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Call of Duty: Ghosts

System:
Sony
Playstation 4

Genre:
Egoshooter

Kurzreview
CALL OF DUTY: GHOSTS

Mein letztes Spiel dieser Reihe von Egoshootern war World at War im Jahre 2009. Um die seither erschienenen Titel habe ich einen großen Bogen gemacht, denn ich hatte einfach keine Lust mehr auf den immer gleichen Ablauf: Vorrücken, Gegnermassen niedermähen, weiter vorrücken, Cutscene, nächste Mission nach demselben Schema. Als ich hörte, dass man in Ghosts sogar im Weltraum kämpfen darf, war die Zeit dann doch mal wieder reif für Call of Duty (CoD). Und tatsächlich, je eine der ersten und letzten Missionen führt euch in den Erdorbit.



Call of Duty: Ghosts

(Bild 1: Einsatz im All - keine Cutscene, das ist Ingame-Grafik)


Dort befindet sich das Waffensystem "Orbital Defense Initiative" (ODIN), welches im Jahre 2017 von der bösen südamerikanischen Föderation gekapert und für einen verheerenden Angriff auf mehrere Städte der lieben, unschuldigen, heroischen USA missbraucht wird, bevor es von der Besatzung zerstört werden kann. Der Krieg zwischen der Föderation und den USA tobt schon seit der nuklearen Vernichtung der Ölfelder des Nahen Ostens - und zehn Jahre nach der Zerstörung ODINS sieht es so aus, als würde die Föderation gewinnen. Ihr seid der junge Soldat Logan Walker, der sich den Ghosts anschließt, einer legendären Eliteeinheit, die verdeckt hinter den feindlichen Linien operiert. Der Föderationsoffizier Rorke, ein ehemaliges Mitglied der Ghosts, hat es sich zum Ziel gesetzt, jedes Mitglied dieser Einheit zu töten. Schon bald stellt Logan fest, dass seine Familie tiefer in die Angelegenheit verwickelt ist, als er ahnen konnte... und möglicherweise wurde ODIN nicht ganz zerstört.



Call of Duty: Ghosts

(Bild 2: Logans Vater (links) und sein Bruder)


Schon in den ersten Minuten des Spiels werdet ihr erleben, was für CoD typisch ist: Spektakulär inszeniertes Chaos. Die identitätslose Hauptfigur Logan, sein ebenso eindimensionaler Bruder und der wenigstens mit einer dunklen Vergangenheit belastete Vater sind mittendrin, als Los Angeles durch einen ODIN-Treffer vernichtet wird. Ihr rennt und springt mitten durch ein sich ständig veränderndes Trümmerfeld. Die Straße bricht auf, Häuser stürzen in Abgründe, Autos schlittern umher, Flammen, Rauch und Trümmer fliegen euch um die Ohren. Bei all der bildgewaltigen Zerstörungswut und dem Zwang, ständig weiter rennen zu müssen, um nicht mit in den Untergang gerissen zu werden, wird euch möglicherweise gar nicht auffallen, dass ihr euch im Grunde durch ein eng begrenztes Areal bewegt.

Und in den eigentlichen Kampfeinsätzen ist es ganz genauso. Die Einsatzgebiete sind nur vermeintlich weitläufig. Ihr könnt eine beeindruckende Fernsicht genießen und lauft nicht nur durch Indoor-Korridore, sondern auch über scheinbar große freie Flächen. Aber sobald ihr vom vorgegebenen direkten Weg von A nach B abweicht, geht es doch aus verschiedenen Gründen nicht weiter. Im schlimmsten Fall werdet ihr von einer unsichtbaren Mauer gestoppt.



Call of Duty: Ghosts

(Bild 3: Unter Wasser ist die Freiheit ebenso wenig grenzenlos wie an Land)


Da ihr aber immer unter Druck steht - aufgrund der Angriffe unzähliger Feinde, weil euch die Kameraden Dampf machen oder weil es ein Zeitlimit gibt - und weil um euch herum alles Mögliche explodiert, umfällt, herumwirbelt oder sonst wie für Ablenkung sorgt, bemerkt ihr nichts von der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. So wird das CoD-typische "mittendrin statt nur dabei"-Hochgeschwindigkeitsgefühl erzeugt, bei dem ihr gar nicht auf den Gedanken kommt, euch die Umgebung mal in Ruhe anzusehen.

Die Kämpfe spielen sich genauso ab wie damals in World at War. Ihr könnt nur wenige Treffer einstecken und müsst dann schnell in Deckung gehen. Logan erholt sich nach wenigen Sekunden von selbst, Medipacks und dergleichen sind nicht vorhanden. Ab und zu kommt es zu so genannten Quick Time Events, dann kommt es darauf an, die auf dem Bildschirm angezeigte Taste rechtzeitig zu drücken, damit eine bestimmte Aktion ausgelöst wird. Logan kann immer nur eine Waffe (plus einige Granaten) tragen, es gibt kein Inventar. Hebt man eine andere Waffe auf, wird die vorherige automatisch fallen gelassen. Wie gehabt preschen erst beim Überschreiten einer imaginären Linie von überallher Gegner heran. Sie erhalten ständig Verstärkung, wenn ihr nicht weiter nach vorn geht, verhalten sich aber nicht besonders intelligent. Zwar huschen sie von Deckung zu Deckung, fliehen aber nicht, wenn zum Beispiel ihr Hintern ins Freie ragt und von euch unter Feuer genommen werden kann. In solchen Momenten verkommt das Spiel vollends zur stupiden Schießbude. Mindestens ein Kamerad ist fast immer an eurer Seite. Den treuen Schäferhund Riley könnt ihr sogar selbst steuern.



Call of Duty: Ghosts

(Bild 4: Riley fährt im Panzer mit)


Der Hund kann sich besonders gut verstecken, Feinde mit Gebell anlocken und einen Gegner problemlos im Nahkampf ausschalten, solange er nicht entdeckt wird. Wird er gesehen, ist er so gut wie tot. Riley ist aber nur sehr selten mit von der Partie. Schade!

Alle menschlichen Begleiter sind kugelsicher und lenken das gegnerische Feuer ein wenig von euch ab. Es kann sogar vorkommen, dass sie euch die ganze Arbeit abnehmen. Dann müsst ihr nur in Deckung bleiben und warten, bis sie alle Gegner ausgeschaltet haben.

Für Abwechslung wird dadurch gesorgt, dass ihr ab und zu mal Fernlenkwaffen benutzt, euch an der Fassade eines Hochhauses abseilt und die Gegner von dort aus bekämpft, mit dem Panzer durch die Lande brettert oder einen Helikopter übernehmt. Das ist aber immer nur dann möglich, wenn das Spiel es so will - auf die zum Beispiel aus ArmA 2 bekannte freie Auswahl unter allen in der Gegend herumstehenden Fahr- und Flugzeugen müsst ihr hier verzichten.



Call of Duty: Ghosts

(Bild 5: Im Cockpit eines Kampfhubschraubers)


Story und Gameplay sind also wirklich nicht das Gelbe vom Ei, aber wenigstens gibtís ordentlich was auf die Augen. Die Grafik ist wirklich klasse - wunderbare Lichteffekte, markerschütternde Explosionen, realistische Animationen, ein sehr hoher Detailgrad, und das alles in Full HD. Besonders gut haben mir die Weltraum- und Unterwasser-Level gefallen. Als sich das Geschehen in den Weltraum verlagerte, habe ich sogar zuerst gedacht, dass das nur eine weitere Cutscene sei. Ich musste erst einmal begreifen, dass das schon die Ingame-Grafikpracht ist...

Leider kann ich den Ton nicht so sehr loben, jedenfalls nicht die deutsche Sprachausgabe. Manche Sprecher reden so nuschelig und undeutlich, dass sie kaum zu verstehen sind. Ich habe irgendwann die Untertitel eingeschaltet, nachdem ich zum x-ten Mal nicht verstanden hatte, was ich als nächstes tun sollte.

Die insgesamt enttäuschende Singleplayer-Kampagne ist extrem kurz, man hat sie an maximal fünf Abenden durch. Dann könnte man sich auf die Multiplayer-Optionen stürzen. Da meine PS4 offline bleibt, kann ich dazu aber nichts sagen. Jedenfalls stehen verschiedene Spielmodi zur Verfügung, bei denen man online oder im LAN mit menschlichen und KI-Spielern (bzw. gegen sie) antreten kann. Im "Extinction"-Modus kämpft man sogar gegen Wellen außerirdischer Kreaturen. Mag sein, dass das Spaß macht, aber für Einzelspieler ist Call of Duty: Ghosts kaum mehr als eine wunderschön anzuschauende interaktive Grafikdemo.



J. Kreis, 17.08.2014





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