Zurück zu den Spielen

DTM Race Driver 3

System:
Microsoft
X-Box

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 3+
DTM RACE DRIVER 3

Wie für die beiden Vorgänger (Reviews: hier und hier) gilt auch diesmal wieder: Der Titel des Spiels, das eigentlich zur TOCA-Serie gehört, ist etwas irreführend. Denn die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft ist zwar enthalten, aber sie macht nur einen kleinen Teil des ganzen Spiels aus. Im Kern-Modus des Spiels, der "Weltkarriere" nimmt man an vielen anderen Rennen teil.

Weltkarriere

Eine Story im eigentlichen Sinne gibt es diesmal nicht. Zwischen den einzelnen Rennen gibt es zwar immer wieder mal Videos, in denen der Rennleiter Rick eure Erfolge (oder Niederlagen) kommentiert oder neue Autos vorstellt, aber ein Handlungsrahmen entsteht dadurch nicht. Dennoch will ich die Videos lobend erwähnen, denn sie sehen sehr schick aus. Rick ist gut getroffen, er wirkt auf mich wie der typische alte Schrauber, der für Autos zärtlichere Gefühle hegt als für seine Frau. Wenn Rick euch ein neues Auto vorführt, dann sieht man dieses Fahrzeug in voller Pracht – diese Art der Präsentation gefällt mir sehr, nur leider sind die Videos insgesamt zu kurz. Man kann sich diese Videos aber jederzeit erneut ansehen. Rick steht euch auch während der Rennen mit Boxenfunk zur Seite. Er meldet sich, wenn ihr an die Box müsst, feuert euch an oder ermahnt euch, wenn ihr euch zu viele Fehler leistet.

Die Weltkarriere besteht aus insgesamt 32 Rängen, die zu absolvieren sind. In den meisten Rängen stehen zwei bis drei unterschiedliche Meisterschaften zur Auswahl, die letzten beiden Ränge bestehen aus je einer Meisterschaft. In jeder Meisterschaft wird eine unterschiedliche Anzahl einzelner Rennen gefahren, die auf verschiedenen Strecken ausgetragen werden und bei denen die Fahrzeuge vorgegeben sind. Man muss nicht jede einzelne Meisterschaft in einem Rang gewinnen, um die nächste Stufe freizuschalten. Es genügt, wenn man eine einzige absolviert, und dabei ist es in aller Regel schon ausreichend, wenn man es nur bis aufs Podest schafft. Man kann jede Meisterschaft zu jeder beliebigen Zeit noch einmal fahren. Erfüllt man die Anforderungen, dann werden diese Meisterschaften für die anderen Modi freigeschaltet.

Die Vielzahl der zu absolvierenden Meisterschaften und der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge ist schon enorm. Man ist nicht nur mit Tourenwagen unterwegs, sondern auch mit historischen Fahrzeugen (die legendären Silberpfeile sind auch dabei), mit Buggys, Trucks, Formel-1-Boliden oder Rally-Autos. Dem entsprechend gibt es auch nicht nur die allseits bekannten Rennstrecken (Silverstone, Hockenheim, Donington, Laguna Seca und wie sie alle heißen), sondern auch Dirt-Tracks und Rally-Strecken in unterschiedlichen Landschaften.

Bei manchen Rennen sind Boxenstopps obligatorisch. Die sind nicht animiert – aber wer braucht das schon? In der Box werden Reifen gewechselt, Schäden repariert und das Auto aufgetankt. Schäden repariert? Genau. Es ist wieder ein Schadensmodell enthalten, das sich auch deutlich aufs Fahrverhalten auswirkt. Bei Formel-Fahrzeugen kommt es zum Beispiel schon bei leichten Zusammenstößen vor, dass man ein ganzes Rad verliert. Da würde allerdings auch kein Boxenstopp helfen, in einem solchen Fall ist das Rennen für euch gelaufen. So spektakulär ein richtig schöner Crash wegen dieses Schadensmodells auch aussieht – man vermiedet solche Situationen doch besser… Glücklicherweise kann man jedes Rennen jederzeit abbrechen und neu starten.

Man kann selbst entscheiden, ob man vor dem Rennen an einer Qualifikation teilnehmen will (mein Tipp: Unbedingt machen!). Außerdem kann man viele Einstellungen des Fahrzeugs verändern. Nach dem Rennen werden die üblichen Punktelisten angezeigt und man kann das Replay speichern.

Die Fahrzeugphysik scheint mir recht gut gelungen zu sein, wenn das Verhalten der Autos auch bei weitem nicht so realistisch ist, wie man es von einer echten Simulation erwarten würde. Ich habe immer noch den Eindruck, dass alle Fahrzeuge sich um die Hochachse drehen, egal wie sehr ich die Einstellungen verändere. Man kann in den Optionen einstellen, wie realistisch das Fahrverhalten sein soll. In der Standardeinstellung gleicht RD3 eher einem Fun-Racer. Immerhin: Reifenverschleiß, Windschattenfahren und Treibstoffverbrauch sind vorhanden, außerdem verhält sich jedes Fahrzeug anders.

Die automatische Speicherfunktion sichert jegliches Ergebnis (also sowohl nach der Qualifikation als auch nach jedem Rennen). Wenn ihr so schlecht gefahren seid, dass ihr das vorgegebene Ziel der Meisterschaft nicht mehr erreichen könnt, dann müsst ihr nicht ganz von vorn anfangen. Ihr dürft euch dann aussuchen, an welcher Stelle ihr erneut in die Meisterschaft einsteigen wollt – ein sehr nützliches Feature!

Während der Rennen solltet ihr unfaires Verhalten vermeiden. Fahrt ihr zum Beispiel in einer Schikane einfach geradeaus, dann erhaltet ihr beim wiederholten Versuch eine Zeitstrafe, die euch selbst dann noch weit zurückwerfen kann, wenn ihr als erster ins Ziel fahrt. Das Regelsystem kommt mir ein wenig seltsam vor: Die Strafen scheinen nicht auf jeder Strecke gleich zu sein. Außerdem wird man selbst dann verwarnt, wenn man durch ein Fehlverhalten gar keinen Vorteil gewinnt, zum Beispiel wenn man unfreiwillig ins Infield fährt…

Profikarriere

Hier kann man nur zu jenen Rennen antreten, die man in der Weltkarriere freigeschaltet hat. Es gilt das komplette Regelwerk der jeweiligen Rennsportdisziplin, d.h. bei bestimmten Ereignissen werden verschiedenfarbige Flaggen angezeigt. Ereignet sich etwa vor euch ein Unfall, zeigt euch so eine Flagge an, dass ihr nicht überholen dürft, bis die Gefahr vorbei ist. Macht ihr das doch, erhaltet ihr eine Strafe.

Es gibt verschiedene Pokale zu gewinnen, die zum Freischalten von Cheat-Codes verwendet werden können. Diese Codes muss man irgendwie auf der Internetseite von Codemasters einlösen – wie das funktionieren soll und ob das etwas kostet, habe ich mir nicht näher angesehen, denn Cheats sind nichts für echte Gamer ;-)

DTM-Schnellstart

Wie der Name schon sagt: Hier geht es nur um die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Alle Rennstrecken der aktuellen Saison sowie alle derzeit in der DTM vorhandenen Fahrzeuge stehen zur Auswahl. Man kann selbst einstellen, ob man alle Rennen über die volle Distanz fahren will und welche Strecken enthalten sein sollen.

Simulationsmodi

Hier stehen Freie Rennen, Zeitfahren und Multiplayer-Optionen zur Auswahl (LAN oder XBox-Live, beides von mir nicht genutzt). Hier sind auch die oben erwähnten gespeicherten Videos und die Replays zu finden. Die Replays kann man aus verschiedenen Kameraperspektiven bewundern. Mir ist übrigens unverständlich, warum man nicht beliebig viele Replays speichern kann – die XBox hat doch schließlich eine Festplatte. Ist der vorgegebene Speicherplatz ausgeschöpft, müsst ihr Replays überschreiben, wenn ihr neue speichern wollt. Außerdem ist mir aufgefallen, dass manche Replays irgenwie "kaputtgehen", d.h. ihr seht nicht mehr den Rennverlauf, der eigentlich gespeichert sein müsste. Das Auto, das ihr gesteuert habt, fährt stattdessen plötzlich von der Strecke, dreht sich nur noch im Kreis oder macht ähnlich dummes Zeug. Sehr seltsam.

In den Freien Rennen stehen nicht nur – wie in der Weltkarriere – verschiedene Setup-Funktionen für eure Fahrzeuge zur Verfügung. Hier könnt ihr die Autos durch neue Zubehörteile außerdem ein wenig tunen.

KI

Die Gegner-KI war in den letzten beiden Spielen einer meiner Haupt-Kritikpunkte. Und ich muss leider sagen, dass in dieser Hinsicht kaum etwas verbessert wurde. Zwar ist mir der Geschwindigkeits-Boost, den die gegnerischen Fahrer immer zu haben schienen, nicht mehr aufgefallen. Aber diese Idioten benehmen sich immer noch genau so stur wie eh und je – und das kann mich zur Weißglut treiben. Angenehmer ist das bekannte zögerliche Verhalten der CPU-Gegner in Kurven: Sie bremsen früh und können an solchen Stellen leicht überholt werden. Diese Möglichkeit solltet ihr auch weidlich nutzen, denn die Gegner behindern euch bei jeder Gelegenheit.

So geschieht es immer wieder, dass man plötzlich die Kontrolle über das Auto verliert und sich fragt, was denn jetzt schon wieder los ist. Die Antwort: Man wird von einem anderen Fahrzeug "angeschoben" oder von der Seite her weggedrängt. Bei solchen Aktionen hat man meist keine Chance mehr, einen Abflug aufs Infield zu vermeiden. Da kann man das Rennen dann getrost von vorn starten. Besonders ärgerlich dabei ist, dass der gegnerische Fahrer, der das zu verschulden hat, ungerührt weiterfährt, als laufe er auf Schienen. Erlaubt man sich dagegen selbst einen Rempler, dann fliegt man unweigerlich ganz schnell ins Kiesbett.

Dieses Problem ist der Hauptgrund dafür, warum man manche Rennen x-mal starten muss. Meist kommt es zu solchen Szenen schon kurz nach dem Start, weil man in der Regel schlechter wegkommt als die CPU-Fahrer. Die verfolgen dann stur und blind ihre Ideallinie und rammen euch immer wieder – dieses Problem müssten die Entwickler dringend mal in den Griff bekommen.

Grafik / Sound

Die Qualität der Videos habe ich ja schon gelobt. Die Fahrzeuge sehen (für XBox-Verhältnisse) toll aus, besonders in den Replays. Sie haben einen hohen Detailgrad und man erkennt kaum noch störende Stufenbildungen oder ähnliches. Ich habe irgendwo in einer anderen Review gelesen, die Fahrzeuge hätten 2D-Felgen. Ich würde sagen, da hat der Rezensent nicht richtig hingeschaut. Zumindest wirken die Felgen durchaus "echt" und dreidimensional. Auch das Schadensmodell sorgt für so manchen Hingucker, etwa wenn die Räder nach einem üblen Crash überall in der Landschaft sind, aber nicht mehr am Auto, oder wenn die Scheiben zersplittern, die Türen aufklappen und so weiter. Echtzeitspiegelungen und –schatten, Funkenflug bei Bandenberührung, flammende Auspuffrohre, Reifenabrieb auf der Straße und andere nette Details verwöhnen des Spielers Auge. Und: Man hat einen Rückspiegel! Na endlich! Das hatte ich in den beiden Vorgängern schmerzlich vermisst.

Die Rennstrecken sind weniger schön. Genauer gesagt: Sie wirken öde und eintönig, vor allem, wenn man sie mit den abwechslungsreichen Kursen aus Gran Turismo 4 vergleicht. Die Zuschauer gleichen bewegungslosen zweidimensionalen Papp-Aufstellern. Auch sonst rührt sich entlang der Strecken kaum etwas, allenfalls wird hier und da mal eine Flagge geschwungen. Da wundert man sich doch, dass ein Spiel auf der XBox nicht eine bessere Grafik zustande bringt als eines für die PS2.

Ein klarer Vorteil vor dem Referenzspiel GT4 ist natürlich die Anzahl der Fahrzeuge, die sich gleichzeitig auf der Strecke tummeln. In GT4 sind es maximal 6, in RD3 sind es bis zu 20! Im Gegensatz zu GT4 finden die Rennen nicht immer bei gleichen Wetterverhältnissen statt. Manchmal regnet es, manchmal ist es etwas diesig, meist ist es sonnig. Man hat eine sehr große Sichtweite, aber in der Ferne sind kaum Details zu erkennen.

Beim Sound kann RD3 wieder punkten. Jedes Fahrzeug klingt anders, und wenn der Motor kaputt ist, dann verändern sich auch die Geräusche deutlich.

Fazit

Wegen des enormen Umfangs, der Vielfalt an Strecken und Fahrzeugen sowie der anhaltenden Motivation hänge ich diesmal ein Plus hinter die Note – ansonsten muss ich sagen, dass RD3 nichts Besonderes ist. Es gibt keine interessanten neuen Features wie z.B. den Fotomodus in GT4, die Grafik reißt mich auch nicht gerade vom Hocker und das extrem nervende Fehlverhalten der CPU-Gegner war verantwortlich dafür, dass ich wieder mal ein Gamepad geschrottet habe. Der dritte Teil ist zwar das beste Spiel der Serie, aber wer einen der Vorgänger hat, der braucht es nicht wirklich.

J. Kreis, 14.08.2006

Seitenanfang