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dtm2

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 3
DTM RACE DRIVER 2

Wie beim Vorgänger dieses Spiels (Review siehe hier) wurde der Titel wohl nur deshalb gewählt, damit deutsche Gamer sich angesprochen fühlen – die DTM ist jedoch auch diesmal wieder nicht das Kernstück dieses Spiels. Man kann zwar die komplette DTM mit allen Original-Fahrzeugen auf den Original-Strecken fahren, das ist aber nur eine von vielen Meisterschaften, die es in DTM Race Driver 2 (in der Folge nur noch RD2 genannt) zu bestreiten gibt. Im Gegensatz zum Vorgänger sind die Menüs einfacher und übersichtlicher gestaltet und auch andere Kritikpunkte wurden verbessert. Der folgende Text bezieht sich auf die Basisversion des Spiels, denn es gibt zwar Patches mit weiteren Verbesserungen, aber die kann ich aus mir unbekannten Gründen nicht installieren.

Im Karriere-Modus gibt es auch diesmal wieder eine Rahmenhandlung. Darin geht es einfach nur um den Aufstieg eines unbekannten Fahrers in den Olymp des Autorennsports. Die Story wird in schicken Render-Zwischensequenzen erzählt, die man aus der Egoperspektive erlebt. Aufdringliche Reporter machen die Boxen unsicher, konkurrierende Fahrer kommen vorbei um euch entweder anzupöbeln oder euch zum Sieg zu gratulieren, eure Co-Managerin will euch seltsame Verträge aufschwatzen. Das funktioniert ganz gut, man fühlt sich richtig in den Renn-Alltag eingebunden – besonders dann, wenn man etwa vor dem Rennen von einem Konkurrenten angemacht wird und ihm dann auf der Strecke wiederbegegnet. Zur Atmosphäre trägt auch der Boxenfunk bei, der euch während des Rennens über eure Position, über Schäden am Fahrzeug usw. auf dem Laufenden hält. Im Verlauf dieser Karriere nimmt man nacheinander an zahlreichen Rennen teil, bei denen man nicht unbedingt immer gewinnen muss: Manchmal reicht es, wenn man es überhaupt aufs Podium schafft oder wenn man vor einem bestimmten Konkurrenten durchs Ziel fährt, um fürs nächste Rennen zugelassen zu werden. Bei diesen Rennen sind nicht nur die Fahrzeuge vorgegeben, sondern auch die Einstellungen derselben (sehr ärgerlich, war beim Vorgänger noch anders) und vor allem die Startposition (noch ärgerlicher, war aber schon beim Vorgänger so). Letzteres ist besonders dann fatal, wenn der Konkurrent, den man besiegen muss, immer von einem der vorderen Plätze starten darf, während man irgendwo ganz hinten in einem Feld von bis zu 20 Autos steht. Qualifizierungsrunden gibt es in diesem Modus leider nicht! Manche Rennen kann man wegen dieses Mankos nur wegen der etwas seltsamen Gegner-KI gewinnen (siehe unten). Positiv fällt aber der Abwechslungsreichtum der Rennen auf. Da gibt es nicht nur die klassischen Tourenwagen-Meisterschaften, sondern auch Truckrennen, Oldie-Rennen, Stockcar-Rennen, Rally- und Rallycross-Meisterschaften. Dieser Abwechslungsreichtum bedeutet aber auch, dass man sich ständig auf andere Autos einstellen muss, denn das Fahrverhalten eines schweren Sattelschleppers unterscheidet sich doch enorm von dem eines Rally-Boliden.

Durch Siege im Karriere-Modus werden neue Strecken (insgesamt 50!) und neue Fahrzeuge für freie Rennen verfügbar. In den freien Rennen darf man dann sein Lieblingsfahrzeug wählen und selbst einstellen, wie hart es gefedert sein soll, wie tief es liegen soll, wie die Bremskraft verteilt sein soll usw. – es gibt lediglich keine neuen Zubehörteile zu kaufen wie etwa in Gran Turismo. Die Änderungen am Wagen-Setup können vor Rennbeginn gespeichert werden. Man darf auch die Rundenzahl festlegen und kann vor dem Start des eigentlichen Rennens einige Qualifikationsrunden drehen. Auf diese Weise könnte man z.B. die DTM über die volle Rundendistanz wie im echten Leben fahren, Boxenstopps (die übrigens nicht animiert sind) inklusive. In beiden Spielmodi kann man jedes abgeschlossene Rennen nochmal beliebig oft als Replay bewundern, dabei stehen 5 Kameraperspektiven, eine Pausenfunktion und schneller Vorlauf zur Verfügung. Rennen gegen menschliche Spieler kann man online, im lokalen Netzwerk oder via Splitscreen austragen.

Zu Fahrverhalten und zur Steuerung gibt es nicht viel zu sagen, beides ist ganz gut geworden. Wie bereits gesagt muss man sich an die Eigenheiten der verschiedenen Autos erst einmal gewöhnen. Manche sind so furchtbar schwerfällig oder so überempfindlich, dass man bald verzweifelt. Man sollte gar nicht erst versuchen, RD2 mit der Tastatur zu spielen: Das führt nur zu Frust. Ein Gamepad mit analogen Tasten/Sticks ist obligatorisch, denn Gas und Bremse müssen gut dosiert eingesetzt werden, wenn man nicht riskieren will, dass man schon beim Start Plätze verliert, weil die Reifen durchdrehen, oder dass man ins Kiesbett schleudert, weil man zu hart oder an der falschen Stelle gebremst hat.

Die gegnerischen Fahrer verhalten sich nur geringfügig fairer als noch im Vorgänger. Man kann erkennen, dass sie versuchen, Crashs zu vermeiden und an strategisch günstiger Stelle zu überholen – das führt mitunter zu packenden Duellen und manchmal geht man fast Kopf an Kopf durch die Zielgerade. Es gibt aber auch wieder Situationen, in denen die Gegner ziemlich rabiat vorgehen und rücksichtslos rempeln. Eigenartig, dass sie dabei nie an Geschwindigkeit verlieren und auch nur selten bei einer solchen Aktion mit einem Abgang ins Kiesbett bestraft werden, während man selbst sofort die wildesten Pirouetten dreht, wenn man ein anderes Fahrzeug nur berührt. Fahrfehler der Gegner kommen zwar vor, sind aber sehr selten. Im Vorgänger war einer meiner Kritikpunkte der seltsame Geschwindigkeits-Boost, den die gegnerischen Fahrer auf geraden Strecken zu haben schienen. Diese unrealistischen Beschleunigungen erzielen sie auch jetzt noch. Das Kurvenverhalten der Gegner ist noch genauso zögerlich wie im Vorgänger – das ist manchmal die einzige Chance, von einem der (im Karriere-Modus festgelegten) hinteren Plätze doch noch weiter nach vorn zu kommen. Man muss einfach ein bisschen später anfangen zu bremsen als die Gegner und kann auf diese Weise oft an einem ganzen Pulk vorbeiziehen.

Auch in RD2 ist wieder ein detailreiches Schadensmodell vorhanden, und das ist nicht nur ein nettes optisches Feature. Schäden können auch über Sieg oder Niederlage entscheiden. Bei starker Beschädigung etwa des Motors oder des Getriebes (eine Schadensanzeige ist im Tacho integriert) wird man zwangsläufig nicht mehr richtig mithalten können, verliert man gar ein Rad oder schrottet den Motor ganz, ist das Rennen vorbei… Da kommt dann die einzige wirklich gute Verbesserung zum Zuge: Man kann jedes Rennen jederzeit nochmal starten, auch mitten in einer Meisterschaft, und jedes abgeschlossene Rennen bleibt gespeichert. Das ist sehr nützlich und verhindert allzu schlimme Wutausbrüche.

Von der Grafik bin ich etwas enttäuscht. Die Autos sehen zwar ganz nett aus und haben Echtzeit-Schatten und Echtzeit-Spiegelungen auf dem Lack, sie wirken aber nicht so "echt" – vor allem in den Replays – wie man es bei einem aktuellen PC-Spiel erwarten könnte. Die nähere Umgebung der Rennstrecken fällt meistens sehr spartanisch und langweilig aus. Zuschauer und Bäume sind flache, regungslos wie festgemauert dastehende Bitmap-Tapeten, Gebäude sind unansehnliche Klötze. Man hat aber eine enorme Fernsicht und die weiter entfernte Umgebung wirkt ziemlich realistisch. Am Motorensound gibt es kaum was auszusetzen, wenn ich mir auch einbilde, dass er beim Vorgänger "fetter" geklungen hat. Es gibt weiterhin keine Rückspiegel (nur die berühmten roten Pfeile, die auf näher kommende Gegner hinweisen) und keine Möglichkeit, die Replays zu speichern. Beides soll durch die Patches nachträglich implementiert worden sein, aber wie gesagt: Die lassen sich auf meinem System einfach nicht installieren.

Ein Computerspiel soll in erster Linie Spaß machen. Das ist bei RD2 in der ersten Hälfte des Karriere-Modus auch noch der Fall. Wenn dann aber der Schwierigkeitsgrad ansteigt und nur noch die Schwächen des Spiels über den (Miss-)Erfolg des Spielers entscheiden, wird die Sache unfair und führt zu Frust. Beispiel: Um im Spiel weiterzukommen, muss man es schaffen, vor einem bestimmten Gegner ins Ziel zu kommen. Nun darf der aber von Platz 2 starten, während man selbst auf Platz 16 steht – diese Aufstellung kann man nicht beeinflussen. Wie soll man je an einem Dutzend Autos vorbeikommen, wenn die Straße eng ist und jeder Versuch, über Kerbs oder Kies zu fahren, mit einem Abgang in die Bande endet? Gut, man gibt alles und rückt langsam auf. Aber dann wird man von irgend einem Gegner abgeschossen, schmiert ab – und kann das Rennen gleich neu starten, weil man zu weit zurückfällt. Nach dem x-ten Versuch hat man es vielleicht geschafft, sich genau hinter dem zu überholenden Gegner zu platzieren. Leider hat die Strecke aber wenige Kurven und viele lange Geraden, auf denen der Gegner wie von Zauberhand einen geheimen Turbo dazuzuschalten scheint, so dass er weit davonzieht. Das macht keinen Spaß – Klassenziel verfehlt – sechs, setzen!

Subjektiv würde ich dem Spiel deshalb wirklich eine 6 geben, objektiv betrachtet reicht es noch zu einer 3.

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