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Far Cry 3

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
Egoshooter

Note: 2+
FAR CRY 3

Dieser Egoshooter mit Rollenspiel-Elementen gefällt mir so gut, dass er eigentlich eine längere Review verdient hätte. Allein, mir fehlt die Zeit! Deshalb gehe ich nicht auf alle Gameplay-Feinheiten ein.

Story

Die spannende Story ist schon mal sehr positiv zu bewerten. Da geht es nicht um den zweiten Weltkrieg oder Monsterhatz auf fremden Planeten, sondern um Touristen, die sich etwas zu sorglos in ihrem pazifischen Ferienparadies bewegen. Nach einer feucht-fröhlichen Party ist Skydiving angesagt. Jason Brody springt mit seinen Brüdern, seiner Freundin und ein paar Kumpels über Rook-Island ab, einem Eiland, über das kaum etwas bekannt ist. Prompt werden die jungen Leute nach der Landung von Menschenhändlern entführt. Jason und sein Bruder Grant können sich befreien, doch Grant wird getötet. Vaas, der Anführer der Piraten, lässt Jason laufen, um sich einen Spaß aus der Jagd zu machen. Jason entkommt und nimmt den Kampf gegen die Piraten auf, um seine Freunde zu retten.

Man ist also nicht mit einem Supersoldaten unterwegs, sondern mit einem Durchschnittstypen, der sich zwar vom verängstigten Opfer zum überlegenen Kämpfer mausert, dann aber erkennen muss, dass diese Entwicklung nicht nur positive Seiten hat. Diese Art der Konfrontation des Spielers mit seinen virtuellen Taten ist für einen Egoshooter nicht unbedingt selbstverständlich! Die Story verläuft bis zum Schluss linear. Erst ganz am Ende muss man eine schwere Entscheidung treffen, um eine von zwei Endsequenzen zu sehen. Bis dahin begegnet man einigen sehr skurrilen Figuren. Neben dem ziemlich durchgeknallten und bedrohlichen Vaas sind das zum Beispiel Citra, die sexy Anführerin der Eingeborenen, und Dr. Earnhardt, ein englischer Professor mit einer Vorliebe für ganz spezielle Pilze…

Kampf und Charakterentwicklung

Ein weiterer Pluspunkt ist die spielerische Freiheit. In Far Cry 3 könnt ihr ganz nach eurem Geschmack kämpfen. Fallt ihr gern mit der Tür ins Haus und ballert wild in der Gegend herum? Oder tötet ihr lieber lautlos aus dem Hinterhalt, nachdem ihr die Lage sorgfältig ausspioniert habt? Kein Problem, beides ist möglich! Freizeit-Rambos können auf ein umfangreiches Arsenal aus modifizierbaren Pistolen, MPs, MGs, Sturmgewehren, Raketenwerfern, Scharfschützengewehren, Handgranaten, Molotow-Cocktails, Sprengsätzen und Spezialwaffen zurückgreifen. Schleichkatzen freuen sich über die Möglichkeit, Gegner per Teleobjektiv heranzuzoomen und zu markieren, so dass man sie danach permanent sowohl auf der Minimap als auch im direkten Blickfeld beobachten kann - selbst durch Wände hindurch - um sie dann hinterrücks per "Takedown" unschädlich zu machen. Eine Anzeige weist euch darauf hin, ob jemand euch sehen kann oder ob ihr sogar entdeckt wurdet. Endgegnerkämpfe sind sehr selten. Sie finden nur im Rahmen der Story und stets in einer Art Traumwelt statt. Sie werden teilweise durch Quick-Time-Events entschieden.

Wenn ihr Gegner besiegt, Aufgaben erledigt und versteckte Items findet, gewinnt ihr Erfahrungspunkte, die zum Level-Aufstieg führen. Pro Level erhaltet ihr einen Fähigkeitspunkt, mit dem ihr eine von zahlreichen Spezialfähigkeiten erwerben könnt. Auf diese Weise steigert ihr eure HP und die Gesundheitsregeneration, lernt den besseren Umgang mit Waffen, werdet zum Apnoe-Taucher, könnt mehrere Gegner gleichzeitig per Takedown ausschalten, könnt euch geräuschärmer bewegen und so weiter. Angesichts der Vielzahl von Missionen und sonstigen Aufgaben ist es kein Problem, lange vor Ende der Story sämtliche Fähigkeiten freizuschalten. Sie werden durch eine immer größer werdende Tätowierung auf dem Unterarm der Spielfigur symbolisiert.

Spielwelt

Rook-Island, der Ort des Geschehens, ist das dritte Highlight. Die Insel sehr weitläufig und begeistert mit fein modellierten Landschaftsdetails, üppigem Dschungel sowie einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt. Der Detailreichtum ist hoch, die Fernsicht ist für PS3-Verhältnisse sehr gut und auch sonst kann die Grafik überzeugen. Besonders gut haben mir die Feuer-Effekte gefallen. Gerät das Gras in Brand, dann breiten sich die Flammen schnell über eine große Fläche aus und greifen sogar auf Bäume über, deren Kronen dann bald lichterloh brennen. Die Brände werden, wenn ich mich nicht irre, sogar vom Wind beeinflusst! Solche Brände können taktisch eingesetzt werden, aber passt bloß auf, dass ihr euch nicht selbst abfackelt!

Ihr könnt euch völlig frei zu Fuß, mit Fahrzeugen (auf dem Land, in der Luft und zu Wasser) oder per Schnellreise bewegen. Der Zugang zum südlichen Teil der Insel wird erst im Verlauf der Story freigeschaltet. Beide Inselteile werden von Piraten und Söldnern beherrscht, die entlang der Straßen und Pfade patrouillieren. Sie haben zahlreiche Basen, die ihr im Alleingang befreien könnt. Sobald alle Soldaten tot sind, geht das Lager in den Besitz der eingeborenen Rakyat über und dient euch als Schnellreisepunkt. Außerdem steht dort dann ein Shop zur Verfügung. Nach der Befreiung eines Lagers sind im Umfeld in der Regel keine menschlichen Feinde mehr unterwegs. Durch die Befreiung solcher Außenposten werden Zusatzmissionen im entsprechenden Bereich freigeschaltet, die keine Beziehung zur Story haben. Minigames wie Poker, Auto- und Bootsrennen, Schießwettbewerbe und ähnliches sind dann ebenfalls verfügbar.

Verborgene Höhlen, japanische Bunkeranlagen und sonstige Einrichtungen aus der Zeit des zweiten Weltkrieges, Unterwasserlandschaften vor der Küste und andere zum Teil nicht ganz leicht zugängliche Bereiche laden zum Erkunden ein. Leider lohnt sich das nur begrenzt, denn die Insel hat, so schön sie designt sein mag, einfach zu wenige Aha-Erlebnisse zu bieten. Man findet immer wieder Beutekisten, Artefakte, Briefe der vor Jahrzehnten gestorbenen japanischen Soldaten und andere Items. Nur - was hat man davon? Geld und/oder Erfahrungspunkte - toll. Einzigartige Gegenstände, versteckte Quests und dergleichen sucht man vergebens.

Flora und Fauna

Die vielen verschiedenen Tiere dienen nicht nur als Jagdbeute (aus dem Fell werden Gürtel für zusätzliche Waffen, Munitionstaschen usw. hergestellt): Sie machen Jagd aufeinander, auf euch und auf eure Gegner! Es kommt recht oft vor, dass ihr plötzlich von einem Tiger angegriffen werdet, während ihr auf der Pirsch nach irgendwelchen Tieren seid. Ebenso gut kann es sein, dass der Tiger nicht euch, sondern die Tiere angreift, die ihr jagen wolltet, so dass das Viehzeug panisch davonläuft. Manchmal fallen Raubtiere über die Soldaten des feindlichen Lagers her, das ihr gerade auskundschaftet. Dann könnt ihr euch zurücklehnen, während das Raubtier euch quasi die Arbeit abnimmt!

Mit der Jagd nach Wild, dem Befreien von Außenposten, dem Absolvieren von Zusatzmissionen/Minigames und dem Einsammeln von Pflanzen könnt ihr viele Stunden verbringen, ohne je mit der Story weiterzumachen! Mit den unzähligen verschiedenen Pflanzen lassen sich Spritzen herstellen, die euer Wahrnehmungsvermögen oder eure Kampfkraft steigern, die es euch ermöglichen, länger unter Wasser zu bleiben, oder die verhindern, dass ihr von Raubtieren angegriffen werdet. Zur Belohnung für absolvierte Nebenmissionen und andere Aufgaben erhaltet ihr von Zeit zu Zeit Spezialwaffen und Bauanleitungen für besonders wirksame Spritzen.

Sonstiges

Diverse Online-Features (die ich nicht nutze und hier ausklammere) sowie ein Coop-Modus sind vorhanden. Letzterer kann wahlweise offline via Splitscreen gespielt werden. In der Coop-Kampagne, die sich über 6 Missionen erstreckt, wird eine ganz eigene Geschichte erzählt. Darin geht es um vier Besatzungsmitglieder eines Schiffes, das von Piraten gekapert wird. Sie müssen auf einer Nachbarinsel von Rook Island ums Überleben kämpfen. Macht durchaus Spaß, ist jedoch wegen fehlender Stealth-Skills mehr auf stupide Ballerei ausgelegt als das Hauptspiel.

Die Übersichtskarte, auf der die Questgeber und viele andere Infos angezeigt werden, wird ähnlich wie in Assassin's Creed erst aufgedeckt, wenn ihr auf Funktürme kraxelt (das ist z.T. gar nicht so einfach) und dort angebrachte Störsender deaktiviert. Zusätzlich sind dann bestimmte Waffen gratis im Shop verfügbar. Wenn ihr Schatzkarten kauft, werden die Fundorte aller versteckten Objekte in der Übersichtskarte angezeigt.

Außerhalb der Missionen kann frei gespeichert werden. Lädt man den Spielstand, beginnt man beim nächstgelegenen Außenposten oder Funkturm. Beginnt eine Mission, speichert das System automatisch, Einstiegsort beim Neustart ist dann das Einsatzgebiet der aktuellen Mission. Während einer Mission kann nicht gespeichert werden, stattdessen sind relativ fair verteilte Checkpoints vorhanden. Die gehen beim Beenden des Spiels verloren.

Fazit

Hervorragend inszenierte Story, abwechslungsreiche Hauptmissionen, eine wunderschöne, exotische und weitläufige Sandbox-Spielwelt, in der man gerne einfach mal ein bisschen Sightseeing betreibt, fordernde Kämpfe mit alternativen Möglichkeiten, massenweise Waffen, Fähigkeiten und dergleichen - was will man mehr? Würde das freie Erkunden der Insel besser belohnt werden, dann wäre Far Cry 3 nahezu perfekt, aber auch so macht das Spiel einen Heidenspaß und hat einen so großen Umfang, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis definitiv stimmt.

Darüber, dass die auf dem Cover angepriesenen Zusatzinhalte selbstverständlich nicht einfach im Spiel enthalten sind, sondern erst online freigeschaltet werden müssen, rege ich mich schon gar nicht mehr auf...

J. Kreis, 27.03.2013





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Gastkommentar von Rudolf (01.05.2013):

Hmm, ich weiss, es ist reine Nitpickerei ;-) In Deinem Kommentar schreibst Du "... könnt euch geräuschloser bewegen ...". Geht nicht. Entweder erzeugst Du ein Geräusch oder nicht, dann bist Du geräuschlos. Machst Du weniger Lärm, bist Du geräuschärmer ;-)



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