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Fallout New Vegas

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
RPG

Kurzreview
FALLOUT: NEW VEGAS (Ultimate Edition)

Man könnte dieses Spiel als besonders umfangreiche Erweiterung des genialen Egoshooter-RPG-Crossovers Fallout 3 bezeichnen. Look and Feel, Charakterentwicklung, Inventar, Steuerung... das alles wurde mit allenfalls leichten Modifikationen von Fallout 3 übernommen. Fallout 3 wird aber nicht benötigt, New Vegas ist eine eigene Installation. Trotzdem sind die Ähnlichkeiten im Gameplay so groß, dass es sinnlos wäre, alles nochmal zu beschreiben. Lest meine Review zu Fallout 3, dann wisst ihr, wie sich New Vegas spielt.

Die Story spielt ca. vier Jahre nach dem Ende von Fallout 3. Der Dritte Weltkrieg liegt 200 Jahre zurück. Die USA wurden im Jahre 2077 durch einen Atomkrieg verwüstet, aber weite Teile des Landes sind noch bewohnbar. Viele Menschen haben in unterirdischen Schutzräumen überlebt, andere sind an der Oberfläche geblieben. Inzwischen haben sich im Ödland der Mojave-Wüste neue Strukturen entwickelt. Reste der Regierung und des Militärs haben überdauert und bilden nun die Republik Neu-Kalifornien (RNK). Die RNK kontrolliert den wichtigen Hoover-Staudamm und verteidigt diesen gegen Caesar's Legion, eine Sklavenhaltergesellschaft nach dem Vorbild des römischen Imperiums, die die von der RNK beanspruchten Gebiete erobern will. New Vegas, ein Überbleibsel des Spielerparadieses Las Vegas, wird von dem geheimnisvollen Mr. House und dessen Securitron-Robotern beherrscht. Kleinere Gruppierungen wie die Großkhane, die Stählerne Bruderschaft und die Pulverbanditen leben in unabhängigen Siedlungen. Handelskarawanen und Kuriere stellen die Verbindungen zwischen den Städten und Stützpunkten her.

Einer dieser Kuriere erhält den Auftrag, einen Platinchip nach New Vegas zu bringen. Er wird von einem gewissen Benny und dessen Schergen überfallen, ausgeraubt, niedergeschossen und verscharrt. Der Kurier überlebt, verliert aber alle Erinnerungen. Er wird von Doc Mitchell in dem kleinen Ort Goodsprings gesund gepflegt und macht sich anschließend auf den Weg, um herauszufinden, warum er ermordet werden sollte. Dabei wird er immer tiefer in den Machtkampf zwischen RNK, Caesar's Legion und Mr. House verstrickt. Der Spieler schlüpft in die Rolle dieses Kuriers und muss am Ende über das weitere Schicksal der Mojave entscheiden. Ohnehin beeinflussen viele eurer Entscheidungen den Spielverlauf, und sei es nur deshalb, weil ihr es nicht jedermann Recht machen könnt - mindestens eine der Gruppierungen wird euch irgendwann als Feind betrachten. Wie in Fallout 3 macht es auch diesmal wieder eine Menge Spaß, die Strukturen, Ziele und Hintergründe der neuen Fraktionen zu erkunden. Passend zum Szenario kann man überall NPCs finden, die gern das Kartenspiel "Karawane" spielen. Neue, bessere Karten sind hier und da versteckt, ebenso wie besondere Kronkorken und Schneekugeln, die für Nebenquests benötigt werden.

Man befindet sich nicht mehr im Umfeld von Washington D.C. an der Ostküste, sondern im Westen der USA. Das zugängliche Gebiet wird vom Lake Mead und vom Colorado-Fluss begrenzt. Der nördlichste Teil ist das ehemalige Stadtgebiet von Las Vegas. Das Land wurde von den genannten Gruppierungen - und einigen mehr - besiedelt, einsame Höfe und Hütten, Verstecke von Einsiedlern und so weiter kommen noch hinzu. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ihr überall Neues entdecken, merkwürdige Dinge erleben und große oder kleine Nebenaufgaben erhalten könnt. Das Design der Welt bietet wenig Neues im Vergleich mit Fallout 3; das Stadtgebiet von New Vegas mal ausgenommen. Hier flackern und blinken die Leuchtreklamen um die Wette, denn die Spielcasinos sind noch in Betrieb. Über die Grafik will ich mich nicht weiter auslassen. Immerhin ist das Spiel jetzt schon bald fünf Jahre alt, was will man da verlangen? Der Spielspaß wird durch den angestaubten Look sowieso nicht gemindert.

Natürlich wimmelt das Ödland nur so vor aggressiven und teils ziemlich bizarren neuen Kreaturen. Besonders nervtötend sind die Cazadore: Große Insekten mit fiesem Giftstachel. Die Viecher sind gar nicht so leicht totzukriegen! Für den Kampf stehen euch einige neue Waffen und Rüstungen zur Verfügung. Man kann Upgrades installieren und verschiedene Munitionstypen verwenden. Zusätzlich ist es jetzt möglich, aus den verschiedensten Einzelteilen Munition und andere nützliche Dinge herzustellen. Im Nahkampf lassen sich (entsprechendes Fähigkeitenlevel vorausgesetzt) bestimmte Spezialattacken ausführen. Neu sind auch Boni, die man durch das Absolvieren von Herausforderungen erhält. Anders als bei Fallout 3 wurde die Gewaltdarstellung in der deutschen Version von New Vegas nicht entschärft. So darf man sich jetzt über abgetrennte Körperteile und spraddelige Explosionen freuen. Im Hardcore-Modus wird das Überleben im Ödland noch etwas schwieriger. Munition hat Gewicht, man muss regelmäßig essen, trinken und schlafen. Begleiter können in diesem Modus endgültig sterben!

Der Umfang des Basisspiels ist an sich schon gewaltig. Die Ultimate Edition enthält aber noch viel mehr, nämlich zwei Download-Pakete mit neuen Ausrüstungsgegenständen und vier Erweiterungen. Dadurch wird gleichzeitig das Maximallevel für die Charakterentwicklung auf 50 erhöht. Die Erweiterungen führen euch in ganz neue Gegenden und vermitteln euch viele Zusatzinformationen über Geschichte und Kultur, die im Basisspiel nicht vorhanden sind. Von neuen Items ganz zu schweigen! Die vier Areale liegen außerhalb des Mojave-Ödlandes und eine Rückkehr ist bei manchen Erweiterungen erst möglich, wenn ihr die dortige Story durchgespielt habt. Außerdem könnt ihr keine Begleiter mitnehmen.

In Dead Money ist das zum Beispiel der Fall. Ihr findet einen verlassenen Bunker der Stählernen Bruderschaft. Betretet ihr ihn, werdet ihr entführt und findet euch im "Sierra Madre"-Casino wieder. Ihr tragt jetzt ein explosives Halsband. Das müsst ihr loswerden, um zum Hauptspiel zurückkehren zu können. Dummerweise gibt es im Sierra Madre jemanden, der falsches Spiel mit euch und einigen NPCs treibt, mit denen ihr zusammenarbeiten müsst. Außerdem sind weite Teile des Casinos durch giftigen Nebel verseucht, in dem sich merkwürdige menschenähnliche (und sehr gefährliche) Wesen tummeln. Aggressive Sicherheitshologramme machen euch im Inneren des Casinos das Leben schwer. Außerdem befinden sich überall Sender, die euer Halsband zur Explosion bringen, wenn ihr euch zu lange in ihrer Nähe aufhaltet. Wenn ihr das Abenteuer übersteht, winken euch gewaltige Reichtümer.

Das Gebiet von Honest Hearts ist der nordwestlich von Las Vegas gelegene Zion Nationalpark. Ihr kommt dorthin, wenn ihr euch einer Karawane anschließt, müsst zu diesem Zweck aber fast eure gesamte Ausrüstung ablegen. Sofort nach der Ankunft werdet ihr in den Krieg zweier Stämme hineingezogen. Die Leutchen sind schon seit Jahrzehnten völlig von der Außenwelt isoliert und haben deshalb einige seltsame Ansichten. Die Karawane wird angegriffen, alle außer euch sterben. Von euren Taten hängt es nun ab, ob Zion evakuiert werden muss oder ob die Stämme dort weiterleben können. Das Gebiet ist offener und sehr viel weitläufiger als das verwinkelte Sierre Madre - Casino. Ebenso wie in Dead Money begegnet ihr auch hier jemandem, der im Basisspiel immer wieder mal erwähnt wird.

Old World Blues ist ein sehr abgedrehtes Abenteuer. Ihr gelangt in einen Krater, genannt "Big MT" oder "Die große Leere". Dort experimentieren die in Robot-Körper verpflanzten Gehirne uralter Wissenschaftler mit unfreiwilligen Versuchskaninchen wie euch. So müsst ihr feststellen, dass euer Gehirn, Herz und Rückgrat durch Implantate ersetzt wurden! Ohne euer natürliches Hirn könnt ihr das Gebiet nicht verlassen, denn am Kraterrand stehen Projektoren, die euer Implantat sprengen würden. Die bösartigen Ergebnisse der Experimentierfreude der Forscher treiben sich überall in der Gegend herum. Dazu gehören auch die Technoskorpione des Dr. Mobius - diesen Gegenspieler der Forscher sollt ihr beseitigen. Ihr könnt aber ebenso gut die Seiten wechseln.

In Lonesome Road bereist ihr eine Region, die komplett von Atomwaffen zerstört wurde. Einige Blindgänger liegen noch herum. Durch die Strahlung sind besonders fiese Monster entstanden. Euer Hauptgegner ist allerdings ein anderer Kurier. Er behauptet, das Geheimnis des Platinchips zu kennen und belästigt euch während eurer Reise mit kryptischem Gefasel über Funk.

Insgesamt kann ich Fallout: New Vegas wärmstens empfehlen, erst recht in der Ultimate Edition, denn die Erweiterungen sind wirklich spannend, witzig und teils noch verrückter als das Basisspiel.

Es gibt nur ein Problem, beziehungsweise ziemlich viele, nämlich die Bugs. Besonders störend fand ich, dass die Framerate im Spielverlauf massiv in die Knie geht, so dass man nichts mehr vernünftig steuern kann. Im schlimmsten Fall sieht man nur noch Einzelbilder oder das Spiel friert komplett ein. Dann reagiert die Konsole gar nicht mehr! Dieser Bug macht einen regelmäßigen Neustart der PS3 erforderlich, manchmal schon nach wenigen Minuten Spielzeit.

Sehr unschön ist auch ein Fehler beim Laden neuer Umgebungen. Gar nicht so selten kam es vor, dass ich beim Durchschreiten einer Tür oder bei der Schnellreise zu einem anderen Ort minutenlang nur noch den Ladebildschirm zu sehen bekam. Ich habe das einmal einfach so gelassen und was anderes gemacht. Nach einer halben Stunde: Immer noch der Ladebildschirm. Also war schon wieder ein Systemneustart erforderlich!

Hinzu kamen dann noch "kleinere" Bugs wie NPC-Wegfindungsprobleme, in Wänden feststeckende NPCs, Grafik- und Soundfehler, leider auch einzelne Questbugs in Nebenmissionen. Unspielbar wird Fallout: New Vegas durch all diese Fehler nicht, aber Nerven kostet es doch! Das war auch der Grund dafür, warum ich jahrelang einen weiten Bogen um das Spiel gemacht habe. Da man es inzwischen aber für'n Appel und'n Ei bekommt, habe ich endlich zugeschlagen und es trotz der lästigen Bugs nicht bereut.

J. Kreis, 27.11.2014





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