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cossacks

System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 3
COSSACKS - EUROPEAN WARS

Und wieder habe ich mir ein Echtzeit-Strategiespiel zugelegt, diesmal ein etwas älteres Exemplar. Cossacks-European Wars (CEW) hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ist schon überall für zehn Euro erhältlich. Zum Spielprinzip eines Echtzeit-Strategiespiels mit Aufbauelementen, Ressourcenverwaltung usw. muß ich wohl an dieser Stelle nichts mehr sagen. CEW bietet zusätzlich noch einen historischen Hintergrund: Das Geschehen spielt sich in Szenarien aus dem 17. und 18. Jahrhundert ab und entsprechend sieht auch das Design der Einheiten und Gebäude aus. 16 der bedeutendsten Nationen aus den genannten Zeitepochen stehen zur Auswahl bereit und jede Nation hat ihren eigenen, unverwechselbaren Baustil. Auch die Soldaten-Einheiten haben ein landestypisches Outfit, lediglich Artillerie und Schiffe sehen bei allen Völkern gleich aus. Die Vielzahl der Gebäude und Einheiten läßt nichts zu wünschen übrig und es dauert eine Weile, bis man ihre Stärken und Schwächen verinnerlicht hat. Da ist die im Spiel enthaltene Enzyklopädie sehr hilfreich: Man kann im laufenden Spiel detaillierte Informationen zu jedem einzelnen Gebäude- und Einheitentyp abrufen. Dazu gehören auch Angaben zu den Upgrades, die schon entwickelt wurden bzw. die grundsätzlich in Betracht kommen. Außerhalb des eigentlichen Spielgeschehens kann man auf noch viel mehr Daten zugreifen, hier hat man ein richtiges Geschichtsbuch vor sich, in dem alle Einheiten und die historischen Ereignisse des 17. und 18. Jahrhunderts ausführlich beschrieben werden.

Grafik: Die Entwickler haben sich bei der Gestaltung der Gebäude und Einheiten viel Mühe gegeben. Die Gebäude haben zwar keine Animationen und die beweglichen Einheiten stehen herum wie eingefroren, wenn sie keine Aufgabe zu erledigen haben, dafür erfreuen aber viele liebevoll herausgearbeitete Details das Auge. In Bewegung sehen vor allem die Schiffe einfach nur schön aus. Die Landschaft dagegen ist karg und trist, auch gibt es hier noch keine solche Finessen wie Bäume, die sich im Wind bewegen, Brandungswellen, Wolkenschatten oder wechselndes Wetter. Der Sound ist ebenfalls in Ordnung, besonders das Artilleriefeuer kommt gut zur Geltung. Stellt euch zwei Flotten mit je 50 Schlachtschiffen vor, die sich aus vollen Breitseiten beharken... Die sonstigen Geräusche wirken allerdings ein wenig eintönig. Die Musik stelle ich bei solchen Spielen immer gleich ab - auch wenn sie wie bei CEW gut zum ganzen historischen Hintergrund paßt.

CEW bietet noch einige Features, die anders sind als bei anderen Strategiespielen: Da wäre vor allem die höchstmögliche Anzahl der Soldaten, Kanonen und Schiffe zu nennen. Während man bei anderen Spielen schon von einer großen Armee sprechen kann, wenn diese aus 50 Soldaten besteht, muß man bei CEW manchmal schon eine Truppenstärke von 500 Mann und mehr erreichen, um in der Schlacht erfolgreich zu sein! Bis zu 8.000 (!!) Einheiten sollen sich gleichzeitig auf einer Map tummeln können wenn es zwei Spieler gibt, kann also jeder bis zu 4.000 Mann erschaffen. Damit man dann nicht die Übersicht verliert, kann man mit Hilfe von Offizieren und Trommlern Formationen bilden, die geordnet vorgehen und dann auch wesentlich mehr Schaden anrichten als ein ungeordneter Heerhaufen. Es sieht einfach nur genial aus, wenn man seine großen Schlachtreihen aufstellt, im Hintergrund ein paar Dutzend Schützen und Artillerie-Batterien sortiert und dann noch mitten im Kampf dem Gegner mit der Reiterei in die Flanken fällt... Hierbei spielt das Gelände eine wichtige Rolle: Auf Hügeln platzierte Einheiten haben automatisch einen Vorteil durch größere Sicht- und Reichweite. Unpassierbare Geländeabschnitte kann man übrigens durch Betätigen der "Q"-Taste sichtbar machen. Allerdings wird man äußerst selten die maximale Bevölkerungszahl ausreizen, um eine riesige Armee aufzustellen, denn bei CEW benötigt man auch eine enorme Anzahl an Bauern für das Erschaffen von Gebäuden und vor allem für das Sammeln von Ressourcen. Es ist bei CEW leider recht schwer, Verteidigungsanlagen aufzubauen, die man sich selbst überlassen kann, denn Türme können nicht über Mauern hinweg schießen und haben eine geringere Reichweite als gegnerische Mörser und Schiffe. Man sollte seine Siedlungen niemals aus dem Auge verlieren, denn Gebäude, die nicht von Soldaten verteidigt werden, können im Handumdrehen vom Gegner erobert werden. Sie werden dann nicht vernichtet, sondern "umgedreht", d.h. sie gehören fortan dem Gegner! Das gilt übrigens auch für Artillerieeinheiten.

Sechs verschiedene Rohstoffe müssen verwaltet werden, und zwar in enormen Mengen. Denn nicht nur der Bau von Gebäuden, das Erschaffen von Soldaten und die Entwicklung neuer Techniken und Upgrades verschlingen massenweise Vorräte nein: Bei CEW kostet auch die laufende Instandhaltung von Mauern Geld (bzw. Stein), selbst wenn die Mauern gar nicht vom Gegner beschädigt werden. Die Bevölkerung verbraucht ständig Nahrung und die Armeen verlangen Sold! Kommt es zum Kampf, dann benötigt man logischerweise für jeden Schuß Eisen und Kohle. Aber selbst wenn z.B. ein Schlachtschiff nur tatenlos im Hafen liegt, verbraucht es eine Unmenge an Ressourcen. Man muß diese Rohstoffe immer im Auge behalten, denn eine Knappheit kann katastrophale Folgen haben. Wenn den Soldaten mitten im Kampf die Munition ausgeht, ist das schon schlimm genug: Dann können sie halt nicht mehr schießen. Wenn aber dann auch noch kein Gold mehr da ist, fangen die Kerle an zu meutern! In einem solchen Fall kann man die Einheiten nicht mehr steuern. Wenn keine Nahrung mehr da ist, bricht eine Hungersnot aus. Dann fallen die armen Leute einfach einer nach dem anderen tot um. Zum Glück kann man einen Markt bauen und dort Rohstoffe (zu ständig wechselnden Preisen, je nach Angebot und Nachfrage!) austauschen. Sehr nützlich ist auch die Tatsache, daß die auf den Karten verteilten Rohstoffe nie zur Neige gehen, d.h. ein Steinbruch ist nie erschöpft und ein Wald ist nie abgeholzt.

Kommen wir zur Steuerung. Menüs, Hotkeys für alle wichtigen Funktionen, Formations- und Gruppensteuerung sind vorbildlich gelöst. Das muß auch so sein, denn das Aufbauelement und das upgraden der Einheiten nimmt einen großen Stellenwert ein; daneben immer die Vorräte im Auge zu behalten und Schlachten zu lenken, ist alles andere als leicht! Allerdings ist die Steuerung manchmal etwas hakelig, vor allem dann, wenn man die Spielgeschwindigkeit reduziert. Leider kann man den Einheiten keine Befehle erteilen, wenn man das Spiel pausiert. Wenigstens ist es dann noch möglich, über die Karte zu scrollen und Informationen zu den Einheiten abzurufen. Auf einer Minikarte, die man nochmal verkleinern kann, hat man eine Übersicht über die ganze Map. Es ist auch möglich, Einheiten über die Minikarte zu steuern. Dabei ist die Wegfindung der Einheiten wieder mal relativ schlecht. Die Gegner-KI ist okay, sie stellt sich z.B. durchaus auf die Verteidigung des Spielers ein.

Spielmodi: Neben dem Online-Multiplayermodus (den ich wie immer nicht nutze) und frei konfigurierbaren Schlachten auf immer wieder neu per Zufallsgenerator erstellten Karten bilden bei CEW historische Kampagnen und spezielle Einzelmissionen das Herzstück des Gameplay. Die 10 Einzelmissionen finden auf festgelegten Maps statt und beinhalten einen jeweils anderen Schwerpunkt. Bei den fünf Kampagnen (die jeweils wieder in einige Missionen unterteilt sind) geht es dann um "echte" historische Ereignisse. So übernimmt man z.B. die Rolle eines englischen Flottenkommandeurs, der sich in der Karibik gegen Holländer und Spanier durchsetzen muß. Hierbei sind die Missionsziele und Schlachtverläufe sehr realitätsnah gehalten und zu diesem Zweck gibt es in den Missionen auch sehr viele gescriptete Ereignisse. Sehr oft fehlt hier dann der Aufbau-Teil. Man verfügt beispielsweise nur über eine gewisse Anzahl von Soldaten, um eine feindliche Siedlung einzunehmen, oder über eine kleine Flotte, mit der man die gegnerischen Handelsrouten stören muß. Bauern und/oder Ressourcen sind dann nur in begrenzter Anzahl oder gar nicht vorhanden, d.h. wenn der letzte Soldat getötet wurde, hat man verloren man kann keine neuen erschaffen.

Der Schwierigkeitsgrad ist teilweise sehr hoch (nur bei den freien Schlachten kann man ihn einstellen), es gibt auch Missionen, die ich als unspielbar bezeichnen muß.

Deshalb muß man sich nicht schämen, folgenden Cheat zu benutzen: "Enter" drücken und "supervizor" (natürlich ohne Anführungszeichen) eingeben, nochmals "Enter" drücken. Damit läßt man den Fog of War verschwinden, was bei Missionen mit Kommandoeinsätzen sehr nützlich ist.

CEW ist ein Strategiespiel wie es sein soll, teilweise ist es leider etwas zu schwer geraten. Natürlich wirkt es schon etwas angestaubt, aber das mindert nicht den Spielspaß.

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