Zurück zu den Spielen

dtm

System:
PC CD-ROM

Genre:
Auto-Rennspiel

Note: 3
DTM RACE DRIVER DIRECTORS CUT

Der Name der deutschen Version dieses Spiels ist etwas irreführend, denn die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft bildet keineswegs den Schwerpunkt des Spiels, die DTM ist hier lediglich eine von vielen Meisterschaften, bei denen man mitfahren kann. Codemasters hat immerhin die benötigten Lizenzen erhalten, um alle Originalfahrzeuge sowie die Namen der Fahrer und Rennkurse verwenden zu können.

DTM-RD ist ein Tourenwagen-Rennspiel mit Rahmenhandlung: Der Spieler schlüpft in die Rolle von Ryan McKane, dessen Vater vor 15 Jahren bei einem Autorennen von einem anderen Fahrer absichtlich gerammt worden und bei dem Unfall umgekommen ist. Ryan will in die Fußstapfen seines Vaters treten und ebenfalls Tourenwagenfahrer werden. Man muß nun eine neue Rennfahrerkarriere starten und möglichst viele Rennen gewinnen, um in höher bewertete Rennligen aufzusteigen. Währenddessen wird die Story in Zwischensequenzen weitergeführt, dabei geht es um Liebe, Intrigen und den ganzen Rennzirkus. Insgesamt ist die Story eher uninteressant und für das eigentliche Spiel sowieso bedeutungslos. Im Karrieremodus kämpft man sich durch ein Dutzend Meisterschaften (u.a. auch die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft), bei denen man jeweils verschiedene Fahrzeuge (34 stehen in DTM RD zur Verfügung) über insgesamt 27 Kurse steuert. Startet man das Spiel, sieht man Ryan in seinem kleinen Büro am Schreibtisch. Neben ihm steht ein PC, über den man auf den Karrieremodus zugreifen kann. Eine Karte an der Wand gibt Auskunft über Erfolge bei privaten Herausforderungen, denen man sich zwischen den Meisterschaften stellen kann. Öffnet man eine Schublade des Schreibtischs, hat man Zugriff auf die Spieloptionen. Dann gibt es noch eine Tür, durch die man den "Freizeitraum" betritt von dort aus kann man einzelne Rennen außerhalb des Karrieremodus (nur dabei kann man frei zwischen den nach und nach freigeschalteten Autos und Strecken wählen) oder Internet- bzw. Multiplayer-Spiele starten.

Kommen wir zu dem, was für mich bei einem Rennspiel das wichtigste ist: Fahrzeugphysik, Steuerung und Gegner-KI.

Das Fahrverhalten ist gut, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, daß der Fahrzeugschwerpunkt immer in der Mitte des Wagens zu liegen scheint. Unterschiedliche Antriebsarten (Front-/Heckantrieb) wirken sich für meinen Geschmack zu wenig auf das Fahrverhalten aus. Man kann deshalb nicht so schön um Kurven herumdriften, wie man das aus Gran Turismo gewohnt ist. Vor jedem Rennen kann man das Wagen-Setup verändern und diese Veränderungen auch speichern. Die Setup-Möglichkeiten lassen kaum Wünsche offen, aber so richtig bemerkbar machen sie sich im Rennen nicht es scheint meistens egal zu sein, ob man am Auto herumschraubt oder mit den Standardeinstellungen fährt... Die Autos können bei DTM RD praktisch komplett zerlegt werden. Nach einigen Crashs fährt man dann nur noch mit dem Gerippe eines Rennwagens (lustig: Bei einem Mercedes sieht man dann sogar den kleinen Stern auf dem Motorblock). Aber auch das Schadensmodell hat zunächst keine Auswirkungen auf das Fahrverhalten, erst wenn alle Schäden in der jederzeit einblendbaren Schemazeichnung im roten Bereich sind, muß man an die Box fahren.

Die Steuerung via Tastatur kann man getrost vergessen. Wenn man nicht zumindest ein Gamepad besitzt, sollte man sich das Spiel gar nicht erst zulegen. Am besten kann man solche Spiele immer noch mit einem Lenkrad steuern, allerdings scheint es bei DTM RD diesbezüglich einen Bug zu geben: Angeblich funktionieren nicht alle erhältlichen Lenkräder gleich gut, einige wohl gar nicht! Mit meinem Gamepad von Saitek hatte ich bis jetzt keine Probleme, damit kommt man gut zurecht. Ärgerlich: Man hat im Karrieremodus keinen Einfluß auf die Platzierung im Startfeld, d.h. man kann sich nicht für vordere Plätze qualifizieren. Und da 20 Autos gleichzeitig auf der Strecke sind, kann es schonmal sehr schwer sein, an dem ganzen Feld vorbeizuziehen, wenn man vom letzten Platz oder auch nur von der Mitte aus starten muß, nur weil der Zufallsgenerator es so will! Noch ärgerlicher: Man kann erst nach jeweils zwei Rennen speichern. Da ist Frust vorprogrammiert. Erfreulich dagegen ist die Möglichkeit, vor jedem Rennen beliebig lange die Strecke und das Wagensetup zu testen. Das ist auch nötig, denn man muß die Kurse schon sehr gut kennen, um Höchstgeschwindigkeiten erreichen zu können.

Die Gegner-KI ist meiner Meinung nach der größte Kritikpunkt dieses Spiels. Die anderen Fahrer verhalten sich, wie es bei Tourenwagenrennen ja üblich ist, sehr ruppig und sie scheinen es sich auch zu merken, wenn man selbst sie rammt: Dafür revanchieren sie sich umgehend. Das wäre so ja noch in Ordnung, aber nicht so schön ist es, wenn Gegner bei solchen Aktionen kaum an Geschwindigkeit verlieren oder ihren Wagen immer noch unter Kontrolle halten können, während man selbst bei Crashs entweder auf den Rasen schleudert oder sofort langsamer wird. Auch wird man ständig von hinten gerammt und leider gibt es keinen Rückspiegel. Man wird lediglich durch einen roten Pfeil am unteren Bildschirmrand darauf hingewiesen, daß und aus welcher Richtung sich ein böser Bube nähert. Die Gegner bedrängen sich natürlich auch gegenseitig. In Kurven verhalten sich die Gegner wie ängstliche Fahrschüler und bremsen schon sehr früh. So kann man leicht an einer ganzen Gruppe vorbeiziehen. Auf der nächsten langen Geraden wird man dann aber gleich wieder überholt! Denn selbst wenn man mit Höchstgeschwindigkeit fährt, ziehen andere Fahrer noch mit einem Affenzahn vorbei. Diesen Geschwindigkeits-Boost der Gegner würde ich auch mal als Bug bezeichnen. Auf Strecken, bei denen es nur wenige Kurven gibt, ist ein Sieg wegen dieses Fehlers fast ausgeschlossen...

Grafik und Sound kann ich ganz kurz abhandeln, denn die sind schlicht genial. Ich habe noch nie zuvor so viele Wagendetails, Partikel- und Raucheffekte usw. in einem Rennspiel gesehen und jeder Wagen hat seinen eigenen, charakteristischen Motorensound. Allerdings fressen auf 100% eingestellte Grafik- und Sounddetails ordentlich Hardware. Man muß schon einen fetten Rechner mit einer flotten Grafikkarte haben, um alle Features genießen zu können. Vor allem die Motion-Blur-Effekte (bei hohen Geschwindigkeiten wird die Umgebung zu beiden Seiten der Rennstrecke verwischt, was eine Art Tunneleffekt hervorruft) sollte man abschalten, wenn man keinen Pentium IV mit zumindest 2 GHz, 512 MB Arbeitsspeicher und eine GeForce4 hat. Die Rennstrecken sehen zwar ein bißchen spartanisch aus, aber das ist ja auch nicht unrealistisch. Jedes Rennen kann man sich übrigens in einem schönen Replay aus verschiedenen Kameraperspektiven ansehen.

Zum Onlinegaming bzw. zocken im Mehrspielermodus (per Splitscreen) kann ich nichts sagen, weil ich diese Möglichkeiten noch nicht genutzt habe.

Fazit: Es macht Spaß, sieht super aus, klingt geil, aber es frustet auch enorm. Wäre die Gegner-KI besser ausgefallen, d.h. wenn der äußerst nervende Geschwindigkeitsboost der Gegner nicht wäre, hätte DTM RD das Potential gehabt, meinen Favoriten Gran Turismo 3 vom Thron zu stoßen.

Seitenanfang