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Drakensang 2 Collector's Edition

Drakensang 2

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 3-
DRAKENSANG - AM FLUSS DER ZEIT (Collector's Edition)

Dieses RPG ist im Kosmos des Rollenspiels "Das Schwarze Auge" (DSA) angesiedelt und kann als Prequel des 2008 erschienenen Spiels Drakensang bezeichnet werden. Wenn euch der folgende Text bekannt vorkommt, dann hat das einen einfachen Grund. Drakensang - Am Fluss der Zeit ist im Prinzip genau dasselbe Spiel wie Drakensang, nur mit anderer Story, leicht abgewandelten Umgebungen, aufgehübschter Grafik, komplett vertonten Dialogen und einzelnen neuen Charakteren, aber mit fast völlig identischem Gameplay!

Story

Kladdis bittet Forgrimm, ihr endlich mehr über seine Abenteuer mit Graf Ardo von Eberstamm zu berichten. Und so erfährt sie, wie Ardo, Forgrimm und Cuano (der, wie sich später herausstellt, Kladdis' Vater ist) vor ungefähr zwanzig Jahren in eine gefährliche Intrige verstrickt worden sind, die sie nur mit der Hilfe eines jungen Abenteurers überstanden haben:

Der Abenteurer ist mit dem Schiff Thalaria unterwegs zur Stadt Nadoret. Dort will er seine Ausbildung beenden. Mit an Bord sind Ardo, Forgrimm und Cuano, die allerdings zunächst inkognito reisen. Die Reisegesellschaft wird von Piraten angegriffen. Der Abenteurer hilft bei der Abwehr der Banditen und verdient sich damit Ardos Respekt. Am Ziel angekommen, meldet sich der Abenteurer in der Kaserne. Durch seine erfolgreiche Arbeit für den Kommandanten der Stadtwache erweckt er die Aufmerksamkeit des Geheimagenten Gerling. Der Abenteurer tritt in Gerlings Dienste und lernt auf diese Weise die halbelfische Waldläuferin Fayris Luchsauge kennen. Gemeinsam ermitteln sie wegen der Piratenüberfälle, in die der Hafenmeister Nadorets verwickelt zu sein scheint. So kreuzen sich auch die Wege des Abenteurers und Ardos wieder.

Nun endlich rückt Ardo mit der Wahrheit heraus. Er ist in geheimer Mission mit Cuano und Forgrimm unterwegs, denn er hatte den Auftrag, die kaiserliche Krone zu hüten. Die Reichsinsignien wurden jedoch gestohlen. Der Magier Regismund von Kaltenstein ist dafür verantwortlich. Eine Cuano nur allzu gut bekannte Diebin namens Mora und Baron Dajin von Nadoret scheinen mit Kaltenstein unter einer Decke zu stecken. Der Abenteurer soll bei der Wiederbeschaffung der Krone helfen. Unversehens wird er zum Anführer der Gruppe, als ein Mordanschlag auf Ardo verübt wird...

Der Spieler übernimmt die Rolle dieses Abenteurers - den Namen kann man selbst eingeben. Er wird dann in allen Texten (allerdings nicht in der Sprachausgabe) verwendet. Die Story entwickelt sich hauptsächlich über Dialoge, Zwischensequenzen sind selten. Diesmal sind alle Dialoge vertont, und es ist eine Freude, den durchweg professionellen Sprechern zuzuhören. Dummerweise spricht der Hauptheld nicht. Die Geschichte ist zwar nicht besonders aufregend, wartet aber mit ein paar nicht unbedingt vorhersehbaren Wendungen auf und bietet dem Spieler verschiedene Lösungswege. Die führen allerdings immer zum selben Ergebnis.



Drakensang 2

(Bild 1: Das ist ja mal eine unfreundliche Begrüßung in einem Spiel...)


Charakterentwicklung, Gruppe, Quests

Schon bei der Charaktererstellung könnt ihr euch längere Zeit austoben, denn wenn ihr keine der vorgegebenen Klassen auswählen wollt, könnt ihr sämtliche Werte selbst einstellen. Dabei ist Vorsicht angesagt, denn ihr könnt euch leicht verskillen. Das Aussehen eures Helden könnt ihr dagegen nur in engen Grenzen verändern. Während des Spiels verdient ihr Abenteuerpunkte (AP), indem ihr obligatorische Haupt- sowie optionale Nebenquests absolviert und Gegner besiegt. Im Gegensatz zu den meisten anderen RPGs müsst ihr nicht etwa bis zum Level-Aufstieg warten, um die AP zur Steigerung der Attribute, Eigenschaften und Fertigkeiten eurer Helden einsetzen zu können. Ihr könnt die AP jederzeit verteilen, durch den erreichten Level wird lediglich das Limit festgelegt, bis zu dem ihr die Werte steigern dürft. Dabei seid ihr völlig frei, d.h. es gibt keine etwa durch die Charakterklasse vorgegebenen Einschränkungen. Wenn euch genug AP zur Verfügung stehen, könnt ihr theoretisch aus einem Magier einen Nahkämpfer machen. Die entsprechenden Fähigkeiten und Zaubersprüche müssen evtl. erst bei einem Lehrmeister erlernt werden – und das kostet neben AP auch Geld.

Natürlich werdet ihr nie so viele AP sammeln können, um eure Helden in jede beliebige Richtung zu skillen. Dummerweise erhält man bei voranschreitender Charakterentwicklung keine AP mehr für das Besiegen von Gegnern, die ein im Verhältnis zu den Helden zu niedriges Level haben. Spezialisierungen beim Skillen sind also unumgänglich. Ihr seid zwar immer mit eurem "Haupthelden" unterwegs, aber im Verlauf des Spiels schließen sich euch mehrere andere Personen an. Drei davon könnt ihr in eure Gruppe aufnehmen, so dass ihr meist mit insgesamt vier Personen unterwegs seid. Jede einzelne wird von euch separat gesteuert und verwaltet, mit Ausrüstungsgegenständen versorgt und so weiter. Im Vergleich zum ersten Drakensang-Spiel ist die Auswahl an Personen erschreckend mager. In der ersten Hälfte des Spiels stehen nur Forgrimm, Cuano und Fayris zur Verfügung, später kommt noch Ardo hinzu. Da bleibt praktisch kein Spielraum mehr, um mit variierenden Gruppenzusammenstellungen zu experimentieren. Das war im ersten Spiel noch ganz anders.

Die Fähigkeiten eurer Gefährten sind unterschiedlich gewichtet. Forgrimm und Ardo sind schlagkräftige Nahkämpfer, wobei letzterer Wert auf Etikette legt, während ersterer sich mehr auf seine Axt und auf seine Zwergennase verlässt, mit der er Geheimgänge aufspüren kann. Fayris ist Fernkämpferin mit magischen Fähigkeiten und Kenntnissen in Natur- und Tierkunde. Cuano ist der Spezialist fürs Knacken von Schlössern und Betören von Gesprächspartnern. Bei diesen Spezialisierungen solltet ihr es belassen, d.h. ihr solltet immer die Fähigkeiten weiterentwickeln, die schon von Beginn an stark gewichtet sind. Manchmal schließt sich euch noch eine zusätzliche Person an, die ihr aber nicht selbst steuern könnt. Darüber hinaus können Magier je eine Kreatur beschwören, die an eurer Seite kämpft. Gruppenmitglieder, die nicht "gebraucht" werden, warten an Deck der Thalaria (das ist in diesem Spiel eure Basis), sammeln aber wie alle aktiven Helden automatisch AP. Lästig ist, dass man die Gruppe bei jedem Gebietswechsel via Thalaria wieder neu zusammenstellen muss. Dazu müssen die gewünschten Gefährten angesprochen werden.

Alle Figuren haben zwar ganz eigene Charakterzüge und Vorgeschichten (bis auf Fayris kennt man sie schon aus dem ersten Drakensang-Spiel - und natürlich Ardo, dem man damals nur als Leiche begegnet ist), aber mir ist keiner wirklich ans Herz gewachsen. Man kann sich zwar mit ihnen unterhalten und sie steuern unterwegs ab und zu mal witzige Kommentare bei, necken sich gegenseitig usw., aber mit dem Aufbau echter Beziehungen wie in Dragon Age Origins kann man das absolut nicht vergleichen.

Bei den Quests gibt's die gewohnte Kost ohne Höhen und Tiefen: Gegenstände beschaffen, Gegner töten und so weiter. Hinzu kommen einzelne Rechen-, Schalter- und Verschieberätsel, bei denen man die kleinen grauen Zellen anstrengen muss. Alternative Lösungswege sind wie erwähnt möglich. Abhängig von den Werten eurer Helden bei der entsprechenden Fertigkeit könnt ihr euch manchmal aufs Schmeicheln verlegen, wenn ihr nicht mit Kampf drohen wollt, oder ihr erfahrt aufgrund eurer Menschenkenntnis Dinge, die euch sonst verschlossen bleiben würden. Eure Gefährten machen euch manchmal unterschiedliche Vorschläge zur Vorgehensweise. Beim Kampf gegen eine Piratengruppe, die sich bei den Elfen breit gemacht hat, könnt ihr entweder drauflos schlagen (Forgrimm), es mit vernünftigen Argumenten versuchen (Fayris) oder die Typen gegeneinander ausspielen (Cuano). Eure Entscheidung beeinflusst den weiteren Spielverlauf nicht unerheblich, denn wenn ihr auf Gewalt setzt, zeigen sich die Elfen ziemlich abweisend. Dadurch entgehen euch dann mehrere Nebenquests.



Drakensang 2

(Bild 2: Manche Gefährten machen sich zum Affen - oder in diesem Fall zum Ochsen.)


Kampf

Alle Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Helden und Gegner führen abwechselnd eine Aktion aus (Attacke, Parade, Zauber wirken, Trank einnehmen usw.), im Hintergrund wird ausgewürfelt, ob die Aktionen erfolgreich sein werden und welchen Effekt sie haben. Das wird durch die Fertigkeiten und Eigenschaften der Helden und Gegner beeinflusst, und all das folgt dem Regelwerk von "Das Schwarze Auge". Dieses ist mir nicht bekannt und es ist für mich als Spieler auch nicht relevant. Ich weiß nur: Steigere diese und jene Eigenschaft, benutze dieses und jenes Rüstungsteil usw., dann hast du bessere Chancen, den Gegner zu besiegen. Eigentlich muss man sich nicht tiefer in das Regelwerk einarbeiten, aber ganz ohne geht’s doch nicht. Jedenfalls ist für den Laien nicht auf Anhieb durchschaubar, ob ein Schwert mit 1 W + 5 Schaden und Körperkraftzuschlag von 11/4 besser oder schlechter ist als eines mit 2 W + 1 Schaden und Körperkraftzuschlag von 12/3, oder warum eine bestimmte Attacke bei einem bestimmten Gegner keinen einzigen Schadenspunkt verursacht. Wenigstens sind jederzeit informative Hinweistexte zu allen Objekten abrufbar, aber man hätte das Ganze auch viel verständlicher lösen können. Wen außer DSA-Puristen soll denn dieses Regelwerk interessieren?

Die Helden werden nicht direkt gesteuert. Sie führen einfach die durch Mausklick festgelegten Befehle aus. Durch Betätigen der Leertaste wird das Spiel pausiert. Dann kann man in Ruhe über die nächste Aktion nachdenken. Man kann auch im pausierten Spiel Spezialattacken oder Zaubersprüche auswählen, Objekte (z.B. Heiltränke) aus dem Inventar verwenden und so weiter. An dieser Stelle muss ich wieder den Vergleich mit Dragon Age Origins bringen, denn im Gegensatz zu diesem Spiel weigern sich die Helden in Drakensang beharrlich, das zu tun, was man von ihnen erwartet - und es gibt nur die Möglichkeit, ihr Verhalten auf "Defensiv" oder "Aggressiv" einzustellen, mehr ist nicht drin. Und genau wie im ersten Drakensang-Spiel setzt keine einzige Figur von sich aus ihre Spezial-Kampffähigkeiten oder Zaubersprüche ein. Ein Magier würde sich mit seinem Stöckchen in den Nahkampf stürzen, auch wenn ihm ein mächtiger Feuerball-Zauberspruch zur Verfügung steht. Und er käme schon gar nicht auf die Idee, die Wunden eines Gefährten zu heilen, selbst wenn der kurz vorm Exitus steht. Man muss jede einzelne Aktion selbst anstoßen! Das ist äußerst lästig, und wenn man erst einmal erlebt hat, wie gut die differenzierten Taktikeinstellungen in Dragon Age Origins funktionieren, dann kann man das, was in Drakensang geboten wird, nur als erbärmlich bezeichnen.

Der Schwierigkeitsgrad kann zum Glück im laufenden Spiel geändert werden, denn manche Gegner sind sehr stark, und der finale Endgegnerkampf erstreckt sich über mehrere Runden, so dass man schon mal ins Schwitzen kommen kann. Wie ich oben schon schrieb, erhält man für "zu schwache" besiegte Gegner keine AP mehr. Das heißt aber nicht, dass diese Gegner nicht durchaus noch gefährlich wären! Vor allem, weil manche gleich in Massen auftreten. Es ist sowieso ärgerlich, seine Zeit mit dem Schnetzeln von Gegnern verschwenden zu müssen, ohne dafür belohnt zu werden. Weniger Punkte - OK, kann man akzeptieren. Aber gar keine? Das ist ein echter Motivationskiller.

Menüs, Inventar, Objekte

Richtig umständlich wird das Mikro-Management der Gruppe aber erst, wenn es um's Thema Ausrüstung geht. Das Inventar ist begrenzt und völlig unsortiert. Es gibt weder eine automatische Sortierfunktion noch einen entsprechenden Button, und so verteilen sich die Gegenstände selbst dann noch wild über -zig Slots, wenn man etwas verkauft oder abgelegt hat. Man müsste das Inventar immer wieder neu aufräumen, indem man jeden einzelnen Gegenstand von einem Slot zum anderen zieht. Schlimmer geht's schon fast nicht mehr.

Außerdem ist kein Gruppeninventar vorhanden, stattdessen hat jede Figur ihr eigenes Inventar. Wenn man also unterwegs diversen Krimskrams einsammelt, dann ist das Inventar des Haupthelden irgendwann voll. Also legt man das Zeug im Rucksack eines Gefährten ab. Man muss den Kram ständig hin- und herschieben, wenn es sich z.B. um Ausrüstung handelt, die man für ein anderes Gruppenmitglied braucht. Das wiederum ist nur bei Gefährten möglich, die sich gerade in der Gruppe befinden. Auf das Inventar der Leute, die bei der Thalaria zurückgeblieben sind, hat man keinen Zugriff. Man müsste erst dort hingehen, die entsprechende Person in die Gruppe aufnehmen und die gewünschten Sachen aus deren Rucksack ins eigene Inventar verschieben... Auf dem Deck der Thalaria steht übrigens eine Kiste, in der man beliebig viele Objekte lagern kann.

Wenigstens lassen sich verwendete Objekte direkt mit neuen Ausrüstungsgegenständen vergleichen. Im ersten Drakensang-Spiel ging das nicht. Da musste man den Händlerdialog immer abbrechen, um im Inventar nach den Eigenschaften des verwendeten Objekts zu sehen. Dann musste man den Händler erneut ansprechen. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr nötig. A Propos Händler: Richtig gute Waffen und Rüstungen sind sehr teuer. Nur selten erhält man so ein gutes Stück auch mal als Questbelohnung. Und so gilt es, wirklich jeden besiegten Gegner auszuplündern und die Beute zu verkaufen, um mühsam Geld zu verdienen. Andere Einnahmequellen sind dünn gesät, z.B. kann man an Gladiatorenkämpfen teilnehmen oder Wetten auf diese Kämpfe abschließen.

Man kann sich zudem wie im ersten Drakensang-Spiel als Heimwerker betätigen. Mit der entsprechenden Bauanleitung lassen sich an bestimmten Werkbänken Waffen und Tränke Marke Eigenbau herstellen. Die erforderlichen Kleinteile liegen überall herum, was übrigens auch für Pflanzen und Tierhäute oder dergleichen gilt. Ich habe dieses Feature praktisch nicht genutzt, da es nicht wirklich gebraucht wird. Ich habe deshalb vermutlich tausende von rostigen Nägeln, Metallbarren, Holzstücken und dergleichen gesammelt und gleich wieder verkauft, um zu etwas Geld zu kommen.

Praktisch alle Symbole, Icons, Buttons, Zaubersprüche, Gegenstände usw. sind mit dem ersten Drakensang-Spiel identisch. So wirkt dieses Spiel schon optisch wie eine Kopie des ersten. Ansonsten gibt's an den Menüs wenig auszusetzen. Zu allen Eigenschaften, Objekten usw. können Hilfetexte eingeblendet werden. Über mehrere Quickslot-Leisten hat man alle Fähigkeiten, Zauber, Tränke usw. im Direktzugriff. Auf der Karte lassen sich Markierungen mit eigener Beschriftung anbringen, temporär lässt sich der Text sämtlicher Dialoge einblenden - genauso wie das im Hintergrund arbeitende Regelwerk. Nur leider erscheinen einzelne kleine Nebenquests gar nicht erst im Questlog. Scheint mir ein Bug zu sein.




(Bild 3: Inventar- und Charakterbildschirm. Dürfte allen Drakensang-Veteranen sehr bekannt vorkommen!)


Spielwelt / Grafik

Aventurien besteht in diesem Spiel nicht aus einer einzigen frei begehbaren Welt, sondern aus begrenzten Arealen und Siedlungen, die nach und nach freigeschaltet werden. Mit der Thalaria reist man von Ort zu Ort. Die Areale sind teils sehr weitläufig, außerdem kann man jederzeit überallhin zurückkehren - auch dann noch, wenn die dort zu absolvierende Hauptquest bereits erledigt ist. Das war im ersten Spiel noch anders, und das ist eine echte Verbesserung. Die manchmal ziemlich weiten Wege können durch Schnellreisepunkte abgekürzt werden. Wenn man einen solchen Punkt erreicht hat, kann man sich per Mausklick zu allen anderen schon entdeckten Punkten desselben Areals beamen. Trotzdem muss man noch recht viel Zeit mit Wanderungen verbringen.

Allerdings gibt es abseits der Orte, an denen man etwas im Rahmen einer Quest zu erledigen hat, nur wenig zu sehen. Abgesehen von ein paar herumstreunenden Gegnern, die ihr besiegen könnt, um Erfahrungspunkte zu gewinnen, warten also keine Entdeckungen auf euch. Man findet höchstens mal eine besondere Schatzkiste. Hinzu kommt, dass Questgegenstände in aller Regel erst dann auftauchen, wenn man die entsprechende Quest angenommen hat. Es hat also überhaupt keinen Sinn, Areale vorher zu erkunden!

In den von NPCs ohne echten Tagesablauf bewohnten Städten gibt es durchaus schöne Fachwerkhäuser zu sehen, draußen erfreut teils recht üppige Vegetation das Auge. Dungeons und Höhlen wirken manchmal eintönig, weil sie aus den immer gleichen Baukasten-Elementen zusammengesetzt sind. Mir scheint, dass viele Elemente des ersten Drakensang-Spiels wiederverwertet wurden. Besonders stark ist mir das bei einem bestimmten Lagerhaus aufgefallen. Immerhin wird Wert auf lustige kleine Details gelegt, vor allem herrscht manchmal ein wahres Stimmengewirr, weil sich die NPCs nicht nur mit dem Spieler, sondern auch untereinander unterhalten. Es gibt viele kleine Anspielungen zu entdecken, wie z.B. (wenn ich mich nicht irre) eine auf einen Sketch von Loriot: Man begegnet einem Typen, der einfach nur auf seinem Platz sitzen bleiben will, egal was man ihm sagt...

Alle NPCs, Monster, Objekte, Waffen, Rüstungen usw. haben einen hohen Detailgrad. Rüstungen glänzen schön, die Animationen wirken natürlich. Zaubereffekte, Feuer, Einsatz von Licht und Schatten usw. hinterlassen einen guten Eindruck. Besonders spektakulär ist das alles aber nicht, vor allem habe ich keine entscheidende Verbesserung im Vergleich zum ersten Drakensang-Spiel bemerkt. In Aventurien wirkt alles ziemlich bunt und irgendwie zu "glatt", zu harmlos. Die menschlichen Figuren sind zudem alle in einem fast cartoonhaften Stil gehalten, der mit Realismus nichts zu tun hat.

Wettereffekte und einen echten Tag-/Nacht-Wechsel gibt es nicht. Die Lichtverhältnisse verändern sich nur graduell. Auch ist die Sichtweite sehr begrenzt, weiter entfernte Bereiche verschwimmen stets im Nebel.



Drakensang 2

(Bild 4: Auf dem Marktplatz von Nadoret)


Sonstiges / Collector’s Edition

Welchen großen Nutzen bestimmte Features haben, merkt man oft erst dann, wenn sie nicht (mehr) zur Verfügung stehen. Beispiel: In Dragon Age Origins und Neverwinter Nights 2 kann man alle interaktiven Objekte mit der Tabulator-Taste hervorheben, wodurch man sich lästiges Suchen erspart. In Drakensang steht dieses Feature nicht zur Verfügung, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als alles mit dem Mauszeiger abzufahren - dennoch kann man leicht etwas übersehen.

Das Spiel ist überraschend kurz. Als ich bei einem ziemlich ausufernden Kampf angelangt war, beschlich mich der Verdacht, dass es sich um den Endgegner handeln könnte - und so war es auch. Ich konnte in diesem Moment kaum glauben, dass das schon alles gewesen sein sollte. Tatsächlich war die Story am Ende angelangt, aber das Spiel war noch nicht vorbei. Man kann nämlich nach den Credits noch weiterspielen und alle noch nicht erledigten Nebenquests lösen.

Die Collector's Edition ist aufwändig gestaltet. Schon die Verpackung sieht aus wie ein in Leinen gebundenes Buch und fühlt sich auch so an. Sie enthält neben dem Spiel in der Standard-Plastikhülle noch eine CD mit dem Spiel-Soundtrack, eine Landkarte von Aventurien aus Stoff (ist mir ein bisschen zu bunt) im DIN-A2-Format, ein Poster und das DSA-Regelwerk als PDF-Datei. Außerdem ist ein Code vorhanden, den man im Spiel eingeben kann. Daraufhin erhält man den "Ring der Phexenzunge", ein magisches Item, mit dessen Hilfe man bei Händlern bessere Preise erzielt.

Mit Patch 1.1 läuft das Spiel fast fehlerfrei. Ich hatte jedenfalls nie Abstürze oder dergleichen.

Fazit

Schon in meiner Review zum ersten Drakensang-Spiel hatte ich das völlige Fehlen irgendwelcher Innovationen bemängelt. Das trifft für Drakensang - Am Fluss der Zeit in verschärftem Ausmaß zu, denn wie eingangs gesagt hat man eigentlich genau das gleiche Spiel nochmal vor sich! Kleinigkeiten wurden zwar verbessert und die Grafik wurde etwas aufpoliert, große Kritikpunkte (Gruppenmanagement, KI und Kampfverhalten) wurden aber nicht ausgeräumt, sondern 1:1 übernommen. Gut, man "erlebt" eine andere Geschichte, und es ist natürlich schön, alten Bekannten wiederzubegegnen. Aber ein paar neue Ideen, neue Gameplay-Elemente oder dergleichen hätte ich mir doch gewünscht. So schleicht sich schon nach kurzer Spielzeit das unschöne Gefühl ein, es im Grunde nur mit einem besseren Add-On zu tun zu haben, aber keineswegs mit einem ganz neuen Spiel.

Spaß macht Drakensang - Am Fluss der Zeit trotzdem. Der Humor kommt auch nicht zu kurz. Der Umfang lässt aber zu wünschen übrig. Obwohl es möglich wäre, an der einen oder anderen Stelle andere Lösungswege einzuschlagen, tendierte bei mir außerdem die Motivation, noch einmal von vorn anzufangen, gegen Null.

Es wäre unfair, dem Spiel eine schlechte Note zu geben. Da es sich aber nur um einen abgespeckten zweiten Aufguss des ersten Spiels handelt, kann man es nicht besser bewerten als dieses. Bei äußerst wohlwollender Betrachtung kann ich bestenfalls die Note 3 vergeben, möchte aber gern noch ein kleines Minus dranhängen.

J. Kreis, 26.05.2010

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