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Duke Nukem Forever

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Egoshooter

Note: 3
DUKE NUKEM FOREVER

Was lange währt, wird endlich gut!

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das im Zusammenhang mit Duke Nukem Forever mal schreiben würde. Denn seit der Ankündigung dieses Spiels hat es über 14 Jahre gedauert, bis es im Sommer 2011 endlich zu haben war! Mehrmals wurde ihm der "Vaporware Award" verliehen, ein Preis für Produkte, die ewig angekündigt, aber nie veröffentlicht werden. 2003 hat DNF sogar den "Vaporware Lifetime Achievement Award" erhalten! Eine so lange Entwicklungszeit führt nicht zwangsläufig zu einem perfekten Produkt - oft genug, so auch hier, ist das Gegenteil der Fall. Dennoch: Das Warten hat sich gelohnt.

Eins vorab: Es sind Online-Mehrspieler-Features vorhanden, aber die nutze und bewerte ich nicht.

Story

Vor einigen Jahren haben Außerirdische versucht, die Erde zu erobern. Duke Nukem hat sie damals vertrieben, aber jetzt sind sie zurückgekehrt. Erneut entführen sie Menschen - vor allem schöne junge Frauen - um sie für grausige Zwecke zu missbrauchen. Duke, der sich in all den Jahren ein Imperium aus Stripclubs und ähnlichen Etablissements aufgebaut hat und in Las Vegas residiert, wird schnöde aus seinen Vergnügungen gerissen. Er ist ziemlich sauer, als er erfährt, dass der Präsident mit den Aliens Frieden schließen will, und dass sie es gewagt haben, eines seiner Duke-Burger-Restaurants aufzusuchen. Zum Friedensschluss kommt es natürlich nicht, denn wieder einmal machen die Aliens den Fehler, Duke anzugreifen. Er vernichtet ihr Mutterschiff und bricht auf, um ihnen ordentlich in den Hintern zu treten!

Das Spiel beginnt schon gleich mit einem kleinen Gag: Duke betritt ein Footballstadion, wo er sich sogleich einem Riesenmonster gegenübersieht, das er bekämpfen muss. Sobald das Vieh tot ist, stellt sich heraus, dass man quasi ein "Spiel im Spiel" gezockt hat - tatsächlich ist Duke zu Hause in seinem Penthouse und hat das Footballstadion-Level gerade selbst gespielt. Jetzt erst geht DNF damit los, dass man sich auf den Weg zu einer Talkshow macht, in der Duke der Stargast sein soll.

Die Besonderheit bei diesem Spiel ist zweifellos Duke selbst. Der blonde Bodybuilder ist ein sexistischer und politisch höchst unkorrekter Macho, ein Zyniker, der immer einen trockenen Oneliner auf den Lippen hat. Dass diese vom Bruce-Willis-Synchronsprecher eingedeutscht wurden, trägt zum coolen Gesamteindruck bei. Eindeutig-zweideutige Bemerkungen, Anspielungen auf andere Games und Filme, zotiger und derber Humor, leicht bekleidete Babes und dergleichen prägen das Spiel von A bis Z. Man kann das alles natürlich als geschmacklos bezeichnen - aber Duke ist eben der Duke! Außerdem ist Selbstironie durchaus zu erkennen, das Ganze ist wirklich nicht ernst gemeint. Die deutsche Version ist - man höre und staune - komplett uncut.

Übrigens: Am Ende des Spiels gilt Duke als im Kampf gefallen. Er selbst hält das für ein Scheiß-Ende und sagt, er werde wiederkommen. Tatsächlich kommt er wieder - schaut euch die Credits bis zum Schluss an, dann wisst ihr, wie seine Zukunftspläne aussehen.

Gameplay

DNF ist ein Egoshooter von altem Schrot und Korn. Mit anderen Worten: Das Spiel wirkt etwas antiquiert, ist aber genau richtig für alte Säcke wie mich, die ihren Spaß mit dem Vorgänger Duke Nukem 3D hatten. Wenn ihr den kennt, dann wisst ihr ziemlich genau, was euch erwartet: Lineare Levels, die auf der Suche nach dem Ausgang zum nächsten Level durchlaufen werden müssen, und in denen sich allerlei Alien-Gesindel herumtreibt. Die "beliebten" Pig-Cops in verschiedenen Variationen machen hierbei den Löwenanteil aus, diverses exotischeres Viehzeug wie fliegende Tentakelwesen mit riesigen Hirnen, kleine Facehugger und echsenähnliche Kreaturen sieht man auch öfter. Hinzu kommen gescriptete Ereignisse, die für Abwechslung sorgen sollen. Da brechen dann Mauern um Duke herum zusammen, plötzlich steigt das Wasser an, bis ein ganzer Bereich geflutet ist, Menschen werden von Aliens angegriffen und so weiter. Ab und zu steht man vor kleineren Rätseln. Dann müssen Rohre in einer bestimmten Reihenfolge gedreht werden, damit Dampf in die richtige Richtung geleitet wird, Schalter müssen gedrückt werden und so weiter. Manchmal ist der einzig gangbare Weg durch die Levels nicht ganz offensichtlich, da muss man dann ein bisschen überlegen. Auch gibt es so manchen geheimen Raum und andere Geheimnisse zu entdecken. Und alle paar Levels steht dann ein besonders schwieriger Bosskampf an. Bei den meisten reicht reines Draufhalten und Ausweichen, nur manchmal muss man erst die Schwachstelle finden.

Altbekannte Kost also - aber schon allein durch das Setting, die unkonventionellen Umgebungen und die für Duke üblichen Verrücktheiten hebt sich das Spiel angenehm von der aktuellen Egoshooter-Kost ab. Kampfeinsätze an den Schauplätzen des Zweiten Weltkriegs oder im Nahen Osten wurden in den letzten Jahren ja mehr als genug geboten - da ist es doch mal was ganz anderes, mit einem zu Actionfigur-Größe geschrumpften Duke in einem Spielzeugauto durch ein riesiges Spielcasino zu flitzen. Oder den Weg durch eine überflutete Küche zu finden, deren Boden nicht betreten werden kann, weil das Wasser unter Strom steht. Gegen Ende des Spiels gibt es mehrere Levels incl. Endgegnerkampf, die komplett unter Wasser stehen. Da muss man dann auch noch auf Dukes Sauerstoffvorrat achten! Die Schrumpfung kommt mehrmals zum Einsatz, und zwar wird nicht nur Duke verkleinert, er kann dasselbe mittels Schrumpfstrahler auch mit seinen Feinden machen. Die lassen sich dann munitionssparend zertretenů In mehreren Levels ist Duke mit einem Monster-Truck unterwegs, mit dem man Gegner überfahren kann. Manchmal können stationäre Geschütze für den Kampf benutzt werden. Minispiele wie Flipper, Pool-Billard, Basketball und Tisch-Eishockey lockern das Geschehen weiter auf. Allein mit diesen Spielgeräten könnte man schon Stunden verbringen!

Wie es sich für einen abgedrehten Egoshooter dieser Art gehört, kann Duke auf ein umfangreiches Waffenarsenal zurückgreifen. Neben konventionellen Bleispritzen wie Pistolen, Schrotflinten, Maschinengewehren und Raketenwerfern sind das so futuristische Wummen wie die Schrumpf- und Gefrierstrahler, der Devastator (eine Art Multi-Raketenwerfer), Laserwaffen und ähnliches. Leider kann Duke immer nur zwei verschiedene Waffen gleichzeitig tragen, zusätzlich je vier Rohrbomben und Haftminen. Möchte man Duke mit einer anderen Waffe ausrüsten, dann kann man diese nur gegen eine der beiden Knarren austauschen, die Duke schon dabeihat. Munition wird selten knapp, denn besiegte Gegner lassen Waffen fallen, außerdem sind in vielen Levels Munitionskisten verteilt, die unerschöpfliche Vorräte bereithalten. Auch im Nahkampf ist Duke sehr schlagkräftig, außerdem kann er seine Feinde mit Fässern und Kisten bewerfen.

Duke trägt vier Spezialobjekte bei sich. Mit Bier und Steroiden werden Widerstandsfähigkeit und Schlagkraft in Nahkämpfen verbessert. Das Nachtsichtgerät ist in den vielen dunklen Levels nützlich. Mit dem Holoduke wird ein Abbild Dukes erstellt, welches das gegnerische Feuer auf sich zieht.

Sonstiges / Steuerung

Eine Gesundheitsanzeige im eigentlichen Sinne gibt es ebenso wenig wie Medipacks. Stattdessen wird Dukes "Ego" angezeigt, das wie ein Schutzschirm wirkt. Ist der Ego-Balken aufgebraucht, kann Duke nur noch ganz wenige Treffer einstecken. Es regeneriert sich nach kurzer Zeit von selbst, wenn Duke in Deckung geht. Der Ego-Balken wird durch besiegte Endgegner und das Benutzen spezieller Gegenstände in kleinen Schritten gesteigert. Das sind einerseits die oben erwähnten Minispiele, z.B. muss man beim Pinball den Highscore knacken. Auch andere Objekte (Pornoheftchen, Papierflieger, Frisbee-Scheiben und diverses anderes Zeug) erfüllen diesen Zweck - aber immer nur bei der erstmaligen Interaktion.

Die Steuerung mit den Sticks des PS3-Gamepads ist viel zu langsam und unpräzise - DNF hat mir wieder einmal gezeigt, dass man Egoshooter besser in der PC-Version spielen sollte! Dass sich die Gegner nicht wirklich intelligent verhalten (die meisten rennen blind auf Duke zu), ist da keine große Hilfe. Außerdem ist es leider nicht möglich, manuell zu speichern. Wenigstens sind die Checkpoints, an denen automatisch gespeichert wird, recht fair verteilt. Außerdem kann man jedes einzelne Level erneut starten und dabei einen anderen Schwierigkeitsgrad wählen. Allerdings geht dann der aktuelle Checkpoint verloren. Die Ladezeiten sind leider recht lang. Die Wartezeit kann man bequem nutzen, um ein Bierchen aus dem Kühlschrank zu holen.

Die Spieldauer möchte ich besonders hervorheben. Die ist nämlich für einen Egoshooter, vor allem im Vergleich mit Titeln wie z.B. Medal of Honor geradezu episch! MoH hatte ich in ca. vier Stunden durch, mit dem Duke habe ich mich mindestens doppelt so lange beschäftigen können. Je nachdem, in welchem Schwierigkeitsgrad man das Spiel beendet, werden zahlreiche Extras freigeschaltet: Bilder, Videoclips, Soundfiles und Cheats.

Grafik

Hierzu möchte ich gar nicht viele Worte verlieren. Die Grafik ist absolut nicht mehr zeitgemäß, vor allem die Figurenmodelle wirken klotzig und kantig, die Texturen sind schwammig und detailarm - jedenfalls im Vergleich mit aktuellen Games, die sich allmählich dem Fotorealismus nähern. Wirklich schlecht sieht das Spiel aber auch nicht aus, Explosionen sowie Licht- und Schatteneffekte können sich durchaus sehen lassen.

Fazit

Letzten Endes entscheidet die Grafik sowieso nicht über den Spielspaß. Und der ist bei DNF durchaus vorhanden - sofern man kein grundsätzliches Problem mit übertriebener Gewaltdarstellung und Fäkalhumor hat. Das Spiel bietet relativ viel Abwechslung im Gameplay und im Leveldesign - man kann viel mehr machen als nur laufen und ballern.

Wer einfach mal Lust auf sinnlosen, irrealen Krawall fernab der ansonsten üblichen Kriegsszenarien hat, der wird mit Duke Nukem Forever bestens bedient. Alle Gamer, die Duke Nukem 3D geliebt haben, profitieren vom nicht zu unterschätzenden Nostalgie-Bonus.

J. Kreis, 26.09.2011





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