich angeblich auf einem Hügel aufhalten sollte. Nach endloser vergeblicher Suche auf allen Hügeln in der Gegend hatte ich die Schnauze voll und schaute im Internet nach: Richtig wäre "Höhle" gewesen. Und das war nicht die einzige derartige Stelle.

Einen bestimmten Questgegenstand (für die Hauptquest!) musste ich übrigens herbeicheaten, weil er schlicht und ergreifend verschwunden war. So etwas darf nicht passieren, das ist unverzeihlich.

Fazit

Man könnte im Grunde sagen, dass Götterdämmerung dasselbe Spiel ist wie Gothic 3 - nur mit verkleinerter, leicht modifizierter Spielwelt, anderer Story und anderen Quests. Wären da nicht die unzähligen Bugs, die den Spielspaß doch ganz erheblich trüben und an der einen oder anderen Stelle sogar dafür sorgen, dass man ohne Cheats oder Hilfe aus Komplettlösungen nicht weiterkommt, dann hätte ich dem Spiel wegen der etwas sinnvolleren Quests eine bessere Note geben können als dem Hauptspiel. Zumal Götterdämmerung inzwischen auch für wenig Geld zu haben ist.

Es wäre sowieso unfair, die schlechteste Note zu geben, denn schließlich findet man in Götterdämmerung dieselbe schöne, abwechslungsreiche Spielwelt mit unterschiedlichen Wetterverhältnissen und Tag-Nacht-Wechsel vor wie in Gothic 3. Die Grafik ist OK, wenn man das Alter des Spiels berücksichtigt, und ein Rest der altbekannten Gothic-Atmosphäre ist auch noch vorhanden. Somit verdient das Spiel gerade noch die Note 4.

J. Kreis, 17.03.2009
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