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Fallout 3

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 2+
FALLOUT 3 Add-Ons: OPERATION ANCHORAGE & THE PITT

Diese DVD enthält Zusatzinhalte für das Spiel Fallout 3, d.h. dieses Spiel benötigt ihr, wenn ihr die Add-Ons nutzen wollt. Es handelt sich um die ersten beiden von mehreren Add-Ons, die bisher nur als Download-Inhalte verfügbar waren. Zwei weitere Add-Ons (Broken Steel und Point Lookout) sind ebenfalls bereits auf DVD erhältlich.

Alles, was ich zum Hauptspiel geschrieben habe, gilt auch für die Add-Ons, nur auf die Unterschiede gehe ich hier näher ein.

Nach der Installation erhaltet ihr zwei Questnachrichten, die euch auf neue Missionen hinweisen. Solltet ihr das Hauptspiel Fallout 3 ganz neu beginnen, dann erhaltet ihr diese Nachrichten erst, wenn ihr Vault 101 verlasst. Ihr könnt euch diesen Aufgaben jederzeit widmen. Sie haben keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Hauptspiel, abgesehen davon, dass man neben Erfahrungspunkten auch nützliche Ausrüstungsgegenstände erhält. Aktiviert ihr die Aufgaben, erhaltet ihr neue Kartenmarkierungen, die den Zugang zu den Missionen der Add-Ons ermöglichen.

Operation Anchorage

Die erste Questnachricht ist ein Notruf der "Ausgestoßenen" der Bruderschaft des Stahls. Diese haben einen unterirdischen Außenposten, den ihr erreicht, wenn ihr die Metrostation Bailey's Crossroads durchquert. Natürlich ist das nicht ganz einfach, denn der Eingang zum Außenposten wird von einigen Supermutanten belagert, die erst einmal besiegt werden müssen. Dabei seid ihr aber nicht ganz allein, denn es sind auch mehrere Ausgestoßene vor Ort. Im Außenposten erfahrt ihr, dass die Ausgestoßenen nach fortschrittlicher Militärtechnologie suchen und einen versperrten Raum entdeckt haben, der nur von jemandem erreicht werden kann, der eine Militärsimulation erfolgreich abgeschlossen hat - und dazu wird ein Pip-Boy wie der benötigt, den ihr immer dabeihabt. Also sollt ihr das übernehmen. Ihr geht damit ein gewisses Risiko ein, denn die Sicherheitsprotokolle wurden außer Kraft gesetzt, so dass ihr in der Simulation auch sterben könnt. Wenn ihr einwilligt, erhaltet ihr einen Neuralschnittstellen-Anzug, den ihr anlegen müsst.



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(Bild 1: Kringel im Neuralschnittstellen-Anzug neben dem Simulator)


Dann könnt ihr den Simulator betreten und werdet in eine virtuelle Realität versetzt, in der die Befreiung der Stadt Anchorage, Alaska, von chinesischen Invasoren im Jahre 2076 nachgestellt wird. Der Unterschied zum gewohnten Ödland springt sofort ins Auge: Operation Anchorage spielt im winterlichen Alaska, und der atomare Holocaust hat noch nicht stattgefunden. In der VR könnt ihr nicht auf eure bisher in der "Realität" gesammelte Ausrüstung zurückgreifen, aber zum Glück besitzt ihr noch alle Spezialfähigkeiten. Auch der "Mysteriöse Fremde" kommt euch zu Hilfe, sofern ihr diese Fähigkeit freigeschaltet habt. Ihr könnt zwar keine besiegten Gegner ausplündern (die verschwinden unter bläulichem Geflimmer), findet aber diverse Waffen, die aufgesammelt werden können. An bestimmten Punkten könnt ihr jederzeit eure Gesundheit und die Munition aller Waffen auffüllen - andere Möglichkeiten (z.B. Stimpacks) gibt es nicht. Die Auffüllpunkte sind immerhin sehr fair verteilt, außerdem ist ihre Kapazität unbegrenzt. Zusätzlich gibt es insgesamt 10 mehr oder weniger gut versteckte Koffer zu finden. Dazu später mehr.

Operation Anchorage ähnelt somit noch mehr einem reinen Egoshooter als das Hauptspiel. Ihr müsst euch einfach zum jeweiligen Zielpunkt durchschlagen, unterwegs Gegner bekämpfen und am Ziel etwas sprengen, einen Schalter betätigen oder ähnliches. Quests, die diese Bezeichnung verdienen, sind nicht vorhanden. Typisch für eine VR: Gegner erscheinen immer wieder mal aus dem Nichts, auch in eurem Rücken. Die neuen Gegner sind unterschiedlich ausgerüstete chinesische Soldaten. Einige von ihnen (z.B. die "Roten Dragoner") haben enorme Nehmerqualitäten, können sich unsichtbar machen oder sind mit Heckenschützengewehren bewaffnet. Eure Kampf-Fertigkeiten sollten also schon ein bestimmtes Level erreicht haben, damit ihr in der VR nicht gnadenlos auseinandergenommen werdet. Immerhin könnt ihr ab einem gewissen Punkt auf ein kleines, nach euren Wünschen zusammengestelltes Einsatzteam zurückgreifen, das euch begleitet und unterstützt. Ihr stoßt überall auf unüberschreitbare Grenzen, d.h. die begehbaren Areale sind relativ klein. Das ist aber Absicht und soll den Eindruck einer VR verstärken. Dazu gehören auch manche Reaktionen der ansprechbaren Charaktere: Die wissen gar nicht, dass sie nicht real sind...



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(Bild 2: Ein Schlachtfeld. Links hinten kann man eine Arealgrenze erkennen)


Alle gesammelten Objekte verschwinden zwar, sobald ihr die VR verlasst, aber dafür erhaltet ihr Zugang zu dem verschlossenen Raum im Stützpunkt der Ausgestoßenen. Und dort warten neben einer wintertauglichen T-51b-Powerrüstung auch diverse andere Rüstungen und Waffen auf euch, die ihr in der VR kennen gelernt habt. Dummerweise wollen manche der Ausgestoßenen euch das Zeug nicht kampflos überlassen… Ihr könnt jederzeit in den Außenposten zurückkehren, aber nicht in die VR. Solltet ihr während des ersten Durchgangs nicht alle 10 versteckten Koffer gefunden haben, dann bleibt euch eine weitere Belohnung verwehrt, die das Add-On ansonsten für euch bereithält: Eine Spezialfähigkeit, durch die einige eurer Fertigkeiten erhöht werden.

The Pitt

Die zweite Questnachricht ist ein Notruf, der euch ganz nach Nordwesten führt. Dort begegnet ihr einem Mann namens Wernher, einem aus Pittsburgh, Pennsylvania, geflohenen Sklaven. Die Stadt ist fest in Raider-Hand. Ishmael Ashur, ihr Oberhaupt, hat die Menschen versklavt und zur Arbeit in den Stahlwerken gezwungen. Außerdem hat er angeblich ein Heilmittel gegen die schrecklichen Mutationen entwickelt, unter denen die Bewohner Pittsburghs leiden. In dieser Stadt kommt zu der Radioaktivität auch noch massive Umweltverschmutzung durch die Schwerindustrie hinzu. Infolge dieser besonderen Umstände verwandeln sich viele Menschen in fleischfressende Bestien - die Troggs. Wernher gehört zu einer Rebellengruppe, die das Heilmittel in ihren Besitz bringen will. Dabei sollt ihr ihm helfen. Um euch in die Reihen der Schergen Ashurs einschleichen zu können, müsst ihr euch zuerst ein Sklaven-Outfit besorgen. Ein Lager von Sklavenhändlern ist zum Glück nicht weit entfernt. Sobald das erledigt ist, könnt ihr einen Tunnel benutzen, der euch direkt in eine ganz neue Spielwelt mit mehreren Abschnitten und eigener Karte führt. Anders als in Operation Anchorage ist das Gameplay hier mit dem Hauptspiel identisch.



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(Bild 3: Willkommen in Pittsburgh!)


Pittsburgh ist zwar deutlich kleiner als das Ödland der Hauptstadt, hat aber doch einiges zu bieten. Die Sklaven müssen in riesigen Fabrikanlagen arbeiten, bis sie tot zusammenbrechen, oder werden auf Selbstmordkommandos in Trogg-verseuchte Areale geschickt. Die Sklavenhalter beobachten alles von Plattformen und Gerüsten aus, die an den Fassaden der ruinösen Gebäude angebracht sind, und feuern auch schon mal zum Spaß einfach drauflos. Sie vergnügen sich damit, Sklaven zu verprügeln oder durch die Ruinen zu jagen und hetzen sie in tödlichen Arenakämpfen (an denen ihr natürlich teilnehmen müsst) gegeneinander. Ashur residiert in "Uptown" in einem gut erhaltenen Hochhaus, vor dem eine bizarre Skulptur aufgestellt wurde, mit der vermutlich die geistig minderbemittelteren Raiders beeindruckt werden sollen. Ihr merkt schon: In diesem Add-On kommen wieder das zynische Weltuntergangs-Szenario und der bekannte tiefschwarze Humor des Hauptspiels zur Geltung. Der Look unterscheidet sich nicht so sehr vom Hauptspiel, auch in Pittsburgh ist alles zerfallen und heruntergekommen, radioaktiv strahlende Tümpel voller Müll blubbern vor sich hin, lebende Pflanzen findet man praktisch nirgends und über allem brütet eine Smogschicht. Das Stahlwerk, in dem sich auch die Arena befindet, und der verlassene Bereich, in dem die Troggs leben, sind recht eindrucksvoll gestaltet. Auch in der Realität wird Pittsburgh ja von der Stahlindustrie geprägt - das wird im Add-On gut umgesetzt.



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(Bild 4: Das Stahlwerk)


Wenn ihr euch entschließt, nach Pittsburgh zu gehen, dann gibt es zunächst einmal kein Zurück. Ihr müsst erst alle Aufgaben in The Pitt erledigen, bevor ihr ins Ödland der Hauptstadt zurückkehren könnt. Und leider dürft ihr eure Ausrüstung nicht mitnehmen, sie wird euch von den Torwächtern abgenommen. Lagert euer Zeug also lieber zu Hause, bevor ihr den Tunnel durchquert. Ihr bekommt zwar schon im Verlauf eurer Erlebnisse in The Pitt alles zurück, aber da ihr dort so einiges an netten neuen Ausrüstungsgegenständen erhaltet, könnte es passieren, dass ihr dann überlastet seid. Neue Gegner sind die Pitt-Raider, die Troggs und "Wilde". Während die Raider ihren "Artgenossen" aus dem Ödland der Hauptstadt bis auf andere Rüstungen sehr ähneln (auch die Wilden sind menschliche Gegner), haben die Troggs ein ganz neues Design. Sie kriechen meist auf allen vieren, können aber sehr schnell sein und vor allem weit springen. Dass sie einst Menschen waren, kann man noch daran erkennen, dass sie Dinge wie Haarklammern, Medikamente oder Teddybären mit sich herumschleppen...

Anders als in Operation Anchorage müssen in The Pitt richtige Quests absolviert werden, die euch vor echte Entscheidungen stellen. Letzten Endes läuft alles auf die Frage hinaus, ob ihr Wernher oder Ashur helfen wollt. Egal wie ihr euch entscheidet: Unangenehme Folgen wird euer Handeln immer für irgendwen haben.

Fazit

Operation Anchorage ist ein nettes, aber sehr lineares "Ballerspiel für Zwischendurch" mit im wahrsten Sinne des Wortes "erfrischend" anderer Umgebungsgrafik, bei dem weder Nachdenken noch Entscheidungen gefragt sind und das man nach maximal drei Stunden durch hat. Dialoge sind Mangelware, da sich der Hauptteil in einer Kriegssimulation abspielt, die nicht von "echten" Menschen, sondern nur von virtuellen Personen bevölkert ist. Eine Simulation innerhalb einer Simulation also...

The Pitt hat zwar nur geringfügig mehr Umfang, dafür bietet diese Erweiterung eine echte und gar nicht so uninteressante Story, die stimmig mit dem Hauptspiel verknüpft ist. Außerdem ist das Gameplay mit dem Hauptspiel identisch. Zahlreiche NPCs können angesprochen werden, viele haben eine eigene kleine Hintergrundgeschichte, und da man es hauptsächlich mit Raiders zu tun hat, ist der Umgangston sehr... hm... "locker".

Insgesamt kann ich euch den Erwerb dieser DVD durchaus empfehlen, auch wegen des geringen Preises. Es macht Spaß, die neuen Umgebungen zu erkunden (in The Pitt mehr als in Operation Anchorage), und zur Belohnung gibt's einige recht ungewöhnliche Waffen.

Leider wird die Level-Grenze durch dieses Erweiterungspack noch nicht angehoben. Das erfolgt erst mit dem Add-On Broken Steel, das auf der zweiten DVD vorliegt. Somit bleibt es bei der Gesamtbewertung, die ich schon dem Hauptspiel gegeben habe.


J. Kreis, 02.09.2009

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