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Call of Duty World at War

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Egoshooter

Note: 4+
CALL OF DUTY - WORLD AT WAR

Dies ist Teil 5 der Call of Duty - Reihe (Teil 3 ist nicht für PC erschienen), und eigentlich könnte ich auf meine Reviews zu Teil 1, Teil 2 und Teil 4 verweisen, ohne etwas neues schreiben zu müssen. Im Grunde sind nur neue Kritikpunkte hinzugekommen.

Vorab wie immer: Der vorhandene Multiplayerpart wird von mir nicht verwendet und deshalb auch nicht bewertet.

Machen wirís kurz:

Die Grafik-Pracht ist wieder mal beeindruckend, was (und das meine ich jetzt nicht positiv) auch für die Gewaltdarstellung gilt, die in der deutschen Version übrigens sogar noch drastisch entschärft wurde. Die Darstellung der japanischen und deutschen Soldaten als blutrünstige Bösewichte und die Beschimpfung der Gegner durch die NPCs ist derart unter aller Kanone, dass man gar nicht weiter darauf eingehen sollte. Es mag ja verständlich sein, dass ein Soldat einen Feind im Kampf als "Schwein" bezeichnet oder dass er ihm entgegen brüllt, er habe kein Recht zu leben - aber muss das in einem Computerspiel sein? Die Umgebungen sehen prächtig aus, man kann sich meist aber nicht frei bewegen: Man läuft in der Regel nur durch eng begrenzte Bereiche in Gräben, Gängen, Häusern und Ruinen. Freie Flächen gibt es kaum, Bewegungsfreiheit dementsprechend auch nicht, es geht nur vor oder zurück wie in einem Flaschenhals.

Beim Gameplay herrscht Egoshooter-Standard. Es sind nur die bekannten Besonderheiten zu beachten: Es gibt keinen "Lebensenergie-Balken" und ihr habt keine Möglichkeit der Selbstheilung (keine Medipacks oder ähnliches). Ihr könnt eine begrenzte Anzahl von Treffern einstecken, dann müsst ihr in Deckung gehen. Liegt ihr dann nicht mehr unter Feuer, erholt ihr euch allmählich wieder. Müsst ihr weitere Treffer einstecken, ist das Spiel zu Ende. Ihr könnt nicht jederzeit speichern, das Spiel erledigt das an Autosave-Punkten von selbst. Die Autosaves bleiben aber auch beim Neustart des Spiels gespeichert.

Eine Story ist nicht vorhanden. Der Umfang ist ein Witz: Die 15 Missionen dieses Spiels kann man an zwei Abenden absolviert haben. Es sei denn, man wählt den dritten oder vierten Schwierigkeitsgrad. Dann gehen eher Tastatur und Maus zu Bruch, als dass man das Spiel abschließt. Man nimmt nur an diversen Kampfhandlungen des zweiten Weltkriegs (wieder mal...) teil. Auf amerikanischer Seite kämpft man im Pazifik gegen die Japaner, auf russischer Seite geht's in Russland und Deutschland gegen die Deutschen. Die historischen Hintergründe werden unter Verwendung von altem Realfilm-Material angerissen, das vor Missionsstart abläuft.

Ihr seid zwar immer mit Kampfgefährten unterwegs, aber sie agieren erst dann, wenn ihr selbst weiter vorrückt. Sie sichern zwar auch Räume selbständig, insgesamt sind sie aber keine große Hilfe. Eigentlich sind sie nur Kanonenfutter und lenken ein bisschen was vom gegnerischen Feuer von euch ab. Die Gegner verhalten sich genauso. Sie stürmen plötzlich von irgendwoher heran, suchen dann schnell Deckung und wechseln diese auch, wenn sie unter Beschuss geraten. Manchmal kommt es zu scheinbar unvorhergesehenen Ereignissen, aber wenn ihr die entsprechende Stelle wiederholt, werdet ihr feststellen, dass auch hier wieder ein Script zugeschlagen hat. Der Ablauf ist in jeder einzelnen Mission genau derselbe. Ihr müsst vorangehen und alle Gegner beseitigen, erst dann kommen eure Kameraden nach. Ausruhen könnt ihr euch nicht, denn es erscheinen ständig neue Gegner, wenn ihr nicht weiter vorrückt. In Teil 4 war es zwar nicht anders, aber es war so gut inszeniert, dass es nicht störte. Hier dagegen nervt der Zwang, stur voranpreschen und die beim Überschreiten imaginärer Grenzlinien massenhaft aus dem Nichts auftauchenden Gegner ausradieren zu müssen, schon in den allerersten Minuten - und es wird nicht besser.

Auch vom Abwechslungsreichtum der Missionen in Teil 4 ist hier nichts mehr zu spüren. Man darf zwar einmal einen Panzer lenken und sich einmal als Bordschütze eines Flugzeugs betätigen, aber im Grunde ist der Ablauf immer gleich. Gehe von A nach B, töte alles was du siehst, vernichte dieses oder jenes Objekt, dann geh weiter. Dabei herrscht meist ein solches Durcheinander, dass man eine Mission x-mal anspielen muss, bis man auswendig gelernt hat, was wann wo passiert (der gescriptete Ablauf ist ja immer gleich). Manchmal begreift man auch gar nicht gleich, wohin man sich begeben soll. Antwort: Man muss nirgendwo hin. Einfach stehen bleiben, ballern und aushalten, bis das Spiel entschieden hat, dass es jetzt gut ist - dann ist die Mission erfüllt. Natürlich hat man auch diesmal wieder das "Mittendrin-Gefühl", das will ich nicht leugnen. Die beängstigende Atmosphäre des totalen Chaos und des hinter jeder Ecke lauernden Todes findet man auch im fünften Teil der Reihe wieder. Aber es ist einfach zuviel des Guten! Irgendwann hat man den permanenten Spießrutenlauf einfach satt. Übrigens solltet ihr schleunigst lernen, wie man Handgranaten zurückwirft, denn die Dinger fliegen euch in diesem Spiel massenweise um die Ohren.

Fazit

Ein ausgelutschtes Szenario, einfallslose Missionen, teilweise unfairer Schwierigkeitsgrad, stur ablaufende Script-Ereignisse, absolut linearer Spielverlauf, bei dem es nur darauf ankommt, auswendig zu lernen, wann und aus welcher Richtung die nächste Gruppe von Gegnern heranstürmen wird... mehr bietet dieses Spiel nicht. Man kann nicht leugnen, dass durchaus Spannung aufkommt. Aber Spielspaß? Den hatte ich nicht. Im Gegenteil: Ich war froh, als die letzte Mission nach dem x-ten Fehlversuch endlich geschafft war. Jetzt will ich das Ding nie wieder in meinem Laufwerk haben.

Zum Glück muss ich keine objektiven Noten geben, denn technisch gesehen ist das Spiel ja durchaus top, und das müsste man eigentlich berücksichtigen. Nein, ich darf mir erlauben, einfach mal eine schlechte Note zu vergeben, weil das Spiel mir nicht gefallen hat, wozu natürlich der Umstand nicht unerheblich beiträgt, dass man für ein Spiel mit diesem lächerlichen Umfang den vollen Preis berappen muss.

Für so einen Rohrkrepierer habe ich nicht mehr als die Note 4 übrig, aber fairerweise hänge ich noch ein verschämtes "+" dran.


Call of Duty


Screenshot: Sturm auf den Reichstag in Berlin. Flammen, Rauch, Staub, Flieger, Explosionswölkchen am Himmel usw. sind keine starren Hintergrundelemente - das wird alles in Echtzeit dargestellt.


J. Kreis, 04.02.2009
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