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Drakensang

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 3+
DRAKENSANG

Dieses RPG ist im Kosmos des Rollenspiels "Das Schwarze Auge" (DSA) angesiedelt. Ich kenne weder dieses Pen-and-Paper-Rollenspiel noch einen der Romane, die ebenfalls im DSA-Universum spielen. Ich kann deshalb nicht beurteilen, ob es sich bei Drakensang um eine adäquate Umsetzung handelt andererseits kann ich aber auch völlig unbelastet an das Spiel herangehen und es unvoreingenommen beurteilen.

Seid mir nicht böse, wenn ich es diesmal vergleichsweise kurz mache! Wenn ihr schon mal ein RPG gespielt habt, dann wisst ihr ja, was euch erwartet. Ich gehe nur auf die Besonderheiten dieses Spiels ein.

Story

Im Lande Aventurien herrscht Unruhe, denn etwas stimmt nicht mit den Drachen, die einst Hüter des Gleichgewichts waren. Der Held, dessen Steuerung ihr übernehmt, ahnt davon noch nichts, als er von seinem alten Freund Ardo nach Ferdok eingeladen wird. Doch in dieser Stadt wartet eine böse Überraschung: Ardo wurde ermordet, und die Stadtgarde scheint sich nicht sonderlich um die Aufklärung dieses Verbrechens zu kümmern. Natürlich stellt der Held sofort Ermittlungen auf eigene Faust an, wobei er von anderen Freunden Ardos sowie Kampfgefährten, die sich ihm unterwegs anschließen, unterstützt wird. Schon bald zeigt sich, dass mehr hinter der Sache steckt. Der Held muss die "Drachenqueste" bestehen und den Vormarsch des Bösen aufhalten.

Wie für Spiele dieses Genres üblich entwickelt sich die Story hauptsächlich über Dialoge, Zwischensequenzen mit handlungsrelevanten Filmen sind sehr selten. Dummerweise sind nur die wenigsten Dialoge vertont, so dass man sich recht oft durch Textwüsten quälen muss. Irgendwie ist es typisch für umfangreiche RPGs, dass man die Geschichte vor lauter Nebenquests mehr oder weniger aus den Augen verliert, zumal sie meist ohnehin wenig originell ist das ist auch bei Drakensang so, aber es schadet dem Spielspaß nicht.

Charakterentwicklung, Quests, Gruppe

Nachdem ihr festgelegt habt, welche Charakterklasse euer Held hat, erledigt ihr diverse Haupt- und Nebenquests, wobei erstere für das Voranschreiten der Geschichte erforderlich sind und letztere absolviert werden, um Erfahrungspunkte, Geld und wertvolle Gegenstände zu sammeln. Mit den Erfahrungspunkten wertet ihr die Eigenschaften und Fertigkeiten eurer Helden auf. Die Besonderheit bei Drakensang besteht darin, dass ihr nicht etwa bis zum Level-Aufstieg warten müsst, um die Erfahrungspunkte zur Steigerung der Attribute eurer Helden einsetzen zu können. Nein: Ihr könnt eure Erfahrungspunkte jederzeit verteilen, durch den erreichten Level wird lediglich das Limit festgelegt, bis zu dem ihr die Werte steigern dürft. Ihr könnt unabhängig von der Charakterklasse vorgehen; wenn ihr genug Erfahrungspunkte habt, könnt ihr aus einem Alchimisten auch einen Nahkämpfer machen. Die entsprechenden Fähigkeiten müssen evtl. erst bei einem Lehrmeister erlernt werden auch das kostet Erfahrungspunkte, außerdem muss man Gold berappen.

Auch bei den Quests gibt's die gewohnte Kost ohne Höhen und Tiefen: Gegenstände beschaffen, bestimmte Ungeheuer schnetzeln und so weiter. Ab und zu dann noch ein kleines Schalterrätsel das war's. Alternative Lösungswege sind ebenfalls selten. Abhängig von den Werten eurer Helden bei der entsprechenden Fertigkeit könnt ihr euch manchmal aufs Schmeicheln verlegen, wenn ihr nicht mit Kampf drohen wollt, oder ihr erfahrt aufgrund eurer Menschenkenntnis Dinge, die euch sonst verschlossen bleiben würden. Am interessantesten ist eine Aufgabe, die ihr gegen Ende des Spiels hin zu erledigen habt: Um die Unschuld einer Freundin zu beweisen, müsst ihr ausreichend Indizien sammeln und in einer Gerichtsverhandlung gut argumentieren.

Ihr seid zwar immer mit einem "Haupthelden" unterwegs, aber im Verlauf des Spiels schließen sich euch mehrere andere Personen an. Jede einzelne wird von euch separat gesteuert und verwaltet, mit Ausrüstungsgegenständen versorgt und so weiter. Die Fähigkeiten jedes neuen Charakters sind anders gewichtet. Der eine ist ein schlagkräftiger Nahkämpfer, der andere ein geschickter Bogenschütze, der nächste ein begabter Magier. Auch hier könnt ihr aber nach Belieben ganz andere Fähigkeiten ausbauen. Eure Gruppe besteht aus bis zu vier Personen. Mehr werden es nur, wenn sich euch andere, nicht steuerbare Charaktere anschließen. Das kommt nur selten im Spiel vor. Gruppenmitglieder, die nicht "gebraucht" werden, warten in eurem Anwesen, sammeln aber wie alle aktiven Helden automatisch Erfahrungspunkte. Jeder Held hat zwar eine Vorgeschichte, aber irgendwie ist mir kaum einer ans Herz gewachsen. Allenfalls vielleicht die freche Diebin Kladdis. Die Figuren bleiben blass und ich habe mir fast bis ganz zum Schluss nie die Mühe gemacht, mit unterschiedlich zusammengesetzten Gruppen zu experimentieren. Warum? Siehe nächstes Kapitel!

Kampf: DSA-Regelwerk

In Drakensang laufen die Kämpfe rundenbasiert ab. Helden und Gegner führen abwechselnd eine Aktion aus, im Hintergrund wird "ausgewürfelt", ob die Aktionen erfolgreich sein werden und welchen Effekt sie haben. Das wird durch die Fertigkeiten und Eigenschaften der Helden und Gegner beeinflusst, und all das folgt angeblich dem Regelwerk von "Das Schwarze Auge". Dieses ist mir nicht bekannt und es ist für mich als Spieler auch nicht relevant. Ich weiß nur: Steigere diese und jene Eigenschaft, benutze dieses und jenes Rüstungsteil usw. dann hast du bessere Chancen, den Gegner zu besiegen. Das bedeutet zwar einerseits, dass man sich nicht erst ins Regelwerk einarbeiten muss, andererseits hebt Drakensang sich aber auch in dieser Hinsicht nicht von anderen RPGs ab. Irgendein Regelwerk hat man bei Spielen dieser Art ja sowieso immer. Wenigstens wird alles gut erklärt: Zu allem und jedem sind stets informative Hinweistexte abrufbar.

Die Helden werden nicht direkt gesteuert. Sie führen einfach die Befehle aus, die ihr ihnen gebt. Dass die Kämpfe in Runden unterteilt sind, merkt man nur, wenn man die Option gewählt hat, dass das Spiel vor jeder Runde pausieren soll. Dann kann man in Ruhe überlegen, welche Aktion die Helden ausführen sollen. Man kann Spezialattacken oder Zaubersprüche auswählen, Objekte (z.B. Heiltränke) aus dem Inventar verwenden usw. Aktiviert man diese Option nicht, wird's hektisch, denn dann kann man im Gewimmel schon mal den Überblick verlieren. Und zwar vor allem deshalb, weil die Leute in der Heldengruppe sich beharrlich weigern, das zu tun, was man von ihnen erwartet. Man kann ihr Verhalten nur als "defensiv" oder "offensiv" festlegen. Wählt man letzteres, dann stürzt sich ein Magier mit Nahkampfschwäche mitten ins Gegnergetümmel, anstatt seine Zaubersprüche einzusetzen. Wählt man ersteres, bleibt er einfach stehen und macht gar nichts. Man muss dann jede einzelne Aktion selbst auslösen, was sehr lästig ist. Auch Fernkämpfer und Heilmagier sind wertlos, denn man hat es meist mit so vielen Gegnern zu tun, dass diese Gruppenmitglieder nie unbehelligt aus dem Hintergrund agieren können. Ein Heiler würde sowieso nicht selbständig die eigenen Gruppenmitglieder heilen. Somit artet der Kampf immer in wüstes Gekloppe aus, und deshalb beschränkt man sich automatisch auf Gruppenmitglieder, die gut im Nahkampf sind. Ausnahme sind die Kämpfe gegen besonders starke Einzelgegner. Da kann man dann wirklich mal ein bisschen mit Magie und Fernkampf herumprobieren.


Drakensang

Bild 1: Im Kampf mit einem Drachen


Menüs, Inventar, Objekte

Wie schon erwähnt findet man viele hilfreiche Hinweise und Erläuterungen im Spiel. Dummerweise lässt das Inventar sich nicht sortieren und bietet keine Funktion zum Vergleich der Eigenschaften dort abgelegter Objekte untereinander oder mit denen, die z.B. ein Händler anbietet. Herauszufinden, ob eine bestimmte Waffe, die man kaufen möchte, besser ist als die bereits ausgerüstete Waffe, ist deshalb alles andere als einfach. Man muss den Händlerdialog immer wieder abbrechen, im Inventar nach den Eigenschaften des Objekts sehen, diese mit den Werten des Helden abgleichen (dadurch wird festgelegt, welchen Nutzen die Waffe für ihn hat) und dann den Händler erneut ansprechen. Bedienkomfort ist was anderes! Wenigstens können alle Objekte jederzeit zwischen den Mitgliedern der Gruppe hin- und her geschoben werden. Dennoch artet das oft in eine heillose Fummelei aus. Ansonsten sind Menüführung und Heldensteuerung in Ordnung.

Wirklich gute Waffen, Rüstungen und sonstige Objekte findet man unterwegs und bei Händlern selten. Die richtig netten Dinge gibt es als Questbelohnung oder man baut sie selbst. Die erforderlichen Kleinteile liegen überall herum, was übrigens auch für Pflanzen und Tierhäute oder dergleichen gilt. Mit der richtigen Bauanleitung und dem richtigen Rezept kann man, wenn man alle Zutaten beisammen und die entsprechenden Fähigkeiten hoch genug gelevelt hat, an Werkbänken, Alchemietischen usw. nette Tränke und Waffen herstellen. Dieses Feature habe ich allerdings fast nie genutzt, es ist einfach nicht relevant für das Spiel. Deshalb hatten die meisten Gegenstände, die ich in Truhen oder bei Gegnern finden konnte, keinerlei Nutzen für mich. Ich habe sie immer bei Händlern versilbert.

Spielwelt / Grafik

Ihr bewegt euch nicht in einer einzigen frei begehbaren Spielwelt, sondern in begrenzten Arealen und Siedlungen, die nach und nach freigeschaltet werden. Diese sind zwar durchaus weitläufig, aber leider kann man in die meisten nicht zurückkehren, wenn man die dort zu absolvierenden Hauptquests erst einmal erledigt hat. Würde man das Areal dann verlassen, würden alle noch offenen Nebenquests als gescheitert gelten. Außerdem gibt es abseits der Orte, an denen man etwas im Rahmen einer Quest zu erledigen hat, praktisch nichts zu entdecken. Abgesehen von ein paar herumstreunenden Gegnern, die ihr besiegen könnt, um Erfahrungspunkte zu gewinnen, warten also keine Entdeckungen auf euch. Hinzu kommt, dass Questgegenstände o.ä. meist erst dann auftauchen, wenn man die entsprechende Quest angenommen hat. Es hat also überhaupt keinen Sinn, Areale vorher zu erkunden! Leider werden die weiten Wege, die es manchmal zurückzulegen gilt, auf diese Weise zu einer echten Geduldsprobe. Eine Schnellreisefunktion wäre schön gewesen.

In den von NPCs ohne echten Tagesablauf bewohnten Städten gibt es durchaus schöne Fachwerkhäuser zu sehen, draußen erfreut teils recht üppige Vegetation das Auge. Dungeons und Höhlen wirken manchmal eintönig, weil sie aus den immer gleichen Baukasten-Elementen zusammengesetzt sind. Am interessantesten fand ich die unterirdische Zwergenstadt Murolosch, aber die ist nicht besonders groß. Nur wenige Gebäude können betreten werden.

Alle Monster, Objekte, Waffen, Rüstungen usw. haben einen ausreichend hohen Detailgrad, Rüstungen glänzen auch schön. Zaubereffekte, Feuer, Einsatz von Licht und Schatten usw. hinterlassen einen guten Eindruck, besonders spektakulär ist das alles aber auch nicht. Insgesamt gibt es an der Grafik eigentlich nichts auszusetzen. In Aventurien wirkt aber alles ziemlich bunt und irgendwie zu "glatt", zu harmlos.

Wettereffekte und Tag-/Nacht-Wechsel gibt es nicht. Die Lichtverhältnisse verändern sich nur graduell. Auch ist die Sichtweite sehr begrenzt, weiter entfernte Bereiche verschwimmen stets im Nebel.


Drakensang

Bild 2: Kringel (Mitte) und zwei Begleiter ganz zu Beginn des Abenteuers


Sonstiges

Es gibt zwar inzwischen (November 2008) zwei Patches für das Spiel, aber auch ohne dieses Flickwerk läuft es fast fehlerfrei. Ich hatte jedenfalls auch vor Installation von Patch Version 1.01 nie Abstürze oder dergleichen. Das muss man lobend erwähnen, denn damit hebt Drakensang sich sehr angenehm von praktisch allen aktuellen Spielen ab.

Fazit

Drakensang erfindet das Rad nicht neu und vermittelt auch dem RPG-Genre keine neuen Impulse. Dass man sich im Universum von "Das Schwarze Auge" bewegt, merkt man als Unkundiger nicht. Trotz allem macht das Spiel viel Spaß, und das auch über einen langen Zeitraum hinweg. Mit allen Haupt- und Nebenquests hat man Beschäftigung für viele trübe Herbstwochen. Es wirkt zwar alles irgendwie allzu brav und gemächlich, im Kampf und in den Menüs wird's manchmal fummelig, aber insgesamt macht das Spiel doch einen guten Eindruck.

J. Kreis, 13.11.2008


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