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Dark Souls

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
RPG

Note: 2+
DARK SOULS (Prepare to die - Edition)

Nomen est Omen! Wenn ihr dieses RPG spielt, dann macht euch bereit zu sterben. Ihr werdet sterben. Und zwar nicht nur einmal, sondern viele, viele Male! Das hat verschiedene Gründe, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Nicht zuletzt ist Dark Souls ein Spiel, das euch ganz schön allein lässt. Will sagen: Es wird kaum etwas erklärt. Und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - macht Dark Souls einen Heidenspaß! Trotz unzähliger Frustmomente war ich bis zuletzt hoch motiviert, noch den letzten Winkel der Welt zu erkunden und den übelsten Bossfight zu bestehen.

Story

Eine Story ist im Grunde ebenso wenig vorhanden wie Quests und Missionen. Im Eröffnungsfilm (mit englischer Sprachausgabe wie bei allen gesprochenen Dialoge im Spiel) erfährt man, dass die Welt einst von den Drachen beherrscht wurde. Vier mächtige Wesen haben die Drachen mit der Hilfe eines Verräters niedergeworfen und danach selbst die Macht übernommen. Diese Geschichte hat praktisch überhaupt keine Bedeutung für das Spiel - abgesehen davon, dass man gegen die Bezwinger der Drachen antreten muss. Ein paar Drachen sind noch übrig und müssen bekämpft werden.

Ihr übernehmt die Rolle eines Menschen, der verflucht wurde, das Finsterzeichen trägt und somit nicht sterben kann. Als lebender Toter wird der Verfluchte in das Asyl der Untoten verbannt und muss nun einen Weg nach draußen finden. Unterwegs muss er sich den aggressiven anderen Verfluchten sowie unzähligen verschiedenen Monstern stellen. Irgendwann stellt sich heraus, dass der Verfluchte auserwählt ist, das weitere Geschick dieser Welt zu bestimmen. Das ist alles! Es gibt niemanden, der euch sagt, wohin ihr gehen sollt und was ihr zu erledigen habt. Überhaupt werdet ihr in diesem Spiel nur sehr, sehr, sehr wenige Dialoge führen. Und kein NPC wird euch jemals bitten, Gegenstand A zu beschaffen oder zu Person B zu bringen, wofür euch Belohnung C versprochen wird. Dieser für RPGs typische Ablauf sowie die ansonsten übliche Haupt- und Nebenquest-Struktur existiert in Dark Souls nicht. Abzuarbeitende Aufgaben gibt es ebenso wenig wie ein Questlog. Ihr werdet also nicht durch das Spiel geführt, sondern habt von Anfang bis Ende das Gefühl, völlig allein und auf euch gestellt zu sein.

Aller Anfang ist schwer

Die Flucht aus dem Asyl der Untoten ist eine Art Tutorial, in dem ihr die wichtigsten Gameplay-Elemente kennenlernt. Textinfos zu den Grundzügen der Steuerung können hier eingeblendet werden. Nach der Charaktererstellung (dazu später mehr) findet ihr euch in einer Kerkerzelle wieder, aus der ihr euch aber sogleich befreien könnt. Der Ablauf, der euch jetzt erwartet, ist im gesamten Spiel prinzipiell derselbe. Ihr habt keinen konkreten Auftrag, wisst nicht, wohin ihr gehen müsst, und habt keine Ahnung, was euch hinter der nächsten Ecke erwartet. Ihr latscht also einfach drauflos und erkundet die Korridore und Räume des Asyls. Hier und da liegen nützliche Gegenstände herum, einzelne Türen sind abgesperrt, manche lassen sich öffnen, eine ist durch ein weißes Nebelfeld verschlossen. Ihr begegnet schon bald aggressiven Untoten, die euch im Nah- und Fernkampf angreifen. Ihr lernt, dass es nicht ausreicht, einfach auf den Gegner zuzugehen und ihn zu verdreschen, denn das führt ganz schnell zu eurem Ableben! Stattdessen müsst ihr blocken, ausweichen und auf den richtigen Moment zum Zuschlagen warten. Blocken und angreifen kostet Ausdauer, und wenn eure Ausdauer aufgebraucht ist, könnt ihr praktisch nichts mehr tun. Jeder gegnerische Treffer nagt bei Null Ausdauer selbst dann an eurem Lebensbalken, wenn ihr den Schild erhebt. Bei erhobenem Schild regeneriert sich die Ausdauer allerdings nur langsam. Leider hilft blocken wenig, wenn es einem Gegner gelingt, sich von hinten anzupirschen. Der kann dann einen gefährlichen Überraschungsangriff starten. Ihr könnt natürlich dasselbe tun, solche Backstab-Angriffe sind äußerst effektiv.

Im Asyl begegnet ihr bereits dem ersten von sehr, sehr wenigen nicht aggressiven NPCs. Von ihm erhaltet ihr das in Dark Souls gebräuchliche Äquivalent der Heiltränke. Sie werden Estus-Flakons genannt und zu Beginn habt ihr nur fünf davon. Im weiteren Verlauf kann man ihre Wirksamkeit verstärken. Außerdem findet ihr im Asyl die ersten Leuchtfeuer. Hier könnt ihr rasten, wodurch automatisch die Lebensenergie sowie alle verbrauchten Estus-Flakons wieder aufgefüllt werden. Mit so genannten "Rückkehrknochen" könnt ihr euch von jedem beliebigen Ort zum zuletzt besuchten Leuchtfeuer zurückbeamen. Leuchtfeuer können in mehreren Stufen angefacht werden, dazu werden die extrem seltenen Feuerhüter-Seelen benötigt. Durch das Anfachen erhöht sich die Anzahl der verfügbaren Estus-Flakons auf bis zu 20. Leuchtfeuer dienen zusätzlich als Vorratskammern und Reparaturwerkstätten. Alle Gegenstände, die ihr an einem Leuchtfeuer einlagert, stehen euch an sämtlichen anderen Leuchtfeuern zur Verfügung. Nur während einer Rast am Leuchtfeuer ist ein Level-Aufstieg möglich. Und bei jeder Rast respawnen sämtliche besiegten Gegner! Nur Bosse und bestimmte andere besonders mächtige Gegner sind davon ausgenommen. Speichern ist übrigens jederzeit und überall möglich, dazu müsst ihr nicht erst ein Leuchtfeuer erreichen. Es wird aber immer derselbe Speicherstand verwendet, und der wird ständig durch automatisches Speichern überschrieben - auch wenn ihr sterbt sowie beim Beenden des Spiels. Nach einem Misserfolg mal eben den letzten Spielstand laden? Das könnt ihr in Dark Souls vergessen.

Wenn ihr einen Gegner besiegt habt, erhaltet ihr eine Belohnung in Form von Seelen. Je schwerer der Gegner, desto größer die Anzahl der Seelen. Seelenpakete sind zusätzlich überall in der Spielwelt mehr oder weniger gut versteckt. Diese Seelen sind die einzige "Währung" in Dark Souls. Seelen haben viele Verwendungszwecke: Sie werden für den Kauf von Waffen, Rüstungen und diversen Verbrauchsgegenständen (Wurfbomben und -messer, Kräuter, Schmiedezubehör, Rückkehrknochen und vieles mehr) benötigt, sowie für die Verbesserung / Reparatur eurer Ausrüstung und für die Aufwertung der Charakter-Attribute. Jedes Mal, wenn ihr eine bestimmte Anzahl von Gegnern besiegt habt, und wenn der Endboss dieses Areals noch lebt, erhaltet ihr einen Punkt Menschlichkeit. Menschlichkeit wird zudem manchmal von besiegten Gegnern fallen gelassen bzw. ist in Verstecken zu finden. Diese Menschlichkeits-Scherben befinden sich nach dem Aufsammeln im Inventar und können irgendwann verbraucht werden. Mittels Menschlichkeit könnt ihr euch von der untoten Form in die menschliche Form verwandeln. Im Offline-Modus ist das eigentlich nur für das Anfachen von Leuchtfeuern erforderlich. Wenn ihr weitere Scherben benutzt, erhöht sich eure Menschlichkeits-Punktzahl. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit gesteigert, dass besiegte Gegner nützliche Dinge fallen lassen.

Irgendwann habt ihr alle Ecken des Asyls untersucht und alle Gegner besiegt. Nur die Nebel-Tür habt ihr noch nicht durchschritten. Das nehmt ihr jetzt in Angriff, und von diesem Moment an zieht der (nicht änderbare) Schwierigkeitsgrad mächtig an. Sobald ihr das Portal durchschritten habt, könnt ihr nicht mehr umkehren. Ihr befindet euch in einer Art Arena und steht dem riesigen, mit einer gewaltigen Keule bewaffneten Asyldämon gegenüber. Jetzt müsst ihr anwenden, was ihr mit dem im Vergleich mit diesem Monster völlig harmlosen anderen Gegnern gelernt habt. Ihr müsst den Bewegungsablauf eures Gegenübers genau beobachten und erkennen, wann und wie ihr seinen Hieben ausweichen könnt, denn ihr seid zu schwach, um sie abzublocken. Selbst wenn das Vieh euch nur streift, werdet ihr zu Boden geworfen und seid schneller tot, als ihr zum Estus-Flakon greifen könnt. Nur wenn es euch gelingt, vor den gegnerischen Angriffen wegzurollen, am besten hinter den Dämon zu gelangen und zuzuschlagen, wenn er gerade kurz damit beschäftigt ist, seine schwere Keule zum nächsten Schlag in die Höhe zu wuchten, habt ihr eine Siegeschance. Es geht also heiß her - wie heiß, könnt ihr daran erkennen, dass mein Gamepad irgendwann ziemlich ramponiert war.


Gamepad


Denkt ja nicht, dass es in diesem Kampf mit ein paar Treffern getan ist! Es dauert ziemlich lang, bis der Lebensenergie-Balken eures Widersachers merklich sinkt. Gleichzeitig müsst ihr immer eure Ausdauer im Blick behalten. Ihr könnt nicht einfach das Inventar öffnen und Estus-Flakons konsumieren, denn bei geöffnetem Inventar läuft das Spielgeschehen im Hintergrund weiter.

An dieser Stelle werdet ihr mit Sicherheit mehrmals sterben. Tatsächlich habe ich selten einen so schweren Einstieg in ein Spiel erlebt! Beim Tod verliert ihr alle gesammelten Seelen und sämtliche Menschlichkeitspunkte. Nur was sich in eurem Inventar befindet, bleibt erhalten. Ihr werdet automatisch am Leuchtfeuer eurer letzten Rast wiederbelebt, aber nur in untoter Form. Wollt ihr wieder menschlich werden, müsst ihr eine Menschlichkeits-Scherbe verbrauchen. Jetzt möchtet ihr natürlich so schnell wie möglich zum Asyldämon zurückkehren, um es noch einmal zu versuchen. Dummerweise befindet sich das Leuchtfeuer aber nicht direkt vor dem Nebeltor. Ihr müsst erst wieder das ganze Asyl durchqueren, wo euch jetzt (da ihr ja ein Leuchtfeuer benutzt habt) wieder alle besiegt gewesenen Feinde entgegentreten! An der Stelle eures Todes seht ihr einen leuchtenden Fleck. Das sind eure verlorenen Seelen und Menschlichkeits-Punkte. Gelingt es euch, das Zeug einzusammeln, erhaltet ihr alles zurück. Sterbt ihr vorher ein zweites Mal, dürft ihr alles endgültig abschreiben. Genau das ist mir nicht nur einmal passiert - und 40.000 Seelen auf diese Weise zu verlieren, das tut richtig weh...

So ähnlich wie im Asyl der Untoten ergeht es euch überall in der Spielwelt: Erkundet die Umgebung, bekämpft Gegner, sammelt Seelen und stellt euch dem hinter der Nebelwand wartenden Endboss, wenn ihr glaubt, dass ihr ihm gewachsen seid. Die meisten Bosse sind so absurd stark und haben so viele verschiedene Angriffsmuster, dass ihr wieder und wieder sterben werdet! Manchmal gehört auch eine Portion Glück dazu, oder man muss KI-Schwächen ausnutzen, um zu siegen. In einem Bosskampf muss man sogar gegen zwei Feinde gleichzeitig antreten! Für mich war das eine der haarigsten Stellen in diesem an Frustmomenten wahrlich nicht armen Spiel. Die Bosskämpfe sind immer die Voraussetzung dafür, dass ihr in der Spielwelt weiterkommt und schließlich dem finalen Endgegner gegenübersteht. Ihr könnt euch also nicht davor drücken.

Wenn ihr den Asyldämon nach -zig Fehlversuchen endlich besiegt habt, erlischt der Nebel und die Tür zum folgenden Bereich kann geöffnet werden. Jetzt werdet ihr von einem riesigen Raben nach Lordran gebracht, wo das eigentliche Abenteuer beginnt. Kaum seid ihr dort angekommen, steht ihr vor der Frage:

Wohin gehen?

In Lordran erwarten euch das Leuchtfeuer "Feuerbandschrein" und zwei NPCs. Keiner von beiden kann euch sagen, was ihr jetzt tun sollt. Einer gibt euch immerhin den Hinweis, dass zwei Glocken geläutet werden müssen. Dann, so sagt er, wird etwas Wunderbares geschehen. Was das sein soll, verrät er nicht, aber die Antwort ist einfach: Ein bis dahin unpassierbares Portal öffnet sich. Der andere NPC ist ein Händler. Weiteren Händlern begegnet ihr in vielen Bereichen Lordrans, manche üben gleichzeitig das Schmiedehandwerk aus und können eure Waffen verbessern, vorausgesetzt, ihr habt genug Seelen und die benötigten Rohmaterialien dabei. Der Händler beim Leuchtfeuer bietet euch außerdem ein Bündnis an. Was es damit auf sich hat? Keine Ahnung! Dark Souls liefert keine Erklärung dafür. Ich habe nie irgendetwas Besonderes tun müssen, nachdem ich das Bündnis eingegangen bin, ich konnte keine Vor- oder Nachteile erkennen. Auch andere NPCs bieten euch solche Bündnisse an, und nur selten hat das irgendwelche Auswirkungen, zum Beispiel erhält man manchmal einen bestimmten Gegenstand.

Jedenfalls ist im Bereich des Leuchtfeuers nicht viel los. Mehrere Wege stehen euch offen. Ihr könnt zum Beispiel zu den überfluteten Ruinen von Neu-Londo wandern. Doch dort werdet ihr von Geistern angegriffen, durch die eure Hiebe einfach hindurch gehen. Wenn ihr nicht schnell flieht, werdet ihr sterben. Und ihr habt zunächst einmal keine Ahnung, was ihr tun müsst, um diesen Gegnern Schaden zufügen zu können. Also zurück zum Feuerbandschrein und einen anderen Weg einschlagen. Der führt zu einem Friedhof, von dem aus ihr in die Katakomben absteigen könnt. Doch dort bekommt ihr es mit Skeletten zu tun, die immer paarweise auftreten und sich als äußerst zäh erweisen, so dass ihr schnell merkt, dass ihr hier noch nicht sein solltet. Also zurück zum Feuerbandschrein und von dort aus treppauf in Richtung Stadt der Untoten. Hier sind die Gegner zwar auch sehr stark, aber beherrschbar. Hier kommt ihr weiter, und allmählich erschließt sich euch eine riesige Spielwelt, in der ihr weite Strecken zurücklegen müsst. Umso größer ist das Aha-Erlebnis, wenn ihr an eine Tür kommt, die ihr öffnen könnt, woraufhin ihr feststellt, dass ihr das vor geraumer Zeit schon einmal von der anderen Seite aus vergeblich versucht habt. Auf solche Abkürzungen sowie auf alternative Routen stoßt ihr immer wieder. Es gibt auch einzelne versteckte Bereiche hinter zerstörbaren Mauern, die gar nicht so leicht zu erkennen sind.

Die Spielwelt ist nicht offen im Sinne einer weitläufigen Landschaft mit Städten, Gebirgen, Flüssen, Höhlen und so weiter wie zum Beispiel in Skyrim, wo ihr von Anfang an jeden einzelnen Winkel völlig frei erkunden könnt. Trotzdem befindet ihr euch durchaus in einer großen, zusammenhängenden Welt und durchlauft nicht etwa isolierte Levels oder dergleichen. Ihr steht nur manchmal vor den bereits erwähnten verschlossenen Türen, die sich erst nach einem besonderen Ereignis öffnen oder von der anderen Seite geöffnet werden müssen. Außerdem gibt es zwar einige große Areale unter freiem Himmel, recht oft befindet ihr euch aber im Inneren von Dungeons und Gebäuden, bewegt euch durch enge Korridore und Räume. Mich hat die Spielwelt sehr an das unüberschaubare Schloss Gormenghast aus der gleichnamigen Roman-Trilogie von Mervyn Peake erinnert! Es ist faszinierend zu erkennen, wie die ineinander verschachtelten Burgkomplexe zusammenhängen. Ein Highlight ist die "Schandstadt". Dabei handelt es sich um eine riesige bizarre Holzkonstruktion aus Plattformen, Hütten, schwankenden Stegen usw., die sich an die Mauern der gewaltigen Fundamente von Anor Londo klammert, diese teilweise überwuchert und bis weit in die Tiefe reicht. Ganz unten erstreckt sich ein giftiger Sumpf, und dort findet ihr den Zugang in eine noch tiefer unter der Erde verborgene Unterwelt voller Feuer und Lava. Das alles ist so riesig, dass ihr aus der Ferne gar nicht alle Details erkennen könnt.

Sich in Lordran umzusehen ist nicht nur wegen der starken Gegner gefährlich, sondern auch wegen der Umgebung selbst. Die Schandstadt ist auch hierfür ein schönes Beispiel. Ein Fehltritt, etwa wenn ihr versucht, gegnerischen Angriffen auszuweichen, dann stürzt ihr im Gewirr der Planken und Leitern zu Tode. Watet ihr zu lange im Sumpf herum, so werdet ihr vergiftet und eure Lebensenergie nimmt rapide ab. Immer wieder seht ihr irgendwo das charakteristische Leuchten, das euch darauf hinweist, dass dort ein wertvolles Item liegt, und ihr fragt euch, wie ihr dorthin gelangen sollt. Es gibt immer einen Weg! Der kann aber unter Umständen schwer zu finden sein, oft ist wie in Tomb Raider wagemutiges Springen nötig, oder ihr müsst halsbrecherisch an Engstellen entlangbalancieren. Wenn auf so einem super-schmalen Mauervorsprung auch noch ein Gegner lauert, der euch mit Pfeilen beschießt, die euch zurückstoßen, könnt ihr euch vorstellen, was geschieht! Aber die Erkundung lohnt sich, deshalb bleibt die Motivation hoch. Mal findet ihr eine Menschlichkeits-Scherbe oder eine neue Waffe, manchmal auch einen Schlüssel, einen wichtigen Hinweis oder eine Truhe mit einem kompletten Rüstungssatz. Aber Vorsicht! Manche Truhen in Dark Souls erwachen plötzlich zum Leben und wollen euch fressen! Wenn ihr dann nicht volle Lebensenergie und eine gute Rüstung habt, werdet ihr sterben.

Nachdem ihr euch für einen Weg entschieden habt, allmählich immer weiter vorgedrungen seid und dabei durch den Kampf gegen unzählige Gegner viele Seelen gesammelt habt, stellt sich euch die nächste Frage:

Was tun?

Oder anders gesagt: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sollen weiterentwickelt werden? Zu Beginn des Spiels könnt ihr das Aussehen eures Charakters festlegen und habt die Wahl zwischen mehreren Charakterklassen, deren Fähigkeiten anders gewichtet sind und die eine andere Startausrüstung tragen. Zusätzlich dürft ihr euch ein Geschenk aussuchen. Dummerweise erschließt sich euch die Nützlichkeit dieser Geschenke nicht ohne weiteres. Ich habe mich für einen Ring entscheiden, der die Lebensenergie leicht erhöht. Diese Erhöhung war aber so minimal, dass es nicht ins Gewicht fiel, außerdem habe ich denselben Ring später im Spiel nochmal gefunden. Hätte ich mal den Generalschlüssel genommen! Das wäre viel sinnvoller gewesen. Durch die Auswahl der Charakterklasse seid ihr nicht endgültig festgelegt, die weitere Entwicklung könnt ihr völlig frei vorantreiben. Ihr könnt einen Nahkämpfer immer noch zum Magier machen und umgekehrt. Magier haben es bei Dark Souls aber schwer. Wenn ihr wirklich wirksame Zauber nutzen wollt, müsst ihr euch so sehr auf die entsprechenden Charaktereigenschaften konzentrieren, dass euer Charakter als Nahkämpfer zu schwach ist - und ihr braucht Nahkampffähigkeiten, denn ihr könnt nie, vor allem nicht in Bosskämpfen, den Abstand zum Gegner einhalten, den ihr einhalten müsstet, um eure Zauber in Ruhe vorbereiten und den gegnerischen Angriffen entgehen zu können. Und als ob das noch nicht genug wäre, können Zauber nicht unbegrenzt eingesetzt werden. Wenn alle "Ladungen" verbraucht sind, ist Schluss. Man müsste an einem Leuchtfeuer rasten, um die Ladungen wiederherzustellen.

Das Problem dabei ist: Wenn ihr euch erst einmal "verskillt" habt, wird es mit zunehmender Ausbaustufe immer schwerer, daran noch etwas zu ändern. Die Kosten für das Aufwerten von Eigenschaften und Fähigkeiten steigen nämlich rasch an. Und wenn die Verbesserung einer Eigenschaft um einen einzigen läppischen Punkt schon 30.000 Seelen kostet, dann ist es ein Ding der Unmöglichkeit, das Ruder wieder herumzureißen. Immerhin sieht man im Charakterbildschirm sofort, welche Auswirkungen das Aufwerten einer Eigenschaft hat. Die neuen Werte für Resistenzen usw. werden ebenfalls sofort angezeigt. Anders als in vielen anderen RPGs wird euer Charakter nie so mächtig, dass die Gegner keine Herausforderung mehr darstellen. Natürlich habt ihr die Untoten aus der Anfangsphase irgendwann gut im Griff, und selbst die paarweise auftretenden Skelette vom Friedhof jagen euch dann keine Angst mehr ein. Trotzdem müsst ihr auch schwache Gegner stets respektieren und vorsichtig angehen, wenn ihr nicht zu großen Schaden nehmen wollt. Je weiter ihr vordringt, desto stärker werden die Gegner, und so ist die Flucht nicht selten das Mittel der Wahl. Wenn ihr schnell genug seid, könnt ihr manchmal einfach an den Gegnern vorbeilaufen. Wenn ihr Glück und genug Ausdauer habt, brechen sie die Verfolgung ab, bevor ihr den nächsten Gegnern in die Arme lauft.

Apropos Ausdauer: Die ist enorm wichtig für den Kampf, wie ich weiter oben schon geschrieben habe. Ausdauer ist womöglich noch wichtiger als Lebensenergie, denn ohne Ausdauer nützt euch der längste Lebensenergie-Balken so gut wie gar nichts. Diese Eigenschaft solltet ihr also immer weiter verbessern. Es sind aber auch hohe Werte in Stärke, Geschicklichkeit und anderen Eigenschaften nötig, wenn ihr besonders mächtige Waffen und Rüstungen benutzen wollt. Wenn eine Rüstung zu schwer ist, kommt ihr kaum noch vom Fleck und könnt im Kampf nicht richtig ausweichen. Es ist zwar lustig zu sehen, wie ein zu schwacher Charakter eine riesige Doppelaxt hinter sich her schleift. Aber wenn ihr das Ding im Kampf nicht problemlos schwingen könnt, werdet ihr sterben.

Der Mangel an Erklärungen macht sich wieder einmal bemerkbar, wenn ihr Ausrüstungsgegenstände aufrüsten wollt. Ich habe es zum Beispiel nicht geschafft, meine Lieblingswaffe, den Titanit-Fangstab, mit zusätzlichem Blitzschaden zu versehen, obwohl ich Items im Inventar hatte, mit denen das angeblich möglich ist. Aber wie macht man das? Keine Ahnung. Dummerweise hat man von derartigen Gegenständen in der Regel nur ganz wenige Exemplare oder sogar nur ein einziges, so dass man nicht einfach mit Versuch und Irrtum arbeiten kann.

Sonstiges / Prepare to die - Edition

Dark Souls bietet einige interessante Online-Features, die ich aber nicht nutze. In menschlicher Form könnt ihr zum Beispiel in die Welten anderer Spieler eindringen, die gerade online sind, um diese zu unterstützen oder zu bekämpfen. Außerdem könnt ihr Hinweise hinterlassen, die von allen Online-Spielern gelesen werden können. Irgendwie scheinen die Bündnisse beim Online-Spiel von Bedeutung zu sein, aber das hat sich mir nicht erschlossen.

Es ist gar nicht so einfach, die Zusatzinhalte der Prepare to die - Edition zu entdecken. Auch hier hält sich das Spiel mit Erklärungen sehr zurück. Zunächst einmal müsst ihr einen Bosskampf in der Welt des Hauptspiels überstehen. Danach könnt ihr ein sehr großes neues Areal erreichen, das ebenso bizarr und düster ist wie die Welt des Hauptspiels. Ihr werdet in die Welt Oolacile hineingezogen, in der es neue, sehr starke Gegner und Bosse, neue Waffen und Rüstungen zu entdecken gibt. Dort werdet ihr - wie sollte es auch anders sein - sogleich mit einem Bosskampf begrüßt, der es in sich hat! In Oolacile erhaltet ihr außerdem Zugang zu neuen Online-Features. Ihr könnt jederzeit zwischen Oolacile und der Welt des Hauptspiels hin und her reisen. Sehr lobenswert: Die Zusatzinhalte müssen nicht erst freigeschaltet werden oder so. Sie sind einfach so im Spiel enthalten. Nicht zu fassen.

Insgesamt bin ich auf eine Spielzeit von über 100 Stunden gekommen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass ich ziemlich oft "Seelen-Farming" betrieben habe. Es gibt einige Stellen, die sich dafür sehr gut eignen! Sobald Aschefürst Gwyn im Hauptspiel besiegt ist, wobei von einer bestimmten Entscheidung eurerseits abhängt, welches Ende ihr erlebt, könnt ihr das Spiel neu starten. Euer Charakter behält den beim Durchspielen erreichten Level mit allen Fähigkeiten, das Inventar (bis auf ein paar Story-Gegenstände) bleibt ebenfalls erhalten. Sämtliche Gegner sind beim zweiten Durchgang viel stärker. Andere Unterschiede habe ich noch nicht entdeckt.

Fazit

Praktisch keine Dialoge und Quests, normale Gegner, die so stark sind, wie man es in anderen Games nur bei den Bosskämpfen erlebt, das Gefühl des totalen auf-sich-gestellt-seins bei zu Beginn völliger Orientierungslosigkeit, die Rätselhaftigkeit des gesamten Spiels, die düstere, "erwachsene" Atmosphäre - Dark Souls ist ganz anders als alle RPGs, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Hoffentlich konnte ich euch mit meinem Geschwafel deutlich machen, warum das so ist! Mir wurde ein Wechselbad der Gefühle beschert, bei dem die unzähligen Frustmomente in umso größere Begeisterung umschlugen, vor allem wenn ich einen fiesen Endgegner nach dem x-ten Tod doch noch besiegen konnte. Somit habe ich eine echte Hassliebe zu dem Spiel entwickelt!

Ich muss aber sagen: Ich finde es ja gut, dass man sich nicht durch ellenlange Dialoge oder Textinformationen quälen muss, und dass Dark Souls es dem Spieler überlässt, aus einzelnen Puzzlestückchen eigene Schlüsse zu ziehen. Aber der eine oder andere Hinweis hätte nicht wehgetan, vor allem in Bezug auf das Gameplay. Ich bin mir absolut sicher, dass ich einiges verpasst habe und nur einen Teil der Spieltiefe ausloten konnte, zum Beispiel weil ich einfach nicht wusste, was ich mit einem bestimmten Gegenstand tun sollte. Auch mag ich es nicht, wenn es vom Zufall abhängt, ob ich eine versteckte Tür finde oder nicht, ob sich ein fieser Boss besiegen lässt oder mich besiegt... Ich will nicht behaupten, dass Dark Souls unfair ist. Nein, meist sind es eigene Fehler, die den Spieler scheitern lassen. Man muss aus diesen Fehlern lernen, um weiterzukommen. Es gibt aber durchaus die eine oder andere Stelle, an der man einfach eine gewisse Portion Glück braucht. Das sollte so nicht sein. Deshalb schrammt Dark Souls knapp an der Bestnote vorbei.

Wenn ihr RPGs mögt, solltet ihr euch unbedingt auf dieses Spiel einlassen. Aber seid gewarnt! Dark Souls ist ein beinharter, gerade in der Anfangsphase schwer zugänglicher Zeitfresser. Wenn ihr weichgespülte, unkomplizierte Haudrauf-Action ohne spielerische Herausforderung für zwischendruch sucht, dann ist Dark Souls nichts für euch. Denn (falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte): Ihr werdet sterben. Oft.

J. Kreis, 07.04.2014





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