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fable

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Adventure/RPG

Note: 2
FABLE

Wie lange hat es gedauert, bis aus Project Ego endlich Fable wurde und bis Fable dann endlich in den Regalen stand? Vier Jahre? Ich glaube, das kommt hin. Nur ein Teil der Features, die zu Anfang versprochen wurden, haben tatsächlich den Weg ins Spiel gefunden. Von einer "Revolution des RPG-Genres", völlig neuer Charakterentwicklung, absoluter spielerischer Freiheit usw. kann keine Rede sein – und trotzdem ist Fable ein sehr gutes Konsolenspiel, das von Anfang bis Ende sehr viel Spaß macht. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht. Deshalb hier eine Warnung: Diese Review wird lang

Story

In der Fantasywelt Albion lebt ein kleiner Junge mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem beschaulichen Dorf. Doch eines Tages greifen Banditen die Siedlung an, brennen sie nieder, töten den Vater und entführen Mutter und Schwester. Der kleine Junge wird von Maze, einem legendären Helden, aufgenommen und zur Heldengilde gebracht. Dort wird er selbst zu einem Helden ausgebildet, um eines Tages Rache nehmen zu können. Der Junge ahnt noch nicht, dass hinter dem Banditenüberfall ein teuflischer Plan steckt, der zur Vernichtung von ganz Albion führen könnte…

Der Spieler übernimmt die Rolle des kleinen Jungen und führt ihn durch die zwar etwas einfallslose, immerhin aber nicht gänzlich vorhersehbare Story, die in zahlreichen Filmsequenzen (mit Ingame-Grafik) weitergeführt wird und in deren Verlauf er sich vom Kind zum alten Mann, vom Neuling zum mächtigen Helden entwickelt.

Gameplay

Fable ist in vielen Aspekten ein typisches RPG, erreicht aber niemals die spielerische Tiefe von solchen Klassikern wie Gothic II oder gar Morrowind. Allerdings eignet es sich gerade deswegen sehr gut für Einsteiger in dieses Genre, denn man wird nicht von allzu vielen Möglichkeiten der Charakterentwicklung, verwickelten Quests, unüberschaubar vielen Waffen/Rüstungen/Gegenständen usw. erschlagen. Kernelement eines jeden RPG, so auch von Fable, ist die

Charakterentwicklung
Eine freie Charakterwahl gibt es bei Fable nicht. Jeder Spieler beginnt mit der gleichen Figur, lediglich die Weiterentwicklung kann beeinflusst werden. Die Spielfigur (der namenlose Held) hat drei grundlegende Attribute, für deren Weiterentwicklung man Erfahrungspunkte sammeln kann: Stärke, Fertigkeit (Geschicklichkeit) und Willenskraft. Hinter den ersten beiden Kategorien verbergen sich die körperlichen Eigenschaften und Fähigkeiten des Helden, die man gezielt steigern kann. Stärke: Durch eine Aufwertung der Gesundheit wird der Lebensbalken verlängert, der Körperbau ist für die Kraft des Helden entscheidend, die Zähigkeit gibt an, wieviel Hiebe man einstecken kann. Fertigkeit: Hierdurch werden zum einen Schnelligkeit im Kampf, Trefferquote mit Fernkampfwaffen usw. beeinflusst, eine verbesserte Geschicklichkeit führt in höheren Stufen aber auch dazu, dass der Held u.a. die Fähigkeit des Taschendiebstahls entwickelt. Die Kategorie Willenskraft dient zur Vergrößerung des Manabalkens, außerdem gibt es insgesamt 16 verschiedene Zauberkräfte zu erlernen, die in mehreren Ausbaustufen verstärkt werden können. Ein Blitzzauber der Stufe 1 steht von Anfang an zur Verfügung und war auch das Fernkampfmittel meiner Wahl, da man in der höchsten Stufe vier Gegner gleichzeitig angreifen und damit nicht nur verletzten, sondern auch lähmen kann. Es stehen aber auch Zauber zum Verlangsamen der Zeit, zum Wegschleudern der Gegner, zum Werfen von Feuerbällen, zum Herbeirufen von Dämonen usw. zur Auswahl.

Allgemeine Erfahrungspunkte erhält man für jede erledigte Quest und für jeden besiegten Gegner. Damit lässt sich jede beliebige der oben genannten Eigenschaften verbessern. Einen Levelaufstieg im eigentlichen Sinne gibt es dabei nicht. Je nachdem, wie man einen Gegner besiegt, kann man darüber hinaus noch spezielle Erfahrungspunkte sammeln. Knüppelt man z.B. mit dem Schwert drauflos, gibt es Punkte für die Kategorie Stärke. Spickt man die Monster mit Pfeilen, heimst man Fertigkeits-Punkte ein. Röstet man die Widersacher mit Zauberkräften, so erhält man eben Punkte, die nur zur Steigerung der Willenskraft verwendet werden können. Die Punkte werden automatisch mit dem sog. "Kampfmultiplikator" vervielfältigt, wenn man es schafft, mehrere Gegner in Folge zu besiegen, ohne selbst Treffer einstecken zu müssen. Auf diese Weise entwickelt sich der Held in die Richtung, die euren spielerischen Vorlieben entspricht, man ist nicht auf eine Charakterklasse festgelegt. Um die Erfahrungspunkte einzulösen, müsst ihr übrigens immer ins Gebäude der Heldengilde zurückkehren. Bei Fable kommen zur klassischen Charakterentwicklung noch drei weitere Aspekte hinzu: moralische Ausrichtung sowie Erscheinungsbild/Attraktivität und Ruf/Bekanntheit.

Charakterausrichtung
Im Verlauf des Spiels hat man häufig die Wahl, ob man eine gute oder eine böse Tat vollbringen will. So gibt es für manche Quests verschiedene Auftraggeber, d.h. entweder man befreit einen Räuber oder man sorgt dafür, dass er sicher zum Henker geführt wird. Ersteres gilt als gute Tat, letzteres natürlich nicht. Das Tragen bestimmter Ausrüstungsteile und Waffen kann eure Ausrichtung ebenfalls leicht verändern. Aber auch viele andere Entscheidungen, die ihr im Spiel treffen könnt, beeinflussen eure moralische Ausrichtung. Dass man z.B. immer böser wird, je mehr Menschenopfer man in einem bestimmten Tempel darbringt, klingt ja noch logisch – aber dass der Verzehr eines knusprigen Hühnchens böse sein soll, während der Genuss von Tofu als gute Tat gewertet wird, leuchtet mir nicht so ganz ein… Jedenfalls erhält man für jede gute und für jede böse Tat entsprechende Punkte. Begeht man in einer Stadt einen Mord, muss man darüber hinaus eine Goldstrafe zahlen. Kann man das Gold nicht aufbringen, wird man aus der Stadt geworfen, bis die Tat verjährt ist... Irgendwann werdet ihr dann entweder ein sehr guter Held sein – dann jubeln die Leute euch überall zu, wo ihr euch blicken lasst, ihr tragt einen Heiligenschein, Licht fällt vom Himmel auf euch herab und kleine Schmetterlinge umflattern euch. Oder ihr werdet zu einem richtigen Schurken – dann laufen die Leute schreiend vor euch weg, euch wachsen Hörner, eure Augen leuchten dämonisch und eure Socken qualmen. Die Ausrichtung hat durchaus praktische Zwecke, denn bestimmte Zauber können nur von bösen bzw. nur von guten Helden verwendet werden. Auf eure Erfahrungswerte oder den Verlauf des Spiels hat die Ausrichtung keinen besonderen Einfluss – mit der Ausnahme, dass ihr evtl. eine andere Endsequenz zu sehen bekommt.

Erscheinungsbild/Attraktivität
Wie ich eingangs schon erwähnte, altert der Held mit der Zeit. Die Haare werden weiß und er bekommt Falten. Darüber hinaus könnt ihr das Aussehen des Helden aber auch aktiv beeinflussen. Die ersten Veränderungen werdet ihr aber wohl eher unfreiwillig über euch ergehen lassen, denn wird der Held im Kampf verletzt und trägt keine Rüstung, dann bleiben Narben zurück. Wer immer in voller Rüstung herumläuft, wird nie zu einer schönen Sonnenbräune kommen. Steigert ihr die Körperkraft des Helden, dann wird er immer muskulöser, nehmt ihr mehr Nahrung zu euch, als ihr zur Auffüllung des Lebensbalkens braucht, dann wird er fett. Ihr könnt aber auch eine Vielzahl von teilweise recht bescheuerten Haar- und Barttrachten sowie Tätowierungen für jedes Körperteil wählen (und zum Glück auch wieder entfernen lassen). All diese Veränderungen haben Auswirkungen auf eure Attraktivität, auch die Wahl der Kleidung muss dabei berücksichtigt werden. Hässliche Helden werden sich schwertun, eine Ehefrau zu finden (mehr zu den Herzensangelegenheiten: siehe unten), Schönlinge mit vollem Attraktivitätsfaktor müssen dagegen nur durch eine Stadt laufen und schon verlieben sich die Mädels (und auch so mancher Mann) reihenweise in ihn. Für den eigentlichen Spielverlauf ist die Attraktivität allerdings bedeutungslos.

Ruf/Bekanntheit
Ein Held, den man nicht kennt, macht irgendwas falsch. Vor allem aber werden ihm keine neuen Subquests angeboten, die er dringend zum Geldverdienen braucht. Also heißt es: Großtaten vollbringen und ordentlich mit den Erfolgen prahlen. Jede Quest kann mit einer Großtat verbunden werden, ein Zwang ist das aber nicht. Z.B. kann man wetten, dass man die Aufgaben unbewaffnet, ohne Rüstung oder ohne einen Kratzer davonzutragen erledigen wird. Selbst wenn man das nicht schafft, ist die Quest nicht gescheitert – man darf dann nur nicht erwarten, dass man viel mehr als den standardmäßig für die Quest vorgesehenen Ruhm erntet… Für jede erledigte Quest erhält man Trophäen, die man überall herumzeigen kann, was erheblich zur Steigerung des Bekanntheitsgrades beiträgt. Der höchstmögliche Ruf ist übrigens "legendär". Der Held selbst ist ziemlich mundfaul. Je nach Ausrichtung stehen ihm andere Ausdrucksmittel zur Verfügung: Er kann flirten, kichern, die Säge machen, rülpsen, furzen, drohen, sich entschuldigen usw., all das führt zu teilweise ziemlich witzigen Reaktionen der NPCs. Auch bei diesen Features muss gesagt werden, dass nichts davon für die Weiterführung des Spiels gebraucht wird, denn die Kernquests laufen so oder so ab – einen besseren Ruf braucht man nur, wenn man alle Nebenquests durchspielen will.

Ausrüstung
Der Held hat ein unbegrenztes, sehr gut nach sinnvollen Kategorien geordnetes Inventar Er kann also jederzeit alles mit sich herumschleppen. Es gibt eine ganze Menge an nützlichen Dingen zu finden und zu kaufen. Händler verkaufen euch Einzelteile von vielen verschiedenen Rüstungen und anderen kombinierbaren Klamotten (die euch zwar nicht besser schützen, aber verschönern), Nah- und Fernkampfwaffen unterschiedlichster Stärke, Heil-/Mana-/Wiederbelebungstränke, Geschenke für eure zukünftigen Ehefrauen, magische Verstärkungen, die ihr in bessere Waffen einbauen könnt, Tattoos, Haarschnitte, Nahrungsmittel und und und… Die Preise variieren von Ort zu Ort und so kann man sich sogar als Handelsvertreter betätigen. Sehr nützlich: Es wird immer angezeigt, ob ein Objekt euch überhaupt was nützt, denn die Werte aller Rüstungen und Waffen werden stets im Verhältnis zu dem angezeigt, was ihr gerade am Leib tragt. Dadurch sind ärgerliche Fehlkäufe ausgeschlossen. Habt ihr kein Gold, um Ausrüstung zu kaufen, dann könnt ihr auch danach suchen, denn es gibt überall Verstecke mit nützlichen Dingen. Außerdem hinterlassen besiegte Gegner immer wieder mal Tränke und ähnliches. Kauft euch eine Angel, dann könnt ihr an Stellen, wo das Wasser sich bewegt, einiges mehr als nur Fische fangen. Mit einem Spaten bewaffnet könnt ihr vor allem in Gräbern so manches Item finden. Habt ihr genug spezielle Silberschlüssel gefunden, könnt ihr Truhen öffnen, die besonders wertvolle Sachen enthalten.

Quests
Eure Aufgaben erhaltet ihr in der Heldengilde, und zwar in der Form von sogenannten Questkarten, die ihr annehmen oder liegenlassen könnt. Subquests könnt ihr sowieso ignorieren, aber sie bringen viel Gold, Bekanntheit und so manchen nützlichen Gegenstand. Ein Scheitern dieser Nebenquests ist nicht schlimm: Selbst wenn man nicht nochmal von vorn anfängt, geht die Story dennoch weiter. Nur die Hauptquests müssen angenommen und erfolgreich abgeschlossen werden, damit die Geschichte fortgesetzt wird. Die Quests sind relativ abwechslungsreich, es gibt aber insgesamt nur wenige und sie verlaufen letztlich doch sehr linear in altbekannten Bahnen, so dass man wie an der Leine durch die Story geführt wird. Wie schon gesagt: Das ist sehr schön für RPG-Anfänger, wer aber schon komplexere RPGs gespielt hat, wird evtl. enttäuscht sein.

Sonstiges
Um den Rahmen dieser Review nicht völlig zu sprengen, sei hier nur stichwortartig einiges (aber bei weitem nicht alles!) von dem erwähnt, was ihr abseits der Quests machen könnt. All diese Dinge verstärken den Eindruck, dass ihr wirklich in dieser Fantasywelt lebt, sie machen Albion lebendiger und glaubhafter. Ihr könnt das alles zwar ebensogut ignorieren und euch auf die Kernquests konzentrieren, aber dann hättet ihr Fable sehr schnell durchgezockt und hättet euch selbst um 90% des Vergnügens gebracht, den diese nebensächlichen Features euch bereiten können. Hier also ein paar Kleinigkeiten:
Dämonentore: Diese geheimnisvollen Portale öffnen sich nur, wenn ihr die rätselhaften Aufgaben erfüllt, die sie euch stellen. Dahinter verbergen sich zumeist die sogenannten legendären Waffen, und die sind mächtiger als alles, was man kaufen kann. Heiraten: Zieht euch was schickes an, flirtet mit einem Mädel, überreicht ihr Geschenke. Schon wird ein Herzchen über ihrem Kopf erscheinen und sie wird euch um einen Ehering bitten. Habt ihr sie geheiratet und sorgt ihr dafür, dass eure Liebste auch glücklich bleibt, dann wird sie euch ab und zu was feines schenken – von der fetten Aussteuer mal ganz abgesehen. Und die ehelichen Pflichten kommen natürlich auch nicht zu kurz. Polygamie ist in Albion ebensowenig ein Problem wie Homosexualität! Seid nett zu euren Frauen, denn wenn sie sich scheiden lassen, geht eure Charakterausrichtung in den Keller… Immobilien: Kauft euch ein Häuschen, verschönert die Einrichtung und hängt eure Trophäen darin auf. Oder vermietet die Bude und streicht in regelmäßigen Abständen Miete in Form von Gold ein – ihr könnt in fast jeder Stadt Albions ein Haus oder sogar einen Laden kaufen. Sollte die Hütte noch bewohnt sein, könnt ihr ja dafür sorgen, dass der Besitzer einem bedauerlichen Unfall zum Opfer fällt, denn dann steht das Haus zum Verkauf… Kneipenspiele/Barden: Trinkt doch mal in Ruhe ein Bierchen in der Kneipe (aber nicht zuviel, sonst muss der Held tatsächlich kotzen), spielt Black Jack, Münzen-Tischgolf oder Karten-Memory und gebt dem Barden Gold, damit er von euren Heldentaten singt. Fight Club: Verschafft euch einen guten Ruf als Kämpfer und tretet zum Faustkampf in verschiedenen Städten an.

Steuerung

RPGs sind eigentlich prädestiniert für die Maus-/Tastatursteuerung, aber auch mit dem X-Box-Controller hat man alles gut im Griff. Man kann Gegenstände wie Heiltränke usw. sowohl über das Inventar auswählen als auch über Shortcuts, die man frei belegen kann. Das gleiche gilt für die unter Ruf/Bekanntheit genannten Ausdrucksmittel und sämtliche Zaubersprüche. Die Belegung der Analogsticks führt aber zu einem Problem. Mit dem linken steuert man normalerweise den Helden, mit dem rechten lässt man die Kamera um ihn herumkreisen. Soweit kein Problem, aber wenn man in der Hitze eines Gefechts auf den linken Stick drückt, fängt der Held an zu schleichen bzw. die Ansicht springt in die Egoperspektive (wenn die Fernkampfwaffe aktiv ist – so kann man sonst besser zielen). Bis man das wieder deaktiviert hat, hat man schon einige Hiebe eingesteckt. Drückt man versehentlich auf den rechten Stick, wird eine Minimap eingeblendet, so dass man nichts mehr sieht – auch dann steckt man i.d.R. Treffer ein. Das kann sich als fatal erweisen!

Das Echtzeit-Kampfsystem ist ansonsten gut gelungen. Mit etwas Übung kann man selbst größere Gegnergruppen leicht austanzen und gut Schläge austeilen, ohne selbst getroffen zu werden – zwischendurch den einen oder anderen Blitz geschleudert, eine nicht blockbare Spezialattacke aktiviert, ab und zu feindliche Schläge abgewehrt, und schon klettert der Kampfmultiplikator in schwindelnde Höhen. Aber auch Fernkämpfer können sich freuen: Die Kombination aus Bogen oder Armbrust und einem Abstoßungs- oder Zeitverlangsamungszauber ist insbesondere bei Auseinandersetzungen mit langsamen Untoten unschlagbar. Ich habe aber des Öfteren ein ziemlich störendes Ruckeln festgestellt, wodurch die Steuerung doch nicht unerheblich gestört wird. Zum Glück sind die meisten Gegner leicht zu besiegen, nur die in Massen auftretenden Hobbes können wirklich nerven. Es gibt sogar den einen oder anderen Zwischengegner, der nur mit einer bestimmten Strategie besiegt werden kann. Übrigens: Gegner respawnen immer wieder, wenn man eine bereits gesäuberte Region nochmals betritt.

Wie bereits erwähnt sind alle Objekte in sinnvoll sortierten Inventorys untergebracht. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Menüs, in denen Tagebucheintragungen, Informationen zu Quests und zum Gameplay sowie gute Übersichtskarten zu jeder Region Albions abgelegt sind. Hinzu kommen umfangreiche Statistiken, in denen praktisch alles aufgelistet wird, was man so getrieben hat. Es wird sogar vermerkt, wie oft der Held Sex hatte oder wie oft er sich nach exzessivem Alkoholgenuss übergeben mußte… Einfach köstlich.

Grafik/Leveldesign

Albion ist eine lebendige Fantasywelt, in der die NPCs nicht steif in der Gegend herumstehen, sondern ihrer Arbeit nachgehen, abends in der Kneipe einen heben und sich dann in ihre Häuser zurückziehen. Der Weg des Helden führt durch viele verschiedene abwechslungsreiche Landschaften, in denen außer Menschen, Monstern und Untoten lediglich Schmetterlinge zu leben scheinen – andere Tiere findet man nirgends. Die Umgebungsgrafik ist sehr detailreich und farbenprächtig. Es gibt einen Tag-/Nachtwechsel und verschiedene Witterungsverhältnisse, eine schöne Darstellung von bewegten Wasserflächen, schwankendem Gras usw. sowie ein wahres Feuerwerk an Feuer- und Magie-Effekten. Allein schon die wechselnden Lichtströme, die über magieverstärkte Klingen huschen, sind sehenswert. Die vielen verschiedenen nichtmenschlichen Gegner haben ein phantasievolles, charakteristisches Design, während die Menschen ein wenig cartoonartig aussehen mit ihren übergroßen Händen und Füßen. Sie bewegen sich aber sehr natürlich mit vielen flüssigen Animationen. Insgesamt ist Fable eine wahre Augenweide, die Optik lässt keine Wünsche offen.

Leider liegt nicht permanent die gesamte Spielwelt offen vor euch wie z.B. bei Gothic II, sie ist stattdessen in viele kleine Abschnitte unterteilt, die ihr nacheinander betretet oder per Teleportation über Portale erreicht. Ihr könnt zwar jederzeit wieder überallhin zurückkehren, aber die damit verbundenen, teilweise fast unerträglich langen Ladezeiten zerstören jeglichen Eindruck von einer zusammenhängenden Welt. Wenigstens können alle Gebäude ohne Nachladen betreten werden. Nicht jeden Ort, den ihr sehen könnt, könnt ihr auch erreichen. Ihr könnt euch nur auf vergleichsweise kleinen Arealen und Pfaden frei bewegen. Wollt ihr mal vom Weg abweichen, werdet ihr sehr bald ernüchtert feststellen, dass euer Held entweder vor einem Zaun, einem Felsen oder einfach in der leeren Luft stehenbleibt. Eine freie Erkundung der Welt könnt ihr euch also abschminken. Ihr spielt in der 3rd-Person-Perspektive, könnt bei gezückter Fernkampfwaffe zwecks besserer Zielgenauigkeit aber auch in die Egoperspektive umschalten und sogar in einer Stufe zoomen. Die dynamische Kamera muss des öfteren nachjustiert werden, sie ist aber lediglich drehbar, nicht kippbar. Ihr könnt aber euren Helden in vier Stufen näher heranzoomen.

Speichern ist jederzeit möglich, es sei denn, daß ihr euch gerade in einer Quest befindet. Hier kommt dann die automatische Speicherfunktion zum Tragen, die sich an bestimmten Stellen von selbst aktiviert.

Sound

Für alle Dialoge gibt es eine recht gut gelungene, deutsche Sprachausgabe, wobei der Held wie gesagt fast nie spricht. Auch die NPCs haben kein großes Repertoire an Sprachsamples drauf. Der orchestrale Soundtrack verändert sich entsprechend der jeweiligen Umgebung und Situation, er passt hervorragend zur Atmosphäre des Spiels.

Fazit

Abgesehen davon, dass Fable wegen der wenigen Quests viel zu kurz ist, von echter Bewegungsfreiheit nicht die Rede sein kann und viele lange Ladezeiten an den Nerven zerren, habe ich kaum etwas zu bemängeln. Okay: Es wäre schön gewesen, wenn all die vielen Dinge, die man in Albion tun (oder auch lassen) kann, besser in die Story eingebunden oder wenigstens zum Bestandteil von Nebenquests gemacht worden wären. Aber wenn ihr euch darauf einlasst und einfach mal eure Aufgaben ruhen lasst, um ein bisschen mit euren Möglichkeiten herumzuspielen, dann werdet ihr viel Spaß in der wunderschönen Welt Albion haben. Noch ein Tipp: Brecht die Credits am Ende des Spiels keinesfalls ab. Nur dann könnt ihr euren Charakter speichern und endlos lange weiterspielen. Dann könnt ihr euch z.B. so richtig austoben und aus eurem guten Helden einen richtigen Dämon machen…

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