Zurück zu den Spielen

Dirt Rally

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Rally-Rennspiel

Kurzreview
Dirt Rally - Legend Edition

Der Name "Colin McRae" mag nicht mehr im Titel vorkommen, dennoch gehört dieses Spiel wie DIRT 3 zur selben Reihe von Rally-Rennspielen. Laut Wikipedia ist Dirt Rally schon der zehnte Teil der Reihe! Ich habe diese Games vom ersten Titel an gezockt, allerdings mit Unterbrechungen, denn die in den letzten Jahren erfolgte Hinwendung zum Funsport hat mir nicht gefallen.

Damit ist jetzt Schluss! Man hat sich auf alte Stärken besonnen und Dirt Rally zu dem gemacht, was Colin McRae-Rally vor fast 20 Jahren war: Eine aufs Wesentliche konzentrierte, realistische Rally-Simulation ohne Mätzchen wie nervtötende Buggyrennen oder gar den in DIRT 3 vorkommenden Gymkhana-Rennmodus, in dem es nur darum geht, besonders coole Tricks zu zeigen. Nein, in Dirt Rally gibt es nur eine an die World Rally Championship (WRC) angelehnte Rallye-Meisterschaft sowie Rallycross- und Hillclimb-Meisterschaften. Hinzu kommen selbsterstellte Meisterschaften, Online-Events und PVP-Events, die ich mir jedoch nicht angeschaut habe und daher nicht beurteilen kann.

In der Rallye-Meisterschaft nehmt ihr an Events in aller Welt teil. Jedes Event (= ein Rennen in einem Land) besteht aus mehreren Strecken, auf denen ihr allein unterwegs seid. Eure Zeit wird an mehreren Checkpoints gemessen. Wie es sich gehört, könnt ihr hier immer erkennen, wie gut oder schlecht ihr im Vergleich mit allen anderen Fahrern abgeschnitten habt und am Ende der Strecke seht ihr, wie weit ihr zeitmäßig in Führung oder im Rückstand liegt. So lässt sich gut abschätzen, ob es sich lohnt, die Strecke noch einmal in Angriff zu nehmen. Das ist sowohl während des Rennens als auch nach Abschluss der Fahrt möglich. Wenn ihr jedoch euer Ergebnis nach Abschluss der Fahrt bestätigt habt, dann bleibt es dabei. Es existiert nur ein einziger Speicherstand, der immer überschrieben wird. Solltet ihr am Ende eines Events unzufrieden mit den Ergebnissen sein, könnt ihr es nicht neu starten. Ihr müsstet die gesamte Meisterschaft abbrechen! Im Rallycross-Modus sind mehrere Runden auf Rundkursen zu bewältigen. Die gegnerischen Autos sind mit auf der Strecke, so dass es zu Rempeleien kommen kann.



Dirt Rally

(Bild 1: Rallycross. Der silberfarbene Renault ist meiner)


Der Einstieg in die Meisterschaften fällt nicht leicht. So müsst ihr schon im allerersten Rennen der Rallye-Meisterschaft eine anspruchsvolle Strecke in Griechenland bewältigen. Ich habe hier viele, viele Anläufe gebraucht, um mein Auto überhaupt unter Kontrolle zu bekommen, und das war ein Mini Cooper! Da war ich ganz schön gefrustet. Zum Glück lässt sich die Steuerung gut den eigenen Vorlieben anpassen. Dranbleiben lohnt sich, denn es stellt sich ein deutlicher Lerneffekt ein. Die Kenntnis des Streckenverlaufs ist entscheidend, also heißt es: Üben, üben, üben! Das Streckendesign ist in diesem Zusammenhang positiv hervorzuheben. Natürlich sind auch Etappen mit schönen Asphaltstraßen vorhanden, vorwiegend ist man aber auf engen Pisten mit sehr unebenen Oberflächen unterwegs und muss darauf achten, nicht in einen tückischen Graben oder über Hindernisse zu fahren. Solche Fehler rächen sich! Abflüge in die Botanik oder zumindest große Zeitverluste sind dann unvermeidlich. Selbst Spurrinnen und andere Unebenheiten wirken sich spürbar auf Geschwindigkeit und Handling aus.

Somit ist man gezwungen, "sauber" zu fahren, gefühlvoll mit Gas und Bremse umzugehen und auf die Hinweise des Beifahrers zu achten. Eine Wiederholungsfunktion gibt es nicht, das heißt, es ist nicht möglich, zu einem Moment vor einem kritischen Fahrfehler zurückzukehren, um es noch einmal versuchen.



Dirt Rally

(Bild 2: Der Beifahrer sitzt mit seinem "Gebetbuch" links)


Schwer, aber fair, so würde ich den Rallye-Modus bezeichnen. Der Rallycross-Modus dagegen war zumindest für mich eine unlösbare Aufgabe, solange mein Auto noch keine Upgrades hatte, und selbst dann war ich nie gut genug, um es aufs Podest zu schaffen. Tja, und nach der Anschaffung eines neuen Wagens, die für die Teilnahme am Rallycross-Modus unumgänglich war, hatte ich nicht mehr genug Geld, konnte mir also kein Auto für den Hillclimb-Modus leisten. Die erste, leichteste Rallye-Meisterschaft hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gewonnen, konnte sie aber nicht wiederholen, um ein bisschen zusätzliche Kohle einzuheimsen. Grinding dieser Art ist anders als zum Beispiel bei Gran Turismo - nicht vorgesehen. Ich musste also mit der nächsthöheren Rallye-Meisterschaft anfangen, um wieder zu Geld zu kommen.

Und in diesem Moment habe ich festgestellt, dass meine Motivation schon nach der ersten absolvierten Rallye-Meisterschaft deutlich abgenommen hatte. Das liegt möglicherweise daran, dass es außer Geld nichts einzuheimsen gibt. Es werden keine neuen Autos freigeschaltet oder dergleichen, man darf sich nicht mal über eine Siegerehrung freuen. Stattdessen bekommt man am Ende der Meisterschaft eine Rangliste zu sehen und das war's.



Dirt Rally

(Bild 3: Rangliste während einer Meisterschaft)


Danach kann man die nächste Meisterschaft starten, in der alles von vorn losgeht nur mit mehr Strecken pro Event und leistungsfähigeren Autos, sofern man sich diese leisten kann, was bei mir nicht der Fall war. Ich musste die nächste Meisterschaft mit demselben ollen Mini Cooper bewältigen. Nüchterne Menüs ohne Klickibunti-Schnickschnack gut und schön, aber ganz so nüchtern hätte die Präsentation nun doch nicht ausfallen müssen. Irgendeine Art von Karriere, etwas, das den Sammeltrieb anspornt? Fehlanzeige! Ein bisschen Teamverwaltung ist immerhin vorhanden. Ein Teamleiter ist von Anfang an dabei, zusätzliche Mechaniker können eingestellt werden. Je mehr Teammitglieder man hat und je erfahrener sie sind, desto mehr Reparaturen können sie nach einem Rennen in der vorgegebenen Zeit absolvieren.



Dirt Rally

(Bild 4: Eines von mehreren Menüs der Teamverwaltung)


Die Grafik ist unspektakulär, um es mal diplomatisch auszudrücken. Die Autos sehen durchaus hübsch und detailreich aus, sie haben ein umfangreiches Schadensmodell. Zu letzterem kann ich allerdings nicht viel sagen, denn ich habe mich natürlich stets bemüht, keine Unfälle zu bauen! Von der Umgebungsgrafik hatte ich deutlich mehr erwartet. Pixelige Bäume, schwammige Texturen, kaum was zu sehen abseits der Strecke, obendrein viele Pop-ups und Clippingfehler da war ich wirklich ein wenig enttäuscht.

Es steht eine große Auswahl von Fahrzeugen in verschiedenen Klassen zur Verfügung, wirklich gute sind aber absurd teuer, wenn man die Höhe der Preisgelder berücksichtigt. Upgrades wie Gewichtsreduzierung, verbesserte Motorleistung und so weiter werden nicht gekauft, sondern abhängig von der Anzahl der absolvierten Rennen nach und nach freigeschaltet, und zwar in einer vom Spiel festgelegten Reihenfolge. Wie schnell das geht, hängt auch von speziellen Boni ab, die man für die Mechaniker erwerben kann. Sobald sich ein Auto erst einmal tunen lässt, kann man aber durchaus frei unter vielen Optionen wählen.



Dirt Rally

(Bild 5: Setup-Menü für die Federung, zu jeder Option werden Erläuterungen angezeigt)


Fazit fürs Spiel: Als Rally-Simulation hat Dirt Rally zurzeit definitiv die Nase vorn, und zwar mit Abstand! Grafik und Präsentation sind dagegen leider wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Das Fahrgefühl ist nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sehr gut, noch besser gefällt mir das Streckendesign. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht zu verachten, jeder Fahrfehler wird sofort bestraft. Aber so soll es ja sein. Wenn der Puls nach einer schwierigen, mit höchster Konzentration im x-ten Anlauf endlich auf Platz 1 absolvierten Strecke nur so rast, dann ist das Triumphgefühl umso intensiver!



Dirt Rally

(Bild 6: Auch eine Fahrt mit dem Mini Cooper kann schweißtreibend sein)


Die Anschaffung der "Legend Edition" lohnt sich für Rallye-Fans sogar dann, wenn sie das Game gar nicht zocken wollen, denn sie enthält eine Blu-ray mit der posthum produzierten Dokumentation "Colin McRae Rally Legend" in Spielfilmlänge. Die Doku ist wirklich sehenswert! Sie befasst sich mit Colin McRaes gesamter Rennfahrerkarriere, so dass man seinen Werdegang sehr gut nachverfolgen kann. Filmaufnahmen seiner allerersten Fahrten sind ebenso vorhanden wie Ausschnitte aus den WRC-Rennen, mit denen er weltberühmt geworden ist. Durch Interviews aus verschiedenen Jahren mit Angehörigen, Teammitgliedern und anderen Weggefährten, natürlich auch mit McRae selbst, gewinnt man ein gutes Bild von dem ebenso legendären wie sympathischen Rennfahrer, der aufgrund seines spektakulären Fahrstils auch mal als "Colin McCrash" bezeichnet wurde. Es wird sogar auf die unter seinem Namen veröffentlichten Spiele eingegangen. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie wichtig die Games für McRae waren.

In der zusätzlichen, ca. 13 Minuten langen Featurette "Tributes" äußern sich unter anderem Nicky Grist (McRaes langjähriger Beifahrer) und Malcolm Wilson (Besitzer des Rallye-Teams M-Sport) über den Menschen und Rennfahrer McRae. Was mich betrifft, haben sie Recht, wenn sie behaupten, dass McRae in den Neunzigern in nicht unerheblichem Maße zur Popularität der WRC beigetragen hat. Ohne ihn hätte ich mich damals vielleicht überhaupt nicht für den Rallysport interessiert.

Neben einer weiteren kurzen Featurette, die nichts anderes ist als ein verlängertes Kapitel aus der Dokumentation, kann man zwei komplette Rallye-Etappen aus der Cockpitperspektive genießen. McRae ist im Jahre 2001 mit einem Ford Focus RS WRC bei der Rally GB unterwegs. Hier ist der Beifahrer leider nicht zu hören. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zumindest Teile dieser Strecke im Spiel vorahnden sind. Im Jahre 1992 nimmt McRae mit einem Subaru Legacy RS an der Arctic Rally teil. Diesmal hört man die Ansagen des Beifahrers (Derek Ringer). Die Etappe führt komplett über einen zugefrorenen See und enthält so viele enge Kurven, dass mir ganz schwindlig geworden ist!

Fazit Blu-ray: Die Doku und die Featurettes sind ein echter Leckerbissen und eine sehr schöne Würdigung des im Jahre 2007 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Motorsportlers. Die Doku ist auch gesondert auf DVD und Blu-ray erhältlich. Ich weiß nur nicht, ob die Featurettes dort ebenfalls enthalten sind.


J. Kreis, 31.07.2016



Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)




Seitenanfang