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Dragon Age Origins Awakening

System:
PC DVD-ROM

Genre:
RPG

Note: 3
DRAGON AGE ORIGINS - AWAKENING

Dies ist ein Add-On für das RPG Dragon Age: Origins (DAO). Die Installation des Hauptspiels wird vorausgesetzt, Awakening ist nicht allein lauffähig. Man muss das Hauptspiel aber nicht abgeschlossen oder auch nur begonnen haben - Awakening enthält eine gesonderte Kampagne, die unabhängig vom Hauptspiel verläuft.

Das Gameplay ist mit DAO identisch. Charakterentwicklung, Gruppensteuerung, Kampfsystem usw. - alles wie in meiner Review des Hauptspiels beschrieben. Ich gehe deshalb nur auf die Unterschiede ein.

Story

Der Erzdämon wurde besiegt, die Verderbnis ist beendet. Doch es herrscht kein Friede in Ferelden. Reste der Dunklen Brut, die nicht in die Unterwelt zurückgekehrt sind, rotten sich zusammen und fallen über die Menschen her. Da sie koordiniert vorgehen, müssen sie einen neuen Anführer haben. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass ein weiterer Erzdämon existieren könnte. Auch Vigils Wacht, das neue Hauptquartier der Grauen Wächter (ehemals Sitz des Verräters Rendon Howe) wird von der Dunklen Brut angegriffen, kurz bevor der neue Kommandant dort eintrifft. Die Angreifer können unter großen Verlusten zurückgeschlagen werden. Bei den Kämpfen stößt der Kommandant der Grauen Wächter auf ein Wesen, das eindeutig zur Dunklen Brut gehört, aber Intelligenz besitzt und sogar sprechen kann.

Die Aufgabe des Kommandanten besteht nun darin, Vigils Wacht wieder aufzubauen, neue Graue Wächter zu rekrutieren und die Dunkle Brut endgültig zu vernichten. Bald stellt er fest, dass es zwei Gruppen der Dunklen Brut gibt, die sich gegenseitig bekämpfen. An ihrer Spitze stehen "Der Architekt" und "Die Mutter". Doch wer sind diese Wesen, welche Ziele verfolgen sie und wie ist es zur Entstehung der intelligenten Dunklen Brut gekommen?



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(Bild 1: Der Architekt)


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(Bild 2: Die Mutter)


Man sieht: Die Story von DAO wird praktisch nahtlos fortgesetzt. Sie ist wieder richtig spannend und mitreißend inszeniert. Die filmreifen Zwischensequenzen und Dialoge waren eine der größten Stärken des Hauptspiels und sind es auch im Add-On. Dumm nur, dass es am Ende keinen richtigen Epilog gibt. Stattdessen muss man sich durch eine Reihe von Texttafeln klicken, in denen erzählt wird, wie die Geschichte nach dem Ende des Hauptgegners ausgeht. Da lässt die ansonsten tolle Präsentation doch sehr zu wünschen übrig.

Charakterauswahl / -entwicklung

Der Spieler übernimmt die Rolle des Kommandanten der Grauen Wächter. Ihr könnt entweder einen neuen Charakter kreieren oder einen eurer alten Helden importieren. Entscheidet ihr euch für den Import, dann übernehmt ihr nicht nur euren bisherigen Hauptcharakter mit all seinen Eigenschaften, Talenten und Fertigkeiten, sondern darüber hinaus euer komplettes Inventar aus DAO - incl. Geld! Sollte der Charakter ein niedrigeres Level als 18 besitzen (ihr müsst das Hauptspiel nicht abgeschlossen haben, um den Helden importieren zu können), dann wird er automatisch auf diese Stufe gehoben. Mein schon im Hauptspiel auf Stufe 21 hochgelevelter Held war so mächtig, dass die Gegner (bis auf besonders starke Einzelgegner) kein Problem mehr darstellten. Während des Spiels wurde manchmal Bezug auf Ereignisse aus DAO genommen, die zum Teil abhängig davon waren, welche Entscheidungen ich im Hauptspiel getroffen hatte. Das erfolgte aber nur in Dialogen und hat den Spielverlauf nicht beeinflusst. Eine stärkere Verknüpfung der alten und neuen Story hätte dem Spiel sicher gut getan.

Man kann aber auch einen neuen Helden erschaffen. Dabei handelt es sich um einen Grauen Wächter aus Orlais, einen Neuling aus einem nicht besonders beliebten Nachbarland Fereldens also, auf den die NPCs ganz anders reagieren als auf den berühmten Bezwinger des Erzdämons. Der neue Charakter hat aber leider keine spielbare Origin-Story. Der neue Held hat schon zu Beginn Level 18, so dass man bei der Charaktererstellung bereits zahlreiche Talente und Fertigkeiten auswählen kann.

Die Charakterentwicklung verläuft wie gehabt, allerdings werden neue Level schneller erreicht, als das mit Stufe 18 oder mehr im Hauptspiel der Fall wäre. Das Add-On hat Dutzende von neuen Talenten, Fertigkeiten und Zaubersprüchen sowie (ab Level 22) neue Klassenspezialisierungen wie "Kampfmagier" oder "Geistkrieger" zu bieten. Sehr oft habe ich als Krieger die nützlichen Talente "Zweite Luft" (Ausdauer wird komplett wiederhergestellt), "Schicksal der Schwachen" (ein extrem mächtiger Einzelschlag) und "Massaker" (tötet alle schwächeren Gegner und versetzt Elitekriegern einen kritischen Treffer) eingesetzt. Eine der neuen Fertigkeiten ermöglicht die Herstellung neuer Runen, was übrigens Bestandteil einer Nebenquest ist.

Neue Gefährten

Oghren ist der einzige Gefährte aus DAO, der auch in Awakening zur aktiven Gruppe gehört. Andere Figuren aus dem Hauptspiel wie Alistair, Loghain und Wynne haben nur Cameo-Auftritte (von Wynne erhält man wenigstens eine Quest) bzw. machen in Vigils Wacht dasselbe, was sie auch in Denerim gemacht haben - gemeint sind Herren und Wade. Ansonsten besteht die Gruppe aus völlig neuen Gefährten, denen man nach und nach begegnet und die man dazu bewegen kann, das Aufnahmeritual der Grauen Wächter zu vollziehen.



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(Bild 3: Neue Gefährten)


Natürlich haben auch die neuen Gefährten ihre eigenen Hintergrundgeschichten, Charaktermerkmale, Stärken und Schwächen. Anders, der Magier, ist ein bisschen eigensinnig und mag Katzen. Gerechtigkeit ist ein Geist aus dem Nichts in einem verwesenden Körper, der sich mit menschlichen Sorgen und Gefühlen kaum auskennt. Drei weitere ständige Partymitglieder kommen noch hinzu. Wie gewohnt muss man sich ihre Zuneigung erst verdienen, es gibt spezielle Gefährten-Quests und unterwegs bekommt man amüsante Unterhaltungen zu hören. Romanzen sind im Add-On aber nicht möglich. Und vor allem: Es gibt kein Wiedersehen mit Morrigan, der interessantesten Figur des Hauptspiels, und Leliana wird nur mal am Rande erwähnt, tritt aber nicht persönlich in Erscheinung. Das Fehlen der Romanzen und der deutlich reduzierte Anteil der Dialoge, die man mit den Gefährten führen kann, ist ein größerer Stimmungskiller als erwartet. Nur selten kann man sich wirklich mit den Gefährten unterhalten, und dann auch nicht besonders lang. Somit kommt die Weiterentwicklung ihrer Charaktere und Geschichten viel zu kurz.

Neue Gegner

Viele Gegnertypen wurden zwar aus dem Hauptspiel übernommen, es gibt aber einige neue. Dazu gehören die intelligenten Vertreter der dunklen Brut...



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(Bild 4: Schlau und tückisch: Die neue Dunkle Brut)


...und diverses Viehzeug, das zwar eine Vorstufe zur ausgewachsenen Dunklen Brut darstellt, aber nicht unterschätzt werden darf. Diese insektenartigen Larven können einen Kämpfer leicht überwältigen und lähmen. Auch die Oger kommen in einer neuen Variante vor: Sie tragen eine schwere Panzerung.



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(Bild 5: Larven der Dunklen Brut und ein gepanzerter Oger greifen an)


Wie schon gesagt: Mit einem weit entwickelten, aus dem Hauptspiel importierten Helden sind all diese Gegner auf der Schwierigkeitsstufe "Normal" nicht besonders schwer zu besiegen. Auch die Zwischen- und Endgegner lassen sich mit der richtigen Strategie meist schnell niederringen. Ich musste den Schwierigkeitsgrad im Add-On jedenfalls nie herabsetzen. Das war in DAO anders...

Neue Landschaften

Es wird nicht zu bekannten Gegenden zurückgekehrt, alle Umgebungen sind neu. Vigils Wacht und die Stadt Amaranthine liegen nordöstlich von Denerim in der Nähe der Küste. Vigils Wacht ist eure Basis, dort werden die aktuell nicht verwendeten Begleiter "geparkt". Hinzu kommen einige neue Areale wie die verlassene Zwergenstadt Kal'Hirol und die Schwarzmarschen, außerdem verschlägt es die Heldengruppe einmal auch ins Nichts. Die neuen Areale sind insgesamt erwartungsgemäß nicht annähernd so groß wie im Hauptspiel. Auffällig ist, dass viele dieser Umgebungen düsterer sind als die Gegenden in DAO. Sie wurden wieder mit viel Liebe zum Detail designt und es macht Spaß, sie zu erkunden.

Bei Vigils Wacht kommt eine Besonderheit hinzu: Man muss während der Reisen nach Rohstoffvorkommen suchen, damit die Burg wieder aufgebaut werden kann. Zu diesem Zweck müssen außerdem viele Sovereigns investiert werden. Darüber hinaus hat man sich um die Sorgen und Nöte der Bewohner Amaranthines zu kümmern und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Allerdings ist die Verwaltung der eigenen Ländereien nicht annähernd so umfangreich wie in Spellforce 2 oder Neverwinter Nights 2, tatsächlich wirken sich die Entscheidungen, die ihr diesbezüglich treffen könnt, kaum auf den weiteren Spielverlauf aus. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, zum Beispiel so etwas wie die Hofhaltung in Summoner 2. Da musste man immer wieder Bittsteller empfangen und Wünsche des Volkes erfüllen, zur Belohnung gab's dann wertvolle Geschenke. Davon kann in Awakening keine Rede sein.

Sonstiges / Bugs

Natürlich gibt's eine ganze Reihe neuer Waffen und Rüstungen, u.a. ein cooles schwarzes Rüstungsset mit glühend rotem Emblem (siehe Bild 3). Hinzu kommen höhere Klassen von Runen und Verbrauchsgegenständen (ganz neu: Tränke zur Wiederherstellung der Ausdauer), außerdem kann man jetzt auch Rüstungen mit Runen bestücken. In Vigils Wacht steht - man höre und staune - eine Kiste, in der ihr Massen von Ausrüstung dauerhaft lagern könnt. Das ist eine große Erleichterung!

Leider musste ich feststellen, dass Awakening weit mehr Fehler enthält als das (gepatchte) Hauptspiel. Das ging schon mit sporadischen Abstürzen los - sowas hatte ich in DAO überhaupt nicht. Dann sind mir Kleinigkeiten wie der Schriftzug "unbekannt" über dem Symbol mancher Fertigkeiten (z.B. "Schildhammer") aufgefallen.

Manchmal sind Nebenquests nicht abschließbar, wenn sie nicht in der richtigen Reihenfolge absolviert werden. Einer von mehreren Fällen: In Amaranthine kann man entweder den Schmugglern oder den Wachen helfen. Nimmt man den ersten Auftrag beider Gruppen an, dann gerät man in eine Sackgasse, selbst wenn man die Aufträge noch gar nicht erledigt hat. Obwohl ich den Schmugglern noch nicht geholfen hatte, wollte der Chef der Wachen nicht mehr mit mir sprechen. Das Questsymbol schwebte aber über seinem Kopf! Den Schmugglern konnte ich auch nicht mehr helfen, weil ich mich schon mit dem Chef der Wachen unterhalten hatte, so dass sie mir nicht mehr vertrauen wollten.

Einen weiteren Bug gibt es bei der Hauptquest in der Silberitmine. Dort verliert man sämtliche Ausrüstung. Die Gefährten erhalten die Sachen nach und nach zurück - nur der Hauptheld nicht. Das geschieht nur dann, wenn er seine Rüstung und seine Waffen angelegt hat. Also habe ich ihn einfach nackt in die Silberitmine geschickt, und gut war's...

Fazit

Es macht einfach Spaß, noch einmal ins Dragon Age-Universum einzutauchen und neue Abenteuer in neuen Gegenden zu erleben. Nur die neuen Gefährten - oder vielmehr der fast völlige Verzicht auf die alten - hätten nicht sein müssen. Und wenn schon neue Charaktere eingeführt werden mussten, warum wurde dann die Interaktion mit ihnen derart drastisch zurückgeschraubt? Lange Gespräche am Lagerfeuer sind Vergangenheit, Romanzen erst recht. Dieser Aspekt des Hauptspiels kommt im Add-On viel zu kurz, allerdings muss man sagen: Sich darüber zu beklagen, bedeutet auf sehr hohem Niveau zu jammern. Denn Awakening bietet in Sachen Story usw. immer noch mehr als so manches andere RPG.

Da man von Beginn an mit sehr mächtigen Helden unterwegs ist, die beim weiteren Levelaufstieg viele äußerst nützliche Skills erlernen können, wird das Spiel fast schon wieder zu leicht. Gut, man könnte den Schwierigkeitsgrad erhöhen, aber das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Die Spieldauer ist mit ca. 18 Stunden (so lange habe ich gebraucht) relativ kurz - jedenfalls im Vergleich mit dem Hauptspiel. Aktuelle Shooter bieten aber nicht einmal annähernd so viel Umfang, also kann man das nicht als Kritikpunkt heranziehen. Sehr wohl kritisieren kann man aber die leider gar nicht so seltenen Abstürze und Bugs. Da müsste bald mal ein Patch nachgeschoben werden.

J. Kreis, 22.04.2010

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